Es gibt allerdings auch andere, vielversprechende Ansätze für eine bessere Beton-Produktion hier
Zeit hier 21. April 2024, Quelle: dpa Hamburg/Schleswig-Holstein
Spatenstich für klimaneutrales Zementwerk in Lägerdorf
Die 3 Kreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis haben trotz lauter Proteste keinen zukunftsfähigen Regionalplan bekommen. Wo steht Deutschland, Baden-Württemberg und seine Kommunen aktuell beim Klimaschutz? Welche Möglichkeiten gibt es und wo gibt es Anregungen, die übernommen werden könnten?
Es gibt allerdings auch andere, vielversprechende Ansätze für eine bessere Beton-Produktion hier
Zeit hier 21. April 2024, Quelle: dpa Hamburg/Schleswig-Holstein
Spatenstich für klimaneutrales Zementwerk in Lägerdorf
Standard hier 14. November 2023
Wäre die Betonproduktion ein Staat, wäre er der drittgrößte CO2-Emittent der Welt. Österreichische Unternehmen suchen nun nach Alternativen zum klimaschädlichen Baustoff
Beton ist der mit Abstand meistverwendete Baustoff der Welt – rund 30 Milliarden Tonnen werden Jahr für Jahr davon verbaut. Dabei trägt die Betonproduktion maßgeblich zum Klimawandel bei: In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Emissionen der Branche auf 2,9 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr mehr als verdoppelt. Das sind rund acht Prozent der globalen CO2-Emissionen und mehr Treibhausgase, als die EU oder Indien ausstoßen. In Österreich sucht ein Forschungskonsortium aus zehn Unternehmen nun nach Lösungen, um den Baustoff nachhaltiger zu machen.
Zu „Standorte stehen wohl Ende 2024 fest“ (28. März) in der Schwäbischen Zeitung:
Nun will also auch unsere Bundesregierung auf die wachsende Wasserknappheit reagieren. Sie hat im März die erste „Nationale Wasserstrategie“ verabschiedet. Darin heißt es unter anderem: „… die Ressource Wasser ist bei uns zunehmenden Gefährdungen ausgesetzt.“ Und weiter: „Alle Beteiligten sind gut beraten, sich rechtzeitig vorzubereiten auf die Änderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen …“ Da liegen unsere Vertreter der Regionalversammlung und unsere grüne Landesregierung ja voll auf Kurs!
Egal, was mit dem „Waldburger Rücken“ passiert, Hauptsache die Interessen der Kieslobby bleiben gewahrt und der Profit stimmt! In deren Karten spielt die rege Diskussion um den Windpark, die das Thema Kiesabbau in den Hintergrund drängt. Dabei stellt der geplante Kiesabbau nicht nur eine dramatische Bedrohung der wichtigsten Ressource Trinkwasser dar, sondern ist auch sonst der reinste Wahnsinn, wie ein paar wenige Fakten verdeutlichen: die Erdaushubmenge, die auf den geplanten 3,5 Hektar anfällt, beträgt ca. drei Millionen Kubikmeter. Dies entspricht in etwa der Ladung von 200.000 Kieslastern. Zu- und Abfahrten berechnet sind dies 400.000 Fahrten; an die unzähligen Fahrten, die beim Bau der geplanten Windkraftanlagen dazukommen werden, wagt man noch gar nicht zu denken.
Trotzdem hat die Regionalversammlung, die ihre Entscheidungen auch im Blick auf kommende Generationen treffen sollte, diesem Irrsinn zugestimmt - bei völliger Ignoranz des Widerstands Tausender besorgter Bürgerinnen und Bürger. Dieses Szenario, in dem es außer den Kiesunternehmern und -lobbyisten nur Verlierer gibt, ist Wasser auf die Mühlen derer, die in stetig wachsender Zahl jetzt schon an unserer Demokratie zweifeln. In diesen Zeiten ein fatales Signal.
Ernst Greinacher, Vogt
Klimaschutz im Deutschlandfunk hier 12.04.2023
In der Debatte über Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Gebäudebereich fordern die Bundesländer die Ampelkoalition auf, die Verwendung von Holz beim Wohnungsneubau zu erleichtern.
So solle der Quote an Holz-Neubauten bis 2030 auf 30 Prozent erhöht werden, zitiert die „Rheinische Post“ aus einem Papier der Agrarminister. Dies solle vor allem dort geschehen, wo der Wohnraumbedarf am größten sei. Demnach liegt die Quote zur Zeit bei rund 20 Prozent. Wälder und Holzprodukte leisteten positive Beiträge zu Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Wertschöpfung, heißt es in der Länder-Vorlage weiter. So zeigten etwa die Extremwetter-Ereignisse der vergangenen Jahre, dass die deutschen Wälder vermehrt klimastabil umgebaut werden müssen. Das anfallende Holz könne dann weitestgehend für langlebige Holzprodukte genutzt werden.
Vorgeschlagen wird darüber hinaus auch das Aufstocken von bereits bestehenden Gebäuden im innerstädtischen Bereich unter Verwendung von Holz.
Geht es um Klimasünder, wird das meist mit Flugzeugen oder Pkw illustriert. Lkw mit Betonmischer hingegen haben es noch nicht auf die Fahndungsliste der öffentlichen Wahrnehmung geschafft. Dabei stehen sie für besonders hohe CO2-Emissionen, jenseits ihres Dieselmotors. Es ist der Beton: ein Gemisch aus Sand, Kies, Wasser und Zement. Dieses kalkbasierte Bindemittel hinterlässt bei der Herstellung gut die Hälfte seines Eigengewichts an CO2.
Recycling-Baustoffe aus Aushubmaterial
Am 11.11.22 wurde zur Betriebsbesichtigung eingeladen. Die Firma Zwisler GmbH in
Biggenmoos/ Tettnang stand im Mittelpunkt.
Eingeladen wurde mit dem Hinweis auf einen Bericht in der Schwäbischen Zeitung: "Schwere Maschinen treffen auf Nachhaltigkeit". Und es ging - man kann es sich fast denken - um Kreislaufwirtschaft im Kies- und Sandgeschäft.
Im Regionalverband geht es beim Kiesabbau rund, auch in der Fortschreibung des Regionalplanes wurden dafür wieder riesige Flächen aufgenommen. Und das bei heftigster Gegenwehr aus der Bevölkerung.
Die Abholzung ganzer Waldgebiete für den Kiesabbau widerspricht dem Klimaschutz und auch dem gebotenen Schutz des Trinkwassers. Für die Bevölkerung besonders störend werden die vielen
Kieslaster auf den Straßen empfunden.
Die Studie zum Kiesexport nach Österreich und in die Schweiz stieß in der Region auf große
Skepsis, nachdem die Mehrzahl der Kiesgrubenbesitzer in Oberschwaben die freiwillige Mitarbeit
einfach verweigert hatte.
Kein Wunder also, dass die Situation derzeit sehr
aufgeladen ist.
Es braucht andere Wege für unsere Region: Eine Kreislaufwirtschaft hin zu einer vermehrten Nutzung von Recycling-Kies und -Sand. Nur leider: kaum eine Kommune macht bisher davon Gebrauch.
Deutschlandfunk hier
Strohballenhäuser
Klimagerecht, nachhaltig, ressourcenschonend: Das sind Punkte aus dem jüngsten Maßnahmenkatalog für bezahlbaren Wohnraum des Bundesministeriums für Wohnen.
Der Baustoff Stroh erfüllt diese Anforderungen – und wächst direkt vor der Haustür.
Schwäbische Zeitung hier Von Stefan Fuchs
„36 Grad, und es wird noch heißer“, sang das Berliner Popduo 2Raumwohnung im Jahr 2007 - und freute sich darauf. ... Doch fünfzehn Jahre später wirkt die Textzeile für viele Städter fast wie eine Bedrohung: Der Klimawandel lässt Städte, in denen sich im Sommer die Luft staut, zu einem Glutofen werden. Städteplaner müssen gegensteuern.
„Eigentlich ist es egal, wie groß eine Stadt ist: Das lokale Klima ist für jede Siedlung und ihre Bewohner essenziell“, sagt Gerhard Schmitt, Professor für Informationsarchitektur an der ETH Zürich. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Simulation von Zukunftsstädten. Er ist also der richtige Ansprechpartner für die Frage nach der Stadt der Zukunft.
....„Wenn man in der Vergangenheit versucht hat, einen Aspekt wie zum Beispiel den Verkehrsfluss in einer Stadt zu optimieren, kam es in der Folge zu Problemen in ganz anderen Bereichen wie etwa der Lebensqualität. Wir müssen also in Zukunft bei neuen Projekten immer möglichst alle Aspekte einbeziehen und diese gegeneinander verhandeln und abwägen.“ Helfen soll dabei ein „digitaler Zwilling“ der Stadt, ein digitales Abbild, das zur Simulation dient und so Entscheidungshilfe bieten soll.
.... „Wir haben in allen Städten Wärmeinseln, zum Beispiel durch Verkehr und blockierte Windkorridore und zu große Infrastrukturmasse“, sagt Schmitt. Wo Asphalt und Teer statt Grünflächen vorherrschen, fehlt die kühlende Verdunstung, dafür speichern die Flächen umso mehr Wärme. Tatsächlich haben Temperaturmessungen ergeben, dass es in großen Städten teilweise bis zu zehn Grad heißer sein kann als in der Umgebung......
SWR aktuell hier
"Ressourcenschonend ist momentan in aller Munde. Auch wir auf dem Bau können einen Beitrag leisten. Mir ist es wichtig, dass man das nach außen trägt. Dass man sagt: Jawohl es geht, das ist machbar, das ist lösbar."
Schwäbische Zeitung von Philipp Richter
Die Forderung nach Recycling-Material ist groß, doch es fehlt an der Akzeptanz
...Seit 1991 recycelt man bei „Meichle und Mohr“ Bauschutt, seit 2004 auch am Standort in Grenis - pro Jahr werde dort etwa 20 000 bis 25 000 Tonnen Bauschutt aufbereitet. Bei der Annahme kontrolliert, von Metallen befreit, später gebrochen - bereit, um in neuen Bauwerken weiterzuleben.
Doch recycelt werden kann nur das, was auch abgebrochen wird. Und genau darin liegt ein zentrales Problem bei der Forderung nach mehr Recycling. Die Baubranche boomt - vor allem in Oberschwaben, wo es in nahezu jeder Gemeinde Bauprojekte gibt: Wohn- und Baugebiete oder auch der Neubau von Kindergärten und Schulen. All das braucht Kies. „Wer mehr Recycling will, der muss mehr abreißen, aber das Gegenteil ist derzeit der Fall“, erklärt Mohr.
Laut einer Broschüre des Industrieverbands Steine-Erden, die sich unter anderem auf Zahlen des Statistischen Landesamtes beruft, liegt der Rohstoffbedarf in Baden-Württemberg bei circa 100 Millionen Tonnen pro Jahr. Gleichzeitig fallen pro Jahr 11,5 Millionen Tonnen Bauschutt an, von denen sich 9,9 Millionen Tonnen recycelt wieder einbauen lassen.
In Grenis produziert Mohr aus dem Bauschutt, der auf seinem Gelände lagert, sogenanntes Z-1.1-Material. Die Klassifizierung Z 1.1 bedeutet, dass das recycelte Material in der Klasse der Primärrohstoffe rangiert. Heißt: Alle Grenzwerte sind eingehalten, so dass das Material laut Qualitätssicherungssystem Recycling-Baustoffe Baden-Württemberg (QRB) ohne Probleme bis zu einem Abstand vom einem Meter zum Grundwasser eingebaut werden darf - zum Beispiel auf Feldwegen oder auch beim Straßenbau.
Aber warum tut sich Mohr dann mit dem Absatz davon schwer? Dafür gebe es mehrere Gründe. „Es fehlt schlicht an der Akzeptanz. So mancher Ingenieur sagt, das sei Abfall und dann kommt der Primärrohstoff zum Einsatz“, sagt Mohr. Und dann sei da noch die öffentliche Hand, die sich mit Recycling auch schwertue.
Hier kann man Bad Saulgau als positives Beispiel erwähnen:
Süddeutsche Zeitung hier unter der Rubrik "Wirtschaft" von Lars Langenau
Wohnungsverband
Die Wohnungswirtschaft reagiert mit einer ungewöhnlichen Empfehlung auf die jüngsten Klimakatastrophen. "Es ist nicht fünf vor, sondern zwölf", heißt es in einem Appell.
Auf den ersten Blick wirkt die Website mit dem
öffentlichen Brief gehackt. So ungewöhnlich ist der Schritt. Wo sich viele in
der Wohnungswirtschaft oder vor allem auch in der Union und FDP aus Furcht vor
ihrer Wählerschaft noch äußerst schwertun, brechen jetzt Vertreter der
Wohnungswirtschaft mit einem Tabu.
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)
spricht sich in einem öffentlichen Schreiben an Schleswig-Holsteins
Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) für Verzicht und Mäßigung aus: für
einen weitgehenden Verzicht auf Einfamilienhäuser. Zugunsten
des Klimaschutzes.
Wörtlich heißt es da: "Angesichts zunehmender
Flächenversiegelung und aus Gründen von Nachhaltigkeit ist die Errichtung von
mehrgeschossigen Wohngebäuden sicher am sinnvollsten. Das schließt den Bau von
Einfamilienhäusern - da, wo es passt - natürlich nicht aus, aber es sollte
vorsichtig damit umgegangen werden." Und weiter: "Insbesondere die
Planungsbehörden der Städte und Gemeinden sind aufgefordert, bei der Ausweisung
von Wohngebieten aus den jüngsten Überschwemmungen zu lernen." Ein
VNW-Sprecher bestätigt die Echtheit des Schreibens. Reden helfe nicht mehr. Man
müsse dringend etwas tun! Attraktives Wohnen und geringer Flächenverbrauch
könne durchaus kombiniert werden.
Es ist nur ein Verband in Norddeutschland, ja, sicher.
Aber der VNW vertritt nach VNW-Angaben fast 400 Wohnungsgenossenschaften und
kommunale Wohnungsgesellschaften in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und
Schleswig-Holstein. In den von ihnen verwalteten 686 000 Wohnungen leben
rund 1,5 Millionen Menschen.
"Wir denken, dass in der
Wohnungspolitik mehr geht."
VNW-Direktor Andreas Breitner und der
schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Marcel Sonntag sprechen sich in
dem aufsehenerregenden Schreiben dafür aus,
mehr Grünflächen zu schaffen, vorhandene Plätze stärker zu begrünen, die Zahl
der Parkplätze zu reduzieren, Häuser höher zu bauen, Baulücken zu schließen und
Gebäude zu sanieren. "Wir denken, dass in der Wohnungspolitik mehr geht und
Luft nach oben ist", heißt es weiter. Dazu sollte man vielleicht wissen,
dass Breitner SPD-Politiker und von 2012 bis 2014 Innenminister des Landes
Schleswig-Holstein war, bevor er 2015 VNW-Verbandsdirektor wurde.
Aber politische Kontakte scheinen ja nicht das Schlechteste
zu sein. Zumal angesichts des dringenden Handlungsbedarfs aufgrund der jüngsten
Klimakatastrophen auch in Deutschland. Und so fordert Breitner zusammen mit
seinem Kollegen Sonntag weiter: weniger Flächenfraß, mehr Nachhaltigkeit und
eine ökologische Wende in den Städten und Zentren. "Es ist nicht fünf vor,
sondern zwölf, aber wir können immer noch handeln." Eine Lehre aus den
jüngsten Überschwemmungen in NRW und Rheinland-Pfalz sei, dass Wohngebiete
grundsätzlich nicht in potenziellen Überschwemmungsgebieten von Flüssen
errichtet werden sollten. Es gehe darum, das Ruder herumzureißen, so die
Direktoren in ihrem dringlichen Appell.
Laut VNW ist es Zufall, dass der Weltklimarat am
Montag nach rund sieben Jahren wieder einen Sachstandsbericht vorlegt. In dem
soll exakt dargelegt werden, "in welchem Ausmaß der Klimawandel für
Extremwetterereignisse, Desaster und ähnliches in der Welt verantwortlich
ist". Dass die Menschen mit ihrer Energiegewinnung,
Intensivlandwirtschaft, Abholzung, Tierhaltung und Umweltverschmutzung
maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind, ist unter diesen
Wissenschaftlern unbestritten. Aber wie groß dieser Einfluss ist, könnte der
Weltklimarat in dem Bericht noch einmal vor Augen führen.
Seit dem letzten Bericht hat es die sechs wärmsten
Jahre seit Messbeginn gegeben. Global liegt die Mitteltemperatur bereits etwa
1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau, in Deutschland schon 1,6 Grad höher.
"In Deutschland entscheiden wir am 26. September bei der Bundestagswahl
darüber, welchen Weg wir gehen", sagt der Sprecher.
Schwäbische Zeitung hier von Stefan Fuchs, Auszüge in blau
„Wohnen ist eine existenzielle Frage“, sagt Marc Kirschbaum. Er ist Professor für Architekturtheorie und Entwerfen, außerdem Studiengangsleiter für Architektur an der renommierten Hochschule Heidelberg. ...Während neue Grundstücke häufig unerschwinglich sind, wird in den Städten die Bausubstanz immer älter. Einfach alles zu planieren und neu zu bauen geht auch nicht, denn: „Ohne Bauwende schaffen wir keine Klimawende“, sagt Kirschbaum......
Weltweit liegt der Bau- und Gebäudesektor laut einem UN-Bericht von 2020 bei 38 Prozent der weltweiten Emissionen. Zum Vergleich: Der internationale Flugverkehr liegt bei rund 2,5 Prozent.
Kirschbaum plädiert deshalb dafür, so viel vorhandene Bausubstanz zu verwenden, wie nur irgend möglich. „Im Bestand ist die verbrauchte Energie quasi schon vorhanden“, sagt er. Aber es gibt auch Nachteile: „Bauen im Bestand ist immer anstrengender und mit Neubau lässt sich mehr Geld verdienen.“ ....
Während modernes Wohnen heute noch häufig mit viel Glas und Beton assoziiert wird, sieht Kirschbaum einen viel traditionelleren Baustoff als Zukunftsträger: „Holz, Holz und nochmal Holz“, sagt er. Auch wenn der Markt aktuell in der Krise stecke, führe kein Weg daran vorbei. Überhaupt wünscht Kirschbaum sich keine futuristisch anmutenden Konzepte, sondern ein „viel einfacheres, weniger technikgeprägtes Bauen“.
Was zum Beispiel Isolierung, Verschattung und Belüftung angehe, zeige die Geschichte ausreichend verblüffend effiziente Konzepte. Beton bliebe dann eher für Werkshallen und Fabriken vorbehalten. Erste Hochhäuser aus Holz gibt es bereits, das höchste in Deutschland ist das 34 Meter hohe, zehnstöckige „Skaio“ in Heilbronn. Treppenhaus und Fundament bestehen aus Brandschutzgründen aus Stahlbeton, die Fassade ist mit Aluminium verkleidet.....
Detlef Gürtler, Zukunftsforscher am Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon bei Zürich, plädiert ebenfalls für den Umbau vorhandener Häuser. „Allein schon aus ökologischen Gründen sollten wir so wenig neu bauen wie möglich.“ Für dennoch notwendige Neubauten sieht auch Gürtler im natürlichen Rohstoff Holz das Baumaterial der Stunde. Doch nur weil sich durch mehr Singlehaushalte und neue Wohnformen die Bedürfnisse änderten, müsse man nicht auf das verzichten, was bereits besteht. „Häuser halten klassischerweise länger als Lebensstile“, sagt er.
„Wir brauchen kleinere Wohnungen für Singles, aber dafür reicht manchmal eine neue Einteilung aus.“
Eine Forsa-Umfrage aus dem Februar bestätigt diese These: 92 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass mehr Grün in den Städten die Aufenthaltsqualität verbessern würde. Eine Einschätzung, die die Soziologin und Autorin Christa Müller teilt. "Der Mensch braucht Zugang zur Natur, um sich selbst als Teil von ihr zu begreifen“, sagt sie.
Doch nicht nur soziologische Aspekte spielen für sie eine Rolle, sondern auch die Bedeutung von Grünflächen für Arten- und Klimaschutz. ..
Marc Kirschbaum sieht ungenutztes Potenzial in vielen Einfamilienhäusern auf dem Land. „Besonders Senioren wohnen auf überdurchschnittlich vielen Quadratmetern, weil sie verständlicherweise das Eigenheim nicht verlassen wollen“, sagt er.
Durch den Einbau von Einliegerwohnungen oder sogenanntem Wohnen für Hilfe – dabei wohnen Studentinnen und Studenten zu günstigen Konditionen mit Menschen zusammen, denen sie Arbeiten in Haushalt und Garten abnehmen –könnte leicht zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden, glaubt der Architekt.
Beton ist der erfolgreichste Baustoff der Menschheit. Weil die Herstellung aber das Klima belastet, braucht es dringend einen Ersatz. Immerhin: Ein paar Ansätze sind vielversprechend.
Kupfer, Alu oder Holz: Warum in der Corona-Krise auf einmal viele Rohstoffe knapp sind
hier aus RND
"Auch der Klimaschutz benötigt eine Menge Rohstoffe:
Preistreibend wirkt ferner, dass Stahl und Aluminium, die wichtigsten Vorprodukte für die Bikefertigung, ebenfalls mehr kosten. Da kommt ins Spiel, was eigentlich fürs Radeln spricht: der Klimaschutz. Goldman-Sachs-Experte Currie hat darauf aufmerksam gemacht, dass China als weltweit wichtigster Produzent von Stahl und Aluminium die Produktion trotz steigender Nachfrage drosselt. Grund dafür sei, dass die Regierung die CO₂-Emissionen schnell drücken wolle – und die Gewinnung der beiden wichtigsten Industriemetalle gehört nun mal zu den energieaufwendigsten Verfahren in der Industrie: Bei der Stahlerzeugung wird Kohle in den Hochöfen zwingend benötigt, der Strom für die Aluminiumproduktion kommt in China vor allem aus Kohlekraftwerken."
Das steht einer echten Bauwende im Wege: Warum geht der Holzpreis gerade durch die Decke?
hier Erklärung aus der Wirtschaftswoche
Wissen Sie, dass 48 Prozent der Treibhausgase von Indonesiens Industrien aus der Zementindustrie stammen?
Nur wenigen ist bewusst, wie umweltschädlich und energieintensiv diese Industrie tatsächlich ist. Den betroffenen Menschen wird durch die Zerstörung der Natur die Lebensgrundlage genommen. Mitspracherecht haben sie keins. Wie konnte es so weit kommen? Was können wir gegen den Zement-Boom tun?

Kies gibt es nicht wie Sand am Meer
Sand, Kies und Schotter - diese Rohstoffe werden beim Straßen- Haus- oder Gleisbau gebraucht. Längst nicht jeder Kies oder Sand eignet sich fürs Bauen. Sand ist aufgrund des weltweiten Baubooms knapp geworden. Sein Abbau hat Folgen für die Umwelt.
den ganzen Artikel lesen hier
Mehr als zwei Drittel der weltweiten CO2-Emissionen
entstehen in den Städten. Und der Zuzug vom Land, die so genannte
Urbanisierung, hält unvermindert an. Lebte 1950 nicht einmal ein Drittel der
Weltbevölkerung in den Städten, ist es heute schon mehr als die Hälfte. Im Jahr
2050 wird es Berechnungen der Vereinten Nationen zufolge gut zwei Drittel der
Menschen in die Städte ziehen.
Daraus ergeben sich mehrere Herausforderungen.
Erstens: Wir können das Klima nur schützen, wenn wir die Städte ökologisch
umgestalten. Zweitens: Wir müssen darauf achten, den durch Zuzug kleiner
werdenden Wohnraum pro Person bestmöglich zu nutzen. Und drittens: Wir benötigen
dringend Ideen und Konzepte, mit denen viele Menschen in der Stadt so gut und
klimaverträglich wie möglich wohnen und arbeiten können.
Wohnungswirtschaft und Politik suchen bereits Lösungen
und allen ist klar: Angesichts der Schnelligkeit des Klimawandels werden die
üblichen Denkschemata nicht mehr reichen. Alle Lösungsoptionen müssen auf den
Tisch, und zwar schnell.
aber ein Lichtblick: will auch den Anteil an Recycling-Baustoffen erhöhen!
Eine super Vorlage für andere Gemeinden!
Schwäbische Zeitung, 07. 04. 2021
Bezug zu diesem Artikel hat ein bereits veröffentlichter Artikel aus der Schwäbischen, in dem darauf hingewiesen wurde, dass Bad Saulgau von der Wasserentnahme aus diesem Bereich abhängig ist, nachdem das Trinkwasser dort teilweise eine zu hohe Belastung aufzeigt.
Hier ein Zufallsfund: Zulassungsverfahren "Kiesabbauerweiterung der Firma Kieswerk Wagenhart GmbH & Co. in Bad Saulgau/Bolstern" vom 26.11.20
Hier sind (leider nur) Ausschnitte aus dem Bericht zu lesen:
Das Kieswerk Wagenhart möchte bei Bolstern seine Abbauflächen erweitern. Das Genehmigungsverfahren für die 17,5 Hektar zusätzliche Abbaufläche läuft derzeit beim Landratsamt in Sigmaringen. Die Stadt hat für die Erweiterung das Einvernehmen erteilt.
Der Ortschaftsrat Bolstern hatte der Erweiterung in der vorgeschlagenen Planung nicht zugestimmt. Der Grund für die Vorbehalte in Bolstern: Mit der Erweiterung schwindet der derzeitige Abstand zu den ersten Wohnhäusern im Ortsteil Heratskirch......
Eine der Flächen, die jetzt zur Genehmigung anstehen, war bereits in einem vorgezogenen Verfahren genehmigt worden. Auf dieser Fläche wird bereits Kies abgebaut. Das Landratsamt muss jetzt über die Genehmigung für die Gesamtmaßnahme entscheiden. 2,5 Millionen Kubikmeter Kies sollen hier im Trockenbau in den nächsten 20 Jahren abgebaut werden dürfen, das entspricht 150 000 Kubikmetern Kies pro Jahr. Transportmengen und Transportrichtungen sollen durch die Erweiterung unverändert bleiben. Sämtliche der neuen Abbauflächen liegen im Wald.
Das Gebiet befindet sich auch in der Wasserschutzzone IIIB für das Wasserwerk Wagenhauser Tal.
Das Ingenieurbüro Bieske und Partner hat das Gefährdungspotenzial als minimal bezeichnet, es verbleibt aber ein Restrisiko. Der Grundwasserschutz soll vom Landratsamt durch Auflagen und Überwachung sichergestellt werden, so die Meinung der Stadt....
Die Einholung eines Gutachtens soll Klarheit über mögliche negative Auswirkungen auf das Grundwasser schaffen und Grundlage für eine fundierte Stellungnahme des Wasserversorgers zum Regionalplan sein. Der Verband sorgt sich wegen möglicher negativer Auswirkungen auf das Grundwasser, sollte der Abbau in dieser Dimension weitergeführt werden.
.... Für Jürgen Bechinger steht die Notwendigkeit der Erweiterung außer Frage: „Unsere bisherigen Vorkommen gehen zu Ende, wir brauchen die Erweiterung dringend“, so der Kiesunternehmer. Seit 2008 bemühe sich das Unternehmen um die Erweiterung. Kies aus dem Wagenhart werde zum Großteil im Umkreis von 40 Kilometern in der Region verwendet, der Export in die Schweiz und Österreich sei „minimal“. Neben frischem Kies bereitet das Werk auf seiner Recyclinganlage auch Bauschutt auf und verkauft recycelte Baumaterialien. „Der Absatz ist schleppend“, sagt Bechinger und werde vor allem von privaten Bauherren nachgefragt. Praktisch keine Nachfrage gebe es derzeit von der Öffentlichen Hand. Da gebe es Bedenken wegen der Qualität. Zumindest aus Bad Saulgauer Sicht könnte sich das ändern. Der Gemeinderat beschloss in seiner jüngsten Gemeinderatssitzung, künftig nur noch produktneutral auszuschreiben. Bauleistungen sollen danach so ausgeschrieben werden, dass „geeignete und gütegesichert Recyclingbaustoffe“ gleichberechtigt mit Baustoffen aus abgebauten Rohstoffen angeboten werden
Die Ausbeutung von Ressourcen aller Art ist alles andere als verantwortlicher und nachhaltiger Umgang mit Rohstoffen und ist nicht mehr vertretbar. Insofern muss sich die Industrie umstellen. Gibt es Alternativen für die Betonwirtschaft? Etwa durch den Einsatz von Holz als nachwachsendem Rohstoff?
Und daneben ist es nicht vertretbar, dass nördlich des Bodensees Kiesabbau für den Export um den See herum nach Österreich und in die Schweiz ausgeweitet wird. Dort hat der Umweltschutz den Schutz des vorhandenen Kiesaufkommens erreicht und wird mit den Plänen des Regionalverbandes hammerhart ausgehebelt.
Und: Es werden unsere Umweltsünden quasi exportiert. Zusätzlich wird durch den Transport auf der Straße die Umweltverschmutzung erhöht. Der Umweltschutz muss international sein, denn der Lebensraum ist absolut überregional und betrifft also nicht nur die Region Bodensee-Oberschwaben. Damit wäre der Regionalplan eine internationale Angelegenheit und gehört international aufgestellt.
Wolf Kleist, Ravensburg