Zeit hier Von Niels Boeing 24. September 2023,
Weltweit ächzen Großstädte unter der Hitze. Dabei hat die Natur die beste Kühlung schon erfunden: Pflanzen. Wir müssten nur mehr Gärten anlegen – auf unseren Dächern.
2005 baute die Genossenschaft True Nature Foods eine der ersten Dachfarmen für Biogemüse.

Es ist eine wahre Pracht, was in dem kleinen Garten alles beieinander wächst. An einem Tomatenstrauch hängen bereits grüne Früchte, daneben ist im Geäst eines Bäumchens eine winzige Feige zu sehen. Der Birnbaum trägt schon reichlich Früchte, der Apfelbaum ebenfalls, das wird eine schöne Ernte. Weinranken überragen die Pflanzen, voll mit noch unreifen Trauben. Überall fliegen Hummeln Blumen an. Es ist aber nicht die Vielfalt dieses Gartens, die verblüfft. Sondern seine Lage: Dreht man sich um, überblickt man aus einer luftigen Höhe von 25 Metern Teile des Hamburger Hafens und der HafenCity. Eine lange Wand aus Glas auf der Brüstung schirmt den Garten gegen den vorherrschenden Westwind ab, der den Hafen zu fast jeder Jahreszeit zugig macht. Die Pflanzen danken es durch eine Symphonie aus Blüten und Früchten. Zu Recht wurde die grüne Dachlandschaft Dock 71 im vergangenen Jahr mit dem "Hamburger Preis für Grüne Bauten" ausgezeichnet.Für die Bewohnerinnen des Neubaus ist der 350 Quadratmeter großen Garten eine Oase inmitten der mit Baustellen überwucherten HafenCity. Günstig war die Dachlandschaft indes nicht, 230.000 Euro hat sie samt Fundament im Dach gekostet, das die Bepflanzung tragen kann. Doch inzwischen ist die Frage nicht mehr, wer sich solche Grünzüge über der Stadt leisten kann. Städte weltweit werden sie sich schon bald in großer Zahl leisten müssen – als Antwort auf den Klimawandel, der auch vor den Asphaltdschungeln der Welt nicht haltmachen wird. Vor allem vor ihnen nicht.