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Dienstag, 5. Mai 2026

Die 15-Minuten-Stadt: Utopie oder machbar?

 hier  DW  Tim Schauenberg  bereits im  März 2023!

Stadtplanung

Um Städte nachhaltiger, gesünder und gerechter zu machen, müssen wir sie neu denken, sagen Stadtplaner. Eine Idee: 15-Minuten-Städte. Aber was ist das eigentlich?
Von Paris bis Schanghai gibt es schon spannende Ansätze.

Modellbild einer umgestalteten Straße mit Gras, Bäumen, Geh- und Fahrradwegen

In einer 15-Minuten-Stadt könnten mehr Viertel in Zukunft so aussehen

Montag, 6. Mai 2024

Deutschlands schwindende Wachstumskräfte und die Demographische Krise. Nebelkerzen wo man auch hinblickt.



Wir sehen hier die Auswirkungen des großen Demographie-Wandels. Die übergroße Boomer-Generation hat lange Jahrzehnte für Arbeitskräfteüberschuß gesorgt, das ist jetzt endgültig vorbei.
Die Boomer gehen innerhalb von wenigen Jahren millionenfach (15 Millionen)  in Rente und müssen selbst versorgt werden. Das fängt gerade erst an weh zu tun. Daraus muss in den kommenden Jahren zwangsläufig eine Überforderung der nachfolgenden Generationen resultieren, denn woher soll der Ersatz kommen?

Zählt man gedanklich die Ü 65er und die U20 er zusammen, dann sieht man wie eng es für die 20-65 jährigen wird, die das Rad am laufen halten müssen - für alle.

Über die Generation Z zu wettern wird chick, auch wenn es ziemlich überzogen wirkt-  damit wird gerade eine kleine Nebelkerze gezündet.

Die Verteilungskämpfe haben doch schon längst  begonnen, und  wir wissen dass eine kleine priviligierte Gruppe es weiterhin schafft, den Löwenanteil für sich zu beanspruchen hier. 
 Diese Nebelkerze ist schon seit Jahrzehnten gezündet.

Und die AFD will die Frauen zurück in längst vergangene Zeiten katapultieren, ohne die wirklichen Problem überhaupt auch nur ansatzweise erfasst zu haben - auch diese Nebelkerze ist schon längst gezündet

Die Frage ist: Warum muss die Wirtschaft trotz massiv veränderter Rahmenbedingungen so weiter laufen wie bisher? Mehr dazu hier. Wäre es nicht mal an der Zeit neue Fragen zu stellen?


hier  Businessinsider   Romanus Otte  14 Apr 2023

Diagnose Schwindsucht: Deutschlands Wachstumskräfte schwinden dramatisch, warnen die führenden Wirtschaftsinstitute. Die Alterung der Bevölkerung, der Klima-Umbau und hohe Energiepreise schmälern das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft. 

Dienstag, 30. Mai 2023

Wie misst man Wohlstand in Zeiten der Klimakrise?

Podcast im Deutschlandfunk hier zum Anhören

Deutschlandfunk hier 19.05.2023

Wohlstands-Indikatoren:  Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt

Wie misst man Wohlstand in Zeiten der Klimakrise? An der Aussagekraft des Bruttoinlandsprodukts wird schon länger gezweifelt. Weltweit gibt es Ideen, wie neue Indikatoren aussehen könnten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist alt und etabliert. Doch den Anforderungen einer Welt, die mit der Klimakrise ringt, wird diese Statistik eigentlich nicht mehr gerecht.

Donnerstag, 25. Mai 2023

Frickinger Rat setzt weiter auf Nachhaltigkeit

Sigmaringen ist bereits FairTrade Stadt und strebt zum FairTrade Landkreis. Auch kleine Gemeinden können einen Beitrag zu FairTrade leisten, das zeigt Frickingen im Bodenseekreis.


22.05.2023  hier

13 Monate ist es her, dass Anne Gehrmann als Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik (Kepol) in das Frickinger Rathaus gezogen ist.

 Seither hat sich einiges getan in Sachen Nachhaltigkeit in der Gemeinde. Wie Gehrmann im Gemeinderat aufzeigte, bildeten sich aus Bürgerwerkstätten zum Thema fünf ehrenamtliche Arbeitsgruppen. 

Diese waren unter ihrer Koordination bereits mehrfach tätig, zum Beispiel als Energiewende-AG mit einem Förderprogramm für Energieeffizienz. Eine Dorfputzete fand erstmals statt und das Kinderhaus Altheim ist auf dem Weg zu einer Fairen Kita.

Gehrmann erklärte, innerhalb des Rathauses sei die nachhaltige Beschaffung von Lebens- und Sachmitteln eingeführt worden. Außerdem habe sie Sondierungsgespräche mit einer kolumbianischen Kommune geführt, dies mit dem Ziel, eine Nachhaltigkeitspartnerschaft aufzubauen. In den kommenden beiden Jahren soll es weiter um die drei Handlungsfelder Nachhaltigkeit, nachhaltige Beschaffung und globale Partnerschaft gehen. Im ersten Bereich könnte die Schule und deren Zertifizierung als Faire Schule im Fokus stehen. Die in der Verwaltung eingeführte Beschaffung nachhaltiger Produkte könnte auf weitere Produktgruppen sowie auf Veranstaltungen ausgeweitet werden. Zudem soll die bereits sondierte Partnerschaft zu der kolumbianischen Gemeinde etabliert werden.

Bürgermeister Jürgen Stukle unterstrich, dass die mit der Förderstelle Engagement Global vertraglich vereinbarten Ziele für den Zeitraum bis 2023 bereits weitreichend erfüllt seien. Dank des positiven Projektverlaufs sei eine Verlängerung um zwei Jahre möglich. Es habe bereits eine entsprechende Rückmeldung vonseiten des Ministeriums gegeben. 

Die Stelle der Nachhaltigkeitsbeauftragten sei im ersten Anlauf zu 90 Prozent gefördert worden. 17.000 Euro habe die Gemeinde für zwei Jahre aufbringen müssen. Die beiden Folgejahre würden um 30.000 Euro teurer, da die Förderung nur noch 75 Prozent betrage. Der Rat sprach sich bei einer Enthaltung von Hubert Keller (CDU) für einen Antrag auf Verlängerung der Kepol-Stelle aus. 

 

links hier im Südkurier

Homepage Sigmaringen hier

Sigmaringen bekennt sich zum fairem Handel und fairen Arbeitsbedingungen

Fairtrade Sigmaringen

Die Stadt Sigmaringen bekennt sich zum fairen Handel und fairen Arbeitsbedingungen. Als erste Kommune im Landkreis Sigmaringen durfte die Kreisstadt am 29. September 2019 die Zertifizierung zur „FairTrade-Town“ durch Ehrenbotschafter Manfred Holz entgegennehmen.

„Mit der Zertifizierung möchten wir die Bürger*innen für fairen Handel und faire Arbeitsbedingungen sensibilisieren und damit soziale Verantwortung übernehmen.“, erklärt Silvia Bregenzer, Sprecherin der Steuerungsgruppe.

Dienstag, 16. Mai 2023

Auch in den Garten hält die Achtsamkeit Einzug

Slow Gardening  hier  Patrizia Messmer 10.04.2023

Schneckengift, Spritzmittel, hochkonzentrierter Dünger: Das Gärtnern war bei vielen bisher eine eher invasive Angelegenheit. Nun wird auch bei der Gartenarbeit mehr Bewusstsein gepredigt.

Sie waren bis anhin immer eher Schlachtfeld als Ruhe-Oase, die gepflegten Privatgärten in Einfamilienhausquartieren und Schrebergärten. Mit Chemie wurde vom Geziefer bis zum Kraut im grossen Stil ausgerottet, was nicht beliebte. Die Natur bürgerlich-konform zurechtgeschnippelt und -gegiftelt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Schliesslich ging es ja beim Hobbygärtnern gar nicht so sehr um die Symbiose Mensch - Natur, sondern mehrheitlich um Darstellung und Ertrag.

Dienstag, 9. Mai 2023

Klimaforschung neu gedacht: „Bisher sind Städte auf autofahrende Männer ausgerichtet“

 Riffreporter hier von  27.04.2023

Das Climate Change Center bezieht Bürger:innen aktiv in die Klimaforschung ein und entwickelt regionale Klimalösungen. Ein Konzept, das international Anerkennung findet.

Wie muss der Verkehr aussehen, damit er klimafreundlicher und gleichzeitig sozialverträglich wird? Eine Frage, mit der sich Soomauroo derzeit intensiv beschäftigt. Das Ziel der Wissenschaftlerin aus dem Inselstaat Mauritius: Die Mobilitätswende in den Städten soll für alle Menschen gerecht werden. Dafür will Soomauroo vor allem die Erfahrungen und Bedürfnisse von Frauen, People of Color, Senior:innen, aber auch von Menschen mit Behinderungen und von Kindern miteinbeziehen. „Bislang sind Städte vor allem auf autofahrende Männer ausgerichtet. Das muss sich ändern“, sagt sie.

Kultur der Apokalypse: Kein Aufschrei? Schlaft weiter!

Ich gestehe: ich bin ein großer Fan von Christoph Nix, seitdem er so treffend das ziemlich undemokratische Gemeindewesen in Baden-Württemberg skizziert hat (hier), das nicht zuletzt auch den Regionalverband bestimmt. Ich habe seither nie wieder eine so klare Kritik an diesem System erlebt -  und als Gemeinderätin bleibe ich da hellhörig. 

Nicht nur Konstanz ist betroffen.
Die Linse in  Weingarten ist seit der Schließung des Scala das älteste Kino in Baden-Württemberg.
Im Gemeinderat hat OB Moll bereits die Streichung des Linse Zuschusses zur Disposition gestellt ..... Kultur braucht man nicht so dringend. Luxus….

08.05.2023  hier  im Südkurier 

Kolumne: "Wo das Herz schlägt"  von Christoph Nix

Im August gibt es wieder ein Seenachtfest in Konstanz, mit Feuerwerk: kein Brot stattdessen Böller. Warum sich darüber keiner aufregt, stellt die Frage nach der Kultur der Apokalypse.
Bei der Frage, was Kultur sein könnte, erinnere ich an den Schriftsteller Peter Bichsel, der es so formuliert hat: Kultur komme von Agrikultur und sei lebensnotwendig, denn die Agrikultur sorge für Brot, Früchte, Fleisch und Käse. Die Sozialkultur habe hingegen die Erntedankfeste zu organisieren. Die seien dringend, wenn die Stimmung unter den Menschen schlecht, die Ernte verdorben oder gar die ganze Existenz infrage gestellt sei.

Aus diesem Grunde singen Opernsänger in der Ukraine vor den Trümmern ihres Theaters und tanzen in Burundi die Trommler in den Dörfern mit trockenem Boden. Ihre Botschaft:

 Wir sind nicht verloren, wir wissen zwar nicht,
ob es Gott gibt, aber wir rufen nach ihm
.

Donnerstag, 4. Mai 2023

Zehn Klima-Signale, die - ein bisschen - Hoffnung geben

ZEIT ONLINE  30. April 2023,  dpa

Angesichts von Überschwemmungen, Dürren und schmelzenden Gletschern kann leicht die Hoffnung schwinden, dass der menschengemachte Klimawandel noch zu bremsen ist. Doch es gibt sie, die Signale, die Hoffnung geben können - wenn auch nicht gerade zahlreich.

«Die Menschheit geht immer noch in die falsche Richtung: Der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen steigt weiterhin, es bräuchte internationale Kooperationen, davon gibt es aber leider immer weniger», sagt Klimaforscher Mojib Latif im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

«Als Wissenschaftler bin ich relativ frustriert und ohne große Hoffnung. Als Mensch sage ich: Wir müssen die positive Sicht stärken und dynamisieren. Wir wissen, wie wir die Pariser Klimaziele erreichen, setzen das Wissen aber nicht oder nicht konsequent um. Bei vielem stimmt die Richtung, aber die Geschwindigkeit nicht.»

Deutschland habe eine historische Verantwortung und als große Industrienation eine Vorbildrolle. Daher sei es durchaus sinnvoll, nationale Erfolge im Klimaschutz zu betonen, auch wenn die weltweite Bilanz ein anderes Bild zeige, sagt Latif, der am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar) tätig ist. «Und Deutschland hat da tatsächlich einiges erreicht.»

Samstag, 15. April 2023

Es werden in Deutschland immer mehr Straßen gebaut. Aber für was eigentlich?

Frankfurter Rundschau  hier 14.04.2023 Kommentar in der Kolumne „Öko-logisch“.

Von: Michael Kopatz ist Dezernent für Klimastrukturwandel in Marburg.

Der Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen wird die Menschen nicht glücklicher machen. Mehr Straßen führen in der Regel zur Beschleunigung. Die wiederum führt zu mehr Verkehr. Und mehr Verkehr ist schlecht fürs Klima. 

Seit der Wende haben die Deutschen ihr Straßennetz um 40 Prozent ausgebaut. Allein im Jahr 2019 kamen 61 Kilometer neue Autobahnen und 122 Kilometer neue Bundesstraßen hinzu. Das Schienennetz hingegen hat man um 20 Prozent zurückgebaut. 

"Macht uns die Globalisierung reicher? Oder zu entschlossenen Kämpfenden für die Freiheit? Oder gar beides?

hier  12.04.2023  

Die Kolumne: Leo Fischer ist Autor, Stadtrat in Frankfurt (Ökolinx) und war Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“.

Montag, 20. März 2023

Das Wohlergehen aller hat Vorrang

Frankfurter Rundschau hier  19.03.2023  

Der Gastbeitrag von Wirtschaftswissenschaftlerin Angelika Zahrnt.
Angelika Zahrnt ist Wirtschaftswissenschaftlerin und war lange Jahre Vorsitzende des BUND.

Die Transformation unserer Welt gelingt erst, wenn wir unseren Wachstumsglauben und unsere imperiale Lebensweise ablegen. 

Globale Solidarität auf einem begrenzten Planeten – das geht nicht ohne den Abschied vom jetzt dominierenden Dogma des unbegrenzten Wirtschaftswachstums, das mit seinem Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört. Deswegen muss die sozial-ökologische Transformation der Übergang zu einer Postwachstumsgesellschaft sein, in der nicht die Steigerung der materiellen Produktion Vorrang hat, sondern das Wohlergehen aller Menschen. Das bedeutet eine gerechte Verteilung, insbesondere zwischen den Ländern des Nordens und des Südens, aber auch innerhalb dieser Länder. So die Überzeugung des Autors Alexander Behr.

Sonntag, 5. März 2023

Ein Gefühl der existenziellen Entwurzelung und Entfremdung, das der Klimawandel hervorbringt..

 Zeit hier 4. März 2023, Interview: Elisabeth von Thadden

Nikolaj Schultz: "Die ökologische Klasse ist potenziell in der Mehrheit"

Der Soziologe Nikolaj Schultz denkt Klimafragen in Begriffen der Marxschen Klassentheorie. In der Ökologie gehe es nämlich nicht um Frieden, sondern Konflikt.

.... In unserem Neuen Klimaregime – einer Epoche, die durch ökologische Katastrophen und klimatische Mutationen bestimmt wird – erleben wir jetzt die Transformation der Infrastruktur der Gesellschaft. Noch einmal: Alles Feste löst sich in Luft auf! 

Samstag, 4. März 2023

FEMINISTISCHE AUßENPOLITIK : Angst der Mächtigen

01.03.2023  |  Kommentar VON BIRGIT HOFMANN  hier im Südkurier

Noch vor gut 20 Jahren war Außenpolitik reine Männersache. Dies ist zum Glück inzwischen anders – zumindest in Deutschland. Doch wenn eine grüne Ministerin, Frau dazu, sich eine feministische Außenpolitik auf die Fahnen schreibt, lässt die reflexhafte Kritik nicht lange auf sich warten – und das, obwohl dieses Prinzip im Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien steht.
Wovor haben die Kritiker Angst? Gefordert werden hier keineswegs Sonderrechte für Frauen, sondern ganz lapidar – Gleichberechtigung.

Wenn hier von Frauen die Rede ist, geht es auch um die Schwachen der Gesellschaft, um Mädchen und Ältere. Frauen im ehemaligen Jugoslawien mussten jahrelang dafür kämpfen, dass die Vergewaltigungen, die sie erleiden mussten, als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet wurden. In der Ukraine wiederholen sich diese Verbrechen. Im Iran erheben sich die Frauen gegen die Mullahs. Es ist ein weites Feld, das Baerbock betritt – doch es ist höchste Zeit, dies so wichtig zu nehmen.


t-online  hier

Das sind die Frauen auf dem Baerbock-Selfie

Wenn man das Foto sieht, macht es doch Freude. Annalena Baerbock ist keineswegs die große Ausnahme auf dem internationalen  Bankett.
Da stehen 11 Außenministerinnen  und machen zusammen lachend ein Selfie!
Wann gab es je so ein Mut-machendes Foto in der Vergangenheit?


Samstag, 18. Februar 2023

Von morgen auf den Klimawandel blicken

 RND hier  Daniel Dettling und Matthias Horx  18.02.2023

Plädoyer für Perspektivwechsel

Der Klimawandel ist möglich und wahrscheinlich. Doch dafür müssen wir den Blick auf diese gigantische Herausforderung verändern. Statt einer Prognose brauchen wir eine „Re-Gnose“ – eine Art Rückschau auf die Gegenwart. Das kann uns aus dem jetzigen Kulturkampf befreien und zu echten Innovationen führen. 

Eigentlich wissen wir alle, wohin die Reise geht. Wir stehen als Menschheit, Gesellschaft, Individuen, ja als ganze planetare Zivilisation vor der Aufgabe eines großen Wandels in unseren Produktions- und Energiesystemen. Es gibt klare gesellschaftliche Mehrheiten für das große Wandlungsprojekt unserer Tage: den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, die Dekarbonisierung. Wir müssen uns als technische Zivilisation neu erfinden.

Donnerstag, 2. Februar 2023

„Psychologie ist zu unpolitisch“

 Psychologie heute  hier   Von   05. Jan 2023

Das stört Christoph Burger: Die kritische Psychologie sei zu unkritisch und eingestaubt. Der Psychologe Christoph Burger wünscht sich eine Generalüberholung.

Es wäre eine Disziplin, die erkennt, wie unendlich schwer es Menschen fallen muss, sich von den gewohnten Gedanken, Vorstellungen und Verhaltensweisen aus 250 Jahren Wachstum zu verabschieden. Eine Psychologie, die den Reparatur- und Optimierungsbetrieb zur Seite schiebt und systemkritisch forscht und handelt. Die die kritische Psychologie entstaubt und auffrischt und eine neue kritische Umweltpsy­chologie etabliert. Die in den radikalen Notfallmodus wechselt und andere Fächer und Menschen mitreißt. 

Und darüber nicht vergisst, dass die meisten Menschen zu viel und die Superreichen über jedes Maß konsumieren. Und Konzernmanager uns für ihren Profit fortwährend mit den fossilen Suchtstoffen füttern. Es gilt jetzt, darauf aufmerksam zu machen und zu erklären, warum die Warnungen vor der ­Klimakrise verpuffen: Solange daneben Anzeigen vom fossilen Weiter-so künden, setzen diese die Ist-Normen – die bekanntlich die Soll-Normen besiegen.

Mehr Systemkritik, um die Notlage zu bewältigen

Die „Klimakommunikation“ würde diese Psychologie weniger in dem persönlichen Gespräch suchen, da doch Machtstrukturen bestimmen, wer mit wem spricht, bevor ein Austausch überhaupt starten kann.

Wir würden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Scientist Rebellion nicht allein auf der Straße sitzen lassen, sondern ihre Aktionen als eine Klimakommunikation begreifen, die dem vorliegenden Notfall angemessen ist.

Wir würden weniger Wert legen auf das Ziselieren der kognitiven Verzerrungen, das schlussendlich nicht erhellt, wie wir sein könnten, da es doch nur eine scheiternde Spezies beschreibt. Wir würden so vielleicht das wenig beachtete Modell der Ich-Entwicklung wiederentdecken. Das zeigt, wie Menschen sich am Ende vom Konsum abwenden und an ihrem reich entfalteten Innenleben erfreuen, an der Natur und am universellen Miteinander, was sich harmonisch zu den indigenen antikolo­nialistischen Denktraditionen gesellt.

Wir hätten eine Psychologie und eine Psychotherapie, die vermittelten, was zu tun ist, und dies selbst vorlebten. Jetzt, da wir unmittelbar vor dem Auslösen der Kipppunkte und möglicher Kipppunktkaskaden stehen. So könnten Menschen zusammenfinden, um unsere Kooperationskrise in eine wahre Krisenkooperation zu verwandeln und gemeinsam die anstehende psychische Herkulesaufgabe zu bewältigen.

Christoph Burger ist Psychologe und arbeitet als Karriereberater und Coach. Er engagiert sich bei Psychologists for Future und im Arbeitskreis Kritische Umweltpsychologie der Initiative ­Psychologie im Umweltschutz

Sonntag, 29. Januar 2023

„Die Menschen verharren im permanenten Wartezustand, der das Land lähmt“

WiWo  hier Interview von Sonja Álvarez  25. Januar 2023

Zwischen Zeitenwende und Doppelwumms

Panzerdebatten, Wohlstandssorgen und verschämter Konsum: Rund ein Jahr nach Kriegsbeginn ist Deutschland hin- und hergerissen, sagt Rheingold-Chef Stephan Grünewald. Der Psychologe erklärt, wie die Nation tickt.

WirtschaftsWoche: Herr Grünewald, Sie führen mit Ihrem Team vom Rheingold-Institut jährlich rund 5000 Tiefeninterviews zu aktuellen Fragen aus Markt, Medien und Gesellschaft durch, gelten quasi als Psychologe der Nation. Wie geht’s dem Patienten Deutschland, der nach einem Jahr Kriegsbeginn und Zeitwende bei Ihnen auf der Couch liegt?

Stephan Grünewald: Deutschland befindet sich in einem merkwürdigen Zustand zwischen Zeitenwende und Doppelwumms. Olaf Scholz hat die Zeitenwende zwar am 27. Februar 2022 ausgerufen, aber psychologisch ist sie bei den Menschen noch nicht angekommen. Es geht dem Patienten Deutschland also nicht besonders gut.

Was fehlt dem Patienten konkret? 
Zeitwende bedeutet ja, dass etwas verloren geht, dass etwas Altes nicht mehr wiederkommt – ein natürlicher Prozess, der mit Abschied nehmen und Trauer verbunden ist. Gleichzeitig steht Zeitenwende aber auch für einen Aufbruch, für etwas Neues, das mit einer Vision verbunden ist. Aber genau diese Vision fehlt bisher komplett, sie wird vom Kanzler auch nicht erklärt. Er hat die Zeitwende zwar ausgerufen, aber bisher nicht mit Leben gefüllt. Das ist fatal, denn dadurch verharren die Menschen in einem permanenten Wartezustand, der das Land lähmt.

Mittwoch, 4. Januar 2023

Forscherin über Transformation: Zwölf Ideen, um die Welt zu ändern

 Ja genau, möchte ich schreien,  dieser Artikel trifft ins Schwarze.

"Als kleine Hel­d:in­nen brauchen wir deshalb unseren ganzen Mut.
Wir stoßen an Grenzen, aber wir lassen nicht locker und wachsen an unseren Aufgaben."

das steht unten, und genau dieses Gefühl erlebe ich, ebenso wie viele Andere auch, tagtäglich in meinem eigenen Leben, seit die Klimakrise so unübersehbar geworden ist.
Ich will und ich muss tatkräftig mitarbeiten an einer Veränderung, die für uns alle zum Besseren führt. Ich überlasse das Feld nicht mehr kampflos den Verharmlosern mit den Ideen aus dem letzten Jahrhundert.


TAZ hier   Maike Sippel  1.1.2023

Alles muss sich ändern. Nur wie? Maike Sippel, Professorin für Nachhaltige Ökonomie, weiß, wie Wandel gelingt. Eine Anleitung für Kopf, Herz und Hand.

Als Wissenschaftlerin interessiert mich vor allem die Frage, wie der Wandel in die Welt kommt. Wie können wir den Paradigmenwechsel schaffen, mit dem wir die Klimakrise meistern und eine lebenswerte Zukunft sichern? Wie kann der tiefgreifende Wandel gelingen, mit dem wir uns von ökonomischen Wachstums- und Konsumzwängen verabschieden und zu einer sozialgerechten Entwicklung aufbrechen, die die ökologischen Belastungsgrenzen der Erde respektiert?

Es ist offensichtlich, dass diese sozial-ökologische Transformation veränderte Strukturen braucht. Aber sie braucht auch Menschen wie Sie und mich. Menschen, die nicht mehr länger darauf warten, dass sich irgendwann einmal das System verändert, sondern die jetzt anpacken und ihren Teil dazu beitragen, dass diese Systemänderung wahrscheinlicher wird.

Montag, 2. Januar 2023

Bücher über die Zukunft: Zwei spektakuläre Visionen. Beide sind falsch

Spiegel  hier  Eine Kolumne von Christian Stöcker  01.01.2023

Zwei sehr erfolgreiche Bücher zeichnen ganz unterschiedliche Zukunftsszenarien: In dem einen wachsen Menschheit und Technologie weiter, bis hinaus ins All. Im anderen muss alles schrumpfen. Beide irren sich.

Wenn man die Debatten sortieren will, die heute über die Zukunft der Menschheit geführt werden, hilft dabei ein Buch. Ich habe »The Wizard and the Prophet« vom US-Autor Charles C. Mann schon oft weiterempfohlen, auch wenn es eine sperrige Lektüre ist. Das Buch zeichnet die Lebenswege von zwei sehr unterschiedlichen, sehr einflussreichen, aber bis heute kaum bekannten Männern nach.

Der eine ist Norman Borlaug, einer der Väter der sogenannten grünen Revolution. Sie hat uns die moderne Landwirtschaft mit all ihren Nachteilen beschert, aber auch die in den Sechzigern prophezeiten globalen Hungersnöte erspart. Borlaug ist der »Zauberer« aus dem Buchtitel. Er steht für eine Klasse von Menschen, die daran glaubt, dass die Menschheit auch ihre selbst geschaffenen Probleme mit technologischem Fortschritt lösen kann.

Zwei Visionen, einander vollständig entgegengesetzt

Der andere ist William Vogt, einer der Väter der modernen Umweltbewegung. Vogt ist der »Prophet« und laut Mann damit Vertreter der Gegenposition: Diese Menschen glauben daran, dass nur Rückbau, Reduktion, Dezentralisierung und Beschränkung die Menschheit und ihre Umwelt retten können.

Charles C. Mann kommt zu dem plausiblen Schluss, dass wir als Menschheit nur eine Zukunft haben, wenn wir die beiden Positionen miteinander versöhnen, das Beste aus beiden kombinieren. Auf Deutsch ist das Buch leider nicht erschienen.

Stattdessen hat das Jahr 2022 zwei Bücher hervorgebracht, die man als moderne Versionen der Wizard- und der Prophet-Position lesen kann. Es können nicht beide richtig liegen. Tatsächlich liegen beide falsch.