Ich kann Hr. Lakner nur zustimmen. Danke schön für diese kurze Ausführung!
Doch der "Bauernverband" ist nur eine Stimme und vertritt längst nicht alle Landwirte, auch wenn er man das denken könnte, weil er immer am Lautesten und Extremsten schreit. (siehe auch hier und hier)
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirte (ABL) passt viel mehr zu unserer bäuerlich geprägten Landschaft und zu unseren Gemeinwohl-wirtschaftlichen Werten. Wie gut dass es auch solche Verbände gibt.
Prof. Dr. Sebastian Lakner / Professor für Agrarökonomie bei Universität Rostock
Ok, der Bauernverband SH ist mal wieder für „freie Unternehmer“ und findet Massnahmen für das Klima & die sog. „Gutmenschen“ scheinbar überzogen.Diese Aussage von Silvia Breher (CDU) fand offenbar große Zustimmung.
Ja mei, Folklore zum Landesbauerntag? Vielleicht. Aber keine kostenlose Folklore, weil solche Sprüche richten Schaden an.
Gleichzeitig erwarten nämlich genau diese „freien Unternehmer“ über ihren Bundesverband Beihilfen für Agrardiesel, mineralischen Dünger oder Entschädigung aufgrund von Missernten.
Ja was denn nun?
Wenn das so wäre, warum nutzen wir dann Steuergeld, um Betriebe für schlechte Ernten zu „entschädigen“. Schlechte Ernten wären doch dann das Risiko „freier Unternehmer“. Und wären Beihilfen in dem Kontext nicht auch „Gutmenschen-Kram“?
Zu diesem Stil der Kommunikation mit Begriffen wie „Gutmenschen“ gehört das Verächtlichmachen von Zielen wie Umwelt und Klima, von gesellschaftlichen und von moralischen Werten.
Aber auf welcher Basis soll dann der Rest der Gesellschaft Gelder für einen Sektor bereitstellen, der sich gesellschaftlichen Zielen verweigert und gesellschaftliche Erwartungen abtut?
Ich möchte auf die mentale Dissonanz hinweisen: Man kann nicht das freier Unternehmertum abfeiern, alle Erwartungen und Verpflichtungen zurückweisen und gleichzeitig über den Bundesverband bei jeder Gelegenheit Subventionen einfordern. Das passt hinten und vorne nicht.
Und damit das klar ist: Meine Haltung ist eigentlich eine andere.
- Die Ernte ist punktuell, va. in Süddeutschland sehr schlecht ausgefallen und Beihilfen in Abhängigkeit von erheblichen Umsatzeinbrüchen, also mit einer Prüfung der betriebswirtschaftlichen Situation, halte ich für begründbar.
- Die Giesskanne geht dagegen nicht.
Wir haben bei den ärmsten Haushalten gekürzt, z.B. beim Wohngeld oder dem Vorschuss der Ämter bei ausgebliebene. Unterhaltszahlung - beides sind soziale Härten gegen arme Haushalte. Aber in der Agrarpolitik geben wir im großen Stil ohne Prüfung der Voraussetzungen und fördern dabei auch noch fossile Energieträger. No way!
Eine solche selbstvergessene und rückständige Politik untergräbt Vertrauen. Die Politik der Bundesregierung ist nicht konsistent.
Es wäre auch gut, wenn sich der Bauernverband SH daran erinnert, dass wir neben unseren ökonomischen Interessen in einer „sozialen Marktwirtschaft“ auch dem Gemeinwohl verpflichtet sind - jeder und jede nach seinen/ihre. Möglichkeiten. Es ist das gute Recht, darauf hinzuweisen, dass lw. Betriebe Unternehmen sind und nicht alles können. Kein Problem. Aber bitte demnächst ohne belastete Begriffe wie „Gutmenschen“ und ohne Umweltziele verächtlich zu machen. Das ist schlechter Stil, der unser gemeinsames Wertefundament untergräbt.
Eigentlich nehme ich den Bauernverband SH hier ganz anders wahr. Vermutlich ist diese Überschrift vor allem eine Zuspitzung, die jedoch am Ende dem Ansehen der gesamten Landwirtschaft schadet, die in diesem Punkt viel weiter ist.
Kirsten Wosnitza
Krise ohne Kurs: Minister Rainer leiht Geld, statt Zukunft zu gestalten
Die Erntebilanz 2026 des BMLEH zeigt vor allem eines: Auf die außergewöhnliche Dürre fehlt eine politische Antwort.
Statt die Landwirtschaft klimaresilienter zu machen, setzt das Ministerium auf Liquiditätshilfen und eine Stärkung der Flächenprämie.
Doch Kredite lösen keine strukturelle Krise. Sie müssen zurückgezahlt werden – und niemand kann garantieren, dass die nächste Dürre nicht schon im kommenden Jahr kommt.
Wir brauchen keine kurzfristige Geldverteilung nach dem Gießkannenprinzip, sondern eine klare Strategie für Klimaschutz und Klimaanpassung in der Landwirtschaft.
Krisenhilfen müssen dort ankommen, wo sie tatsächlich gebraucht werden – und gleichzeitig den Weg in eine widerstandsfähige Landwirtschaft ebnen. Eine Politik, die mit Krisenreserven fossile Düngemittelindustrien stützt, schwächt genau jene Höfe, die jetzt schon Biodiversität und Klimaschutz leisten.
Wir brauchen endlich einen politischen Kurs und nicht nur Geld für die nächste Krise.
https://www.abl-ev.de/aktuelles/details/krise-ohne-kurs-bmleh-leiht-geld-statt-zukunft-zu-gestalten
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen