Spiegel 13.5.23 Lena Greiner hier in "Alles Gute"– der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten Die Kosten für Fernwärme (hier: in Hamburg) sind im vergangenen Jahr extrem gestiegen. Die Stadt hat eines der größten Fernwärmenetze Deutschlands, und dieses wird vor allem mit Steinkohle aus einem Heizkraftwerk betrieben. Also extrem klimaunfreundlich – und extrem teuer.
Nur 270 Kilometer entfernt von Hamburg weiß man, wie es viel besser geht. Auch dort, in Esbjerg, einer kleinen Hafenstadt an der Westküste Dänemarks, heizen viele Menschen ihre Wohnungen und Häuser mit einem Fernwärmenetz, die meisten sogar. Doch das alte Kohlekraftwerk brauchen sie nicht mehr, es soll abgeschaltet werden. Stattdessen steht nun, direkt gegenüber, die größte auf CO₂ basierende Meerwasser-Wärmepumpe der Welt – eine Innovation, gebaut von dem deutschen Unternehmen MAN.
Wärmepumpen ziehen Wärme aus der Umgebung und speisen sie ins Heizsystem ein. Bei Einfamilienhäusern meist aus dem Boden oder der Luft. Das Modell in Esbjerg nutzt die Wärme von Meerwasser. Der entscheidende Vorteil gegenüber Einzelgeräten: Großwärmepumpen können gleich Tausende Haushalte auf einmal auf erneuerbare Wärme umstellen – ohne einen einzigen Heizungstausch. In Esbjerg und Umgebung werden ab Oktober 100.000 Menschen komplett von Kohle auf grüne Fernwärme aus der Wärmepumpe umgestellt. Die Verbraucher merken den Wechsel wahrscheinlich nur daran, dass die Preise sinken. Und die Stadt spart jährlich 60.000 Tonnen CO₂.
Meine Kollegin Susanne Götze aus unserem Wissenschaftsressort hat sich das Projekt vor Ort angeschaut. Sie ist begeistert von dem »grünen und effizienten Pragmatismus«, wie sie es nennt: »Die staatlichen Betreiber dort müssen für die Verbraucher kostengünstige Lösungen anbieten. Und allen war klar, dass Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien am meisten Sinn ergeben, kein Däne möchte mehr etwas anderes, selbst die, die vor Jahren noch skeptisch waren, berichteten meine Gesprächspartner.«
Was Susanne vor allem erstaunt hat, war die Erkenntnis, »welch große Potenziale die Wärmepumpen-Technologie bietet«. Und: »Das könnten wir auch in Hamburg machen.« Oder anderswo.