aus der TAZ hier
Wir müssen weniger Fleisch essen
Selbst der Bauernverband stimmt nun Klimaschützern zu. Das zeigt der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft.
Die Zukunftskommission Landwirtschaft,
an der auch der Bauernverband beteiligt war, hat wichtige Forderungen
von Umwelt- und TierschützerInnen übernommen.
Das von der
Bundesregierung eingesetzte ExpertInnengremium empfiehlt aus
Klimaschutzgründen zum Beispiel, dass „der Konsum und damit einhergehend
die Produktion tierischer Produkte zurückgehen“. Das geht aus dem
Abschlussbericht hervor, den 30 große Verbände der Landwirte, Händler,
Hersteller, Verbraucher, Natur- und Tierschützer sowie führende
Wissenschaftler nun unterzeichnet haben.....
Die
ExpertInnen einigten sich auf die Forderung, die bisher vom
Bauernverband vehement verteidigten wichtigsten EU-Agrarsubventionen –
die Direktzahlungen – in ihrer aktuellen Form abzuschaffen. Derzeit wird
das Geld pro Hektar Agrarland gezahlt, weitgehend unabhängig davon, wie
umweltfreundlich dieses bewirtschaftet wird.
Der
Bauernverband unterschrieb auch die Empfehlung, Moore wieder zu
vernässen, die für die Landwirtschaft trockengelegt worden sind. Denn
dort werden besonders viel Treibhausgase frei. Zudem sollten Tiere
besser gehalten werden. Auch eine Forderung der Gewerkschaften hat die
Kommission übernommen: ErntehelferInnen und andere Saisonarbeitskräfte
sollten anders als bisher „in der Regel sozialversicherungspflichtig
beschäftigt“ sein.
Die umwelt- und tierfreundlichere
Produktion soll der Kommission zufolge vor allem durch wirtschaftliche
Anreize wie Zahlungen für Naturschutzleistungen erreicht werden. Das
werde aber pro Jahr 1,5 bis 4,5 Milliarden Euro mehr kosten, als der
Staat bisher für die Landwirtschaft ausgebe, so die ExpertInnen. Die
Lücke wollen sie zum Beispiel durch eine Tierwohlabgabe auf Fleisch
schließen: „Mittel- und langfristig dürften damit auf die
Bürger:innen höhere Kosten für ihre Ernährung zukommen.“
Deshalb müssten
einkommensschwache VerbraucherInnen entlastet werden, etwa durch eine
Mehrwertsteuersenkung auf Obst und Gemüse sowie höhere Zahlungen für
Lebensmittel an Hartz-IV-EmpfängerInnen.
Laut Kommission wäre es dennoch
teurer, die Landwirtschaft nicht zu ökologisieren.
..... Greenpeace kritisierte den Abschlussbericht. Die Umweltorganisation
hatte die Kommission im Frühjahr verlassen, weil die Bundesregierung die
Empfehlungen der ExpertInnen nicht bei der gerade vereinbarten Reform
der EU-Agrarsubventionen berücksichtigen wollte. Die Landwirtschaft
müsse sich schneller ändern, als der Abschlussbericht vorgebe.
„Dieser wird bereits von der Realität überholt. So wird die aktuelle Ankündigung von Aldi, auf Billigfleisch
zu verzichten, den Umbau der Ställe für eine bessere Tierhaltung
beschleunigen.“ Das Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts lasse
keine weitere Verzögerung beim Klimaschutz in der Landwirtschaft zu.
„Die Klimaziele für Deutschland lassen sich nur mit einer Halbierung der
Tierzahlen erreichen.“