Donnerstag, 3. September 2026

AFD - 90% wählen sie (noch) nicht, aber sie ist trotzdem eine Gefahr

 

Stefan Lohmann

Wie wäre es mit einer Politik für über 90% der Deutschen? 

Danke an alle stabilen Wähler*innen! 

Danke an alle, die sich für den Erhalt der Demokratie einsetzen, für Gleichstellung, Inklusion und eine lebenswerte Zukunft für alle.

Quelle: Danke an Ruprecht Polenz für diesen Hinweis. 

Danke an Bundeswahlleiter.de 



Karl Doemens

Vergnügliche Kost ist das nicht, und man schläft nicht besser, wenn man das ungemein kluge Buch von Justus Bender gelesen hat. Trotzdem konnte ich nicht aufhören, bevor ich die letzte Seite geschafft hatte. 

Ebenso hellsichtig wie beunruhigend ist das nach meiner Überzeugung eine Pflichtlektüre für diesen (Spät-) Sommer.

Schon der Titel - eine bewusste Anspielung auf das Jahr 1933, zu dem Justus Bender viele Parallelen aufzeigt, ohne die Konstellationen gleichzusetzen - macht den Ernst des Themas klar. Mich hat vieles beim Lesen vor allem an die USA unter Trump 2017ff erinnert

In dem brillant und absolut realistisch durchgespielten Szenario einer blau-schwarzen Koalitionsregierung 2033 analysiert und seziert Bender die Mechanismen des scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg der AfD - die Verharmlosungen, Provokationen, bewussten Grenzverletzungen auf der einen und die Abstumpfung und Normalisierung auf der anderen Seite. 

Derweil wirkt die liberale Öffentlichkeit überfordert und hilflos im Umgang mit diesem ambivalenten Extremismus, der sich nicht packen lässt. Von Seite zu Seite rutscht das Land immer weiter auf dieser schiefen Ebene. Ein Dominostein nach dem anderen fällt. Die Auseinandersetzung ist asymmetrisch: die einen vertrauen auf (teils ungeschriebene) Regeln und Institutionen, die anderen handeln ruchlos und nutzen geschickt die Stimmungen marodierender Digitalbürger.

Wer die erschreckend konkreten Beispiele eines autoritären Regierungshandelns (später selbst ohne Mehrheit im Parlament) für überzogen hält, der muss nur nach USA schauen.
Deren Entwicklung scheint der FAZ-Redakteur genau studiert zu haben, auch wenn Donald Trump nur in einer sarkastischen Nebenbemerkung als "Chairman" vorkommt, der als oberster Potentat über den inzwischen zum Präsidenten aufgestiegenen J.D. Vance wacht. 

Auch hier gab es keinen großen Knall, keine Revolution. Die Demokratie erodiert durch unzählige, scheinbar harmlose Einzelschritte, deren Auswirkungen viele nicht verstehen oder verstehen wollen. (Ich hatte mich zum Jahreswechsel an einer Zwischenbilanz versucht: https://lnkd.in/dKzMPwe9

Am Ende von Benders Buch steht die AfD auf Bundesebene vor der absoluten Mehrheit. Wer nach der Lektüre noch auf eine quasi automatische "Entzauberung" der Partei durch Regierungsverantwortung setzt, der kann sich jedenfalls nicht mit Ahnungslosigkeit herausreden. 

Lesen! 

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