Dienstag, 22. September 2026

Tankrabatt - Es steht also zu befürchten, dass am Ende genau das Gegenteil von dem erreicht wird, was eigentlich das Ziel ist

Dr. Joachim Blum

2,5 Milliarden Euro kostet der Tankrabatt von Oktober bis Dezember.

Wir haben nachgerechnet, was dieselbe Summe in Smart Metern und Ladepunkten bewirken würde – und was von „0 Cent mittags“ beim Kunden ankäme.

Grundlage: Primärdaten von BNetzA, SMARD, KBA und UBA, dazu unsere eigene Auswertung aller Börsenstunden 2025.

𝟭 Dieselbe Summe kauft 312.500 öffentliche AC-Ladepunkte, voll finanziert zum Median-Preis von 8.000 €. Heute gibt es insgesamt 212.064 öffentliche Ladepunkte.

𝟮 Mehr Stück ist trotzdem nicht die Antwort. Öffentliche Ladepunkte sind im Mittel nur 10 bis 12 % der Zeit belegt. Wirksam wird das Geld am Zählerschrank von Haushalten mit Wallbox, an Tagesparkplätzen und am Netzanschluss für Ladeparks.

𝟯 Das Mittagsproblem ist real: 2025 fielen 17,8 TWh PV-Strom in Stunden mit negativem Börsenpreis, 80 % davon zwischen 10 und 16 Uhr.

𝟰 „0 Cent an der Börse“ heißt nicht „0 Cent an der Wallbox“. Im Haushaltstarif bleiben 18,9 ct/kWh an Netzentgelt, Umlagen, Abgaben und Steuern. Mit Mittags-Niedertarif, Stromsteuer auf EU-Minimum und Schwachlast-Konzessionsabgabe sinkt der Preis auf 10,7 bis 14,0 ct/kWh, Vertrieb eingerechnet.

𝟱 Diese Bestandteile für die heute mittags ladbaren E-Auto-Kilowattstunden zu übernehmen, kostet rund 220 Mio. € im Jahr. 2,5 Mrd. € reichen dafür elf Jahre.

Der Tankrabatt entlastet sofort, und das ist legitim. Nach unserer Überschlagsrechnung erhöht er aber die Emissionen um 0,4 bis 0,7 Mio. t CO₂. Dieselbe Summe in Infrastruktur wirkt Jahre statt ein Quartal.

Die ehrliche Einschränkung: Ladepunkte und Smart Meter sind keine billigen CO₂-Instrumente. Sie liegen in unserer Rechnung bei 130 bis 1.350 € je Tonne – im Bereich anderer Maßnahmen der E-Mobilität.

Als Tracking- und Agri-PV-Spezialisten interessiert uns der Mittag besonders: Jede Kilowattstunde, die mittags zusätzlich gebraucht wird, hebt den Mittagspreis – und damit den Erlös je kW Netzanschluss.

Das Whitepaper, 12 Seiten, alle Annahmen und Rechenwege offengelegt:

https://lnkd.in/eh6ZiCyP

Was würden Sie mit 2,5 Milliarden machen?


https://whitepaper.smartsolar.de/whitepaper-tankrabatt-mittagsstrom


Monika Schnitzer / Wirtschaftsweise

Die Bundesregierung hat auf die hohen Spritpreise mit Tankrabatt und Preisdeckel reagiert, doch beide Maßnahmen sind aus ökonomischer Sicht problematisch.

Ein Tankrabatt senkt den Preis an der Zapfsäule, ändert aber nichts an der eigentlichen Knappheit. Im Gegenteil: Er reduziert den Anreiz, den Verbrauch einzuschränken

Die Steuersenkung wird zudem nicht automatisch eins zu eins bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen. Beim letzten Tankrabatt wurde zwar ein erheblicher Teil weitergegeben, aber regional sehr unterschiedlich.

Vor allem aber ist die Maßnahme nicht zielgenau. Am stärksten profitieren Haushalte mit hohem Verbrauch und großen Fahrzeugen, nicht unbedingt diejenigen, die die höhere Belastung am wenigsten tragen können. Diese Unterstützung mit der Gießkanne macht die Maßnahme besonders teuer: Der letzte Tankrabatt kostete den Staat für nur zwei Monate rund 1,6 Milliarden Euro.

Auch ein Preisdeckel klingt zunächst attraktiv, weil er den sichtbaren Endpreis begrenzt. Ökonomisch ist aber die entscheidende Frage, wo und auf welcher Grundlage man diesen Preis richtig ansetzt.

Ist der Deckel zu niedrig, können Anbieter ihre Kosten nicht mehr vollständig decken oder anderswo mehr verdienen. Dann besteht das Risiko, dass weniger Kraftstoff nach Deutschland geliefert wird oder Anbieter sich zurückziehen. Dadurch kann es zu Knappheiten kommen, wie in anderen Ländern bereits beobachtet wurde.

Ist der Deckel zu hoch, verfehlt er dagegen seine Wirkung. Eine aktuelle Studie zum belgischen Markt findet, dass der Höchstpreis nur bei relativ wenigen Tankstellen tatsächlich bindet, zugleich aber für viele Anbieter zu einem gemeinsamen Orientierungspunkt wird und damit sogar höhere, stärker koordinierte Preise begünstigen kann. Auch die EU-Kommission hatte für Luxemburg festgestellt, dass sich viele Tankstellen am Höchstpreis orientierten und dieser faktisch wie ein gemeinsamer Preisanker wirkte.

Es steht also zu befürchten, dass am Ende genau das Gegenteil von dem erreicht wird, was eigentlich das Ziel ist. Der politische Schaden wäre groß, zumal durch den staatlichen Eingriff für hohe Preise am Ende nicht mehr der Krieg im Nahen Osten, sondern der Staat verantwortlich gemacht wird.

Ökonomisch sinnvoll wäre es, bei echten sozialen Härten gezielt zu entlasten, statt den Preis für alle zu senken. Dafür braucht es einen Direktauszahlungsmechanismus, der an die Haushaltseinkommen anknüpft. Ein solcher Mechanismus wird bereits seit der Corona- und der Energiekrise gefordert. Dass er erst im kommenden Jahr zur Verfügung stehen soll, wird uns noch teuer zu stehen kommen: Bis dahin droht weiter viel Geld durch Hilfsmaßnahmen mit der Gießkanne ausgegeben zu werden.

https://lnkd.in/dasrwMC8

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