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Montag, 26. Dezember 2022

Gedanken zum Jahresabschluss 2022: Wunschdenken hilft auch nicht

 NZZ hier  Richard Haass  25.12.2022

GASTKOMMENTAR: Zehn Lehren aus der Rückkehr der Geschichte

Das Jahr 2022 wird als Zäsur in die Geschichte eingehen. Die Rückkehr des Krieges nach Europa, die vielen als denkunmöglich galt, hat Illusionen zerstört und Gewissheiten zertrümmert. Der Westen täte gut daran, fortan mit dem Unberechenbaren zu rechnen.

Kaum jemand wird 2022 vermissen. Das Jahr war bestimmt von einer hartnäckigen Pandemie, dem Fortschreiten des Klimawandels, von galoppierender Inflation, einem sich verlangsamenden Wirtschaftswachstum und vor allem dem Ausbruch eines kostspieligen Krieges in Europa und der Sorge über womöglich bald in Asien ausbrechende gewaltsame Konflikte. Einiges davon war zu erwarten, vieles jedoch nicht. Und alles legt Lehren nahe, die zu ignorieren gefährlich wäre.

Dienstag, 29. November 2022

Im Hintergrund agieren die Saboteure

Ernüchternde Klimakonferenz COP27 

Eine Kolumne von Christian Stöcker im Spiegel   hier  20.11.2022

Die Klimakonferenz von Scharm al-Scheich endet mit einer Enttäuschung – und das hat seine Gründe. Es wird Zeit, die Saboteure klar zu benennen. Zumal nachweisbar ist, wie sie agieren.

Die Klimakonferenz in Ägypten ist zu Ende, und das Ergebnis ist durchwachsen. Nach rund zwei Wochen harter Verhandlungen einigten sich die Delegierten auf einen eigenen Finanztopf, aus dem arme Länder einen Ausgleich erhalten sollen für Verluste und Schäden, die durch den Klimawandel entstehen. Doch der Erfolg hat einen hohen Preis: Beim Klimaschutz, also dem Ausstieg aus fossilen Energien und dem Runterfahren von Emissionen, gab es kaum Fortschritte.

Eine entscheidende Rolle bei dieser Konferenz spielte einmal mehr China, der mittlerweile größte CO₂-Emittent des Planeten. Doch das Land allein verantwortlich zu machen, das wäre ein weiterer Erfolg für die, die in Wahrheit die größte Schuld tragen.

Ein Hinweis auf die tatsächliche Lage: In Scharm al-Scheich waren 636 Lobbyisten von Öl-, Gas- und Kohlekonzernen akkreditiert.

Legitime Ziele für die Klimawut

Die anscheinend so komplexe Landschaft der Klimapolitik teilt sich, wenn man von China einmal absieht, in zwei sehr übersichtliche Lager: All diejenigen, die tatsächlich aus fossilen Brennstoffen aussteigen wollen, so schnell wie möglich. Und all diejenigen, die mit der Förderung und dem Verkauf von Roh-CO₂ Geld verdienen, und deren Handlanger in Medien, Politik und Randgebieten der Wissenschaft.

Die letztere Gruppe ist dafür verantwortlich, dass viele Menschen auf diesem Planeten immer noch nicht begriffen haben, wie gefährlich unsere Lage ist.

Wer zahlt, schafft an

Ein paar aktuelle Beispiele: In »Nature Climate Change« erschien kürzlich eine Studie , die nachweist, was passiert, wenn Unternehmen aus der Fossilbranche Energieforschung finanzieren. Forschungszentren, die von der Gasbranche gefördert werden, »bevorzugen in ihren Berichten Erdgas gegenüber erneuerbaren Energien«. Bei tatsächlich unabhängigen, nicht von fossilen Interessensgruppen finanzierten Forschungseinrichtungen, »zeigt sich das gegenteilige Muster, mit einer neutraleren Einstellung zu Erdgas und einer Bevorzugung von Solarenergie und Wasserkraft.«

Mit anderen Worten: Die Fossilbranche kauft sich Ergebnisse, die ihren Interessen dienen sollen. Immer noch.

Sabotage mit allen erdenklichen Mitteln

Gleichzeitig sabotieren Vertreter fossiler Interessen weiterhin den Ausbau der erneuerbaren Energien. Das hat seinen Grund: Erneuerbare Energien sind mittlerweile konkurrenzlos billig. Es ist also im Interesse derer, die weiterhin CO₂ verkaufen wollen, diesen Umstand zu verschleiern oder zumindest seine Umsetzung in politisches und wirtschaftliches Handeln zu verhindern.

Die Analyse zur 27. Klimakonferenz in Ägypten: Können wir das Pariser Klimaabkommen noch einhalten?


Wenn Ihr das Webinar verpasst habt, oder es nochmal anschauen wollt, findet Ihr das samt der Folien von Prof. Höhne jetzt hier: https://europe-calling.de/webinar/cop27-analyse/

Unsere Gäste haben in ihren Beiträgen klar gemacht, dass die grundsätzliche Einigung zu einem Loss & Damages-Fonds für die ärmsten und von der Klimakrise am stärksten betroffenen Länder eine wichtige Entwicklung ist, die nicht zuletzt hilft dringend nötiges Vertrauen zwischen Industrieländern und den Ländern des Globalen Südens aufzubauen. Nach vielen unerfüllten Zusagen der letzten Jahrzehnte, ein nicht zu unterschätzender Schritt. 

Gleichzeitig ist das Fehlen jeder Ambition bei der Verringerung von Treibhausgasemissionen eine echte Hiobsbotschaft. Damit geht wieder ein Jahr verloren für den Klimaschutz. Wenigstens konnten Rückschritte zu der COP in Glasgow noch einigermaßen verhindert werden. Aber bei der nächsten COP in Dubai müssen konkrete, sektorscharfe und verbindliche Emissionsminderungen den Pfad deutlich unter 2°C drücken. Das Fenster schließt sich immer weiter. Die Zeit drängt. Hier hat die EU und Deutschland eine große Verantwortung, die nächste COP besser als diese vorzubereiten. Einen erneuten Stillstand kann sich die Welt nicht leisten.

Mitzi Jonelle Tan hat das in einem starken Bild zusammengefasst: Wenn die Welt ein Haus ist und im Obergeschoss die Industrieländer den Wasserhahn voll aufgedreht lassen, dann kann der Globale Süden im Erdgeschoss noch so viele Schäden reparieren (mit viel Loss & Damages-Geld), aber solange der Wasserhahn im Obergeschoss nicht zugedreht ist (Treibhausgas-Emissionen reduziert), dann bringt das alles nichts, weil das Erdgeschoss immer und immer wieder überflutet wird. Es braucht also beides: Emissionsreduktion UND Loss&Damages. Schaut den Ausschnitt hier und teilt ihn mit Anderen:

https://www.youtube.com/watch?v=rplEF37lIkI&t=1444s

Zuletzt hat Mitzi berichtet, wie stark die Zivilgesellschaft von den ägyptischen Behörden behindert und drangsaliert wurde. Das muss Konsequenzen für die nächste COP haben. Die UN und die Mitgliedsländer haben eine große Verantwortung, das sicherzustellen.

Vielen Dank für Euer Interesse und Eure Unterstützung.

Freitag, 25. November 2022

COP27 war enttäuschend, aber dieses Jahr ist das okay so!

 NTV  hier  Von Clara Pfeffer und Christian Herrmann  24.11.2022

Biden, Lula und die neidische EU

Die Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Ägypten sind ernüchternd. Rückschritte konnte verhindert werden, ein Scheitern - mehr nicht. Tatsächlich ist in Scharm el Scheich ein Wandel zu beobachten, der in seiner Ambition selbst die sonst so grüne EU zu überraschen scheint.


Die Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Ägypten sind ernüchternd. "Wir konnten Rückschritte hinter den Konsens von Glasgow und Paris verhindern", hat Außenministerin Annalena Baerbock die COP27 zusammengefasst. "In Scharm el Scheich wurde ein Scheitern verhindert", erklärte Ottmar Edenhofer, der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Denn tatsächlich gab es nur einen echten Fortschritt: Nach jahrelangen Diskussionen haben die reichen Staaten ihren Widerstand aufgegeben und einem gemeinsamen Geldtopf zugestimmt, aus dem Klimaschäden in ärmeren Ländern bezahlt werden sollen.

Regenwald-Allianz und ein gigantisches Klimapaket

Dienstag, 22. November 2022

Annalena Baerbock zum Klimaschutz

 TAZ hier

Sind Sie die Letzte Generation?

Zum ersten Mal fährt Annalena Baerbock als Außenministerin zur Klimakonferenz. Ein Gespräch über die Frage, was wir dem Globalen Süden schulden.

Sonntag, 20. November 2022

COP27: Etwas erreicht, aber auch gescheitert

ARD   20.11.2022 Von Gabor Halasz, ARD-Hauptstadtstudio

Die Bundesregierung ist bei der COP27 für Klimagerechtigkeit und die Klimaziele eingetreten. Am Ende steht ein Fonds, um Schäden abzufedern. Insgesamt ist die Bilanz aber durchwachsen - wie wohl zu erwarten war.

Die deutsche Außenministerin ist noch wach - aber müde. Annalena Baerbock hat die Verhandlungen geführt. Zum ersten Mal. Sie hat etwas erreicht und ist gleichzeitig auch gescheitert. Nicht untypisch für Klimakonferenzen."Dass diese COP nicht einfach wird, war immer klar", sagt die Ministerin nach einer durchgemachten Nacht. "Beim Ergebnis liegen Hoffnung und Frustration nahe beieinander". Hoffnung, weil es gelungen ist, mehr in Sachen Klimagerechtigkeit zu erreichen. Frust weil die Verhandlungen zum Teil extrem schwierig waren.
Baerbock nennt keine Namen, aber wer sie in den vergangenen Tagen begleitet hat, weiß, dass sie unter anderem China und den Gastgeber Ägypten meint.

Freitag, 18. November 2022

Klimakonferenz in Ägypten: Ein großer Schritt auf der COP

 TAZ

Auf UN-Klimakonferenz zeichnen sich Lösungen zu klimabedingten Schäden ab, sagt Außenministerin Baerbock. Aber die COP überzieht erneut.​

Zu Beginn des offiziell letzten Tages der UN-Klimakonferenz in Scharm el-Scheich haben sich mögliche Lösungen bei der zentralen Streitfrage des Ausgleichs für klimabedingte Schäden abgezeichnet. „Wir haben gestern Nacht einen großen Schritt gemacht“, sagte die deutsche Verhandlungsführerin, Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne), im ZDF-“Morgenmagazin“. Allerdings waren sowohl hier als auch zu anderen Punkten am Freitagmorgen weiterhin Fragen offen.

Donnerstag, 17. November 2022

“Disaster oder Hoffnungsschimmer – Was liefert die COP27?”

 


Live von der Weltklimakonferenz mit Annalena Baerbock & Top-Gästen

hier zum Anschauen, wenn man den Termin verpasst hat






Eine Mut- machende Ansage von Stefan Rahmstorf:  Wenn es optimal laufen würde, wenn sich alle an die bisherigen Zusagen halten würden und diese tatsächlich umsetzen würden, dann befänden wir uns auf dem 1,8° Pfad. Also unter 2°. Das zeigt doch, dass es möglich sein kann!
Natürlich muss noch viel geschehen bis dahin.



Europe Calling Live von der Klimakonferenz in Ägypten: “Disaster oder Hoffnungsschimmer – Was liefert die COP27?” 

die gerade laufende 27. Klimakonferenz wird überschattet von Putins Angriffskrieg in der Ukraine, der europäischen Energiekrise und dem weltweiten Comeback von Kohle, Öl und Gas. Droht die Klimakonferenz ein Desaster zu werden oder besteht noch Hoffnung in diesen düsteren Zeiten?

Deutlich unter 2 Grad Erderhitzung ist das weltweite Ziel. Doch sieben Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen und ein Jahr nach dem Klimapakt von Glasgow, rasen wir auf eine fast drei Grad heißere Welt zu. Die Klimaziele der Europäischen Union reichen nicht, um das 2 Grad-Ziel einzuhalten. Damit brechen wir mit dem Klimaabkommen. 

Weltweit zögern die Länder neue Ziele, Maßnahmen oder frische Gelder zur Eindämmung der Klimakrise zu nennen. Was muss geschehen, damit die Kehrtwende ein für alle Mal eintritt und wir nicht mehr nur über Ziele, sondern über verbindliche Maßnahmen und die Finanzierung reden? Was muss der globale Norden tun, um die jetzt schon dramatischen Kosten der Klimaschäden im globalen Süden zu tragen? Was bedeutet es, dass der Weg zum 1,5°C Ziel sogar von der offiziellen Agenda der Klimakonferenz gestrichen wurde?

Wir schalten live zur Klimakonferenz nach Ägypten zu Michael Bloss, dem klimapolitischen Sprecher der Grünen im EU-Parlament und hochkarätigen Gästen, die uns einen exklusiven  Einblick in die Verhandlungen geben. 

COP 27: Geld für Afrika

Spiegel  hier  17.11.2022, 

 Ankündigung auf der COP27:  EU stellt rund eine Milliarde Euro für Klima-Resilienz in Afrika bereit

Dürre, Überschwemmung, Hitze: Die EU will dem afrikanischen Kontinent helfen, besser mit den Folgen der Klimakrise umzugehen. 60 Millionen Euro soll es zum Ausgleich für bereits eingetretene Schäden und Verluste geben.

Die Europäische Union und mehrere ihrer Mitgliedstaaten wollen mehr als eine Milliarde Euro bereitstellen, um afrikanische Staaten widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Das kündigte der stellvertretende EU-Kommissionspräsident Frans Timmermans auf der Uno-Klimakonferenz in Scharm al-Scheich an. Beteiligt sind demnach neben der EU auch Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Dänemark.

Die Initiative für mehr Resilienz soll laut Timmermans »existierende und neue« Programme für eine bessere Anpassung an Klimafolgen kombinieren. Einbezogen sind nach EU-Angaben auch 60 Millionen Euro zum Ausgleich für bereits eingetretene Schäden und Verluste. Es sei möglich, dass sich noch weitere EU-Staaten dem Projekt anschließen, hieß es.

Früher warnen, mehr vorbeugen

Das Geld soll laut EU-Kommission unter anderem für Frühwarnsysteme und andere Präventionsmaßnahmen gegen Klimakatastrophen und Extremwetter eingesetzt werden, deren Zahl aufgrund der Erderwärmung zunimmt. Auch sollen mehr Daten zu lokalbedingten Gefahren erfasst werden.

Einbezogen werden sollen auch Versicherungsprodukte gegen Klimarisiken für Menschen in besonders gefährdeten Regionen. Einen solchen Schutzschirm, den »Global Shield«, hatte Deutschland am Montag gemeinsam mit der Gruppe der V20 besonders betroffener Staaten vorgestellt.

Mittwoch, 16. November 2022

Regio TV Journal zur Klimakonferenz 2022

Regio TV  hier  Mi, 16.11.2022

Die Klimakonferenz 2022

Unsere Erde schützen – unter diesem Motto findet seit dem 06. November die zentrale Klimakonferenz in Ägypten statt. Staats- und Regierungschefs sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft treffen sich hier und diskutieren über die Zukunft des Klimas.

Auch junge Aktivistinnen und Aktivisten fordern konkrete und strengere Handlungen von politischer Seite. Die Waldbesetzer des Altdorfer Walds bei Ravensburg setzen sich deshalb für den Klimaschutz ein und besetzen seit gut 2 Jahren den Wald.

Damit nicht nur der Wald sondern auch unsere Erde erhalten bleiben, ist das Pariser Klimaabkommen und damit das 1,5 Grad-Ziel laut Klimawissenschaftlerinnen und Klimawissenschaftler unverzichtbar. Wir haben mit dem Professor für Klimatologie Otto Klemm darüber gesprochen.

Dienstag, 15. November 2022

Schweigende Regierungen lassen die Menschen im Stich

 BUND Pressemitteilung   14. November 2022

BUND zur Halbzeit der Klimakonferenz

Zu Beginn der zweiten und entscheidenden Beratungswoche auf der Weltklimakonferenz COP 27 erklärt Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

„Die erste Woche geht mit einem bedrückenden Gefühl zu Ende. Anstatt der Klimakrise konstruktiv und solidarisch zu begegnen, bewegen wir uns rückwärts und viel zu zögerlich. Stand jetzt fahren die Staaten, die am stärksten von den Folgen der Klimakrise betroffen sind, frustriert und hilflos nach Hause. Das darf nicht geschehen. Es braucht Antworten auf den wichtigsten Agenda-Punkte der COP: Wie soll die Klimafinanzierung und der Ausgleich für Schäden und Verluste durch die Klimakrise konkret aussehen?

Die von Deutschland gestartete Initiative ‚Globales Risikoschild‘ ist ein positives Zeichen, dass sich über die Schäden und Verluste ausgetauscht wird. Das ‚Risikoschild‘ wird aber nur dann sinnvoll, wenn die historisch verantwortlichen Länder wie Deutschland, USA oder Großbritannien auch Gelder in Billionenhöhe auf den Tisch legen. Die G7 muss sich an die Worte von Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze heute halten: Taktisches Verzögern, um formale Verhandlungen und Zusagen zu vermeiden, darf nicht die Haltung der Verursacherstaaten sein.

Mit den auf dem Tisch liegenden Vorschlägen zur Versicherung oder zu Frühwarnsystemen können die Folgen der Klimakrise nicht bezahlt werden. Das wird als Ergebnis der COP nicht ausreichen und die Konferenz wäre auf ganzer Linie gescheitert. Die Weltgemeinschaft muss sich mit einer robusten Finanzierung und einer Finanzfazilität aus Sharm El Sheik verabschieden.“

Freitag, 11. November 2022

Klimaforscher zur COP27: „Durchaus Gründe zur Hoffnung“

Ein wirklich wichtiges Interview von einem Wissenschaftler, der sich schon lange mit dem Thema beschäftigt. Deutschland liegt auf Rang vier den fossilen Emissionen!

TAZ   hier

S.Rahmstorf ist Klimawissenschaftler. Er arbeitet seit Mitte der 1990er Jahre am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, seit dem Jahr 2000 ist er auch Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam.

Teile der Ampel hätten die Dringlichkeit des Klimaschutzes nicht verstanden, so Stefan Rahmstorf.
Die Emissionen müssten auf null. Klimafreundliche Technik sei bereits vorhanden.

Dienstag, 8. November 2022

Aus für Fossile "ohne Wenn und Aber"

 Tagesschau ARD  hier  07.11.2022

Scholz bei Klimakonferenz

Bundeskanzler Olaf Scholz hat in Sharm El-Sheikh vor einer "Renaissance" von Öl, Gas und Kohle gewarnt. Er versprach zugleich mehr Geld für den Schutz der Regenwälder. Es brauche mehr Tempo und mehr Ehrgeiz beim Kampf gegen die Erderwärmung.

Für den weltweiten Schutz der Regenwälder will Deutschland seine zugesagte Unterstützung verdoppeln - von eine auf zwei Milliarden Euro. Das teilte das Entwicklungsministerium mit. Das Geld soll vor allem in den Schutz der Regenwälder im zentralafrikanischen Kongobecken und im Amazonas-Gebiet investiert werden.

 

Video  hier  zum Anschauen

tagesschau  8.11.2022

Zusätzlich werde Deutschland dem geplanten globalen Schutzschirm für Klimarisiken eine Anschubfinanzierung von 170 Millionen Euro gewähren, erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Rede bei der Klimakonferenz in Sharm El-Sheikh. 

COP 27:"Die Menschheit hat die Wahl: kooperieren oder untergehen"

Süddeutsche Zeitung  7. November 2022, Von Thomas Hummel, Scharm el-Scheich  hier

Bei der Weltklimakonferenz in Ägypten fordert UN-Generalsekretär Antonio Guterres die Länder auf, einen Klimasolidaritätspakt zu schließen. Irritiert zeigen sich Beobachter, dass Staatschefs einiger für den Klimaschutz wichtiger Staaten fehlen.

..."Schäden und Verluste stehen jetzt auf der Tagesordnung. Ein Thema, das für die allermeisten Länder wichtig ist", sagte Sameh Shoukry, ägyptischer Außenminister und Präsident der Klimakonferenz. Die Details darüber hatten die Abgesandten der fast 200 Staaten erst in den 48 Stunden vor der offiziellen Eröffnung der sogenannten Conference of the Parties (COP) geklärt. Shoukry ließ kaum Vorbedingungen zu. Speziell eine rechtskräftige Haftung für Schäden in anderen Teilen der Welt ist eine rote Linie für die USA oder die Europäische Union. Nun wird erstmals offiziell über das Thema gesprochen. Ausgang offen. Bis 2024 soll sich die Weltgemeinschaft einigen, wie Geld künftig in betroffene Länder fließen kann.

Weniger hätten die Entwicklungsländer bei dieser afrikanischen COP kaum akzeptiert. Jennifer Morgan, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt und Verhandlungsführerin der deutschen Delegation, sprach am Montag von einem guten Tag. Die Einigung habe eine gute Atmosphäre geschaffen. Morgan selbst bekam vom Klimasekretariat der Vereinten Nationen den Auftrag, zusammen mit der chilenischen Umweltministerin Maisa Rojas Corradi das Thema Schäden und Verluste voranzubringen. Es ist ein langsames Herantasten an die Wünsche der einen und die Befürchtungen der anderen. Dabei schaffen es die Industriestaaten bislang nicht einmal, ihr 2009 gegebenes Versprechen zu erfüllen, von 2020 an jährlich 100 Milliarden US-Dollar bereitzustellen, um Entwicklungsländern dabei zu helfen, ihre Treibhausgasemissionen zu verringern und sich an den Klimawandel anzupassen. Zuletzt kamen 83,5 Milliarden zusammen.

Als am Montagabend die ersten der mehr als 100 eingeflogenen Staats- und Regierungschefs sprachen, ging auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in seiner Rede auf das Thema Finanzen ein. Zu Recht würden die Staaten mehr internationale Solidarität einfordern, die von den Folgen des Klimawandels am härtesten betroffen seien, aber am wenigsten zu seiner Verursachung beigetragen hätten, erklärte Scholz. "Wir sind bereit, sie noch stärker zu unterstützen."

COP 27: Bundeskanzler Olaf Scholz verspricht 170 Millionen Euro für "die vom Klimawandel am schwersten betroffenen Länder".

Premierminister von Tuvalu Kausea Natano

 

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Montag, 7. November 2022

Weltklimakonferenz: Das ist irre

T-online Tagesanbruch  hier  von Johannes Bebermeier  07.11.2022

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

seien wir ehrlich, es klingt nach einem absurden Spektakel: Damit die Menschen endlich aufhören, die Erde zu zerstören, reisen dieser Tage 30.000 von ihnen aus aller Welt nach Ägypten. Viele mit dem Flugzeug, na klar, ist ja auch weit.

Damit es in Scharm el-Scheich nicht so holpert, wurden neue Straßen gebaut, fünfspurig in jede Richtung. Nicht so gut fürs Klima, umso besser für die klimatisierten Limousinen der Staats- und Regierungschefs. Ist ja so etwas Ähnliches.

Wenn die Mächtigen dann auf der Weltklimakonferenz COP27 angekommen sind, setzen sie sich Klimaziele, von denen sie ahnen, dass sie sie nicht erreichen werden. Und die selbst dann nicht genügen würden, wenn sie es aus Versehen doch schafften.

So zumindest war es bisher immer. Schon im Pariser Klimaabkommen 2015 haben sich die Staaten verpflichtet, die Erderhitzung auf maximal 2 Grad zu begrenzen. Doch selbst wenn alle Länder ihre aktuellen Klimapläne einhalten, heizt sich die Welt bis 2100 um 2,4 bis 2,6 Grad auf. Klingt irre, ist es auch.

Es spricht kaum etwas dafür, dass sich daran in Scharm el-Scheich viel ändert. Der russische Krieg gegen die Ukraine hat vielerorts eine Energiekrise ausgelöst, die eine Wirtschaftskrise ausgelöst hat.
In diesem Misthaufen der Krisen ist die Klimakrise nur eine von vielen und für viele nicht die größte. Es scheint ihr ewiges Schicksal zu sein.

Dabei müssen wir in der Klimakrise dringend handeln. Die vergangenen acht Jahre waren offenbar die wärmsten auf diesem Planeten. Europa erhitzt sich schneller als der Rest der Welt. Das illustrieren auch in Deutschland die brennenden Wälder und ausgetrockneten Flüsse. Und das sind nicht mal die einzigen Schreckensnachrichten der vergangenen Wochen. (Lesen Sie hier über weitere, falls Ihre Laune heute Morgen stabil ist.)

Ob sich die Welt in Ägypten überhaupt auf eine Abschlusserklärung einigen kann, bezweifeln manche. Es sei schwer vorzustellen, sagte ein skeptischer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Wochenende, dass Staaten wie Russland oder China bei der Klimakonferenz eine "konstruktive Rolle" spielen.

Deutschland will sich konstruktiver geben. Traditionell sieht sich die Bundesregierung auf diesen Konferenzen als Vorbild. Deutschland allein kann das Klima nicht retten, aber es kann zeigen, dass die Energiewende klappen und sich sogar lohnen kann. Auch für andere Staaten. So die deutsche Klimatheorie.

Nur sieht die deutsche Klimapraxis gerade ganz anders aus. Was die Überzeugungskraft dämpfen dürfte. Deutschland droht seine Klimaziele für 2030 deutlich zu verfehlen, urteilte der Expertenrat für Klimafragen erst am Freitag. Um ihr "Klimaschutzsofortprogramm" überhaupt noch rechtzeitig zur Weltklimakonferenz fertig zu bekommen, brachte die Ampelregierung es kürzlich ohne den völlig unambitionierten Verkehrssektor auf den Weg. Der zuständige Minister Volker Wissing soll seine Ambitionen bis nächstes Jahr nachliefern. Ein "Sofortprogramm" ist es nach einem knappen Jahr eh nicht mehr.

Auch in den Bundesländern läuft es mies. Als sich Bund und Länder kürzlich trafen, um darüber zu reden, wie weit der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangekommen ist, war das Fazit ernüchternd: Die meisten Länder weisen immer noch viel zu wenige Flächen für Windräder aus. Und wenn sie es tun, dauert es im bundesweiten Schnitt mehr als zwei Jahre, bis ein Windrad genehmigt ist. Was beides "bei Weitem nicht ausreicht", um die Ziele zu erreichen, wie es im Bericht heißt.

Genügend Gründe also für Klimaminister Robert Habeck, zu verzweifeln. Eigentlich. Doch wer Leuten in seinem Ministerium zuhört, der vernimmt trotz allem Hoffnung. Dass Deutschland erst mal mehr Kohle verbrennen und Flüssiggas einkaufen muss, gefällt dort zwar niemandem. Aber die Energiekrise mache jedem deutlich, dass man wegmüsse von den fossilen Energien. Selbst im chronisch zaudernden Bayern sei das angekommen.

Vielleicht geschehen also doch noch Zeichen und Wunder? Wenn selbst Bayern umdenkt, warum dann nicht auch der Rest der Welt?

Hoffnung lohnt sich. Denn bei all dem absurden Spektakel und all den verfehlten Zielen gilt am Ende: Jedes Zehntelgrad Erderhitzung weniger hat einen Effekt. Und zu verzagen, bringt nicht mal ein Hundertstelgrad.

Sonntag, 6. November 2022

Deutschland bei der Klimakonferenz

WiWo  hier  05. November 2022 | Quelle: dpa

In Sachen Treibhausgas-Sparziele sieht es nicht gut aus für Deutschland. Dennoch will sich die Bundesregierung bei der Klimakonferenz in Ägypten ins Zeug legen. Was könnte sich bewegen?

Die Klimakonferenz in Glasgow vor rund einem Jahr hat sie noch als Greenpeace-Chefin absolviert, nun ist sie die rechte Hand von Außenministerin Annalena Baerbock im internationalen Klimaschutz: Bei der Klimakonferenz im ägyptischen Scharm el Scheich hält Jennifer Morgan die Fäden in der deutschen Delegation zusammen. Ihren Zielen bleibt sie dabei nach eigener Einschätzung treu. „Ich kämpfe für jedes Zehntelgrad weniger Erwärmung”, sagte Morgan dem „Spiegel”. „Daran hat sich nichts geändert.”

Dabei bringt die heutige Staatssekretärin Morgan aus Deutschland eine Klimaschutzbilanz mit, die sie in ihrem früheren Job als Aktivistin wohl mit deutlichen Worten kritisiert hätte. Nur zwei Tage vor dem Start der Beratungen in Ägypten hat der unabhängige Expertenrat die aktuellen deutschen Klimaschutzbemühungen als unzureichend abgewatscht - auch wenn die um Nüchternheit bemühten Fachleute das nie so formulieren würden. Ihr Fazit: Unwahrscheinlich, dass Deutschland sein Ziel, den Ausstoß an Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, noch schaffen kann.

Donnerstag, 3. November 2022

Vor der Klimakonferenz in Ägypten: Europa hat ein Problem mit der Glaubwürdigkeit

Tagesspiegel  hier  Von Werner Hoyer  02.11.2022

Vor der Klimakonferenz in Ägypten: Europa hat ein Problem mit der Glaubwürdigkeit

Der Westen predigt den grünen Umbau - investiert aber in fossile Brennstoffe in Afrika. Das ist gefährlich kurzsichtig.

Die Europäische Union hat für den grünen Umbau der Wirtschaft ehrgeizige Pläne. Die 27 Mitgliedsstaaten sollen bis 2050 klimaneutral werden, in einem ersten Schritt müssen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 sinken. Dem Nachbarkontinent Afrika will die EU dabei helfen, seine Industrialisierung mit Strom aus Wind und Sonne emissionsarm zu gestalten.

Ab dem 6. November soll die UN-Klimakonferenz im ägyptischen Sharm-el-Scheikh Schwung in die Kooperation beider Kontinente bringen. Tatsächlich brauchen wir gerade wegen der Energiekrise endlich einen energiepolitischen Schulterschluss mit Afrika.

Seit fossile Energien knapp und teuer geworden sind, kauft Europa weltweit Öl und Flüssiggas – koste es, was es wolle. In Rekordtempo entstehen neue Terminals und Pipelines. Allen voran Deutschland bietet beispielsweise dem Senegal Hilfe bei der Erschließung neuer Gasfelder an – wenn das Gas dann nach Europa fließt.

Deutschland fehlt die Kraft für den klimafreundlichen Umbau