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Sonntag, 18. Dezember 2022

Streitgespräch über Wachstum:"Da rennen Sie in eine Falle"

 hier Süddeutsche Zeitung  27. März 2021, Von Michael Bauchmüller und Marlene Weiß

Muss die Menschheit dem Wirtschaftswachstum abschwören, um der Klimakatastrophe zu entrinnen? Oder können Preise das Wachstum in klimafreundliche Bahnen lenken? Ein Streitgespräch zwischen dem Klimaökonomen Ottmar Edenhofer und dem Postwachstums-Theoretiker Niko Paech.

Samstag, 22. Oktober 2022

Das Ende des Kapitalismus ist leichter gesagt als getan

 Frankfurter Rundschau  hier   21.10.2022  Von: Olivia Mitscherlich-Schönherr

Wachstum und Klimakatastrophe

Aber trotz aller Einbußen hätten wir viel zu gewinnen.

Growth, growth and growth“ – so deutlich wie kürzlich Liz Truss hat schon lange niemand mehr die Glücksformel des Kapitalismus verkündet. Wirtschaftswachstum sollte die ökonomischen Projekte tragen, die Liz Truss nach Kritik der Märkte schließlich das Amt als Premierministerin gekostet haben. Allerdings steht auch im Zentrum des „Fortschritts“, den die deutsche Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag „wagen“ will, Wirtschaftswachstum: „grünes Wachstum“. In der Zivilgesellschaft scheint sich jedoch Widerstand zu regen. Nicht zuletzt angesichts der Klimakatastrophe glauben insbesondere viele Klimaaktivist:innen nicht mehr recht an die kapitalistischen Glücksversprechen.

Das neue Buch der Ökonomin und „taz“-Journalistin Ulrike Herrmann, „Das Ende des Kapitalismus“, hilft, über die anstehende Systemfrage differenziert zu diskutieren. Zunächst lässt sich von Ulrike Herrmann lernen, dass man es sich nicht leichtmachen sollte mit der Kritik an der kapitalistischen Marktwirtschaft und ihrer Wachstumsorientierung. Ohne bestehende Ungleichheiten zu leugnen, führt Herrmann die zivilisatorischen Fortschritte vor Augen, die die kapitalistische Wachstumswirtschaft ermöglicht hat. Im globalen Norden konnten Hunger und Epidemien überwunden und breiter Wohlstand, allgemeine Bildung, Gleichberechtigung und Demokratie erreicht werden. Aber auch weltweit seien enorme Erfolge bei der Bekämpfung von Armut und Krankheiten sowie beim Zugang zu Elektrizität erzielt worden. Mit anderen Worten: Truss hatte recht, Wirtschaftswachstum als eine Quelle allgemeinen Wohlstands zu verstehen – und dies nicht nur für kleine gesellschaftliche Eliten und auch nicht nur in den wirtschaftlichen Zentren der Welt.

Montag, 6. Juni 2022

Wie wir den Kollaps herbeiwirtschaften

Diesen Artikel muss man einfach lesen!

Spiegel  hier 05.06.2022

DWS-Skandal und Nachhaltigkeitsziele / Eine Kolumne von Christian Stöcker

Haben Sie mitbekommen, dass diese Woche gleich zwei gewaltige Umweltskandale in den Nachrichten waren? Oder dass die Uno mittlerweile offen vor einem »globalen Kollaps« warnt? Nein? Das hat seine Gründe.
 Aus der von 2200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterzeichneten Menton-Botschaft von 1972

Man kann der Menschheit eigentlich nicht vorwerfen, dass sie nicht begriffen hätte, was sie sich selbst und ihrem einzigen Planeten antut. Im Gegenteil. Wir wissen seit mehr als fünfzig Jahren, dass unsere Art, den Planeten zu zerwirtschaften, für die Menschheit nicht langfristig überlebbar ist. Dabei spielte die Klimakrise in der oben zitierten Erklärung von Menton (ein Ort in Frankreich), die im Zusammenhang mit der ersten Uno-Nachhaltigkeitskonferenz der Geschichte vor 50 Jahren veröffentlicht wurde, noch gar keine Rolle.

Darin geht es trotzdem um diverse Probleme, die heute noch drängender, existenzieller sind als damals: Umweltzerstörung, Ressourcenverbrauch, Bevölkerungswachstum und Hunger, Krieg.
Die zwei apokalyptischen Reiter der Gegenwart, die permanent zunehmende Erhitzung von Atmosphäre und Ozeanen und das sechste Massenaussterben der Erdgeschichte, hatten die Unterzeichnenden damals noch nicht so klar vor Augen wie wir heute – aber natürlich sind beide direkte Auswirkungen der gleichen menschlichen Misswirtschaft.

Das Bruttoinlandsprodukt ist ein miserables Maß

Donnerstag, 2. Juni 2022

Stockholm+50 - Umweltgipfel soll Geist von 1972 wiederaufleben lassen

 WIRTSCHAFT im Handelsblatt hier

ROUNDUP

50 Jahre nach der ersten UN-Konferenz zum Thema Umwelt lädt die schwedische Hauptstadt Stockholm erneut zu einem internationalen Spitzentreffen ein.
Ab Donnerstag will sich die Konferenz Stockholm+50 zwei Tage lang mit Umweltthemen befassen.
Dabei soll es in der Heimatstadt von Klimaaktivistin Greta Thunberg vor allem um die Frage gehen, wie das Tempo beim Kampf gegen die Erderwärmung, das rasante Artensterben und die Vermüllung des Planeten drastisch erhöht werden kann. Neue konkrete Verpflichtungen und Beschlüsse werden nicht erwartet. Klima- und Umweltschützer wittern bereits ein Greenwashing-Event ohne echte Fortschritte.

Dienstag, 31. Mai 2022

Kreislauf­wirtschaft – das nächste große Thema?

Wieder mal ein Artikel aus der Börsen-Parallel-Welt. Ich bin froh um jede Innovation, die darin entsteht, frage mich allerdings gleichzeitig, ob ein wirkliches Heilmittel entstehen kann, wenn man in der immer gleichen Denkweise verhaftet bleibt. Versucht man da nicht mit immer neuen Mitteln den wirklich heilenden System-Umschwung vor sich her zu schieben oder gar zu verhindern?
Andererseits müssen wir in diesem System leben, wie sieht ein wirklicher Systemwechsel aus für die Menschen die darin leben? Mir fällt da spontan der Ansatz Gemeinwohl-Ökonomie ein.


Börsen-Zeitung  hier

GASTBEITRAG: TAXONOMIE

Donnerstag, 14. April 2022

Klimaexperte Klaus Hubacek: Warum uns technologische Neuerungen nicht retten werden

moment.at  hier

 Wie wir Klimapolitik betreiben, sei bereits ein globales Experiment, kritisiert IPCC-Autor Klaus Hubacek.
Wir dürfen nicht nur auf technologische Neuerungen setzen, durch die unsere Wirtschaft wie bisher unverändert weiterwachsen soll. Stattdessen braucht es auch eine Debatte über alternative Wirtschaftskonzepte und eine Änderung unseres Konsumverhaltens.
So ganz ohne technologische Neuerungen wird es dann aber doch nicht gehen - und auch Geoengineering werde eine Rolle spielen.

Freitag, 1. April 2022

Umweltschutz der 99%: Wenn Welten aufeinandertreffen

Geschichte der Gegenwart   hier  unten ist sehr gekürzte Fassung zu lesen

Den grossen Klimabewegungen der letzten Jahre ist es gelungen, das Thema der Umweltzerstörung und der Klimakrise ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es nicht einen Umwelt- respektive Klimaschutz gibt. 

...So wird deutlich, dass Klima- und Umweltschutz grundlegende politische Fragen aufwerfen. Es geht mit anderen Worten um Klimagerechtigkeit, wie der kürzlich erschienene Bericht des Weltklimarates IPCC noch einmal deutlich aufzeigt. Das herkömmliche Bild eines politisch neutralen Umweltschutzes verliert sichtlich an Plausibilität.

Klima- und Umweltzerstörung sind somit keine isolierten Probleme. Die Frage, wie wir uns zu unseren nicht-menschlichen Umwelten verhalten, tangiert jeden einzelnen Bereich des gesellschaftlichen Lebens. 

Dienstag, 8. Februar 2022

"Mehr ist nicht immer besser"

NTV  hier

Wirtschaft

Wenn Wachstum an seine Grenzen stößt

Immer mehr Unternehmen entscheiden sich gegen Wachstum. Die Forschung zeigt sogar, dass diese Firmen innovativer, sparsamer und krisenresistenter sind. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn nur ganz bestimmte Unternehmen können überhaupt eine solche Strategie in Erwägung ziehen.

Montag, 27. September 2021

«Die Frage nach dem Lebensstil wird sich bald sehr stark stellen»

Republik  hier

Warum ein einseitiger Fokus auf die Klimakrise vom wahren Ausmass der Probleme ablenkt und Wähler ein garantiertes Recht auf Fakten haben sollten. Transformations­forscherin Maja Göpel blickt auf einen deutschen Wahlkampf zurück, in dem der Kampf um Privilegien Zukunfts­fragen verdrängt hat.

Frau Göpel, vergangenes Jahr äusserten Sie in einem Interview die Hoffnung, dass die Wahlen 2021 in Deutschland fair ablaufen und die Spaltung der Gesellschaft nicht noch weiter befeuern. Stattdessen wurde der Wahl­kampf richtig schmutzig: Es ging weniger um Inhalte als um Angriffe auf den politischen Gegner bis hin zu Lügen. Was ist passiert?
Die alte Normalität wird zwar noch immer beschworen, aber sie greift nicht mehr. Das löst wahnsinnige Verunsicherung aus. Die Hälfte der Bundes­republik sagt: Es ruckelt gerade wie verrückt, jetzt müssen wir da durch und dann bauen wir Neues auf. Die andere Hälfte will das Versprechen hören, dass wir uns das Bekannte nun zurück­holen und wieder etablieren. Es ist ein Ringen um die Deutungs­hoheit darüber, was jetzt ansteht. Ein Richtungs­streit. Das ist eine Erklärung, warum der Wahlkampf derart eskaliert ist.

Samstag, 17. April 2021

"Angst vor Nullwachstum" contra "Wachstumspolitik von gestern"

Bürgermeister aus Salem, Owingen und Heiligenberg machen sich für den Regionalplan stark

"Die drei Bürgermeister Manfred Härle, Henrik Wengert und Frank Amann befürchten, dass der Bodenseekreis abgehängt wird, wenn nicht weitere Flächen für potenzielle Entwicklungen ausgewiesen werden. Den Gegnern des Regionalplans werfen sie „einen verklärten Blick auf die Realität“ vor."

BM Wengert versteigt sich im Artikel sogar zum uralten Angstspruch der Wachstumsideologen:
"Derzeit hätten die Kritiker des Regionalplans alle gerne Stillstand - aber Stillstand wäre ein Rückschritt". 

Wobei die Gretchen-Frage ist, auf welche "Kritiker alle" er sich denn bezieht?
Uns ist eine entsprechende Forderung nicht bekannt aus den Reihen der Regionalplan-Kritiker...., immerhin hatte eine Überprüfung durch die Scientists for future ergeben, dass 1250 ha Flächeninanspruchnahme gerade noch vertretbar seien - lieber weniger natürlich.

1250 ha sind immer noch ganz schön viel Fläche, die der Landwirtschaft entzogen werden. Bei 30 ha Durchschnittsgröße eines Landwirtschaftlichen Betriebes sind das über 40 landwirtschaftliche Betriebe mit Äckern, Wiesen und Wegen, die einfach so zubetoniert werden. Das sollte für eine flächensparende, nachhaltige Entwicklung doch wohl ausreichen.

In welchem Zeitalter bewegen sich denn die Herren Bürgermeister gedanklich? 
Kein Wort von Klimaschutz und Nachhaltigkeitszielen....nehmen sie die Krisen der heutigen Zeit überhaupt wahr?
Unser Aktionsbündnis spricht sich auch nie gegen Wohnungsbau aus, sondern gegen Flächenfrass. Wirtschaft muss ökologisch und ökonomisch gedacht werden. Das haben die Wirtschaftsverbände vielleicht besser verstanden als die sich  als "überbesorgt" inszenierenden Bürgermeister.. 

hier gehts zum Artikel für Abonennten


Hier ist die Antwort von Ulrike Lenski auf die Bürgermeister-Offensive.

hier geht`s zum  Antwort-Artikel im Südkurier

Sie ist Gemeinderätin in Salem und Mitglied sowohl des Kreistages als auch des Regionalverbandes

In ihrem Schreiben sprechen die drei Bürgermeister von Ideologien und davon, dass die Gegner einen verklärten Blick auf die Realität hätten. Sie bemängeln zudem, dass nur 14,73 Prozent der ausgewiesenen Flächen für Industrie- und Gewerbeansiedlung im Regionalplan auf den Bodenseekreis entfallen.

Stellt sich die Frage, wer hier einen verklärten Blick auf die Realität hat.
Diejenigen, die sich mutig der Wirklichkeit stellen und Wege suchen, den großen Herausforderungen unserer Zeit, dem Klimawandelt und dem Artenschwund, zu begegnen? Oder sind es nicht vielmehr diejenigen, die mit verklärtem Blick einfach weiter machen wollen wie bisher und eine Wachstumspolitik von gestern fordern.
Eine Politik, die uns zu diesem dramatischen Spannungsfeld geführt hat, in dem wir uns heute befinden, denn:  

Die Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Hervor zu heben ist, dass die sogenannte Unterdeckung im Bereich der Gewerbeflächen im Bodenseekreis der herausragenden Bodenseelandschaft geschuldet ist. Aus diesem Grund postulierte der Landesentwicklungsplan bereits 2002 eine klare Entlastung der Bodenseeuferregion. Pfullendorf und Sigmaringen wurden als Entlastungsregion genannt. Seit 20 Jahren war klar, wohin die Reise geht. Hat das je zu Konsequenzen im Flächenverbrauch geführt? Wenn wir einen Blick auf unsere Gewerbegebiete werfen, stellen wir fest, nein!

Die Herangehensweise der Bürgermeister lautet: „Wir legen den Bedarf an Gewerbefläche fest und dann muss dieser gedeckt werden. Wenn dafür Grünzüge aufgehoben, landwirtschaftliche Nutzfläche mit wertvollen Böden versiegelt, Naherholungsgebiete und Frischluftschneisen geopfert und in Landschaftsschutzgebiete eingegriffen werden muss, dann ist das ihrer Ansicht nach halt so. Diese Herangehensweise ist nicht zukunftsorientiert. In Zukunft werden wir uns fragen müssen, wie können wir mit minimalen Flächeneinsatz Wachstum generieren. Wie müssen Gewerbegebiete vom Flächenverbrauch, von der Mobilität, von der energetischen Versorgung her neu gedacht werden.

Gleiches gilt für den Wohnungsbau, bei dem die Bürgermeister die Sorge äußern, dass dieser in Zukunft nicht mehr bezahlbar sein werde. Dabei lassen sie außen vor, dass es genau ihre Politik der herkömmlichen Neubaugebiete oder hochpreisigen Stadtvillen war, die in der Vergangenheit keinen bezahlbaren Wohnraum generiert hat. Auch hier müssen wir Wohngebiete in ihrer Gesamtkonzeption neu zu denken. Verdichteter Bauweise, sinnvolle Anlage von Gemeinschaftsgrün, energetischen Versorgung, es braucht hier attraktive und intelligente Lösungen. So sehen es die Befürworter eines Regionalplans, der die Flächenverbräuche reduziert. Im Übrigen fordern diese, und das sei an dieser Stelle ausdrücklich betont, kein Nullwachstum!

Immer wieder wird von den Bürgermeistern hervorgehoben, dass es sich beim Regionalplan lediglich um ein Angebot handelt, durch die kommunale Planungshoheit die letzte Entscheidung beim Gemeinderat läge. Im gleichen Atemzug heben sie jedoch die Notwendigkeit der Flächenausweisung in großem Umfang und ihren unbedingten Willen, diese in Anspruch zu nehmen, hervor. Wie wenig sie dabei die kommunale Planungshoheit schätzen, tun sie dadurch kund, dass sie sich dafür aussprechen, die Entscheidung der Gemeinderäte Salem und Friedrichshafen im Regionalplan nicht um zu setzten.