Es ist die vierte Ausgabe: Nach der
Autoindustrie, dem Wohnen und Bauen sowie der Gesundheit widmet sich
Baden-Württembergs Landesregierung jetzt in einem neuen Strategiedialog
den Herausforderungen eines weiteren Feldes: der Landwirtschaft. Das
Format, das auf die Initiative von Ministerpräsident Winfried
Kretschmann (Grüne) zurückgeht, soll Politik, Wirtschaft und auch
Verbände an einen Tisch bringen, um die Probleme eines
Gesellschaftsbereiches gemeinsam anzugehen sowie Lösungswege zu
erarbeiten.
Bei der baden-württembergischen Landwirtschaft hat
das Land mehrere Ziele: Es sollen zum einen Wege aufgezeigt werden,
damit die kleinstrukturierte, bäuerliche Landwirtschaft im Südwesten
erhalten bleibt. Zum anderen sollen regionale Produkte gestärkt und der
Bio-Anteil erhöht werden. Man wolle das richtige Maß finden, „bei dem
das Land nachhaltig bewirtschaftet, Artenvielfalt erhalten, das Tierwohl
beachtet und Kulturlandschaften gepflegt werden“, erklärt Kretschmann
am Freitag zum Auftakt des neuen Strategiedialogs in der Stuttgarter
Liederhalle. Und in diesem ganzen Prozess müssten die Landwirte
angemessen bezahlt werden, so der Grünen-Politiker weiter.
Laut
Kretschmann habe der Ukraine-Krieg bisherige Selbstverständlichkeiten
ins Wanken gebracht. „Auch die, dass wir uns um die
Lebensmittelsicherheit keine Sorgen machen müssen“, so der
Regierungschef.
„Es ist alles andere als selbstverständlich, dass
die Landwirtschaft funktioniert“, sagt auch
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), der zum Auftakt extra
nach Stuttgart gekommen ist. Da es ohne Essen und Trinken nicht gehe,
müssten „Bäuerinnen und Bauern bei der Systemrelevanz an der ersten
Stelle stehen“, erklärt er. Doch von netten Worten könnten sich die
Landwirte nichts kaufen. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein
Umsetzungsproblem“, sagt Özdemir. Er plädiert unter anderem dafür, den
Flächenverbrauch zugunsten der Lebensmittelproduktion zu verändern. „Wir
müssen weniger für die Tonne produzieren“, sagt Özdemir mit Blick auf
die elf Millionen Tonnen Lebensmittel, die in Deutschland pro Jahr
weggeworfen würden. Dies sei einfach zu viel. Generell müsse es aber das
Ziel sein, dass die Tierhaltung und die gesamte Landwirtschaft
zukunftsfest gemacht würden. Dem Bundesminister geht es hier unter
anderem um Preissicherheit oder auch um den Öko-Landbau.
Südwest-Landwirtschaftsminister
Peter Hauk (CDU) bereitet das Höfe- sterben Sorgen. Zudem fordert er
mehr Unterstützung für konventionelle Landwirte.
Beim
Strategiedialog werden zunächst Arbeitsgruppen eingesetzt. Konkrete
Ergebnisse sollen bis zum Sommer 2024 vorgelegt werden.