Presseeinladung vom 25.02.2022
Einladung zum Jubiläumswochenende
und
insbesondere zur
Austauschrunde über die Zukunft der Besetzung am Sonntag
Heute vor einem Jahr starteten eine Hand
voll Aktvist*innen aus Ravensburg und Umgebung die Dauerbesetzung der
Rodungsfläche im Altdorfer Wald bei Grund. Zu diesem Anlass gibt es dieses
Wochenende ein umfassendes Jubiläumsprogramm, zu dem die Öffentlichkeit
herzlich eingeladen ist. "Unser Ziel ist es, das Waldstück vor der
Zerstörung durch Profitgier zu beschützen", so Samuel Bosch damals. An den
Zielen hat sich bis heute nichts geändert, wohl aber an der Besetzung selbst.
"Die ersten drei Menschen, die in
den Wald zogen, waren wie ich 18 Jahre alt", erinnert sich Bosch.
"Heute ist es vor allem die ältere Generation aus Anwohner*innen der
umliegend Orte, die das Projekt vorantreiben". Zwar würden immer noch
hauptsächlich junge Menschen im Wald übernachten und leben. Doch organisierend
seien mittlerweile vor allem Anwohner*innen tätig. "Wir sind ja
unmittelbar von der Zerstörung unserer Trinkwasserquellen und von der täglichen
Lärmbelastung durch den Kiesexport betroffen", so Martin Lang (54) aus
Oberankenreute. "Wir Ältere organisieren Mahnwachen, leisten
Vernetzungsarbeit, organisieren Veranstaltungen wie kürzlich die Vernissage im
Wald und vieles andere mehr. Einige von uns haben bei den Jüngeren auch das
Aktionsklettern gelernt", so Lang weiter. Etwa war es Lang, der zusammen
mit zwei jüngeren Menschen an der Basilika in Weingarten ein CDU-kritisches
Banner anbrachte.

Auch baulich veränderte sich die
Besetzung: Statt einer provisorischen Plattform sind es jetzt rund
20
Baumhäuser und Plattformen in bis zu 25 Meter Höhe. "Wir haben ein großes
Küchenbaumhaus und viele Schlafplätze in den Bäumen", so Charlie Kiehne
(19) heute. Kiehne kommt ursprünglich aus Ulm. Sie zog im Sommer in den
Altdorfer Wald, um in der Besetzungsgemeinschaft zu leben. "Wir müssen
unser Denken grundsätzlich verändern.
Es ist ein Symptom eines falschen
Denkens, wenn Menschen auf die Idee kommen, einen uralten Wald für Profite und
Wachstum zu roden. Wieso ist es legal, Bäume zu fällen, die weit älter als man
selbst ist, aber illegal, sie zu beschützen?", fragt Kiehne.
Die Besetzer*innen sehen ihr Projekt als
eine Art Experiment nachhaltiger und solidarischer Gesellschaftsorganisation.
"Wir kamen wegen des undemokratischen Kiesabbaus, stellten aber über die
Zeit fest, dass viele Bürger*innen sich ebenfalls die Systemfrage
stellen", erzählt eine der Dauerbesetzerinnen.
"
Was erlauben wir uns eigentlich?
Angesichts der Erdaufheizung in großem Stil Wald zu roden, nur um einen
Rohstoff abzubauen, der nachweislich diese Erdaufheizung befeuert und dank
Alternativen auch eingespart werden könnte?", ärgert sich Unterstützer
Manfred Scheurenbrand (66) aus Waldburg. Er verfolgt die Aktionen der
Aktivist*innen schon seit dem ersten Baumhaus in Ravensburg. "Ich bin
beeindruckt, wie diese jungen Menschen bei Wind und Wetter im Wald sind.
Wir
brauchen die Menschen in den Bäumen!". Seit der Dauerbesetzung kommt er
regelmäßig in den Wald. "Ich unterstützte ab dem Moment, in dem ich
merkte, dass es sich bei den Besetzer*innen um engagierte nachdenkliche junge
Menschen handelt." Seitdem bringt er regelmäßig warme Suppe oder hilft
anderweitig, um so seinen Beitrag zum Klimaprotest zu leisten.
Heute erschien in der Schwäbischen Zeitung eine ganze Seite mit vielen Bildern
hierProtest aus dem Wald: Seit einem Jahr leben Aktivisten in Baumhäusern