KlimaCamp Ravensburg übernimmt Forderungen des Aktionsbündnisses für einen zukunftsfähigen Regionalplan
Bodenseekreis,
Kreis Ravensburg und Kreis Sigmaringen betreffend für die nächsten 15 Jahre
Raumplanung zeigt, wo
in Zukunft welche Nutzung an Flächen stattfinden soll. Für die Region Bodensee-Oberschwaben
macht das der Regionalplan. Der aktuelle Entwurf soll bis 2035 gelten, die zweite
Offenlegung erfolgte im Dezember 2020, bis 26.02.2021 können Stellungnahmen
eingereicht werden, bis Sommer 2021 soll der aktuelle Plan abgeschlossen sein.
Politische
Grundlagen:
· Verlautbartes Klimaziel der Bundesregierung im Pariser
Abkommen 2015, bestätigt beim EU-Gipfel im Dezember: 1,5 Grad,
entspricht Einsparung von 55 Prozent CO2 bis 2030
· Verlangsamung des Flächenverbrauchs bis 2030 auf 30
Hektar pro Tag bundesweit
Unsere Forderungen:
Zukunftsfähige Klima- und
Nachhaltigkeitsziele statt unverantwortlichem Wirtschaftswachstum!
Adäquate
Bevölkerungsvorausberechnung des statistischen Landesamtes als Grundlage der
Berechnungen: 3% statt 10%!
· Maximal 1.500 Hektar für neue Bau
(Wohnbau und Gewerbebau) und Verkehrsflächen sowie Rohstoffabbauflächen statt
aktuell 2.730 Hektar
o
bereits ausgewieseneFlächenreserven
(145 ha allein für Kreis Sigmaringen) sowie Planungen nach §13b BauG (110 ha Kreis
Sigmaringen) müssen mit einberechnet werden!
o
Beton-Paragraph 13b
abschaffen!
o
Bau und Betrieb von Gebäuden verursachen in Deutschland ca. 40 % des CO2-Ausstoßes --> Bauwende dringend nötig!
o
Durch den geplanten Flächenverbrauch
wird in unserer Region etwa eine halbe Million t CO2 freigesetzt werden!
·
Echte Verkehrswende mit mehr ÖPNV regional wie
überregional und mehr Fahrradverkehr, Schwerlastverkehr auf die
Schiene à klimaschädlichen
Individualverkehr reduzieren!
o Nein
zur B311/313neu (Nordtrasse zwischen Mengen und Meßkirch) wegen Durchschneidung
großer, teilweise geschützter Waldgebiete,
o stattdessen
Modernisierung der
Bahnlinie Freiburg-Ulm
o
Elektrifizierung und Reaktivierung bestehender
Schienenstrecken wie Zollernbahn, Ablachtalbahn, Räuberbahn, Donautalbahn….
· Mehr Vorrangflächen für Natur-, Boden-
und Wasserschutz und nachhaltige Landwirtschaft à
C02-Speicher und CO2-Produktion
o Erhalt
und Erweiterung der Grünzüge (Altdorfer Wald, Schussen- und Argenauen, Salemer
Grünzug…)
·
Klimafreundliche Bauleitplanung festschreiben, ausreichende Flächen für klimafreundliche,
erneuerbare Energien planen!
Was genau hat der
Regionalplan mit Klimaschutz zu tun?
1. Die Raumplanung kann die Senken für klimawirksame Gase schützen.
Senken sind die Flächen, die CO2 binden können – im Humus, in
Moorböden, in Holz usw. Allein die Flächen, die der neue Regionalplan
bebauen will, speichern zur Zeit bei vorsichtiger Schätzung eine knappe halbe
Million to CO2, die Flächen für den Straßenbau noch gar nicht
mitgerechnet. Wenn diese Flächen bebaut werden, müssen wir das freigesetzte CO2
zusätzlich noch einsparen.
2. Im Regionalplan werden Verkehrsprojekte festgelegt. Dabei gibt es bisher
einen deutlichen Überhang an Straßenbauprojekten. Der motorisierte
Individualverkehr ist sehr stark klimaschädlich.
3. Regionalplanung steuert die Siedlungsstruktur. Die kann z.B. die
Kfz-Fahrleistung minimieren. Sie kann aufgrund ihrer Dichte den Energieverbrauch
senken. Die Siedlungsstruktur kann einen möglichst geringen Aufwand für
Infrastruktur pro Gebäude bzw. Bewohner erzeugen. Wenn möglichst dicht gebaut
wird.
4. Die Raumplanung legt die Flächen fest, die für erneuerbare
Energien genutzt werden können: Windräder, Photovoltaik, Wasserkraft und
Energie aus Biomasse.
Regionalplanung
basiert auf angenommenem Wachstum der Bevölkerung
Die Bevölkerungsvorausberechnung
des Statistischen Landesamtes kommt für die Region auf ein Wachstum von
knapp 3% (das sind ca. + 17.000 EW). Sie rechnet nur mit den
demographischen Fakten: Geburten und Sterbefälle aufgrund der
Alterszusammensetzung, Zu- und Abwanderung im Mittel der vergangenen Jahre.
Der Regionalplan kommt
in seiner Bevölkerungsprognose auf ein Wachstum von gut 10 %
(ca. + 65.000 EW). Er begründet die Prognose mit den sozio-ökonomischen Zahlen
und Fakten der letzten Jahre: Wohnungsmarkt, Pendlerzahlen, wirtschaftliche
Entwicklung usw. Das ist nicht falsch. Aber es ist etwas völlig anderes. Und
genau das ist das Problem. Der Regionalplan zeigt einen unbedingten Willen
zum Wachstum.
Was zeigt uns das? Es
zeigt, dass in den Köpfen der Mehrheit unserer Bürgermeister, Landräte und
Lokalpolitiker das wirtschaftliche Wachstum immer noch das zentrale Leitbild
ist. Und dass sie im Moment beim Klimaschutz über Lippenbekenntnisse nicht
wesentlich hinauskommen.
Barbara Herzig, Aktionsbündnis für einen zukunftsfähigen Regionalplan, barbara.herzig@t-online.de