Sonntag, 27. September 2026

„Geht nicht elektrisch“ ist kein Naturgesetz.

 

Rico Grimm

Das ist ein ganz normales Containerschiff. Bis auf eine Kleinigkeit: Es hat keinen Tank.

Die „Ning Yuan Dian Kun“ kann 742 Container laden, pendelt südlich von Shanghai und fährt voll elektrisch. Der Strom kommt als Fracht an Bord: Die Akkus stecken in Containern, ein Kran hebt leere vom Schiff und stellt volle daneben. 

„Geht nicht elektrisch“, urteilten Machbarkeitsstudien lange über die Schifffahrt. Denn Diesel birgt pro Kilogramm 40- bis 80-mal mehr Energie als eine Batterie. So ist die Physik. 

Aber der Akkupreis fällt und verschiebt die Rechnung hin zu Batterien.

Schiffsbatterien fielen seit 2012 von rund €1.400 auf unter €400 pro Kilowattstunde, 2030 sollen es gut €200 sein. Eine Nature-Energy-Studie zeigte 2022: Sinkt der Zellpreis Richtung $100, lassen sich über 40 Prozent des globalen Containerverkehrs wirtschaftlich elektrifizieren – auf Routen unter 1.500 Kilometern.

„Geht nicht elektrisch“ ist kein Naturgesetz.

Die elektrische Flotte wächst: Seit 2024 kreuzt die Green Water 01 von COSCO mit 700 Containern auf dem Jangtse. Die Scandlines-Fähre „Baltic Whale“ fährt vollelektrisch zwischen Puttgarden und Rødby, die Frisia E-1 nach Norderney. Norwegens Eitzen Gruppe baut zwei Zubringerschiffe für je 850 Container – nach Stapellauf die größten vollelektrischen Schiffe der Welt. 944 Schiffe mit großen Batteriesystemen fuhren 2024 weltweit, 451 weitere sind im Bau.

Und doch: Es bleibt schwer. 

Nur etwa 18 Prozent der Flotte fahren rein elektrisch, knapp zwei Drittel sind Hybride. 

Für die Hochsee fehlen realistische Lösungen. Denn kein Schiff kann die halbe Ladekapazität für Batterien opfern. Und das wäre derzeit nötig.

Trotzdem halte ich die volle Elektrifizierung der Schifffahrt für möglich. Batterien als Technologie sind vergleichsweise jung – und werden mit absurdem Tempo besser.

Vor allem aber: Jede zweite Tonne Seefracht ist fossil – Rohöl, Kohle, Gas. Je weiter die Energiewende voranschreitet, desto weniger davon muss über die Meere. 

Die Aufgabe ist kleiner, als die heutige Flotte vermuten lässt.


Im Newsletter zeige ich dir noch, warum die größte Reederei der Welt zwar auf Schiffsdiesel verzichtet, aber doch mehr CO2 ausstößt: https://www.cleantech.ing/p/gr-ere-schiffe-elektrisch-ja-das-geht

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