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Dienstag, 19. Mai 2026

Wollen wir unsere Chance nutzen?

 

Martin Tillich / Utopia

Was ist das größte Missverständnis der Energiewende?

Diese Frage hat mir Katharina Reuter auf unserem gemeinsamen Panel beim Sustainable Economy Summit gestellt.

Meine Antwort in Kurzform: Dass wir die Energiewende in Deutschland noch immer häufig wie ein Problem behandeln, obwohl sie ein große Chance und längst Teil einer globalen industriellen und geopolitischen Transformation ist.

Und noch etwas: Wenn unsere Wirtschaftsministerin heute vor allem die Logik des fossilen Systems verteidigt, ist das kein Missverständnis, sondern ein Missstand.

Montag, 28. Juli 2025

Die Deutschen haben keineswegs die Nase voll vom Klimaschutz - wir haben es lediglich mit einer lautstarken Minderheit zu tun, die bremsen will


Christian Stoecker  hier auf  LinkedIn

Kolumne: Die Profiteure fossiler Brennstoffe sind gut darin, mit tatkräftiger Unterstützung gewisser Medien und Politiker, die reale Zustimmung zu starkem Klimaschutz kleinzureden. 

Das ist so wirksam wie fatal - und falsch: 80% der Weltbevölkerung wollen mehr Klimaschutz. 

Sonntag, 4. August 2024

ERDÜBERLASTUNGSTAG - was soll uns das sagen? Fakten und Gedanken dazu

Geo hier MEINUNG von Peter Carstens 01.08.202

Die ökologische ist auch eine politische Krise

Schon am 1. August hat die Menschheit – rechnerisch – die Ressourcen verbraucht, die ihr für das ganze Jahr zur Verfügung stehen. Es ist kein Zufall, dass im Zeitalter von Überkonsum, Klima- und Artenkrise auch Demokratie und Menschenrechte unter Druck geraten

Montag, 30. August 2021

"Nichtstun ist die teuerste Lösung"

Öko-Test hier  Auszüge aus dem Artikel

Chef der Verbraucherzentralen zur Klimawende

Wenn wir den Klimaschutz mit Akzeptanz ausstatten wollen, muss ich akzeptieren, dass in unserem Land nicht alle 83 Millionen Menschen die gleiche Meinung, die gleichen Bedürfnisse und die gleichen Möglichkeiten haben. Dann muss ich dafür sorgen, dass ich auch diejenigen gewinne, die heute skeptisch oder wenig leistungsstark sind. Daraus folgt: Wir brauchen eine direkte Rückerstattung der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung, eine soziale Abfederung und eine technische Infrastruktur, die es den Menschen erlaubt, sich klimaschonend zu bewegen, zu heizen, zu wohnen.

Und schließlich müssen wir aufpassen, dass Klimaschutz keine schiefe Gerechtigkeitsdebatte auslöst. So gut CO2-Preise sind: Mit einem dicken Geldbeutel kann ich mich auch weiterhin ökologisch miserabel verhalten. Um das zu verhindern, braucht es Regeln, die für alle von uns gelten. Ein Beispiel sind Standards für den maximalen Energiebedarf von Häusern oder die Höchstgeschwindigkeit auf Straßen.

Eine kluge Klimaschutzpolitik ist also ein Mix aus einer öffentlichen Infrastruktur, aus einer CO2-Bepreisung und aus bestimmten Regeln, die für alle von uns gelten.

Was fordern Sie von der Politik?

Wichtig ist, den Menschen reinen Wein einzuschenken. Ich kann die Politik nur ermuntern, auch mit denjenigen zu sprechen, die Klimaschutz leugnen oder ablehnen. Das ist vielleicht die lauteste aber nicht die größte Gruppe. Aber jeder Politiker, der denkt, der Klimawandel würde sich von allein erledigen, täuscht die Menschen.

Das wird sich die nächste Bundesregierung schlicht nicht leisten können. Der ehrliche Diskurs ist das, was notwendig ist. Und das muss man auch hart und ehrlich mit den Menschen auf der Straße diskutieren. Meine schwierigste Gruppe sind nicht die Protestler, sondern die, die mit einem knappen Geldbeutel auskommen müssen. Sie müssen die Chance haben, an unserem gesellschaftlichen Leben weiter teilhaben zu können. Wenn fünf Euro CO2-Preis mehr im Monat eine Einschränkung der Lebensqualität bedeutet, muss ich das als politscher Entscheider berücksichtigen.


Angenommen, Sie wären an den Verhandlungen der nächsten Bundesregierung beteiligt. Welche drei Dinge würden Sie den Akteuren in den Koalitionsvertrag schreiben?

Erstens eine hundertprozentige pro-Kopf-Rückerstattung eines ambitionierten CO2-Preises als sozial gerechtes Instrument des Klimaschutzes.

Zweitens einen massiven Ausbau des bedarfsorientierten, öffentlichen Personennahverkehrs als Bundesaufgabe. Ein Baustein sind hier digital vernetzte Sammeltaxis.

Drittens ein engagiertes Programm zur energetischen Gebäudesanierung und eine hälftige Aufteilung der CO2-Kosten zwischen Vermietern und Mietern.

Montag, 19. Juli 2021

Klimavorbehalt in Österreich

Schwäbische Zeitung hier von Ulrich Mendelin, Auszüge in blau
Vorarlberg bangt um Schnellstraße in die Schweiz

Es geht um die Bodensee-Schnellstraße, eine 8,5 Kilometer lange und 1,5 Milliarden Euro teure Verbindung zwischen Dornbirn und dem Schweizer Grenzort St. Margrethen. Von „einem der wichtigsten Straßenbauprojekte im Westen von Österreich“ spricht die nationale Autobahngesellschaft Asfinag. ......
Vielleicht wird es den auch nie geben. Seitdem in Wien eine Koalition aus ÖVP und Grünen regiert, ist Leonore Gewessler für den Verkehr und damit für die Asfinag zuständig – gleichzeitig aber auch für die Bereiche Klima und Umweltschutz. Nun hat die Ministerin verfügt: Alle Asfinag-Projekte, die noch nicht in Bau sind, werden einem Klimacheck unterzogen. Im Herbst fällt dann eine Entscheidung, ob weitergebaut wird.

Montag, 12. Juli 2021

Die Faltung der Welt

Ein ganz und gar erhellender Artikel!

FAZ   hier

Wachstum und Vielfalt in einer endlichen Welt: Wie sich mit dem mathematischen Blick auf die bestehenden Probleme die Klimakrise lösen ließe. Ein Gastbeitrag von ANDERS LEVERMANN

Wir befinden uns am Ende eines Zeitalters, des Zeitalters der Expansion – und brauchen ein neues Narrativ für den nächsten Schritt. Die Begrenztheit unserer Erde kollidiert mit der Realität und Notwendigkeit rasanter gesellschaftlicher Entwicklung. Wenn man akzeptiert, dass beides harte Realitäten sind, dann stehen wir vor einem wirklichen Dilemma von Begrenztheit und Dynamik. Der verzweifelte, wenn auch verständliche Ruf nach Verzicht und Rückbesinnung ist hilflos und wenig zielführend, denn er löst das Dilemma nicht auf. Das mathematische Prinzip der Faltung könnte diese Lösung liefern, denn es erlaubt unendliche Bewegung in einer endlichen Welt durch Wachstum in die Vielfalt. Nicht Wachstum ins Mehr, sondern Wachstum in die Diversität. Und zwar nicht theoretisch, sondern sehr praktisch.

Viele haben mittlerweile begriffen, dass ungebremster Ressourcenverbrauch und die damit produzierten Schadstoffe wie Kohlendioxid und Mikroplastik unsere Erde an den Rand der Bewohnbarkeit treiben werden. Es ist evident, dass der Klimawandel gestoppt werden muss und dass das nur der Anfang der Lösung unseres Nachhaltigkeitsproblems ist. Wir leben auf einem endlichen Planeten mit endlichen Ressourcen. Das ist den meisten klar, und nicht nur Fridays for Future, sondern die große Mehrheit der Bevölkerung fordert Lösungen.

Absolut essenziell ist aber, dass die Lösung einer wichtigen Nebenbedingung verpflichtet sein muss: Wir müssen uns weiterentwickeln und müssen gesellschaftliche Errungenschaften, wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Gleichberechtigung und Verringerung von Armut, die in den letzten Jahrhunderten erkämpft wurden, erhalten und weiter verbessern.
Nachhaltigkeit muss Fortschritt sein, nicht Rückschritt, wenn sie den Menschen dienen soll.
Das Argument, dass es neben der Begrenzung des Klimawandels auch andere gesellschaftliche Notwendigkeiten gibt, ist ebenso richtig wie trivial. Es wurde von Bremsern über Jahrzehnte hin verwendet und ist deshalb von Unredlichkeit beschmutzt. Aber es hat einen Kern, der genauso wahrhaftig ist wie die Bedrohung durch das Kohlendioxid: Unsere Gesellschaft muss sich stetig entwickeln können.

Einerseits weil wir noch lange nicht alles erreicht haben, was notwendig ist. Es gibt weiterhin Not und enorme Ungerechtigkeit auf der Welt, und das Nachhaltigkeitsproblem selbst erzwingt immer neue Innovationen auch jenseits des Klimas. Tatsächlich ist der Grund aber wesentlich tiefer, denn Gesellschaft muss sich bewegen können, um stabil zu sein. Bewegung und Stabilität sind kein Gegensatz, sondern bedingen einander......

Die Herausforderung, unendliches Wachstum im endlichen Raum zu ermöglichen ist der Kern der mathematischen Chaosforschung und wurde in der Physik bereits vor dreißig Jahren intensiv untersucht. ...

.....Die Existenz von Grenzen ist hierbei nur eine notwendige Voraussetzung für die Faltung. Die Faltung entsteht dadurch, dass das System sich entwickelt und zu jedem Zeitpunkt voranschreitet. Im endlichen Raum ist das dadurch möglich, dass sich die Richtung der Entwicklung stetig ändert. Das Wertesystem ändert sich. Zum Beispiel ist es der neuen Generation nicht mehr wichtig, das größte Auto zu haben, sondern möglichst schnell und bequem von einem Ort zum anderen zu kommen. Diese Anpassung von Werten erlaubt eine stetige „Verbesserung“ der Gesellschaft im Rahmen des derzeitigen Wertesystems.......Jede Generation emanzipiert sich von der vorherigen dadurch, dass sie ihre Kultur erneuert. 

Das Wachstum in die Vielfalt ist ein sehr hartes Prinzip. Es stabilisiert das Internet und die Ökosysteme. Biodiversität ist ein Grundpfeiler der natürlichen Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme gegenüber Veränderungen. Das Internet wurde erschaffen, um möglichst stabile Kommunikationsverbindungen zwischen zwei Punkten zu erschaffen. Durch die Vielfalt der Verbindungen ist es wesentlich stabiler als eine Einzelverbindung, sei sie auch noch so gut gesichert. Und auch in der Wirtschaft ist die Vielfalt die allgegenwärtige Lösung: Es werden ständig neue Dinge erschaffen, um die Nachfrage hoch und die Wirtschaft in Bewegung zu halten. Es ist also ein wahrhaft allgegenwärtiges Prinzip. Es entfaltet Wettbewerb und Innovationsgeist.

.... Wir müssen auch in der Zukunft Marktwirtschaft erlauben und mit ihr die gesamte Palette der Errungenschaften einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft. Was verhindert werden muss, ist das Wachstum in die faktische Unendlichkeit, das Sprengen unserer planetaren Grenzen, das Erschöpfen unserer globalen Gemeinschaftsgüter. Schon heute setzen wir unserem Handeln Grenzen, dort wo wir sie für ethisch notwendig halten: etwa bei Sklaverei, bei Kinderarbeit, bei dem Handel mit radioaktivem Material.

Der Europäische Emissionshandel ist solch eine Grenze. Er begrenzt den Ausstoß von Treibhausgasen. Und auch er wird eine Faltung induzieren, solange er konsequent von der Politik durchgehalten wird; und solange die Wirtschaft, die in diesem Fall das dynamische System darstellt, fest davon ausgehen kann, dass diese gesetzten Grenzen auch Grenzen bleiben. Denn dann werden die Grenzen Teil des dynamischen Systems, und es kann mit ihnen arbeiten. Sie in ihre Strategien einbauen. Erfinderisch werden.

Lange hat sich die Weltwirtschaft quasisynchron mit dem Ölpreis entwickelt, und damit bedeutete wirtschaftliches Wachstum auch Kohlendioxidausstoß. Wir können heute Wachstum und Emissionen entkoppeln. Mit dem Vertrauen der Wirtschaft da hinein, dass die Politik die faktische Endlichkeit des Systems Atmosphäre und damit die Notwendigkeit für Nullemissionen bis 2050 durchsetzt, wird eine Knappheit generiert, die zu Innovation führt, wenn man sie lässt. Das ist das Prinzip der Faltung.

Wenn die Erwärmungsgrenze unseres Planeten Teil des Wirtschaftssystems wird, wie seit Jahrzehnten von Ökonomen wie Ottmar Edenhofer und anderen gefordert, dann führt sie zu mehr Wettbewerb und Innovation, nicht trotz, sondern gerade wegen der gesetzten Grenzen. Ein dynamisches System, das sich unbegrenzt frei entfalten kann, kann in der Mathematik keine Vielfalt entwickeln. Es stirbt, oder es explodiert. Nur die Endlichkeit kreiert die Vielfalt. Oder etwas flapsig in der Sprache der Ökonomie: Knappheiten machen kreativ.

Ein Plastikverbot generiert alternative Verpackungen und alternative Wege des Konsums. Das Entscheidende ist, dass der Weg nicht vorgegeben wird, sondern nur die Grenzen gesetzt werden, die das System nicht überschreiten darf. Das ist das Gegenteil von Planwirtschaft.

Grenzen generieren Wachstum

Warum aber kann das Prinzip der Faltung tatsächlich mehr sein als nur eine mathematische Beschreibung existierender Ideen? Es wird dann interessant, wenn wir es als Prinzip neben die anderen gesellschaftlichen Grundprinzipien stellen. Wenn wir die Endlichkeit unserer Ressourcen und anderer begrenzter Dinge als Grundprinzip akzeptieren. Dann kann das Prinzip der Faltung die Antwort auf eine Reihe großer Probleme sein. Das eine ist das Problem der Nachhaltigkeit. Ein anderes ist die Explosion der Einkommens- und Reichtumsunterschiede zwischen Ländern und Individuen. Und wieder ein anderes ist die Monopolisierung unserer Wirtschaft, insbesondere unserer digitalen Wirtschaft. Eine kleine Gruppe von Konzernen hat sich durch unbegrenztes Wachstum aus dem Wettbewerb verabschiedet. Gleichzeitig gefährden sie, um es gelinde auszudrücken, durch ihre Größe das Primat der Politik über die Wirtschaft und beeinflussen unsere Weltwahrnehmung in einem nicht kon­trollierbaren Maße.Das liegt unter anderem an ihrer Größe. ....... 

Neben der nationalen Beschränktheit der Kartellbehörden ist ein grundsätzlicher Fehler, dass es eine Einzelfallentscheidung bleibt. Es ist nicht wirklich Teil der Systemdynamik, sondern ein Instrument, das von der Idee her eigentlich eher in eine Plan- als in eine Marktwirtschaft passt. Das würde sich fundamental ändern, wenn das Faltungsprinzip eingeführt würde, zum Beispiel durch die fiskale Einführung einer faktischen Firmenobergrenze. Ebenso, wie im Pariser Klimaabkommen 195 Staaten beschlossen haben, eine Obergrenze für die Erderwärmung einzuführen, so kann sich eine Gesellschaft dazu entschließen, dass ein Konzern nicht mächtiger sein darf als der Staat, in dem er operiert, um die politische Macht im Staat bei der Bevölkerung zu halten. Das würde fast alle Firmen nicht direkt oder nur marginal betreffen.

Entscheidend für die Faltung ist, dass es keine Einzelfallentscheidung von Kartellbehörden ist, sondern Teil der Wirtschaftsdynamik. Die genaue Umsetzung ist eine wichtige Detailfrage, entscheidend aber ist, dass eine faktische Obergrenze für Unternehmensgewinne eingeführt wird, die allerdings für fast alle Firmen keine Steuererhöhung bedeuten würde, sondern in weiten Teilen sogar eine Steuerersparnis. Es geht explizit nicht darum, mehr Steuern für den Staat zu generieren......

Die genaue Umsetzung des Prinzips der Faltung ist natürlich zu diskutieren. Entscheidend ist die Verlässlichkeit der Grenzen und die Einfachheit und Transparenz der Regel, damit sie von der Gesellschaft getragen werden kann. Wir brauchen einen fundamental neuen Zusatz zu unserem derzeitigen Gesellschaftssystem, um ein Zerreißen unserer Gesellschaften und der Erde, auf der wir leben, zu verhindern. Einen Zusatz, der unsere Freiheit nicht ungebührend einschränkt, und einen, der ohne händische Regelung wie in der Planwirtschaft auskommt. Aber auch einen, der unsere Gesellschaften zusammenhält und die Endlichkeit unseres Planeten akzeptiert.

Ebenso wie die Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz und bei der Wahl müssen wir die Endlichkeit unserer Erde und anderer Aspekte unseres Seins akzeptieren und mit unserem Grundbedürfnis nach Entwicklung vereinen. Wie heißt es in Shakespeares „Hamlet“: „Ich könnte eingesperrt sein in einer Nussschale und mich doch wie der König unendlicher Weiten fühlen.“

Der Autor ist Physiker und Klimawissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.



Mittwoch, 7. Juli 2021

 von Correktiv -Recherchen für die Gesellschaft  hier

Wasserstoff ist kein Allheilmittel in der Klimakrise

In ihrer heutigen Stellungnahme warnen Expertinnen des Sachverständigenrats für Umweltfragen davor, Wasserstoff als große Lösung in der Klimakrise zu betrachten. Sie widersprechen damit den Wahlprogrammen deutscher Parteien und der europäischen Lobby der Gasindustrie.


Sonntag, 23. Mai 2021

"Wie das 1,5-Grad-Ziel noch zu schaffen wäre - vielleicht"

Aus der Süddeutschen Zeitung hier

Als sich die Weltgemeinschaft im Jahr 2015 auf dem Pariser Klimagipfel darauf verständigte, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, galt das damals schon als überaus ambitioniert. Seither stiegen die weltweiten CO₂-Emissionen von Jahr zu Jahr weiter an, bis zum Pandemiejahr 2020. Alleine durch den raschen Ausstieg aus den fossilen Energien, so sagen es die Klimamodelle, dürfte das Ziel nun gar nicht mehr zu schaffen sein. Und trotzdem gilt es nach wie vor als Maß der Dinge. Wie kann das sein?

Dass viele fossile Unternehmen und politische Entscheidungsträger bislang so entspannt untätig blieben, begründeten sie auch mit den sogenannten negativen Emissionen. Werden neue Bäume gepflanzt, wird CO₂ mithilfe von Maschinen aus der Luft gefiltert und unter den Boden gepresst oder Kohlenstoff in Form von Biokohle unter den Acker gepflügt, entzieht das der Atmosphäre Kohlendioxid. Das Kalkül: Ein paar Jahre könnte die Weltgemeinschaft mehr CO₂ in die Atmosphäre ausstoßen als erlaubt, solange hinterher diese Menge nur wieder eingefangen werde.

...In einer Studie in den Environmental Research Letters hat ein internationales Team von Klimaforschern um Lila Warszawski vom PIK berechnet, dass von den 50 mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatiblen IPCC-Szenarien gerade einmal 20 noch einigermaßen realistisch seien. Das Fenster sei dabei, sich zu schließen. "Wir können das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen, aber wir dürfen uns hinsichtlich der negativen Emissionen nichts vormachen", sagt Rockström, der an der Studie beteiligt war. "Es gibt keinen magischen Hebel, der uns erlaubt, langsamer aus den fossilen Energien auszusteigen."

Durch Schutz von Ökosystemen könnte man so viel CO₂ vermeiden, wie der globale Verkehr ausstößt

...Und zwar durch den Stopp der Zerstörung von Ökosystemen, durch die Wiederherstellung von Ökosystemen auf einer Fläche doppelt so groß wie Indien (zum Beispiel durch Aufforstung und Wiedervernässung von Mooren) und vor allem durch eine nachhaltigere Bewirtschaftung von Äckern, Weideland und Wäldern. 

Ohne unterirdische Lagerung von CO₂ geht es nicht mehr

----- deshalb in der Pflicht, in die umstrittene Technik zu investieren. Das einfachste Mittel dafür sei ein CO₂-Preis von mindestens 100 Euro pro Tonne, dieser würde genügend Anreize schaffen, um die Technik von ganz alleine anzukurbeln. 

Samstag, 22. Mai 2021

Klimafreundlicher Beton gesucht

Beton ist der erfolgreichste Baustoff der Menschheit. Weil die Herstellung aber das Klima belastet, braucht es dringend einen Ersatz. Immerhin: Ein paar Ansätze sind vielversprechend.

aus der Süddeutschen Zeitung  hier

In Deutschland werden Gebäude dank strenger Gesetze so gut gedämmt wie nie zuvor, aber der Energieverbrauch bei der Betonherstellung, die "Graue Energie", ist weiterhin nicht eingepreist.
Im Sommer 2020 verabschiedete der Bundestag ein neues Gebäudeenergiegesetz, aber Instrumente zum Betonsparen enthält es nicht. Dabei könnten Gradientenbeton und neue Zementtypen den immensen CO₂-Fußabdruck der Betonindustrie bei gleich bleibender Bauaktivität um 60 bis 70 Prozent senken, Recyclingbeton dazu die Nachfrage nach knapper werdenden Rohstoffen.

Die globale Zukunft des Betons wird aber ohnehin nicht auf Baustellen in Tübingen, Stuttgart oder Brüssel entschieden. Europa verbaut heute nur etwa fünf Prozent des weltweiten Zements. 90 Prozent entfallen auf ärmere Länder. Umweltfreundlich hergestellte Baustoffe können den Bedarf derzeit lediglich ergänzen. Würde man nur 25 Prozent der jährlich verbauten Betonmenge durch Holz ersetzen wollen, müsste man jedes Jahr einen neuen Wald pflanzen, der anderthalb mal so groß ist wie die Fläche Indiens. "Das ist einfach unmöglich", sagt Karen Scrivener. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung in Afrika und Teilen Asiens weiter wächst. Der Bedarf für neue Wohnhäuser, Schulen und Klärwerke ist ungebrochen. Ohne einen Betonwandel, ohne einen effizienteren Einsatz des erfolgreichsten Materials der Menschheit, sind die gesteckten Ziele für den globalen Klimaschutz kaum zu erreichen.

in der Süddeutschen Zeitung gibt es noch mehr Artikel zu Baustoff-Alternativen

hier zur Erforschung von Bakterien-Beton, der sich als Alternative zumindest für Straßenpflaster oder Fassadensteine eignet

hier  zu anderen Betonalternativen und Recyclingbeton
Vor einigen Jahren wurde ein anderes Verfahren hochgelobt, das Wissenschaftler am Imperial College in London entwickelt hatten. Bei diesem Verfahren wird für die Betonherstellung statt des klassischen Zements Magnesiumoxid verwendet. Die Forscher stellten fest, dass die Mischung beim Aushärten sogar Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnahm. Sie rechneten den Effekt hoch und kamen zu dem Schluss, dass dieses Verfahren pro Tonne Beton 100 Kilogramm Kohlendioxid schlucken würde. Zum Vergleich: Bei der Produktion von einer Tonne Portlandzement werden je nach Zementwerk zwischen 650 und 920 Kilogramm Kohlendioxid frei.

Recyclingbeton: In den Niederlanden und in der Schweiz verbaut man diesen R-Beton schon seit vielen Jahren in größerem Stil. In Deutschland ist man zögerlich. "R-Beton wird hierzulande noch sehr häufig mit Abfall und deshalb schlechter Qualität in Verbindung gebracht", sagt Wolfgang Breit, Leiter des Fachgebiets Werkstoffe im Bauwesen an der Technischen Universität Kaiserslautern. "Aufbereitetes Material aus dem Abbruch von Häusern wird bislang vor allem als Gesteinsschüttung im Straßenbau eingesetzt" - und damit weit unter seinem Wert. Downcycling nennen Fachleute diese Wiederverwertung von Stoffen in minderwertigen Produkten. "Im Grunde steht das im Widerspruch zum deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetz, nach dem Stoffe eigentlich wieder ihrem ursprünglichen Kreislauf zuzuführen sind", sagt Breit.


und noch einArtikel aus Heise online hier 

Japanischer Baukonzern entwickelt nachhaltigen Stahlbeton

"Internationale Energieagentur: Keine neuen Öl- und Gasfelder"

Brisante Kehrtwende: Die Energieexperten der IEA fordern, keine weiteren Vorkommen mehr zu erschließen. Und sie machen eine dramatische Vorhersage für den Ölpreis. 

Die Internationale Energieagentur (IEA) ruft den Abschied vom Erdölzeitalter aus: Ab sofort sollen keine Investitionen in die Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen mehr erfolgen, fordern die Energieexperten aus Paris in einem neuen Bericht, der beschreibt, wie die Welt bis zur Mitte des Jahrhunderts ihre Emissionen an klimaschädlichem CO2 netto auf Null senken kann. Darin empfiehlt die IEA auch, ab dem Jahr 2035 den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor auf der ganzen Welt zu stoppen und den Bau weiterer konventioneller Kohlekraftwerke unmittelbar einzustellen.

Die Energieagentur ist eine dem Industriestaatenverbund OECD angegliederte multinationale Organisation und genießt wegen ihrer Expertise im Energiesektor großes Ansehen. Der rund 220 Seiten starke Bericht ist nach ihren Angaben die erste umfassende Studie, wie der globale Übergang zu einem klimaneutralen Energiesektor gelingen kann. Das Papier dient als Vorbereitung auf die Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen im November im schottischen Glasgow.

Die Forderung der Energieagentur nach einem Investitionsstopp für neue Öl- und Gasvorkommen hat Signalwirkung: sie liefert den Gegnern der Ölindustrie, aber auch kritischen Aktionären, die auf eine entschlossenere Neuausrichtung der Energieunternehmen dringen, Argumente an die Hand. Zugleich ist der Kurswechsel der IEA symbolträchtig: Gegründet worden ist die Energieagentur vor knapp einem halben Jahrhundert als Reaktion auf die Knappheit fossiler Brennstoffe infolge der ersten Ölkrise 1973. Noch vor wenigen Jahren haben die IEA-Fachleute mit Nachdruck auf höhere Investitionen in neue Öl- und Gasfelder gedrungen, weil sonst Versorgungsengpässe drohten.

hier geht`s zum ganzen Artikel in der FAZ


auch in der Süddeutschen Zeitung wird berichtet hier
unter dem Text steht: (Dieser Text stammt aus dem wöchentlichen Newsletter Klimafreitag, den Sie hier kostenfrei bestellen können.)

Die IEA und der Weg zur Null
Wie sich Dinge doch verändern können: Die internationale Energieagentur wurde lange dafür kritisiert, zu fossil-orientiert zu sein. Dafür gibt es nicht mehr viel Anlass.

Aber wie dem auch sei, die Gegenwart verändert sich, und mit ihr die Zukunft - oder ist es andersherum? Jedenfalls hat die internationale Energieagentur (die noch 2007 empfahl, mehr Öl zu fördern, um eine drohende Knappheit abzuwenden) in den vergangenen Jahren immer deutlicher darauf hingewiesen, welche drastischen und schnellen Veränderungen im Energiesektor nötig sind, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.
In dieser Woche hat sie nun einen Fahrplan veröffentlicht, wie der weltweite Energiesektor bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden kann.
Das Fazit, wie es mein Kollege Michael Bauchmüller hier beschreibt, kann man etwa so zusammenfassen: "Ambitioniert, aber machbar".
Solche Einschätzungen hat man in letzter Zeit irgendwie schon öfter gehört. (Möge daraus niemals ein "Es wäre ambitioniert, aber machbar gewesen" werden.) Besonders gut gefallen mir in dem Bericht aber Grafiken wie diese hier: Sie zeigt Schritt für Schritt, was passieren muss, um die enorme Lücke zwischen Klimaneutralitäts-Ankündigungen und tatsächlichem Emissionsrückgang zu schließen.

Donnerstag, 20. Mai 2021

Wie ein wirklicher Wandel beim Klimaschutz gelingen kann, dafür zeigt ein internationales Forscherteam mögliche Wege für sechs Bereiche - vom Bildungs- bis zum Finanzsystem. So sollten etwa auf jedem Produkt und auf jeder Packung Angaben zum CO2-Ausstoß stehen und es müsste anders gebaut werden.

Artikel in NTV über die Ergebnisse Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hier

Die Grünen im Bundestag wollen jetzt mit einer Initiative das Artensterben und den Klimawandel zugleich bekämpfen. In einem Antrag, der ntv exklusiv vorliegt, fordern sie ein Aktionsprogramm "Natürlicher Klimaschutz". Aus dem Energie- und Klimafonds des Bundes sollen demnach jährlich zehn Prozent des Geldes ausgegeben werden, um Natur wiederherzustellen und so Kohlenstoff zu binden und die Auswirkungen der Klimakrise abzumildern. Im Jahr 2021 wären dies knapp 2,6 Milliarden Euro. Der Fonds speist sich unter anderem aus dem Handel mit CO2-Emissionen.

Antrag wird Donnerstag in Bundestag eingebracht

Bei der Wiederherstellung gesunder Natur solle sich die Bundesregierung vor allem auf Ökosysteme konzentrieren, die dem Klimawandel entgegenwirken können, so die Grünen-Fraktion in ihrem Antrag. Dazu gehörten Moore, Sümpfe oder Salzwiesen, weil sie CO2 speichern können. Die Regierung müsse den Bundesländern vorschreiben, 15 Prozent der stark angegriffenen Ökosysteme wiederherzustellen. Die Fraktion fordert außerdem ein Nothilfe-Programm für klimaresiliente Städte. Grünflächen sollten vernetzt, Erholungsorte für die Bevölkerung geschaffen werden. In einem Zeitraum von zehn Jahren sind dafür 800 Millionen Euro aus der Städtebauförderung eingeplant.

ganzer Text von NTV hier

hier die Homepage der Bundestags-Grünen dazu

Mittwoch, 19. Mai 2021

Deutschland 2050 - Ungemütliche Zeiten

 hier in der Süddeutschen Zeitung

Auszüge:

Das Praktische an der Zukunft: Sie ist immer schön weit weg. Das ändert sich, wenn man sich konkret vor Augen führt, wie dieses Land bald aussehen könnte.
Nick Reimer und Toralf Staud haben nun ein Buch geschrieben, mit dem sie diese Zukunft sehr nah heranholen: Sie haben physikalische Studien und Forschungsberichte durchforstet, mehrere hundert Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis besucht und deren Erkenntnisse umgesetzt in die möglichen konkreten Folgen: "Deutschland 2050" (Kiepenheuer und Witsch) erzählt, wie der Klimawandel unser Leben und unseren Alltag verändern wird. Nicht auf Grönland, sondern hier bei uns. Kurz gesagt: Kaufen Sie besser keine Dachgeschosswohnung (zu heiß), fragen Sie sich schon mal, wie sie an Wasser kommen (wird knapp) und wenn Sie gerne im Meer baden, dann machen Sie das lieber jetzt, 2050 könnte die Ostsee im Sommer dermaßen überschwemmt sein von lebensgefährlichen Vibrio-Bakterien, dass da wahrscheinlich niemand mehr drin schwimmen will/darf.

Sechs Jahre Dürre, und das Grundwasser könnte knapp werden 
Es wird sehr viel mehr "Naturkatastrophen" geben (ich schreibe das in Klammern, weil der Klimawandel kein Naturphänomen ist, sondern menschgemacht). Die Wirtschaft wird unter Kühlwassermangel genauso ächzen wie unter Logistikproblemen. Der Wald, wie wir ihn kennen, wird verschwunden sein, die Fichte kann nicht mehr. Die Sommer von 2018 und 2019 - gleich zwei Jahre hintereinander so großflächig so wenig Wasser - das gab es in Europa seit der Französischen Revolution nicht. Wissenschaftler am Geoforschungszentrum Potsdam ermittelten durch Satellitenauswertung, dass im Sommer 2019 in Mitteleuropa die gewaltige Menge von 145 Milliarden Tonnen Wasser fehlten. Unsere Wasserversorgung basiert aber zu 70 Prozent auf Grundwasser. Sechs Jahre Dürre, und das könnte knapp werden.

Auch das große Artensterben wird weit fortgeschritten sein. Es gibt für die meisten Tierarten eine Temperaturschwelle, oberhalb derer die Spezies sich nicht mehr anpassen kann. Ein Forscherteam des University College London hat die Lebensbedingungen von 30 000 Meeres- und Landarten analysiert sowie die Klimaverhältnisse von 1850 bis 2100. Sie prognostizieren, dass bereits vor 2030 ein abruptes Massensterben in den tropischen Ozeanen einsetzt. In den Flachwasserregionen vor der Küste Israels (die sich besonders stark erhitzen) leben heute schon nur noch fünf Prozent der dort eigentlich beheimateten Arten.

Montag, 22. März 2021

Wollen wir die kommende Transformation erleiden oder selbst gestalten?

Im Deutschlandfunk sprach der Historiker Philipp Blom  (bitte Link nutzen) über die Corona-Krise und deren Folgen.  Er hat sich angesichts der Herausforderungen des Klimawandels für einen grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel ausgesprochen.

Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass die Menschheit verwundbar sei und sie die Natur nicht in der Art und Weise beherrsche, wie sie gedacht habe, sagte Blom im Deutschlandfunk . Daher brauche es eine „harte Kehrtwende zugunsten nachfolgender Generationen“. Nach Ansicht des Historikers ist die Pandemie der Anfang einer Revolution, die in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. In der Corona-Krise habe man gesehen, dass man, wenn der Druck groß genug sei, die „Maschinerie des Hyperkapitalismus“ anhalten könne. Dennoch sei der Mensch kein ideales rationales Wesen, das allein auf Grundlage von mehr wissenschaftlichen Erkenntnissen immer das Richtige tue.