Bezug auf den Artikel kürzlich hier
Anscheinend ist Andreas Jung aus Konstanz doch noch als CDU-Fraktionsvize aktiv und wurde zur Schlichtung herangezogen.
TAZ hier 27.1.2026 Sabine am Orde und Jonas Waack
Entschärfter Antrag für Parteitag
Die 3 Kreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis haben trotz lauter Proteste keinen zukunftsfähigen Regionalplan bekommen. Wo steht Deutschland, Baden-Württemberg und seine Kommunen aktuell beim Klimaschutz? Welche Möglichkeiten gibt es und wo gibt es Anregungen, die übernommen werden könnten?
Bezug auf den Artikel kürzlich hier
Anscheinend ist Andreas Jung aus Konstanz doch noch als CDU-Fraktionsvize aktiv und wurde zur Schlichtung herangezogen.
TAZ hier 27.1.2026 Sabine am Orde und Jonas Waack
Entschärfter Antrag für Parteitag
Prof. Dr. Remo Klinger • LinkedIn hier
Jonas Schaible vom DER SPIEGEL berichtet soeben: "So weit geht nicht mal der Ölstaat Saudi-Arabien: die beiden wichtigsten Flügel der CDU wollen sich vom Ziel der Klimaneutralität verabschieden. Das wäre auch für den Kanzler ein massives Problem."
In der Tat: Vor allem, weil man sich dann fragen muss, ob sich die CDU Deutschlands noch dem Bundesverfassungsgericht verpflichtet fühlt oder ob dies auch egal sein soll.
Hier der 2. Leitsatz der #Klimaschutzentscheidung vom 24. März 2021:
"Art. 20a GG verpflichtet den Staat zum Klimaschutz. Dies zielt auch auf die Herstellung von Klimaneutralität."
hier Spiegel Eine Analyse von Jonas Schaible 23.01.2026,
Beispiellose Kehrtwende: Diese Kräfte wollen die CDU zur Anti-Klima-Partei machen
So weit geht nicht mal der Ölstaat Saudi-Arabien: Die beiden wichtigsten Flügel der CDU wollen sich vom Ziel der Klimaneutralität verabschieden. Das wäre auch für den Kanzler ein massives Problem.
Futurezone hier Philipp Rall 7.9.25
Europa steht an einem Wendepunkt.
Eine aktuelle Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ist ein klarer Weckruf für die Bundesregierung: Wer beim Klimaschutz zaudert, riskiert langfristig immense Kosten.
Zwar erscheinen Investitionen heute hoch, doch sie verhindern künftige Milliardenausgaben und schützen die Steuerzahler*innen.
Klimaschutz: Teuer, aber nicht am teuersten
Dr. Martin Bethke hier auf LinkedIn
Die neue Studie des BUND ist alarmierend: In über der Hälfte aller Landkreise in Deutschland wird mehr Grundwasser entnommen, als sich natürlich erneuern kann. 201 von 401 Landkreisen stehen unter Wasserstress – ein Alarmsignal, das bislang viel zu leise wahrgenommen wird.
Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) hier
Der aktuelle politische Kurswechsel bremst nachhaltige Unternehmen aus, indem er für Unsicherheit und Planungsverlust sorgt.
Eine Rücknahme oder Aufweichung der EU-Nachhaltigkeitsrichtlinien würde außerdem das Vertrauen in politische Entscheidungen untergraben, denn viele Unternehmen haben bereits langfristig und zukunftsorientiert investiert.
Meteorologe alarmiert: Deutschland droht Untergang durch Fluten und Extremhitze
In nur 50 Jahren könnte Deutschland unbewohnbar werden. Wetter- und Klimaexperte Dominik Jung warnt: Überschwemmungen und Extremhitze bedrohen unser Überleben.
hier Artikel von Amir Selim 25.9.24
Wissenschaftler schlagen in Studie Alarm - Forscher mit düsterer Prognose
Die Trümmer der Fluten in Mitteleuropa sind noch nicht weggeräumt, während sich in Deutschland die Lage zuspitzt. Solche Überschwemmungen werden sich häufen, wie Forscher in einer neuen Studie erklären.
Frankfurter Rundschau hier 23.06.2024, Von: Lisa Mahnke
hier TAZ IM INTERVIEW: NORBERT SCHÄFFER
Wer Hochwasser vermeiden will, muss Flüsse renaturieren, sagt Naturschutzverbandschef Schäffer. Er kritisiert Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger.taz: Herr Schäffer, wenn ich den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger richtig verstanden habe, sind Sie an der Hochwasserkatastrophe schuld. Wie konnten Sie nur?
Anpassung an Starkregen
Durch die Erderwärmung nimmt extremes Wetter zu, Hochwasser treten immer häufiger auf. Der Geograf Markus Keck erklärt, wie sich das Land am besten für den Starkregen der Zukunft rüstet.
Süddeutsche Zeitung hier 13. Mai 2024 Von Vivien Timmler, Berlin
Politisches Zögern hat einen Preis, zeigt eine neue Studie. Der bemisst sich entweder in Geld - oder in Treibhausgasen. Wie die Regierung mit den richtigen Maßnahmen beides einsparen könnte.
Es muss nicht teuer werden. Aber es kann. Und zwar dann, wenn im deutschen Verkehrssektor alles einfach so weiterläuft wie bisher. Das ist das Ergebnis einer Studie von Prognos im Auftrag des Thinktanks Agora Verkehrswende. Sie zeigt: Je länger die Politik mit Klimaschutzmaßnahmen zögert, umso teurer wird es. Dabei wäre es durchaus möglich, den Verkehrssektor bis 2045 ohne Mehrkosten oder Mobilitätseinbußen klimaneutral zu machen.
"Schnelles Handeln zahlt sich aus,
politisches Zögern hat einen Preis",
ist das Fazit der stellvertretenden Direktorin der Agora Verkehrswende, Wiebke Zimmer.
SPIEGEL Klimabericht hier 10. März 2023 Susanne Götze
Das Wichtigste zum größten Thema unserer Zeit
Haltbarkeitsfristen für Nachrichten zum Klima werden immer kürzer: Was heute noch unwahrscheinlich erscheint – ein Szenario unter vielen –, tritt morgen schon ein. Wer heute noch als Alarmist gilt, kann morgen schon der größte Realist sein.
In Deutschland wurde wohl noch nie so viel über Klimapolitik diskutiert wie derzeit – befeuert von Extremwetterereignissen, die Familien obdachlos oder alte und kranke Menschen vorzeitig versterben lassen. Bremser und Verharmloser der Klimakrise gelten deshalb nicht mehr nur als wissenschaftsfeindlich, sondern zunehmend als verantwortungslos.
Nun erhärtet sich die Annahme, dass die Klimakrise auch die Wirtschaft und den Steuerzahler teuer zu stehen kommt. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnten durch die Folgen der Klimakrise auf Deutschland Kosten zwischen 280 und 900 Milliarden Euro zukommen. Je weniger man tut, desto teurer wird es. Die Zahlen führen die Erzählung, dass Klimaschutz und Anpassung »so teuer« seien, endgültig ad absurdum. Zum Vergleich: Die Ausgaben des Bundeshaushalts in diesem Jahr betragen, alles zusammengenommen, 470 Milliarden Euro.
Noch ein sehr wichtiger Artikel des Südkuriers mit konkreten Kostenschätzungen aus der angesprochenen Analyse. Auf den Preis des Zögerns wurde schon in anderen Posts hingewiesen
hier in der Süddeutschen Zeitung, hier in der Zeit, hier im Spiegel
19.07.2022 | VON ROLF OBERTREIS WIRTSCHAFT@SUEDKURIER.DE hier
Soll die Klimaneutralität in Deutschland bis zum Jahr 2045 Wirklichkeit werden, müssen Bund, Länder und Gemeinden ihre Ausgaben deutlich erhöhen. Nach einer Analyse der Prognos AG für die Förderbank KfW müssen sie ihre finanziellen Anstrengungen versechsfachen. Insgesamt sei eine halbe Billion Euro notwendig, also rund 20 Milliarden Euro pro Jahr, heißt es weiter. Es gehe vor allem um Investitionen in den Bereichen Energie und Verkehr. „Rund die Hälfte der Investitionen ist ohnehin zu tätigen und muss nun in eine klimaneutrale Richtung gelenkt werden“, heißt es bei der KfW. Innerhalb der öffentlichen Haushalte sollten diese Investitionen Vorrang erhalten und müssten zwischen Bund, Ländern und Gemeinden geklärt werden.
Freilich
liegt der Anteil der öffentlichen Hand an den gesamtwirtschaftlichen
Klimaschutzinvestitionen bis 2045 laut KfW insgesamt nur bei etwa zehn
Prozent.
Zusammen mit dem privaten Sektor seien Ausgaben von insgesamt
fünf Billionen Euro erforderlich – also bis 2045 Investitionen von rund
190 Milliarden Euro jährlich. Dabei entfallen
„Der Staat muss beim Klimaschutz seine
Anstrengungen in den kommenden Jahren kontinuierlich und zielgerichtet
steigern“, sagt KfW-Chef-Volkswirtin Fritzi Köhler-Geib.
Zu vermeiden
seien Strohfeuer-Effekte. „Gleichzeitig muss der Staat den Rahmen für
mehr private Investitionen schaffen. Hierzu zählen die Gestaltung des
CO2-Preises und die gezielte Förderung grüner Technologien.“ Effektiver
Klimaschutz verringere die Wahrscheinlichkeit von
Extremwetterereignissen, mache das Land unabhängiger von fossilen
Energieimporten und gewährleiste die Teilnahme an grünen
Zukunftsmärkten, so Köhler-Geib......
TAZ hier
Die Folgen der Erderwärmung sind oft mitverantwortlich für Kriege und Migration. Was tun? Ein Gespräch mit Konfliktforscher Michael Werz.
ein sehr langer, interessanter Artikel, den man am Besten im Zusammenhang lesen sollte. Unten kurze Ausschnitte und die Endaussage des Artikels, die mit unserer neuen Außenministerin zusammenhängt.
Spiegel hier Eine Kolumne von Thomas Fricke
Auszüge in blau
Neuere Studien lassen sogar vermuten, dass die Rettung des Klimas finanziell sogar recht attraktiv und preiswert werden könnte – mal ganz abgesehen davon, dass uns (teure) Klimakatastrophen dann erspart bleiben.
Dass Klimapolitik bis dato noch als »ganz schön teuer« gilt, kommt zum einen von etablierten Ökonomen, die seit jeher predigen, das zentrale Rezept zur Weltenrettung sei nun einmal, dass zur Abschreckung die Preise für alles steigen müssten, was klimaschädlich sei. Weshalb es einen Emissionshandel oder gesetzlich steigende CO₂-Steuern geben solle – mit der Folge, logisch, dass Dinge wie Benzin oder Heizen für die Verbraucher teurer würden. Ebenso wie für die Industrie, die in vielen Fällen ihre Produktion auch noch umstellen muss. Was auch Geld erst einmal kostet, klar.
Zum anderen wird die Klimarettung gern als teuer markiert, weil der Staat eben viel Geld in, sagen wir, Wasserstoff-Transportwege, Elektroladesäulen oder Hilfen zur Dämmung von Häusern stecken muss. Und das ja auch irgendwer bezahlen muss.
Wirklich? Schon nach gängigem Ökonomieverständnis sind erhöhte CO₂-Preise ja ein (vorübergehendes) Mittel zum Zweck – also dazu da, dass möglichst bald CO₂-ärmer und somit günstiger konsumiert und produziert wird. Demnach wird es also nur in der Übergangszeit teurer. Und vieles spricht mittlerweile sogar dafür, dass selbst der zwischenzeitliche Maso-Trip nicht sein muss.
Wie eine Gruppe britischer Ökonomen in einer neuen Studie darlegt, ist in der Vergangenheit fast immer drastisch unterschätzt worden, wie schnell gerade bei erneuerbaren Energien die Preise nach Markteinführung fielen. So seien die Kosten für Solarenergie in den vergangenen 20 Jahren etwa sechsmal stärker gefallen, als es gängige Modelle wie die der Internationalen Energieagentur vorhergesagt hatten. Ähnliches gelte für Offshore-Windenergie, die vor einiger Zeit noch als zu teuer galt – und mittlerweile den größten Teil der Dekarbonisierung in Großbritannien ausmache. Oder für LED-Leuchten, deren Preise um 85 Prozent gefallen seien; dadurch wurde aus der teuersten die billigste Technologie. Und die Energierechnung sei jetzt günstiger als vorher.
Wieso? Nach Diagnose der Experten stecke hinter den unterschätzten Preisrückgängen ein überholtes Verständnis von (teurer) Innovation. In Wirklichkeit habe die beschleunigte Verbreitung gerade bei den Erneuerbaren rapide Kostensenkungen mit sich gebracht – weil Massenfertigung per se günstiger ist, sich zunehmend Lerneffekte bemerkbar machten oder die zunehmende Nachfrage irgendwann dazu animiert, mehr Geld in Innovation zu stecken.......
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Gruppe Experten aus Brüssel: Demnach deutet sich schon jetzt eine kleine Revolution bei der Herstellung von bisher noch sehr schweren Batterien an – und ein Rückgang der Preise um 60 Prozent bis 2030. Hinzu komme, dass die neuen E-Autos bald noch viel stärker auf speziellen Plattformen hergestellt würden – und auch das die Kosten noch einmal stark reduzieren werde: um 10 bis 30 Prozent.
Dass es sich in einer klimaschonenden Welt womöglich gar nicht teurer, sondern günstiger leben lässt, könnte auch für den Bezug von Strom gelten – weil erneuerbare Energien auf Dauer per se weniger kosten als konventionelle. Auf derart entlastende Effekte lässt auch die kürzlich erschienene Auswertung der Ökonomin Beatrice Weder di Mauro schließen, laut der auf höhere CO₂-Steuern in den untersuchten historischen Fallbeispielen eher eine nachlassende Inflation folgt. Eben weil Industrie und Verbraucher darauf reagieren. Auch das spricht gegen das Gebrabbel von der teuren Klimarettung....
Die Zeit hier
Nedopil: Die Pekinger Ministerien für Umwelt und Handel sowie die großen chinesischen Banken haben in den letzten Monaten den Bau von Kohlekraftwerken im Ausland neu überdacht. Am Ende haben drei Gründe den Ausschlag gegeben.
Erstens das Wissen darum, dass China seinen versprochenen Beitrag zum Klimaschutz mit dem Neubau von Kohlekraftwerken nicht leisten kann. Den Forderungen der USA und der EU wollte man eventuell auch etwas entgegenkommen. Zweitens wurde die Stromgewinnung aus Kohle im Ausland zuletzt immer teurer im Vergleich zu erneuerbaren Energien. Wind- und Solarstrom werden in den meisten Ländern durch bessere Technologien immer billiger. Das macht die Finanzierung schwierig. Und drittens: Auch viele Partnerländer der Neuen Seidenstraße, Pakistan und Bangladesch etwa, reduzieren die Nachfrage nach Kohlekraftwerken, weil auch diese Länder aktiv am Kampf gegen den Klimawandel teilnehmen.
....Der Zeitpunkt, den Kohlestopp in der UN-Vollversammlung zu verkünden, war also opportun. Auch um zu zeigen, dass China beim Kampf gegen den Klimawandel als multilateraler Akteur vorgeht und nicht nur in Eigenregie handelt.
ZEIT ONLINE: China ist nach Ihren Recherchen derzeit in 30 Ländern beim Bau und der Finanzierung von 121 Kohlekraftwerken mit einer Gesamtkapazität von 138 Gigawatt beteiligt. Gilt das Verbot auch für Werke, deren Bau bereits begonnen hat?
Nedopil: Die Ankündigung von Präsident Xi betrifft zurzeit – nach meiner Auffassung – keine Kraftwerke in bereits fortgeschrittenem Projektstadium. Es gibt aber um die zehn Werke, die angekündigt wurden, wo aber noch nicht mit dem Bau begonnen wurde. Da kann es gut sein, dass diese Projekte noch mal reevaluiert werden. Im Juni fanden wir zudem in einer Studie heraus, dass mehr als die Hälfte der Werke, die seit dem Jahr 2013 angekündigt wurden, keine Fortschritte in der Genehmigung und im Bau machen und teils auf Eis gelegt wurden.
Nedopil: Ein geplantes Kohlewerk in Kenia mit einer Kapazität von 1,2 Gigawatt wurde zum Beispiel von einem dortigen Gericht wegen unzureichender Umweltplanung gestoppt. Auch Ägypten hat einen bestehenden Vertrag aufgekündigt, um erneuerbaren Energien den Vorzug zu geben. Die Kosten für neue Kohlekraftwerke werden im Vergleich zu grüner Energie immer höher, sie ergeben als Investition immer weniger Sinn. Es gibt aber auch Länder, wie die Türkei, welche weiter auf den Bau von neuen Kohlekraftwerken bestehen.
Frankfurter Allgemeine hier
Von MARTIN FRANKE, mit vielen Grafiken, die hier fehlen von GABRIEL RINALDI und OLIVER SCHLÖMER
11 Milliarden Menschen könnten bis zum Ende des Jahrhunderts auf dem Planeten leben. Fürs Klima ist das fatal – doch gerade für Industrieländer zeitigt die Demografie einen ungeahnten Hoffnungsschimmer.
....Während die Weltbevölkerung stetig zunahm, erlebten die CO2-Emissionen in den vergangenen Jahrzehnten sprunghafte Steigerungen. Dafür verantwortlich sind vor allem die wirtschaftlichen Entwicklungen in den Industrienationen. Allein in den USA, wo 1970 schon mehr als 200 Millionen Menschen lebten (und heute 330 Mio), betrugen damals die CO2-Emissionen pro Kopf 22 Tonnen pro Jahr. Schwellenländer wie China holten wirtschaftlich auf, demographisch enteilten sie. 2005 überholte deshalb China die USA im absoluten CO2-Ausstoß, mittlerweile ist das Land mit großem Abstand auf Platz eins. Der Emissionswert pro Kopf rangiert mit rund 8 Tonnen pro Jahr etwas unter dem von Deutschland, doch in China leben mit rund 1,4 Milliarden Menschen mehr als viermal so viele wie in den USA. Dagegen haben die am schnellsten wachsenden Länder wie Niger, Mali und Tschad wenig zum Verlauf der CO2-Kurve beigetragen.
Betrachtet man Sektoren statt Länder, so sind Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung für 42 Prozent aller CO2-Emissionen der Welt verantwortlich. Ein Viertel lässt sich auf Transport zurückführen, wobei die Straße deutlich vor Luftverkehr und der Schifffahrt bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe steht. Rund 18 Prozent aller Emissionen stammen von Straßenfahrzeugen – der als Klimakiller verschriene Luftverkehr steht für gerade einmal 3 Prozent. Die Industrie und der Bau von Gebäuden liegen auf der Emissionsrangliste noch hinter dem Verkehr. Wohlstand in vormals ärmeren Ländern äußert sich vor allem darin, dass Menschen dort mobiler werden und mehr Verkehrsemissionen erzeugen.
In der Wissenschaft wird diskutiert, wie groß der Effekt ist, den alternde oder schrumpfende Gesellschaften auf CO2-Emissionen haben. Forscher haben 2014 in einer Studie am Beispiel von Deutschland gezeigt, dass sich Alter und Treibhausgasemissionen in einer umgekehrten U-Form zueinander verhalten: Wenn Menschen das Erwachsenenalter erreichen, konsumieren und reisen sie mehr. Wenn sie in Rente gehen, sinken ihre Emissionen wieder. Für alternde Industrieländer, die laut der Studie ähnliche Verläufe zeigen, bedeutet das: Weniger Erwerbstätige erzeugen eine geringere Produktivität und geringere Emissionen. Ein Beispiel ist Italien, das im Schnitt älteste und geburtenschwächste europäische Land. Dort bringt eine Frau rechnerisch nur 1,4 Kinder zur Welt – statt 2,1, die statistisch notwendig wären, um eine Bevölkerung ohne Migration auf konstantem Niveau zu halten.
In Italien gingen die CO2-Emissionen seit 2005 um ein Drittel zurück. Das muss nicht ausschließlich an der sich ändernden Bevölkerungsstruktur liegen, sondern könnte etwa auch mit klimapolitischen Maßnahmen der Regierung zu tun haben. Doch auch in Deutschland, wo die Geburtenzahl je Frau 2019 auf 1,59 etwas anstieg, sonst aber seit Jahren stagniert, sind ebenfalls sinkende CO2-Emissionen zu beobachten, wie auch in Japan. Allerdings liegt die Geburtenzahl in Japan noch niedriger als in Deutschland, während der Rückgang der Emissionen geringer ist, der Effekt ist also uneinheitlich. Langfristig rechnen die Forscher damit, dass die Industrieländer durch diese demographischen Effekte die Emissionswerte von vor 1950 wieder erreichen.
Das würde den Erdüberlastungstag wieder nach hinten verschieben.....
Daraus leitet sich ein Dilemma innerhalb der Weltgemeinschaft ab: Wie geht man mit dem Wachstum von Schwellenländern und Entwicklungsländern um? Die Industrienationen konnten zu Beginn ihrer Entwicklung wirtschaften, ohne Emissionsreduzierungen umsetzen zu müssen. Das wissen auch die Aufsteiger China und Indien. Angesichts nahender Kipppunkte des Weltklimas zeichnet sich ein gravierendes Problem ab.
Zeit /Fünf vor acht / Klimakrise hier
Eine Kolumne von Mark Schieritz
Der Schutz des Klimas mag an technischen, politischen oder gesellschaftlichen Gründen scheitern – finanziell ist er ein Selbstläufer. Und ohne ihn wird es sowieso teurer.
Vor ein paar Jahren habe ich ein Haus gebaut. Okay, Boomer – werden die Jüngeren jetzt sagen, aber die Geschichte geht noch weiter und sie hat etwas mit dem Wahlkampf zu tun. Also: Um das Haus zu bauen, musste ich Geld ausgeben. Man könnte also sagen: Ich bin durch den Hauskauf ärmer geworden, denn ich habe weniger Geld auf meinem Konto. Anderseits: Dafür habe ich ein Haus.
Dieses Haus ist zwar nicht besonders groß, aber trotzdem konnte ich es nicht bar bezahlen. Ich musste bei einer Bank einen Kredit aufnehmen. Friedrich Merz würde jetzt wahrscheinlich sagen: Ich habe über meine Verhältnisse gelebt.
Friedrich Merz ist Wirtschaftsfachmann der Union und hat etwas gegen Schulden. Deshalb hält er es für eine gute Sache, dass es im Grundgesetz eine Schuldenbremse gibt.
Die Sache ist nun aber so: Wenn ich mein Haus heute verkaufen würde, dann bekäme ich dafür wahrscheinlich mehr Geld, als ich für den Kauf ausgegeben habe. Ich könnte also alle Schulden zurückbezahlen und hätte danach noch etwas übrig. Bin ich also nicht ärmer, sondern reicher geworden? Trotz der Schulden?
Ausgaben, die den Reichtum erhöhen
Damit wären wir beim Wahlkampf angelangt, denn auch der Staat baut. Wohnhäuser, Brücken, Straßen, Schienen, Internetleitungen, Schulen. Dafür muss er Geld ausgeben und manchmal auch Kredite aufnehmen. Doch wie im Fall meines Hauses gilt: Der Staat hat dann weniger Geld, dafür aber mehr Wohnhäuser, Brücken, Straßen, Schienen, Internetleitungen und Schulen.
Und wenn man darüber hinaus davon ausgeht, dass ein Land mit vielen Brücken, Schulen und Internetleitungen den wirtschaftlichen Wandel besser verkraftet als ein Land mit wenigen Brücken, Schulen und Internetleitungen, dann gilt für Deutschland, was für mich gilt: Die zusätzlichen Ausgaben erhöhen den Reichtum, sie verringern ihn nicht.
Das gilt umso mehr, wenn mit diesen Ausgaben der Klimaschutz vorangetrieben wird. Nehmen wir an, die nächste Bundesregierung nimmt zehn Milliarden Euro in die Hand, damit auf jedem deutschen Dach eine Solarzelle installiert wird. Kann man dann sagen, der Schutz des Klimas verursache Kosten in Höhe von zehn Milliarden Euro?
Bei einer solchen Betrachtung bliebe außen vor, dass zum Beispiel weniger Geld für Gas und Öl ausgegeben werden muss, wenn der Strom aus Sonnenenergie gewonnen wird. Eine neue Studie der Universität Oxford kommt zu dem Ergebnis, dass durch die Umstellung der Energieversorgung unter dem Strich bis zum Jahr 2070 weltweit 14 Billionen Dollar an Energieausgaben eingespart werden können. Heizen, Autofahren oder einen Kühlschrank betreiben würde also billiger, nicht teurer.
Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass auch der Nicht-Schutz des Klimas Kosten verursacht. Das kann man zum Beispiel im Ahrtal beobachten, wo im Sommer die Regenmassen ganze Straßenzüge wegschwemmten und sich allein die Nothilfe der Bundesregierung für die Flutopfer auf 30 Milliarden Euro beläuft. Die Rückversicherungsgesellschaft Munich Re beziffert die seit 1980 angefallenen Schäden durch extreme Wetterereignisse auf 4.200 Milliarden Euro – das ist mehr als die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung Deutschlands. Nicht jeder Sturm und jede Überschwemmung ist auf den Klimawandel zurückzuführen, aber dass das Risiko solcher Katastrophen durch den Temperaturanstieg zunimmt, ist mittlerweile unumstritten.
Man müsste also von den Kosten des Klimaschutzes a) den Nutzen desselben und b) die Einsparungen durch die Vermeidung von Klimaschäden abziehen. Das ist eine sehr komplizierte und teilweise auch spekulative Angelegenheit, weil Entwicklungen in der Zukunft vorweggenommen und in heutigen Geldeinheiten ausgedrückt werden müssen. Die meisten vorliegenden Untersuchungen aber zeigen: Es ist billiger, das Klima zu schützen, als es nicht zu schützen.
Nicht jeder Einzelne profitiert
Aus der Tatsache, dass die Gesellschaft insgesamt vom Klimaschutz profitiert, folgt natürlich nicht, dass auch jeder Einzelne profitiert. Sowie die Globalisierung viele reicher, aber auch einige ärmer gemacht hat. Es ist zwar tröstlich, wenn in der Solarindustrie die Arbeitsplätze entstehen, die in der Kohleindustrie wegfallen – im Solarlabor sind jedoch andere Fertigkeiten gefragt als in der Zeche.
Es wäre aber falsch, aus diesem Grund unter Inkaufnahme hoher gesamtwirtschaftlicher Kosten an der Kohle festzuhalten. Nötig sind vielmehr Umschulungsmaßnahmen, Ausgleichszahlungen, Teilhabemöglichkeiten. Die Lösung von Verteilungsproblemen ist Aufgabe der Verteilungspolitik, nicht der Klimapolitik. Man würde ja auch nicht auf die Idee kommen, den Einsatz moderner Erntemaschinen zu verbieten, nur damit es in der Landwirtschaft wieder mehr Jobs gibt.
Der Schutz des Klimas mag an technischen, politischen oder gesellschaftlichen Gründen scheitern – finanziell betrachtet ist er ein Selbstläufer. Es gibt einen schönen Satz des britischen Ökonomen John Maynard Keynes, der den Sachverhalt auf den Punkt bringt: "Anything we can actually do, we can afford" – alles, was wir in der Lage sind zu tun, können wir uns auch leisten.
Die Zeit hier
BIP könnte klimabedingt weltweit um 37 Prozent sinken
Frühere Studien gingen von BIP-Einbußen von etwa sechs Prozent bis zum Jahr 2100 aus. Dabei war angenommen worden, dass Auswirkungen des Klimawandels wie Brände, Hochwasser und Dürren das Wirtschaftswachstum nicht dauerhaft beeinträchtigen würden. Inzwischen halten es jedoch viele Ökonominnen und Ökonomen für unwahrscheinlich, dass sich die Volkswirtschaften von extremen Unwetterereignissen und damit verbundenen Schäden an der Infrastruktur zügig erholen können.
Zudem könnte das Wirtschaftswachstum durch Verluste bei der Arbeitsproduktivität aufgrund höherer Temperaturen beeinträchtigt werden, heißt es. Der Schaden könnte der Studie zufolge deshalb bei mehr als 3.000 Dollar pro ausgestoßene Tonne Kohlendioxid liegen. Das wäre ein Vielfaches des Preises pro Tonne im Emissionshandel der Europäischen Union von derzeit etwa 60 Euro.An der Studie beteiligten sind Forscher des Londoner Imperial College, der London School of Economics (LSE), der Universität Cambridge und der ETH Zürich. "Die Ergebnisse zeigen, dass es billiger ist, den Treibhausgasausstoß zu verringern, als mit den Folgen des Klimawandels zurechtzukommen", sagte der ETH-Forscher Paul Waidelich. Laut Jarmo Kikstra vom Imperial College ist es aber schwierig, die wirklichen Kosten des Klimawandels zu beziffern. Je genauer man hinschaue, desto mehr deute jedoch darauf hin, dass die Kosten massiv ansteigen könnten, sagte Kikstra.
auch im Spiegel erschien ein Text zu diesem Thema hier
Spiegel hier /Ein Essay von Susanne Götze
Grünes Wachstum und Klimakrise
Jahrzehntelang wurde Klimaschutz als »teuer« gelabelt. Auch im Wahlkampf ist Klima wieder nur ein Kostenfaktor. Doch dieses beliebte Argument der fossilen Lobbys ist schlicht falsch.
»Wer soll denn das bezahlen?« ist die derzeit meist gestellte Frage im Wahlkampf. Im sogenannten Triell vergangenen Sonntag wurde besonders die grüne Kanzlerkandidatin damit getriezt.
Je weniger die Kandidaten an Veränderung fordern (Armin Laschet), desto besser kamen sie bei der Frage weg.
Die Botschaft: Wer nichts verändert, muss auch nichts verbieten oder wertvolles Steuergeld verpulvern. Klimabewegte, so wird es dieser Tage kolportiert, schmeißen aber gern das Geld mit vollen Händen zum Fenster raus. Sie wollen Wind und Sonne »subventionieren«, Lastenräder fördern und ihretwegen muss sogar das gesamte Stromnetz umgebaut und der Verkehr neu organisiert werden.
Klimaforscher und Forscherinnen und Aktivisten stehen dann oft als wirtschaftlich inkompetent da. Und die Meinung der sogenannten Experten – häufig marktliberale Ökonomen oder konservative Politiker – ist entsprechend väterlich: Das ist ja alles gut gemeint mit dem Klima, aber leider nicht bezahlbar. Und auch für Konjunkturpakete eigne sich das »Klimathema« nicht.
Dieser Haltung liegt ein fundamentaler Irrtum zugrunde: Dass Deutschland am besten seinen Wohlstand erhält und mehrt, indem es sich möglichst nur moderat verändert, den Markt alles regeln lässt und der Wirtschaft nicht die »Luft abschnürt«.
Das ist an sich nichts Neues. Klimaschützer als naiv hinzustellen, hat Tradition: Vor zwanzig Jahren behaupteten dieselben Ökonomen und Industrievertreter noch, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien technisch gesehen leider nicht möglich sei und Deutschland bei einem hohen Ökostromanteil im Dunklen sitze.
Gleiche Taktik: Die Windbauer und Solarfarmer seien alle eigentlich ganz sympathisch, hieß es – aber bleiben wir mal realistisch! Im Jahr 2021 haben wir in Deutschland nun einen Ökostromanteil von teils über 50 Prozent und die Straßenlaternen gehen abends immer noch an. Deutschland hat nicht nur Licht, sondern einen komplett neuen Wirtschaftszweig entwickelt.
Zerstörte Wohnzimmer, verschlammte
Habseligkeiten
Die Floskel »Jetzt mal nicht
überreagieren«
Naiv sind die anderen.
Wie realitätsfern die große Mär vom teuren Klimaschutz und Wirtschaftskiller
ist, zeigt
sich eindrucksvoll im Ahrtal: Vor einer Woche konnte ich dort Betroffene
interviewen, die alles verloren haben. Eine Frau um die 60 Jahre steht in ihrem
zerstörten Wohnzimmer, die Entlüfter brummen, ihre verschlammten Dokumente und
Habseligkeiten liegen auf einem großen Haufen auf der Straße. Sie sagt: Niemand
habe mit dieser Naturgewalt gerechnet. Niemand habe sie gewarnt. Niemand habe
Vorkehrungen getroffen. Und wenn es regnet, breche ihr Mann immer noch in
Tränen aus. Zum Glück aber sei die Solidarität in der Bevölkerung groß und der
Staat zahle 80 Prozent des Wiederaufbaus.
Doch wie viele
Katastrophen pro Jahr kann sich der Staat langfristig »leisten«? Für wie viele Hitzesommer können Bauern und Waldbesitzer noch entschädigt
werden? Dass die Häufigkeit von Katastrophen zunimmt, bestätigen auch Versicherer, die sich schon länger mit der
Klimakrise beschäftigen als mancher Politiker. »Irgendwann wird auch der Staat
nicht mehr einspringen, vor allem bei kleineren, nicht so medial wirksamen
Ereignissen«, sagt ein Versicherer, der anonym bleiben will. Es wird
also richtig teuer, wenn wir nichts tun. Und zahlen muss der im Wahlkampf gern herangezogene
»kleine Mann« – oder »Bäckermeister«, wie Armin Laschet sagen würde.
Doch woher kommt
die Erzählung vom teuren Klimaschutz? Und warum hält sie sich so hartnäckig? In den vergangenen Jahrzehnten
verbreiteten besonders marktradikale Ökonomen – meist als unabhängige
Wissenschaftler angepriesen – die Mär, dass der weltweite Wohlstand nur mit Öl,
Gas und Kohle zu halten und zu steigern sei. Oftmals wurde diese Idee noch mit
einer Prise Zweifel am menschengemachten Klimawandel garniert – oder zumindest
mit einer Anti-Alarmismus-Rhetorik à la »Jetzt mal nicht überreagieren«.
Mittlerweile
haben diese »Experten« etwas eingelenkt und das Narrativ angepasst. Die
Klimakrise wird ernst genommen – auch weil sie einfach nicht mehr zu leugnen
ist und ihre Folgen zu offensichtlich sind. Nun werden andere
Strategien erprobt: Ein anschauliches Beispiel sind die Analysen des
Washingtoner Peterson-Instituts, eines US-amerikanischen Thinktanks. Der gibt
sich gern als »renommierte« Denkfabrik mit internationalen VIP-Ökonomen aus.
Das mag stimmen – aber gleichzeitig ist die Liste seiner Spender aus der fossilen
Lobbylandschaft lang:
vom erzkonservativen Charles-Koch-Institute über BlackRock bis hin zu den
Ölkonzernen wie Shell oder ExxonMobil.
Wenig
verwunderlich daher die jüngsten Analysen des Thinktanks. Sie weisen darauf hin, dass die Kosten und
Umbrüche des klimafreundlichen Umbaus oft unterschätzt würden. Außerdem warnen
sie vor einem neuen Handelskrieg durch Klimazölle. Tenor: Ja, die Klimakrise
ist da. Aber Klimaschutz wird der Wirtschaft schaden. Und ihre
Unterstellung: Bisher hätte eine grüne Euphorie geherrscht – aber niemand
würde die »wahren« wirtschaftlichen Folgen sehen. Es soll so aussehen, als
stolperten die Regierungen den grünen Versprechen der Klimabewegung blind
hinterher.
Dabei
beschäftigen sich weitsichtige Ökonomen bereits seit Jahrzehnten mit den Folgen
der Klimakrise auf die Weltwirtschaft: Vor mittlerweile 15 Jahren untersuchte der ehemalige
Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern im berühmten »Stern-Report«, wie hoch die
volkswirtschaftlichen Kosten des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten sein
werden. Wenn Dürren, Überschwemmungen oder Stürme zur Regel werden, treffe das
nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch den Tourismus, Straßen und
Bahngleise oder auch ganze Industriezweige. Was damals wie ein Horrormärchen
klang, ist nun auch in Industrienationen wie den USA, Australien oder auch
Deutschland alltäglich geworden.
In der Neuauflage des Stern-Berichts hieß es dann, dass bis 2030
weltweit die gigantische Summe von 90 Billionen US-Dollar ausgegeben werden
müsse, um die Klimakrise zu stoppen. Setzten die Staaten weiter auf
fossile Rohstoffe, bauten weiter Kohlekraftwerke oder förderten
Massentierhaltung, wären die Folgekosten dieser »alten Normalität« deutlich
höher, warnte der Ökonom. Die Klimawandelfolgekosten könnten bei einem
Weiter-so bald bis zu fünf Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts betragen
– und zwar jedes Jahr und ohne absehbares Ende.
Es wird wehtun
Und es gibt auch
eine eindrückliche aktuelle Zahl: Ein
Forscherkonsortium hat im Juli dieses Jahres einmal die Kosten durch Umweltschäden für
Deutschland geschätzt. Sie kamen auf jährlich zwischen 13 und 19 Prozent des
deutschen Bruttoinlandsprodukts. Das sind zwischen 455 Milliarden und 671
Milliarden Euro – jährlich.
Hinter der Mär des »teuren Klimaschutz«
steckt zudem die Behauptung, dass die Klimaschützer die gesellschaftlichen
Brüche unterschätzen würden. Das Argument kommt immer häufiger, je länger mit
dem Umbau der Gesellschaft gewartet wird.
Deshalb ist die ungeschönte
Prognose für die nächsten 25 Jahre bis zur Klimaneutralität: Ja, mit
»Friktionen« und Verlusten von Arbeitsplätzen ist zu rechnen. Aber das passiert
uns auch nicht zum ersten Mal: Als von Pferdefuhrwerken auf das Automobil
umgestellt wurde, gingen auch Jobs verloren. Durch die digitale Revolution
fielen in den vergangenen 30 Jahren ebenfalls Millionen Jobs weg (und neue
wurden geschaffen).
Und selbstverständlich werden durch
den Umbau zu einer CO2-neutralen Volkswirtschaft Jobs wegfallen. Zum Beispiel bei den Zulieferern der
Autoindustrie oder bei der Kohlekraft. Deshalb sind diese Branchen auch
besonders hinterher, den Klimaschutz kleinzureden. Das taten die
Fuhrwerkbetriebe Ende des 19. Jahrhunderts sicher auch (diese Blechkarossen
sind doch viel zu gefährlich und teuer!). Diesen Prozess nennt man Entwicklung
– eine Gesellschaft bleibt nicht stehen. Fortschritt lässt sich temporär aber
nicht dauerhaft aufhalten. Nur ist es traurig, dass Unternehmen wie
Gewerkschaften oftmals viel zu spät auf diese Veränderungen reagieren – und
etwa ihre Mitglieder früh genug umschulen. Aber das kann man nicht dem
Klimaschutz anlasten.
Das Ende des Wachstums, wie wir es
kennen
Völlig absurd wird es, wenn man bedenkt, dass bis heute
erneuerbare Lösungen und das fossile Energiesystem parallel nebeneinander
existieren – und beide gefördert werden.
Milliardensubventionen
fließen seit Jahrzehnten in
die fossile Energiewirtschaft – bis heute. Der angeblich günstige Kohle- und
Atomstrom wird direkt und indirekt mit Steuergeldern gepampert, die alle
Deutschen zahlen müssen (Atomendlager, Subvention Steinkohle). Und auch der
Diesel und das Flugkerosin genießen weiterhin Steuervergünstigungen.
Auch das ist Regulierung und Eingriff: Der Staat übernimmt Altlasten der Energiekonzerne, kümmert sich bei Katastrophen um die Menschen. Nur wollen viele Marktliberale nicht wahrhaben, dass zum Klimaschutz auch Regulierung gehört, damit etwas in Bewegung kommt.
Beim Kanzler-Triell am Sonntag gab es
aber immer wieder die Frage: »Und was wollen Sie verbieten?«. Zum Beispiel ein
Enddatum für Verbrennerautos. Das Wort »Verbot« an sich ist aber schon
eine Wertung.Dabei kolportierten auch die RTL-Journalisten die Idee des bösen
Staates und guten Marktes. Dabei hat die Stunde eindeutig nicht für die
Anarchie des Marktes und einen schlanken Staat, sondern eher für die
Krisenbekämpfung durch Investitionen – à la John Maynard Keynes – geschlagen.
noch ein Spiegel-Podcast hier