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Donnerstag, 7. Juli 2022

"Unsere Erde verliert fruchtbaren Boden – und bringt damit das Klima ins Wanken"

 

Spiegel hier Von Sebastian Spallek

»Klimabericht«-Podcast

Erdböden haben enormen Einfluss auf das Klima. Denn: Sie speichern Kohlenstoff in gigantischen Mengen. Durch den menschlichen Einfluss sind die aber akut bedroht. Kann man kranke Böden wieder herstellen?

Erdböden sind ein integraler Bestandteil unseres Klimasystems. Schätzungen zufolge sind weltweit über 2500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Untergrund gespeichert – das ist etwa viermal so viel wie der Mensch seit Beginn der Industrialisierung durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe in die Atmosphäre gepustet hat.

Dieser unterirdische Kohlenstoffspeicher ist dynamisch. Das heißt: Der Stoffwechsel der Bodenorganismen setzt große Mengen des im Untergrund gebundenen Kohlenstoffs in Form von Kohlendioxid frei. Gleichzeitig wird eine entsprechende Menge Kohlenstoff durch Pflanzen und Pilze im Erdreich eingelagert und damit der Atmosphäre entzogen – ein wichtiges Fließgleichgewicht, das durch den menschlichen Einfluss gestört wird.

Weltweit ist der Boden einer Vielzahl von Stressfaktoren ausgesetzt. Er wird weggespült, ausgedörrt, versiegelt, überdüngt oder versalzen. Besonders die Landwirtschaft, die von fruchtbarer Erde abhängig ist, zerstört diese. Und auch Mikroplastik, Schwermetalle und Dürre belasten die Böden – all das setzt im Untergrund gespeichertes Kohlendioxid frei, was dramatische Folgen für unser Klima hat.

Ein weiteres Problem: Fruchtbares Land ist die Grundlage der globalen landwirtschaftlichen Versorgung. Um in Zukunft die Ernährung einer steigenden Weltbevölkerung zu sichern, müssen wir unsere Böden schützen und erhalten. Dem aktuellen »Global Land Outlook«-Bericht er Vereinten Nationen zufolge sind jedoch bereits 20 bis 40 Prozent aller Landflächen weltweit geschädigt – lässt sich eine weitere Zunahme noch aufhalten?

Donnerstag, 28. April 2022

Der Erde gehen die Böden aus

Taz hier

 UN-Bericht zur Wüstenbildung

40 Prozent der Landfläche weltweit sind geschädigt, warnen die Vereinten Nationen.
Grund sei vor allem die landwirtschaftliche Praxis.

Neben dem Klima- und dem Artenschutz gehört der Kampf gegen die Wüstenbildung zu den großen globalen Aufgaben. Und auch um ihn steht es nicht gut. Das zeigt der „Global Land Outlook“: Bereits 70 Prozent der Landfläche der Erde sind vom Menschen verändert worden, 40 Prozent sind geschädigt und nicht mehr so fruchtbar wie ursprünglich. Von diesem Problem ist mittlerweile die Hälfte der Menschheit betroffen.

Der Report ist eine Art „IPCC-Bericht“, ein Bericht des Weltwüstenrats. Denn herausgegeben hat ihn die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD), die wie die UN-Klimakonvention und die UN-Artenschutzkonvention im Jahr 1992 beim Erdgipfel in Rio de Janeiro begründet wurde.

Hauptverantwortlich für den schlechten Zustand der Böden sei die Landwirtschaft, sagt UNCCD-Chef Ibrahim Thiaw: 

„Wir müssen dringend unsere globalen Lebensmittelsysteme überdenken,
die für 80 Prozent der Entwaldung und 70 Prozent des Süßwasserverbrauchs verantwortlich sind
 
und die größte Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt auf dem Land darstellen.“

Und diese Belastungen werden bei einem einfachen Weiter-so deutlich zunehmen.

In diesem Fall würden weitere 12 Prozent der Böden weltweit bis 2050 geschädigt, eine Fläche so groß wie Südamerika. Außerdem würden bis dann weitere 253 Milliarden Tonnen CO2 emittiert durch einen Verlust an Kohlenstoff in den Böden, die Rodung von Wäldern und die Trockenlegung von Feuchtgebieten. Das entspricht den aktuellen Emissionen in fünfeinhalb Jahren. 

Der Bericht kommt daher zu dem Schluss:
„Ein Weiter-so ist kein gangbarer Weg
für unser weiteres Überleben und unseren Wohlstand.“

Donnerstag, 7. April 2022

Beziehungsprobleme - auf den Boden geschaut

Blick.ch   hier   Aline Wüst

Beziehungsprobleme 

Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Gespräch über Ackerland führen. Ziehen gedanklich die Gummistiefel an, machen sich auf dreckige Hände gefasst. Ihr Gegenüber beginnt zu sprechen – und redet über Beziehungen. Da stehen Sie nun mit Ihren sauberen Gummistiefeln, fühlen sich leicht overdressed oder schlicht im falschen Film.
Denn in Ihrem Kopf pocht eine Aussage von ETH-Professorin Adrienne Grêt-Regamey. Genauer ihr Fazit des Nationalen Forschungsprogramms über den Zustand unserer Böden. Grêt-Regamey sagte: «Die Zeit drängt. Unsere Analysen zeigen, dass der zeitliche Spielraum für den Schutz der heutigen Bodenqualität enorm eng ist.»
Ihr Gesprächspartner aber spricht ohne Eile weiter über Beziehungen, sagt nun sogar: «Der Boden ermöglicht uns neue Erkenntnisse über uns selbst.»

Falls Ihnen das mal passiert, sprechen Sie mit Mathias Forster (48). Er ist Geschäftsführer der Bio-Stiftung Schweiz und Mitinitiator eines Bodenfruchtbarkeitsfonds.
Und macht schnell klar: Es geht beim Acker nicht um Dreck. Es geht um mehr. Um alles, um uns alle. Weil der Boden die Grundlage allen Lebens ist. Wir verlieren diese Lebensgrundlage. Fast die Hälfte des fruchtbaren Bodens weltweit ist in den letzten 50 Jahren verschwunden.
Der Grund? Und jetzt kommt es: «Beziehungsprobleme», sagt Forster.

Freitag, 4. Februar 2022

plan b: Boden gut machen

Arte hier  und auch  ZDF  hier

Mit lebendiger Erde das Klima retten

Hier wird vorgestellt, wie Landwirte schwerpunktmäßig HUMUS ANBAUEN -  einen gesunden Boden, reich an Mikroorganismen und  Kohlenstoff, mit einem Wasserspeichervermögen von 150 l pro Stunde (!!!)

Zum Vergleich: Im Ahrtal fielen 200l l in 2 Tagen

Solche gesunden humusreichen Böden können massiv CO2 aus der Atmosphäre im Boden einlagern. Im Moment bekommen Bauern dafür 30 € pro Tonne, wenn sie an einem solchen Programm teilnehmen. Die Menge der genauen CO2-Einlagerung pro Jahr wird labortechnisch gemessen. Genial, oder?

➡️ https://www.humusplus.at/
Humus+  Modell Ökoregion Kaindorf

Bürgermeister Bosch aus Mainleus  sieht das Potential mit neuen Augen: "Bei jeder kleinen Maßnahme und bei jeder großen Maßnahme muss ich dran denken: Muss ich das versiegeln oder kann ich vielleicht noch was entsiegeln?

Schlusssatz des Videos: Würden alle Böden in Deutschland humusaufbauend genutzt werden, würde das den kompletten CO2-Ausstoß des Verkehrssektors ausgleichen. Und das sind immerhin etwa 30% des Gesamt-CO2-Austoßes!

Wieder eine Erkenntnis mehr. Doch was bringen Erkenntnisse, wenn es bei Erkenntnis bleibt?

Donnerstag, 18. November 2021

EU-Kommission kündigt Legislativvorschlag zur Bodengesundheit für 2023 an

Grüner Klub im Parlament - Grüne in Österreich   hier
aber das betrifft selbstverständlich die ganze EU

Kampf gegen Bodendegradation ist auch ein Kampf gegen die Klimakrise

Heute, Mittwoch, 17. November hat die Europäische Kommission ihre EU-Bodenschutzstrategie präsentiert. Die Erwartung einiger NGOs, dass diese bereits einen verpflichtenden Legislativvorschlag zur gezielten Bekämpfung von Bodendegradation beinhalten wird, wurde nicht erfüllt, jedoch kündigt sie an, einen solchen bis 2023 zu erarbeiten.

„Die Kommission setzt Schritte, und das ist gut. Dass die Schritte zu spät oder zu langsam kommen, muss nicht weiter diskutiert werden. Was es braucht, ist ein eigener Legislativvorschlag zur Bodengesundheit und eine Verankerung des Bodenschutzes in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), und zwar am besten jetzt. Laut der vorgelegten Strategie wird es eine Gesetzgebung zur Bodengesundheit zum Jahr 2023 geben und das muss es auch. Wir dürfen nicht noch mehr wertvolle Zeit verstreichen lassen, die wir im Kampf gegen die Klimakrise einfach nicht haben und in diesem Kampf spielen unsere Böden eine überaus wichtige Rolle, die auch genutzt werden muss“, sagt Sarah Wiener, EU-Abgeordnete der österreichischen Grünen und Mitglied des Agrar- sowie des Umweltausschusses.

Ein wichtiger Schritt, der zur Bekämpfung der Klimakrise beitragen soll und in der Bodenschutzstrategie bereits konkrete Erwähnung gefunden hat, ist der Vorschlag der Kommission für rechtlich verbindliche Ziele im Rahmen des Gesetzes zur Wiederherstellung der Natur, der bereits Mitte Dezember vorgestellt werden soll, um landwirtschaftlich bewirtschaftete und entwässerte Moorgebiete wieder zu regenerieren.

„Moore sind ein wertvolles Ökosystem und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Artenvielfalt. Moore sind auch ohne Zweifel der effektivste CO2-Speicher, den wir an Land haben, und damit ein sehr wertvoller Boden und unverzichtbarer Aspekt jeder Strategie zur Bekämpfung der Klimakrise. Was aber nicht übersehen werden darf, sind die weit verbreiteten Folgen einer schwer industrialisierten Landwirtschaft und Gesellschaft wie Verschmutzung, Verdichtung, Versalzung und Versiegelung sowie der Verlust der biologischen Vielfalt und organischer Stoffe unserer Böden, sei es durch viel zu hohen Einsatz von Pestiziden, Dünger oder übermäßige maschinelle Bearbeitung. Ohne EU-weit verpflichtende Richtlinien und Gesetze werden wir diese Herausforderungen der Bodengesundheit nicht bewältigen können, denn dass es auf nationaler Ebene nicht funktioniert, zeigt uns schon die Vergangenheit“, kommentiert Sarah Wiener die aktuelle Lage und nimmt dabei Bezug auf die Bemühungen des ehemaligen Umweltkommissars Janez Potočnik vor rund zehn Jahren, einen EU-weiten Rechtsrahmen für Bodenschutz zu schaffen, der jedoch von einigen wenigen Mitgliedstaaten – u. a. auch Deutschland – verhindert wurde.

„Eine verpflichtende und EU-weite Gesetzgebung zum Schutz und zur Wiederherstellung der Bodengesundheit als eine wichtige Maßnahme bei der Bewältigung der Klimakrise ist nach dem Trauerspiel bei der COP 26 ein gutes Zeichen seitens der EU-Kommission, weil das die noch fehlende Verbindung zwischen Klima- und Biodiversitätsschutz und Landwirtschaft darstellt“, so Sarah Wiener abschließend.

Sonntag, 3. Oktober 2021

"Böden unter Druck"

Schwäbische Zeitung von Kara Ballarin  hier, Auszüge in blau

Erdreich verliert nicht nur durch Versiegelung seine Funktionen - Auch Gärten betroffen

Er ist Ernährer, Klimaschützer, Wasserspeicher: Der Boden erfüllt essenzielle Aufgaben. Sein Schutz ist in der Öffentlichkeit dennoch weit weniger präsent als etwa der von Luft und Wasser. „Wenn wir weiter so mit unseren Böden umgehen, sind wir in 40 Jahren verhungert“, warnt der Oberschwabe Peter Sonntag vom Bundesverband Boden. Grund dafür sei nicht nur der zunehmende Flächenverbrauch, sondern auch der falsche Umgang mit Böden. In Baugebieten beispielsweise seien nicht nur Straßen und Häuser das Problem, sondern auch die Gärten.

Der Kampf um die kostbare Ressource Boden ist in vollem Gange......

Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamts schreitet der Flächenverbrauch in Baden-Württemberg weiter voran. 2020 sind im Durschnitt jeden Tag 5,4 Hektar Landesfläche versiegelt worden. Um diesen Wert schwanken die Zahlen seit 2013. Von der Netto-Null, die schon der ehemalige CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger als Ziel ausgerufen hatte, ist das Land weit entfernt. In der Statistik landen zudem nur Siedlungs- und Verkehrsflächen - nicht aber solche, deren Böden ihre Leistungsfähigkeit wegen Verdichtung verlieren, betont Peter Sonntag, der in der Bodenschutzbehörde des Landratsamts Ravensburg tätig ist.

Ein großes Problem: Wenn schwere Maschinen ein Grundstück befahren, verdichte das den Untergrund. So komme es vor, dass in Baugebieten auch der Boden des Gartens praktisch tot sei. „Durch Verdichtung verlieren die Lebewesen im Boden ihr Zuhause“, so Sonntag. „Im Boden ist Luft drin, die Regenwurm, Assel, Spinne, Amöben und Bakterien brauchen - sonst sterben sie.“

Zahlen zum Ausmaß dieses Problems gebe es nicht, sagt Bodenschützer Sonntag. Klar sei aber, dass das Multitalent Boden durch Verdichtung viele weitere wichtige Eigenschaften verliere. „Ein Boden von mittlerer Qualität kann pro Quadratmeter bis zu 200 Liter Wasser speichern“, sagt er. „Wenn sie die Poren durch Verdichtung kaputt machen, fließt dieses Wasser ungehindert ab.“ Auch hier werden Böden immer wichtiger: Bei Starkregen können sie die Wassermassen wie ein Schwamm aufhalten. Wie die LUBW-Sprecherin betont, bindet Boden zudem Kohlenstoff und schützt so das Klima. Und, so Sonntag: „Boden ist das einzige Medium, das Schwermetalle und Pestizide zum Teil wieder rückbildet oder bindet, sonst hätten wir uns längst an unserem eigenen Dreck vergiftet.“

Aus all diesen Gründen müsse die Qualität des Bodens erhalten bleiben, mahnt Sonntag. Die Politik hat bereits reagiert - zumindest in Baden-Württemberg. Anfang des Jahres sind neue Regelungen im Landes-Bodenschutz- und Altlastengesetz in Kraft getreten. Bauprojekte ab 5000 Quadratmetern Fläche brauchen nun ein Bodenschutzkonzept. Wer keins vorlegt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Geldbuße bis zu 50 000 Euro rechnen. Gleiches gilt, wenn die Bodenschutzbehörde bei Projekten ab 10 000 Quadratmetern Fläche eine bodenkundliche Baubegleitung anordnet und dies ignoriert wird. ....

....Zumindest in einem Ziel sind sich Bodenschützer Sonntag und das Ministerium einig: Die Menschen sollten dringend mehr über die Bedeutung des Bodens wissen. „Bodenkunde gehört in die Schule und es gehört mehr ins Bewusstsein der Menschen, dass man anständig mit dem Boden umgeht“, sagt Sonntag. ... Der Bodenschutz habe bei Entscheidungsträgern noch zu selten den Stellenwert, der ihm gebühre - wenn etwa weitere unbebaute Flächen versiegelt würden. „Der zu hohe Flächenverbrauch ist - noch weit vor der Degeneration von Böden durch Erosion - das dringlichste Problem.“

Freitag, 9. April 2021

Ein Tipp von der SoLaWi Ravensburg:

Dokumentation aus der Mediathek 3Sat 
"Böden im Burnout"


es gibt auch noch andere Dokumentationen auf 3Sat, . z.B. zum Wald

Donnerstag, 3. Dezember 2020

 „Der Bauer mit den Regenwürmern“ Onlineveranstaltung begeistert Publikum

In einer Onlineveranstaltung mit Biolandwirt Josef Braun aus Freising, Prof. Dr.  Andreas Gattinger, Leiter der Professur für Ökologischen Landbau mit dem Schwerpunkt nachhaltige Bodennutzung an der Universität Gießen und dem Wetterauer Kreislandwirt Michael Schneller, Assenheim, stand die Bedeutung einer bodenschonenden Landbewirtschaftung mit Humusaufbau als Klimachance im Mittelpunkt. Frank Uwe Pfuhl von der NABU-Umweltwerkstatt Wetterau, die auch die Onlineplattform organisierte, moderierte die Veranstaltung. Nach ihren Eingangsbeiträgen und einer anschließenden Diskussion beantworteten die Fachleute auch viele Fragen aus dem Publikum. Zu Beginn wurde der Biohof von Josef Braun in einem kurzen Film vorgestellt, der als „der Bauer mit den Regenwürmern“ zeigt, wie ohne den Einsatz von Mineraldünger durch die Humusbildung der Bodenlebewesen, den Einsatz von eigen erzeugtem Humus und vielfältige Fruchtfolgen eine ertragreiche Landwirtschaft mit Verzicht auf Pestizide möglich ist.

Mehr Gemüse und Obst essen und Landwirtschaft als Problemlöser entwickeln

„Wenn der Boden schreien könnte, würde er lauter schreien als unsere Nutztiere“, erklärt Josef Braun, um anschaulich darzulegen, wie die unverminderte Vernichtung von Ackerflächen zugunsten von Verkehr, Gewerbe und Wohnen, aber auch eine Bodenbearbeitung, die zu wenig die Zusammenhänge von Bodenlebewesen, Humusaufbau und Pflanzenwachstum berücksichtigt, Ackerböden als Kohlenstoffspeicher und als Ernährungsgrundlage gefährden.

„Wenn wir die Herausforderungen des Klimawandels, den Verlust der Artenvielfalt, den Umgang mit unseren Nutztieren und der Gefährdung des Wasserkreislaufes lösen wollen, nutzt es nichts, wenn wir auf der Landwirtschaft rumtrampeln, sondern wir müssen die Gesellschaft verändern und auch unsere Ernährungsgewohnheiten umstellen, weniger tierisches Eiweiß, weniger Zucker und Weißmehl, zugunsten von Gemüse und Obst. Dann können wir eine Landwirtschaft entwickeln die ganz anders aussieht und die Gefährdungen durch die Klimakatastrophe und das Artensterben löst und eine gesunde Ernährung ermöglicht,“ so Braun.

1,5 % mehr Humus in Ackerböden könnte unser Klimaproblem lösen

Genau an diesem Punkt setzt auch Prof. Andreas Gattinger von der Universität Gießen an. Eindringlich mahnt er: „Ackerböden sind mit 2,5 Milliarden Tonnen aufgrund der humusaufbauenden Bewirtschaftung unserer Vorfahrender der größte terrestrische Speicher von Kohlenstoff in Deutschland. Der geht aber durch die Versiegelung von 55 ha am Tag, durch Übernutzung und einseitige Fruchtfolgen mit 0,2 Tonnen pro Jahr und Hektar immer weiter verloren und das gefährdet unser Klima zusätzlich.“

Prof. Gattinger hat zu diesem Thema eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien ausgewertet und selber durchgeführt und ist sich sicher: “ Wir können das durch ökologische Praktiken drehen. Vielfältige Fruchtfolgen, mehr Anbau von Hülsenfrüchten und Mistrückführung führen zu mehr Bodenorganismen, einer Bodenbelebung und weniger Freisetzung von Lachgas. Eine stärkere Wurzelbildung kann mehr Humus aufbauen und Kohlenstoff binden. Wurzeln haben ein 2,3 mal stärkeres Bindungspotential für Kohlenstoff als oberirdische Biomasse.  1,5 % mehr Humus in unseren Ackerböden könnte unser Klimaproblem lösen.“

Ländliche Regionen nicht weiter ausbluten lassen um regionale Ernährung sicher zu stellen

Kreislandwirt Michael Schneller erklärt hierzu, dass eine stärkere Bodenfruchtbarkeit auch ein wichtiges Thema der konventionellen Landwirtschaft sei und dass stärkere Fruchtfolgen dafür wichtig sind. Dazu brauche es aber auch einen Markt und entsprechende Abnehmer und Veredelungsfirmen, die leider in der Wetterau immer weniger werden und so eine Kreislaufwirtschaft mit der Rückführung von organischem Dünger in den Boden immer mehr erschwert wird. Als gemeinsames Problem von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft sieht er die mangelnde Bereitschaft der Abnehmer für landwirtschaftliche Erzeugnisse auch die entsprechenden Preise zu zahlen und so werden die Landwirte in eine immer stärkere Abhängigkeit von staatlichen Subventionen getrieben, die immer mehr bürokratischen Aufwand erfordern. Eine existentielle Bedrohung für die bäuerlichen Betriebe in der Wetterau sieht er in der zunehmenden Vernichtung von Ackerböden zugunsten anderer Nutzungen. „Wir haben in Hessen in den letzten 25 Jahren 45 000 ha Ackerfläche verloren, soviel wie es in Wetterau insgesamt gibt. Trotz eines nur geringen Bevölkerungswachstums werden die Ballungszentren auf Kosten der Ackerflächen überproportional  immer größer. Wir fordern eine Änderung dieser Politik, damit die ländlichen Regionen nicht weiter ausbluten und wir eine regionale Ernährung sicherstellen können.“

Nochmalige Filmvorführung zum Weltbodentag am 6.12.2020

Der intensiven Debatte zwischen den Referenten und dem über Onlinechat zugeschalteten Publikum folgte der 45-minütige Film „Der Bauer mit den Regenwürmern“ über den Biohof von Irene und Josef Braun. Anlässlich des Weltbodentages am 5.12.20 wird er am 6.12.20 um 16.30 Uhr nochmal gezeigt. Wer die Gelegenheit nutzen will, kann sich hier anmelden:

https://www.edudip.com/de/webinar/der-bauer-mit-den-regenwurmern-der-film/551756

Die Aufzeichnung der Diskussion vom 8.11.2020 ist hier zu finden:

Weiter Veranstaltungen und Aktionen folgen:

Zur Onlineveranstaltung der „Bauer mit den Regenwürmern“ luden auf Initiative der NachhaltigkeitsWIRKstatt Wölfersheim und BIONALES - Bürger für regionale Landwirtschaft und Ernährung e.V. folgende Organisationen ein: Wetterau im Wandel,  IG gesunder Boden, Regionalbauernverband, AbL, Ev.Dekanat, NABU, GWÖ; Bingenheimer Saatgut, MiEG, WetterauSicht, Fridays for Future, Modellregion Ökolandbau Wetterau.

Der zweite Teil der Veranstaltung mit den 3 Referenten ist für Januar geplant, weitere Aktionen zum Bodenschutz und Humusaufbau als Klimaschutz und Grundlage einer regionalen Ernährung folgen. Wer mitmachen will kann sich hier melden: info@bionales.de