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Sonntag, 7. August 2022

Eßbare Städte: Eine Stadt wie ein Füllhorn

Die Stadt Todmorden macht es vor  hier und hier
Wer kennt die Idee noch  nicht aus dem Film Tomorrow?  Eine wunderbare Idee, die Schule machen sollte! Auch bei uns.


Die Stadt Andernach hat es auch gemacht:

FAZ hier   Von ANNA-LENA NIEMANN, Fotos von SAMIRA SCHULZ

Eine Stadt wie ein Füllhorn

Statt trostloser Bodendecker wachsen auf Andernachs Grünflächen Gemüse, Obst und Wildblumen – für alle. Von der essbaren Stadt profitieren nicht nur ihre Bewohner.


Irgendeine Pflanze hat Lutz Kosack eigentlich immer zwischen den Fingern, hier zerreibt er Bärlauch auf der Handfläche, dort klaubt er reife Walderdbeeren oder rupft eine Distel aus dem Staudenbeet. Als er mitten in Andernach vor einem Gemüsebeet haltmacht, können seine Hände keine Pflanze halten, also halten sie sich einfach gegenseitig. So steht er da und blickt auf eine kleine, braune Fläche, die bis vor kurzem noch voll mit hellgrünen Salatköpfen war. Wer sie mitgenommen hat, weiß er nicht. Doch in der Welt von Lutz Kosack ist das kein Beispiel von Mundraub, sondern ein großer Erfolg. Die letzten Kopfsalate, zwei winzige Exemplare, würde er auch gern abgeerntet sehen. Denn der Salat ist durchaus anspruchsvoll. „Bohnen oder Zucchini sind pflegeleicht, die machen den Boden dicht“, sagt Kosack, „aber Salat macht Stress.“


Lutz Kosack, Botaniker und Geoökologe

Den Salatstress tut er sich trotzdem an. Im Dienste der Agrodiversität, also der Vielfalt landwirtschaftlich genutzter Pflanzen. Und für ein Konzept, das die Stadt Andernach, für die Kosack die Landschaftplanung verantwortet, als „Essbare Stadt“ weit über die eigenen Grenzen bekannt gemacht hat.
Seit zehn Jahren wachsen auf den Grünflächen und in Hochbeeten in der Fußgängerzone nicht mehr ausschließlich Stiefmütterchen, Tulpen oder undefinierbare Bodendecker, sondern Obst, Gemüse, Kräuter und Wiesenblumen.
Wer will, darf einfach zugreifen und mitnehmen, was er tragen kann. Kosack hat das Projekt 2010 mitinitiiert. Der 56 Jahre alte Botaniker und Geoökologe ist überzeugt, dass urbane Grünflächen nicht nur einen Beitrag zur Biodiversität leisten können, sondern auch allen gehören sollten. Ein „Betreten verboten“-Schild sucht man in Andernach vergeblich.

 

Das Ergebnis dessen besichtigt man am besten entlang der alten Stadtburg, im Herzen der mittelrheinischen Stadt. Mit großen Schritten führt Kosack vorbei an duftenden Rosen und jungen Johannisbeersträuchern, über eine Brücke – ein kurzer Blick über die Brüstung in den Stadtgraben, in den in wenigen Tagen wieder Hühner einziehen dürfen –, dann durch den Torbogen, auf die südöstliche Seite der Burg und direkt rein in das, was Koseck die „Keimzelle“ des Projekts nennt.


Die alte Burgruine ist die Keimzelle der „Essbaren Stadt“. Ihre Mauern speichern Wärme und bieten damit bestes Mikroklima für die Obstgehölze, die Lutz Kosack gepflanzt hat.

Die alte Burgruine ist die Keimzelle der „Essbaren Stadt“. Ihre Mauern speichern Wärme und bieten damit bestes Mikroklima für die Obstgehölze, die Lutz Kosack gepflanzt hat.

Die Ruinen der 800 Jahre alten Anlage bieten weit mehr als nur eine pittoreske Kulisse für die Gewächse. Sie schaffen ein Mikroklima, in dem sich Botaniker und Gärtner austoben können: windgeschützte Gräben zwischen sonnigen Hängen und halbschattigen Nischen. Mächtige Steinmauern speichern Wärme und geben sie an Spalierobst und Sträucher weiter. „Ich liebe jede Form von Dogmatik, aber in der Stadt erlaube ich mir, auch etwas anderes aufzubieten, unabhängig davon, ob die Pflanzen hier heimisch sind oder nicht.“ Also wachsen dort die fast vergessenen Mispelbäume genauso selbstverständlich wie Granatäpfel, Bananenstauden, Kaki, Birnen und Topinambur. Weiter hinten hängen schon die ersten Früchte wie grüne Perlen an den Weinstöcken, während gegenüber der Hopfen an trichterförmigen Stützen emporrankt. Nah am Boden reiht sich Mangold an Kohlrabi.

Freitag, 5. August 2022

Gartenkultur: "Wir pflanzen hier Hoffnung"

Süddeutsche Zeitung  hier   5. August 2022, Von Julia Rothhaas

Was für eine tolle Idee! Man möchte am Liebsten gleich loslegen und Pflanzplätze suchen.
Bei uns in der Gegend gibt es ja auch einige Lehrpfade, die alte Obstsorten erhalten sollen (hier). Auf Anhieb fällt mir der Obstlehrpfad von Frickingen ein und die Sammlungen in Überlingen: Hödingen hier und im Rauensteinpark. 
Auch wenn man keinen Zugang zur Süddeutschen hat, lohnt sich ein Click auf den Link um das fantastische Foto des vollen Obstkorbes zu sehen. Siegfried Tatschl  hat ihn nur mit Früchten gefüllt, die er in seinem Heimatort geerntet hat. 

Früher war Siegfried Tatschl Psychotherapeut, mittlerweile hat er in seinem niederösterreichischen Heimatort mehr als 250 Obstsorten gepflanzt - und jeder pflückt, was ihm schmeckt. Zu Besuch im Garten Eden, bei einem Mann, der Frucht und Mensch zusammenbringen will.