Sonntag, 7. August 2022

Eßbare Städte: Eine Stadt wie ein Füllhorn

Die Stadt Todmorden macht es vor  hier und hier
Wer kennt die Idee noch  nicht aus dem Film Tomorrow?  Eine wunderbare Idee, die Schule machen sollte! Auch bei uns.


Die Stadt Andernach hat es auch gemacht:

FAZ hier   Von ANNA-LENA NIEMANN, Fotos von SAMIRA SCHULZ

Eine Stadt wie ein Füllhorn

Statt trostloser Bodendecker wachsen auf Andernachs Grünflächen Gemüse, Obst und Wildblumen – für alle. Von der essbaren Stadt profitieren nicht nur ihre Bewohner.


Irgendeine Pflanze hat Lutz Kosack eigentlich immer zwischen den Fingern, hier zerreibt er Bärlauch auf der Handfläche, dort klaubt er reife Walderdbeeren oder rupft eine Distel aus dem Staudenbeet. Als er mitten in Andernach vor einem Gemüsebeet haltmacht, können seine Hände keine Pflanze halten, also halten sie sich einfach gegenseitig. So steht er da und blickt auf eine kleine, braune Fläche, die bis vor kurzem noch voll mit hellgrünen Salatköpfen war. Wer sie mitgenommen hat, weiß er nicht. Doch in der Welt von Lutz Kosack ist das kein Beispiel von Mundraub, sondern ein großer Erfolg. Die letzten Kopfsalate, zwei winzige Exemplare, würde er auch gern abgeerntet sehen. Denn der Salat ist durchaus anspruchsvoll. „Bohnen oder Zucchini sind pflegeleicht, die machen den Boden dicht“, sagt Kosack, „aber Salat macht Stress.“


Lutz Kosack, Botaniker und Geoökologe

Den Salatstress tut er sich trotzdem an. Im Dienste der Agrodiversität, also der Vielfalt landwirtschaftlich genutzter Pflanzen. Und für ein Konzept, das die Stadt Andernach, für die Kosack die Landschaftplanung verantwortet, als „Essbare Stadt“ weit über die eigenen Grenzen bekannt gemacht hat.
Seit zehn Jahren wachsen auf den Grünflächen und in Hochbeeten in der Fußgängerzone nicht mehr ausschließlich Stiefmütterchen, Tulpen oder undefinierbare Bodendecker, sondern Obst, Gemüse, Kräuter und Wiesenblumen.
Wer will, darf einfach zugreifen und mitnehmen, was er tragen kann. Kosack hat das Projekt 2010 mitinitiiert. Der 56 Jahre alte Botaniker und Geoökologe ist überzeugt, dass urbane Grünflächen nicht nur einen Beitrag zur Biodiversität leisten können, sondern auch allen gehören sollten. Ein „Betreten verboten“-Schild sucht man in Andernach vergeblich.

 

Das Ergebnis dessen besichtigt man am besten entlang der alten Stadtburg, im Herzen der mittelrheinischen Stadt. Mit großen Schritten führt Kosack vorbei an duftenden Rosen und jungen Johannisbeersträuchern, über eine Brücke – ein kurzer Blick über die Brüstung in den Stadtgraben, in den in wenigen Tagen wieder Hühner einziehen dürfen –, dann durch den Torbogen, auf die südöstliche Seite der Burg und direkt rein in das, was Koseck die „Keimzelle“ des Projekts nennt.


Die alte Burgruine ist die Keimzelle der „Essbaren Stadt“. Ihre Mauern speichern Wärme und bieten damit bestes Mikroklima für die Obstgehölze, die Lutz Kosack gepflanzt hat.

Die alte Burgruine ist die Keimzelle der „Essbaren Stadt“. Ihre Mauern speichern Wärme und bieten damit bestes Mikroklima für die Obstgehölze, die Lutz Kosack gepflanzt hat.

Die Ruinen der 800 Jahre alten Anlage bieten weit mehr als nur eine pittoreske Kulisse für die Gewächse. Sie schaffen ein Mikroklima, in dem sich Botaniker und Gärtner austoben können: windgeschützte Gräben zwischen sonnigen Hängen und halbschattigen Nischen. Mächtige Steinmauern speichern Wärme und geben sie an Spalierobst und Sträucher weiter. „Ich liebe jede Form von Dogmatik, aber in der Stadt erlaube ich mir, auch etwas anderes aufzubieten, unabhängig davon, ob die Pflanzen hier heimisch sind oder nicht.“ Also wachsen dort die fast vergessenen Mispelbäume genauso selbstverständlich wie Granatäpfel, Bananenstauden, Kaki, Birnen und Topinambur. Weiter hinten hängen schon die ersten Früchte wie grüne Perlen an den Weinstöcken, während gegenüber der Hopfen an trichterförmigen Stützen emporrankt. Nah am Boden reiht sich Mangold an Kohlrabi.

Samstag, 6. August 2022

"Wer weniger als einen Privatjet hat, darf bitte nicht belastet werden"

Ein außerordentlich kluger Artikel für uns alle. Es wird Zeit, die Maßstäbe zu realisieren.

Süddeutsche Zeitung hier   Gastkommentar von Hedwig Richter   28. Juli 2022

Was sich die SPD nicht zu sagen traut

Wer weniger als einen Privatjet hat, darf bitte nicht belastet werden: So klingt die neue deutsche Klassenkampfrhetorik. Vor allem die Sozialdemokraten haben den Schuss offenbar nicht gehört.

Hedwig Richter ist Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München.

Bei der Lindner-Hochzeit war die Welt so sehr in Ordnung. Die Reichen, die Liberalen, die da oben feiern schamlos, anstatt zu tun, was ein anständiger Mensch im Angesicht von Krieg und Krisen tun müsste: verantwortungsvoll den Gürtel enger schnallen. Die Promi-Hochzeit war deswegen so schön und erregend, weil sie allen einen Glücksmoment des guten Gewissens bescherte. Verglichen mit Merz im Privatflieger ist der eigene Verbrenner ein Gefährt des Ehrenmanns, der Pauschalurlaub mit Flug ein Ausdruck bürgerlicher Bescheidenheit, und verglichen mit der Millionärsparty auf Sylt fühlt sich der Grillabend an wie ein Beitrag zum Klimaschutz.

Es gibt viele diskursive Ablenkungsmanöver, um die Klimakrise auszublenden: Sommer sind heiß, China ist schlimmer, Krise war immer, Linke hassen die Freiheit, und dann sind da noch diese wohlstandsverwahrlosten Kids, die sich auf die Straße kleben. Doch die merkwürdigste Begleitmusik für das Szenario des brennenden Planeten ist die im hohen Ton der Empörung vorgetragene Klassenkampfrhetorik. Lange schien sie tot zu sein, nun aber erwacht sie zu neuem Leben und erfüllt eine neue Funktion: Bitte nicht die deutsche Bevölkerung belasten. Die Definition des Proletariats wird dabei großzügig ausgeweitet bis hin zu jedem Deutschen, der ein Eigenheim besitzt, und jeder Bürgerin mit Zweitwagen (braucht man ja auf dem Land). Im Grunde also auf alle - nur eben nicht auf die Lindner-Hochzeitsgesellschaft.

Friedrichshafen: Brauchen Grünanlagen mehr Schutz?

 01.08.2022  |  VON KATY CUKO KATY.CUKO@SUEDKURIER.DE  hier

Stadtrat Philipp Fuhrmann (Netzwerk) leidet mit dem Baum mitten im Uferpark. Als die Grillhütte der Firma Klink-Eberhard auf dem Seehasenfest abfackelte, wurde auch die „wunderschöne Kastanie schwer geschädigt“, schrieb er an Baubürgermeister Fabian Müller. Der Verkaufswagen stand direkt unter der mächtigen Krone. Die Flammen fraßen sich durch das Blätterdach. Als die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, mussten mehrere starke Äste aus Sicherheitsgründen abgesägt werden.

Doch nicht nur der Brand habe dem Baum zugesetzt. Dazu komme „die seit Jahren bemängelte Schädigung des Wurzelbereichs“. Denn auch in diesem Jahr wurde dieser Baum „völlig mit Buden zugebaut“, schreibt Fuhrmann. In dem Schreiben bittet er das Rathaus um Stellungnahme, wie die Grünanlagen und darauf wachsende Bäume bei sommerlichen Großveranstaltungen künftig besser geschützt werden.

Die Antwort aus dem Rathaus kam postwendend. Philipp Fuhrmann hat die Korrespondenz unserer Zeitung zur Verfügung gestellt. Demnach gibt es seit Jahren geltende Leitlinien. Die sehen grundsätzlich vor, „dass Wiesenflächen entlang der Uferpromenade bei Veranstaltungen in der Regel nicht mitbenutzt werden dürfen“, schreibt der Baubürgermeister. Allerdings: „Das Seehasenfest ist eine der wenigen Ausnahmen, bei denen dies möglich ist.“ Selbstverständlich achte die Stadt dann darauf, den Eingriff in Grünflächen und Baumbestand so gering wie möglich zu halten. Bei einer so dichten Nutzung werde es dabei immer Zielkonflikte geben, räumt Müller ein....

Im Rathaus ist man sich dessen bewusst, dass drei bis vier Uferfeste, die zwischen Juni und August fast nahtlos ineinander übergehen, „eine gewaltige, zusätzliche Belastung für die Grünanlagen und Bäume in der eh schon hitzegestressten Sommerzeit“ darstellen. .....

E-Autos als Energiespeicher? "Die hätten eine Kapazität von 100 Atomkraftwerken"

NTV  hier  04.08.2022

E-Autos haben als Energiespeicher ein "gigantisches Potenzial"

Wer sich eine Solaranlage auf seinem Dach installiert, steht vor einem Problem: Der günstige Strom wird vor allem dann produziert, wenn man selbst nicht zu Hause ist. Nach dem Sonnenuntergang bleibt abends nur die teure Energie aus dem Netz. Um den Verbrauch zu optimieren, werden die meisten Solaranlagen deshalb nur noch mit Heimspeicher verkauft. Die mit Abstand besten Energiespeicher stehen aber vor der Haustür. Doch das Potenzial von E-Autos lässt Deutschland in den Augen von Christian Rahn bisher ungenutzt. Vor allem die hiesigen Ladesäulen sind ein Problem. "Andere Länder machen vor, dass es funktioniert", ärgert sich der Geschäftsführer von Otovo Deutschland im "Klima-Labor" von ntv. "Es gibt keinen Grund, warum das in Deutschland nicht auch funktionieren sollte."

Deutschlands Solarbranche hofft auf zweite Chance

NTV   06.08.2022  hier

Ein Jahrzehnt nach Pleitewelle

Die deutsche Industrie war schon einmal führend bei der Photovoltaik-Technologie. Dann wurde sie von der Konkurrenz aus Asien hinweggefegt. Nun hoffen Politik und Unternehmen auf ein Comeback - doch davor stehen mehrere Hindernisse.

Nach dem Willen der Bundesregierung soll der Anteil des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms am gesamten Stromverbrauch bis 2030 von derzeit knapp unter 50 auf mindestens 80 Prozent steigen. Gebraucht werden dafür nicht nur deutlich mehr Windräder, sondern auch deutlich mehr Solaranlagen. Die Frage ist: Wo sollen die herkommen?

Pressemitteilung vom 05.08.2022

Aktivist*innen nehmen Strafe im Essen-Retten-Prozess an

Die Essenretter*innen aus Ravensburg wurden letzten Donnerstag (28.07.2022) zu je 10 Sozialstunden verurteilt. 

Die beiden planten diesmal nicht in Berufung zu gehen.
Bei einem Telefonat verweigerte die Staatsanwaltschaft die Auskunft darüber, ob sie Berufung gegen das Urteil eingelegt hat. Das Amtsgericht selbst konnte nicht erreicht werden. 

Samuel Bosch (19) und Charlie Kiehne (20) planen "die Strafe für Lebensmittelrettung zu nutzen". "Wir werden unsere Sozialstunden bei Foodsharing machen, wir wollen die ehrenamtliche Arbeit der Menschen kennenlernen, die jeden Tag Lebensmittel retten" erklärt Kiehne. Die Essenretter*innen möchten auch die Presse zu den Sozialstunden einladen.  

"Wir lassen uns nicht abschrecken und werden weiter containern. Aber wir hoffen, dass Containern bald unmöglich wird, wenn keine guten Lebensmittel mehr in den Tonnen landen", fügt Bosch hinzu. 

Es handelt sich um das erste Verfahren bei dem die Aktivist*innen ein Urteil am Amtsgericht annehmen.

Streuobstbäume in Gefahr: Kochschulen sollen helfen

Zeit  hier   

Noch weist Baden-Württemberg die größten zusammenhängenden Streuobstbestände Europas auf, doch sie stehen schon auf der Roten Liste der Biotoptypen im Land.
Agrarminister Peter Hauk (CDU) unterstrich am Freitag in Zwingenberg (Neckar-Odenwald-Kreis) die Bedeutung des Streuobstbaus. «Die halboffenen, mit großkronigen Obstbäumen bestandenen Landstriche sind nicht nur schön anzusehen und gehören zu unserem Heimatgefühl.» Sie seien auch wichtige Lebensräume für eine Vielzahl an wildlebenden Tier- und Pflanzenarten, darunter Steinkauz, Wiedehopf, Igel und Bechsteinfledermaus.

Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt gab es 2020 rund 7,1 Millionen Streuobstbäume zwischen Main und Bodensee. Das sei ein Rückgang um 17 Prozent im Vergleich zu 2009.
Auch die Fläche sei in diesem Zeitraum massiv geschrumpft. Als Ursache gelten die Ausdehnung der Siedlungs- und Verkehrsflächen und die Aufgabe der Bäume infolge der geringen Erlöse beim Verkauf des Obstes oder der daraus hergestellten Produkte.

Dem Trend versucht das Land mit einem Bündel an Maßnahmen entgegen zu wirken. Dazu gehört auch das bisherige Pilotprojekt der Naturpark-Kochschule im Naturpark Südschwarzwald, das auf andere Regionen ausgedehnt werden soll. Dafür engagiere sich schon der Naturpark Neckartal-Odenwald auf vorbildliche Weise. Hauk: «Ein wichtiger Ansatz ist, Berührungspunkte für junge Menschen mit Streuobstwiesen zu schaffen und Streuobst in Bildungsangebote zu integrieren.» Ziel sei es, die Teilnehmer für Verarbeitung und Genuss regionaler Produkte aus ökologischer oder extensiver Landwirtschaft zu gewinnen.

© dpa-infocom, dpa:220805-99-287099/2

Freitag, 5. August 2022

Gartenkultur: "Wir pflanzen hier Hoffnung"

Süddeutsche Zeitung  hier   5. August 2022, Von Julia Rothhaas

Was für eine tolle Idee! Man möchte am Liebsten gleich loslegen und Pflanzplätze suchen.
Bei uns in der Gegend gibt es ja auch einige Lehrpfade, die alte Obstsorten erhalten sollen (hier). Auf Anhieb fällt mir der Obstlehrpfad von Frickingen ein und die Sammlungen in Überlingen: Hödingen hier und im Rauensteinpark. 
Auch wenn man keinen Zugang zur Süddeutschen hat, lohnt sich ein Click auf den Link um das fantastische Foto des vollen Obstkorbes zu sehen. Siegfried Tatschl  hat ihn nur mit Früchten gefüllt, die er in seinem Heimatort geerntet hat. 

Früher war Siegfried Tatschl Psychotherapeut, mittlerweile hat er in seinem niederösterreichischen Heimatort mehr als 250 Obstsorten gepflanzt - und jeder pflückt, was ihm schmeckt. Zu Besuch im Garten Eden, bei einem Mann, der Frucht und Mensch zusammenbringen will.

Update: noch mehr Leserbriefe

 


"In China steigen die Temperaturen doppelt so schnell wie im Rest der Welt"

Business Insider Polen    05 Aug 2022

Offizielle Stellen bezeichneten das Land nun selbst als „anfällig“ für die Klimawandel.

Das ist auch über China hinaus wichtig, denn das Land ist einer der größten Lebensmittelproduzenten der Welt.

Chinas Verhältnis zum Klimawandel und Klimaschutz in zwiespältig. Auf der einen Seite pocht das Land auf ein Recht, seine eigene Industrialisierung voranzutreiben und daher auch auf eine Sonderstellung bei internationalen Klimakonferenzen. Andererseits hat sich das Regime in Peking verpflichtet, China bis 2060 klimaneutral zu machen und vor 2030 damit zu beginnen, den CO₂-Ausstoß zu verringern.

Vor diesem Hintergrund sind Daten besonders interessant, die Chinas meteorologisches Amt in dieser Woche veröffentlichte. Danach steigt die Durchschnittstemperatur in China fast doppelt so schnell wie im Rest der Welt. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren noch verstärken.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, bezeichnete Chinas meteorologisches Amt das Land als „anfällig für den globalen Klimawandel“.

Die Temperaturen in China stiegen den Angaben zufolge seit 1951 um 0,26 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Das ist fast doppelt so stark wie der globale Durchschnitt, der bei 0,15 Grad Celsius pro Jahrzehnt liegt.
In Zukunft werde der Anstieg der regionalen Durchschnittstemperaturen in China viel höher sein als der globale Durchschnitt, sagte Yuan Jiashuang, der stellvertretende Direktor des Nationalen Klimazentrums Chinas (NCC).

Er warnte davor, dass Chinas veränderte Wettermuster das Gleichgewicht der Wasserressourcen beeinträchtigten, die Ökosysteme anfälliger machten und die Ernteerträge verringern würden. Dies könne eine weltweite Nahrungsmittelkrise auslösen. Denn China ist einer der größten Nahrungsmittelproduzenten der Welt.

China hat seit Jahren mit überdurchschnittlicher Hitze zu kämpfen. In der südwestlichen Provinz Yunnan und in Hebei im Norden stiegen die Temperaturen auf bis zu 44 Grad Celsius.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Business Insider Polen. Das Original findet ihr hier.

„Müssen aufhören, die Klimakrise als ein Umweltthema zu betrachten“

 Utopia  hier  Von    5. August 2022

Sind die Kipppunkte der Erde einmal erreicht, drohen der Menschheit unaufhaltsame Veränderungen. Der Klimaforscher Johan Rockström warnt eindringlich davor – und verlangt „harte politische Entscheidungen“.

Der Schwede Johan Rockström ist einer von zwei Direktoren des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Der Resilienz- und Klimaforscher klärt unter anderem in der Netflix-Dokumentation „Breaking Boundaries“ über die planetaren Grenzen auf – jene ökologischen Schwellen der Erde, deren Überschreitung die Stabilität der Ökosysteme und somit die Lebensgrundlagen der Menschheit gefährdet. In einem Interview mit der Zeit stellt sich der 56-Jährige der Frage, warum es der Wissenschaft trotz belastender Daten zur Klimakrise nur sehr schwer gelingt, viele Menschen zu erreichen.

Für Rockström liege es mitunter daran, dass Wissenschaftler:innen keine „Kommunikationsexperten“ seien, wie er sagt. Eine weitere Verantwortung sehe er bei den Medien, auch Journalist:innen tragen dem Wissenschaftler zufolge einen Teil der Verantwortung und hätten in der Vergangenheit nur „sporadisch“ über den Klimawandel und seine Folgen berichtet.

Klimakrise: „Wie sie die Wirtschaft beeinflusst, die Jobs, die Sicherheit, die Migration“

"Gaskrise: Deutschland spart überraschend gut"

 Zeit hier  Christian Endt, Jurik Caspar Iser 

Gaskrise

Der Gasverbrauch ist stark zurückgegangen, die Speicherziele scheinen plötzlich erreichbar. Bewältigt Deutschland die Gaskrise am Ende besser als gedacht?

Noch fließt genug Gas aus Russland. Neueste Daten zum Verbrauch deuten sogar darauf hin, dass Deutschland besser durch den Winter kommen könnte als gedacht.

Donnerstag, 4. August 2022

Schwarzwald- und Gäubahn: Großer Bahn-Ärger in den Ferien

 29.07.2022  |  VON DOMINIK DOSE DOMINIK.DOSE@SUEDKURIER.DE hier

Großer Bahn-Ärger in den Ferien

Verschleiß-Problem auf der Schwarzwaldbahn, umfangreiche Bauarbeiten auf der Gäubahn: Bahnreisende müssen im südlichen Baden-Württemberg jetzt ganz starke Nerven beweisen – und viel Zeit mitbringen. Schienenersatzverkehr heißt es auf den Hauptstrecken Richtung Karlsruhe und Stuttgart. Doch wo passiert was, wie lange dauert es und welche Alternativen gibt es? Ein Überblick.

Sie treten fürs Klima in die Pedale

03.08.2022  |  VON HOLGER KLEINSTÜCK  hier

Sie treten fürs Klima in die Pedale

Uhldingen-Mühlhofen27 088 Kilometer haben die 18 Teams mit 136 Radfahrern aus der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen während der Aktion des Netzwerks Klima-Bündnis „Stadtradeln – Radeln für ein gutes Klima“ bewältigt. „Dabei sind rund vier Tonnen Kohlendioxid eingespart worden“, teilte Bürgermeister Dominik Männle während der Siegerehrung am Welterbesaal mit. Er wies aber auch darauf hin, dass sich gegenüber dem Vorjahr weniger Personen an der Aktion beteiligten.

..... Egal ob beruflich oder privat – Hauptsache kohlendioxidfrei unterwegs“, hieß es in der Ausschreibung. Teilnehmen konnten alle, die in der Gemeinde wohnen, arbeiten, einem Verein angehören oder eine Schule besuchen.....


29.07.2022 Südkurier hier

Radfahrer sammeln 225.230 Kilometer

Friedrichshafen – Rauf aufs Fahrrad: Friedrichshafen war in Bewegung und setzte ein Zeichen für den Klimaschutz und die Gesundheit. Und die Bilanz 2022 kann sich mehr als sehen lassen: Für Friedrichshafen traten 37 Teams mit insgesamt 1038 aktiven Radelnden bei der Stadtradeln-Aktion in die Pedale. Gemeinsam radelten sie 225.230 Kilometer, wie die Stadt mitteilt.

„Die Bilanz der diesjährigen Aktion ist überaus erfreulich. Die Kilometerzahl hat sich im Vergleich zu 2021 um rund 10.000 Kilometer erhöht“, so Stefan Valentin, Verantwortlicher bei der Stadt Friedrichshafen für die Aktion. ......

In der Städtewertung im Bodenseekreis wurden insgesamt 855.343 Kilometer geradelt. Hier liegt Friedrichshafen mit 225.230 Kilometer an der Spitze vor Markdorf (104.160 Kilometer), Tettnang (95.903 Kilometer), Meckenbeuren (85.167 Kilometer) und Frickingen (36.370 Kilometer).

"Wachstum oder Verzicht?"

Eine sehr gute Dokumentation! Auf jeden Fall sehenswert

ZDF  hier    03.08.2022
Video verfügbar bis 02.08.2024   

Ein Film von Melissa Holland-Moritz, Axel Berking und Philipp Sohmer

Klima retten 

Felder vertrocknen in der Sonne, Wälder stehen in Flammen. An vielen Orten wird es immer heißer.
Wie lässt sich die Erde noch retten? Durch Fortschritt oder radikalen Verzicht?

"Auf einem endlichen Planeten ist unendliches Wachstum nicht möglich", sagt der Schweizer Ökonom Mathias Binswanger. Das spricht für Verzicht. Andere sagen: Nur durch Wachstum und neue Techniken ließe sich der Klimawandel stoppen. Eine Grauzone.

"Wir müssen lernen zu verzichten"

Süddeutsche Zeitung hier   29. Juli 2022   Von Silvia Liebrich

Wohlstand und Konsum

Viele Menschen spüren es längst: Wir stecken in einer tiefen Krise. Das Zeitalter des grenzenlosen Konsums geht zu Ende, nun ist Maßhalten angesagt. Was das bedeutet und worauf es nun ankommt.

Ein paar Wochen kein Fleisch essen, auf Alkohol verzichten oder das Smartphone ausschalten, in der Fastenzeit lassen sich viele Menschen gern darauf ein. Viele empfinden es als erleichternd, ja sogar befreiend, zumindest für eine begrenzte Zeit auf manches zu verzichten, was sonst unabkömmlich erscheint. In einem Alltag, der von vermeintlich grenzenloser Verfügbarkeit geprägt ist - egal, ob es nun um Essen, Kleidung, Reisen, Freizeitspaß und mehr geht -, kann Verzicht reinigend auf Körper und Seele wirken.

Doch was, wenn der Verzicht auf Liebgewonnenes plötzlich zum Dauerzustand und das Sparen zur Notwendigkeit wird? Bei vielen Deutschen macht sich angesichts des bevorstehenden Winters schon jetzt ein flaues Gefühl im Magen breit. Gas zum Heizen der Wohnung und für den Betrieb wichtiger Industriezweige könnte knapp und teuer werden. Das Schreckgespenst der Inflation überschattet inzwischen viele Bereiche des Lebens. Wohlstand und Lebensstil scheinen plötzlich gefährdet.

Nun zeigt sich: Die Corona-Pandemie hat die Welt des modernen Konsums anfällig gemacht, Russlands Gas-Monopoly bringt sie nun ins Schlingern. Doch diese Krisen wirken allenfalls wie eine Art Brandbeschleuniger in einer ohnehin im Umbruch befindlichen Welt. Die eigentliche Ursache für den Niedergang der modernen Wohlstandsgesellschaft liegt tiefer.

Wie sehr unser exzessiver Lebensstil die Erde und das Klima strapazieren, ist diese Woche erneut deutlich geworden. Wälder, Wasser, Ackerland, Rohstoffe - die Menschheit verbraucht jedes Jahr mehr natürliche Ressourcen, als der Globus erneuern kann, allen voran die Länder des reichen Westens. 2022 fiel der Tag, an dem das Jahresbudget aufgebraucht war, auf den 28. Juli. Und er rückt jedes Jahr ein bisschen nach vorn. Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären nicht nur 1,75, sondern etwa drei Erden nötig. All das ist uns bekannt, trotzdem sind wir kaum bereit, sparsamer und nachhaltiger zu wirtschaften.

Antrag in Salem: Photovoltaik auf die Dächer!

 Dieser Antrag wurde am 2.8.22  im Gemeinderat beraten und daraufhin einstimmig angenommen.

Antrag der Fraktion GoL vom 27.6.22

 

1.   Beauftragung der Verwaltung zur Überprüfung der Photovoltaik-Potentialflächen auf kommunalen Dächern in Salem

2.   Anhand der Ergebnisse zunächst eine Beratung im Gemeinderat herbeiführen, wie diese Photovoltaikflächen möglichst schnell umgesetzt werden können.

3.   Öffentliche Diskussion in der Gemeinde mit Leitfunktion

Im Landkreis Konstanz rufen der Landkreis, Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer (HWK) und der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) gemeinsam zum verstärkten Ausbau von Photovoltaikanlagen auf allen Dachflächen im Landkreis auf. Der Landrat sagt:

 

„Gerade die Dachflächen bieten sich an: Hier hat man keinen zusätzlichen Flächenverbrauch und keinen hohen Planungsaufwand. Ziel ist es, bis Ende 2024 alle Kreis-Liegenschaften weitestge­hend mit Photovoltaikanlagen ausgestattet zu haben" (Wochenblatt KN)

 

Auch wenn ein entsprechender Aufruf bei uns noch fehlt, sind auch unsere Kommunen im Kreis, ebenso wie der Bodenseekreis selbst, in der Pflicht, eine deutlich sichtbare Vorreiterrolle zu einzunehmen.

Es ist wichtig, dass der Platz auf Dächern und an Fassaden gut ausgenutzt wird, um landwirtschaftliche Flächen zu schonen. Wir wollen den Energie-Ausbau vorrangig auf den Dächern und nicht auf dem Acker vorantreiben!

Naturkatastrophen wüten in Deutschland – und sorgen dafür, dass einige Regionen unbewohnbar werden

businessinsider hier   Christine van den Berg   30 Jul 2022

Bestimmte Regionen in Deutschland werden in Zukunft nicht mehr besiedelbar sein, sagt Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Grund dafür sind Natturkatastrophen und der Klimawandel. Doch wo in Deutschland liegen diese Landstriche?

Mittwoch, 3. August 2022

Ökologische Aufwertung für Landesgartenschau 2024

Schwäbische Zeitung  hier  29.07.2022  Paulina Stumm

Argen bei Wangen bricht in neues Bett durch

Die Argen hat ein Stück Freiheit zurück: Unter den Augen zahlreicher Wangenerinnen und Wangener, die den Durchbruch in das neue Bachbett auf der Argenwiese beobachteten, hat ein Bagger dem Fluss am Freitagnachmittag den Weg frei gemacht.

Die Argen wird dadurch rund 80 Meter Richtung Hang umgeleitet, damit das Wasser sich dort in der Fläche seinen Weg suchen und sich ausbreiten kann. Ihr Weg führt das Gewässer nun auch unter der noch im Bau befindlichen neuen Brücke für den Donau-Bodensee-Radweg hindurch.

Vorbereitung auf die Landesgartenschau - Argen soll revitalisiert werden

Diese Umlenkung der Oberen Argen auf Höhe der Werksgärten des Erba-Areals ist ein Meilenstein des Gesamtprojekts Revitalisierung der Argen im Zusammenspiel mit den Vorbereitungen für die Landesgartenschau 2024. Das Gesamtprojekt kostet acht Millionen Euro, von denen das Land 5,5 Millionen übernimmt.

Die Arbeiten an der Argen dienen dazu, den Flusslauf wieder naturnäher zu gestalten, was, so betonten die Projektverantwortlichen, dem Natur- und dem Hochwasserschutz zugutekommt. Zum Argen-Durchbruch waren auch der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Tübingen, Klaus Tappeser, Wangens Oberbürgermeister Michael Lang und der Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH Karl-Eugen Ebertshäuser ebenso vor Ort wie Planer und Vertreter der ausführenden Firmen.


Ein kleiner Film dazu auf regio TV  hier

Wangen profitiert mit 600.000 Ökopunkten, die bei anderen Baumaßnahmen in Anspruch genommen werden können.

Dienstag, 2. August 2022

"Tempo 130 auf Autobahnen: Jetzt meldet sich die Polizeigewerkschaft"

 efahrer  hier  02. August 2022 | Luisa Greiner

Die Diskussion ums Tempolimit hat wieder Fahrt aufgenommen.

Das Thema Tempolimit auf den Autobahnen ist durch die Energiekrise wieder aktuell.
Die Polizei-gewerkschaft NRW vertritt einen klaren Standpunkt - auch die Mehrheit der Deutschen ist sich einig.

Droht der Menschheit der Klima-Tod?

Vorsicht - das ist nichts für schwache Nerven. Einfach ausblenden? Hilft leider auch nichts ....
Also muss gelten: Nicht verdrängen, Augen aufmachen, bewusst daran arbeiten. Wir stehen vor harten Zeiten, da müssen wir jetzt durch, unter größtmöglicher  Anstrengung, um uns selbst zu retten.

 02.08.2022  |  VON MONA WENISCH, DPA  hier  im Südkurier

Der Klimawandel könnte nach Ansicht von Experten im schlimmsten Fall zum Aussterben der Menschheit führen. Bisher wisse man zu wenig über solche Endzeit-Szenarien und deren Wahrscheinlichkeit, schreibt ein internationales Team in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“). Unter der Überschrift „Klima-Endspiel: Erforschung katastrophaler Szenarien des Klimawandels“ plädieren die Autoren für ein umsichtigeres Risikomanagement und mehr Forschung zu den schlimmstmöglichen Folgen der Erderwärmung. Die Welt müsse anfangen, sich auch auf Endzeit-Szenarien durch den Klimawandel vorzubereiten.

"BP erzielt bestes Ergebnis seit 14 Jahren – und will weiter in fossile Energien investieren"

Handelsblatt   hier  Riecke, Torsten   2.8.22

Energie

Wie die gesamte Branche legt auch BP blendende Zahlen vor. Davon profitieren vor allem die Aktionäre – doch die britische Regierung plant bereits eine Übergewinnsteuer.

Der britische Öl- und Energiekonzern BP hat zwischen April und Juni das beste Quartalsergebnis seit 14 Jahren erwirtschaftet. Der Reingewinn des Unternehmens verdreifachte sich nahezu gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf rund 8,5 Milliarden Dollar.

Wieso müssen Menschen hungern?

Republik  hier

Dürren, Krieg, Klimawandel – die Welt schlittert in eine Hungerkrise. Eine Krise mit Ansage, denn längst ist bekannt: Das Problem ist nicht die Produktion, sondern die Verteilung. Es ist höchste Zeit für ein neues Ernährungssystem.

Teil 1: Wieso müssen Menschen hungern?

Die Welt schlittert in eine Nahrungskrise – nicht nur wegen des Kriegs. Was läuft falsch beim globalen Ernährungssystem?

ein Auszug:

Hunger schleicht sich oft abseits der Weltöffentlichkeit ein. Doch vor den MUAC-Bändern kann er sich nur selten verstecken. In Teilen von Somalia, Äthiopien und Kenia herrscht derzeit die längste Dürre seit 40 Jahren. Drei Regen­zeiten nacheinander sind ausgefallen, die Ernten eingebrochen, Rinder­herden verdursten. Also braucht es mehr Importe. Aber seit Russland die Ukraine überfallen hat, steigen die Lebensmittel­preise so rasant, dass die Menschen noch weiter in die prekäre Armut, in die Hungersnot abrutschen.

Sie verlieren die Kontrolle über ihren Darm. Die Haut schält sich ab, die Haare fallen aus. Sie haben Halluzinationen und erblinden durch den Mangel an Vitamin A. Zu hungern ist quälend und entwürdigend: Der Körper beginnt die eigenen Muskeln zu verzehren – und letztlich sogar das Herz.

«Wir müssen die Lage sofort in den Griff bekommen», warnte David Beasley, Leiter des Welternährungs­programms der Vereinten Nationen, bereits im Februar auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Viele Regionen schlittern in eine Nahrungskrise, die gekommen ist, um zu bleiben – weit über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hinaus.

Die Gründe dafür vermengen sich: regionale Konflikte, korrupte Regierungen, extreme Unwetter, Armut und zerrüttete Lieferketten.

Doch das ist nur die Oberfläche.....

«Unsere Ernährungs­systeme sind schon lange verwundbar. Der russische Krieg in der Ukraine, die Klimakrise und die Liefer­engpässe lassen die Probleme jetzt nur deutlicher zum Vorschein kommen», sagt Jacobi. «Allerspätestens der Weltagrar­bericht 2008 hätte uns alle aufrütteln sollen.»

Mehr als 400 Wissenschaftlerinnen fassten damals im Auftrag der Weltbank und der Vereinten Nationen die Forschung zum Ernährungssystem zusammen.

Ihr Fazit: Machen wir weiter wie bisher, drohen mehr Biodiversitäts­verluste, mehr Treibhausgas­emissionen und mehr Hungersnöte.

Dabei hatte es vorher lange danach ausgesehen, als müsste bald niemand mehr hungern......

Es lohnt sich unbedingt diesen Artikel auf den Original-Seiten ganz zu lesen, weil er die langfristigen Zusammenhänge wunderbar deutlich macht

Klimaneutrale Baugebiete - aber wie?

Eine für Lokalpolitiker interessante Präsentation für klimaneutrale Baugebiete findet Ihr unter folgendem Link:

 

https://wolke.netzbegruenung.de/s/5i2EPf7f8jQeaN8  


 

Es ist eher eine Beispielsammlung und zeigt die Vielfalt an Möglichkeiten der Nutzung von Sonne und Umweltwärme.

Der Vortrag wurde von der Firma Schaeffler-Innogy in einer Online Veranstaltung vor den Kreis-Grünen des Schwarzwald-Baar Kreises gehalten.



Koalition der Unwilligen, torpediertes Repowering und gasfressender Atomstrom

Sladeks Woche   24. Juli 2022   in Klimareporter hier

Kalenderwoche 29: Aus Deutschland fließt knappes Erdgas nach Frankreich, weil dort Gaskraftwerke die AKW-Ausfälle kompensieren müssen, kritisiert Sebastian Sladek, Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Hierzulande stünden egozentrischen Windkraft-Gegnern weiter juristische Scheunentore offen.

Immer wieder sonntags: Die Mitglieder unseres Herausgeberrats erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Sebastian Sladek, geschäftsführender Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS).

Klimareporter°: Herr Sladek, der Petersberger Klimadialog brachte keine neuen Impulse für die internationale Klimapolitik. Die deutsche Außenministerin forderte, dass die Industrieländer als Hauptverantwortliche für die Klimakrise den ärmeren Ländern endlich wie versprochen 100 Milliarden Euro im Jahr für die Klimafinanzierung bereitstellen. Sind diese Klimaappelle aus Deutschland noch glaubwürdig?

Sebastian Sladek: UN-Generalsekretär António Guterres fordert völlig zu Recht von allen – also auch von unserer Regierung –, endlich "Verantwortung für unsere gemeinsame Zukunft zu übernehmen".

Alle in der Ampel-Regierung, auch die FDP, sollten endlich begreifen, was Guterres meint, wenn er sagt, auf dem nächsten Klimagipfel im November "müssen wir zeigen, dass eine Revolution der erneuerbaren Energien im Gange ist".

Nach Beleidigung als "Ökoterroristen": Klimamaktivist*innen kontern mit Banneraktion bei der CDU

 Pressemitteilung vom 02.08.2022

In den frühen Morgenstunden des heutigen Dienstags (2.8.) befestigten Aktivist*innen ein Banner an das CDU-Büro im Weingarten. Auf dem Banner steht "Banner statt Bomben. Klimablockierer-CDU wegbannern". Damit reagieren die Aktivist*innen auf eine Aussage des CDU-Landtagsabgeordneten August Schuler, welcher die Aktivist*innen in einer Gemeinderatssitzung in Ravensburg als "Ökoterroristen" verunglimpfte.

 "Dass August Schuler sich jetzt auch noch an Rhetorik auf dem Niveau der AfD bedient, zeigt, dass er keine rationalen Argumente hat, die er anführen könnte. Trotzdem blockiert die CDU in den Gemeinde- und Stadträten sowie im Kreis- und Landtag durchgängig wichtige Entscheidungen für die notwendigen Klimamaßnahmen und kaschieren ihre Blockaden mit fadenscheinigen Ausreden", so Samuel Bosch (19) über August Schuler und seine Partei.

 "Statt wie Terrorist*innen mit Bomben wahllos Menschen zu ermorden, hängen wir ab und zu ein Banner auf, führen eine Demo durch, verteilen Flyer und besetzen Wälder.  Mit unserem Einsatz für einen lebenswerte Umwelt, also ein besseres Leben für alle, machen wir Protest, der den Menschen nützt – auch den CDU-Abgeordneten und ihren Kindern. Das als Terrorismus zu bezeichnen, ist einfach nur ein Armutszeugnis und verhöhnt die Opfer terroristischer Gewalt", erklärt Charlie Kiehne (20).

Immer wieder tritt die CDU in Gemeinde- und Stadtratssitzungen in Ravensburg und Weingarten als die Partei auf, welche gegen Klimamaßnahmen stimmt und so dem Fortschritt bei diesem Thema im Weg steht. Dadurch werden trotz Mehrheit im Gemeinderat und progressiven Forderungen oftmals zukunftsweisende Anträge abgelehnt.

Seit dem ersten Baumhaus im Dezenber 2020 in Ravenburg demonstriert eine bunte Gruppe Klimaaktivist*innen rund um die Waldbesetzung für mehr Klimagerechtigkeit und den Erhalt des Altdorfer Walds.  Hierbei bedienen sie sich verschiedenster Protestformen, unter anderem dem Verhüllen von Gebäuden mit spektakulären Kletteraktionen und Bannern. Dies führte in der Vergangenheit zu viel Zuspruch und Unterstützung, aber auch zu Konflikten.

Wenn alles zusammenkommt

 Süddeutsche Zeitung  hier  29. Juli 2022  Von Jakob Wetzel

SZ-Klimakolumne

Oft wird der Niedergang historischer Kulturen mit dem Klima begründet. Aber ist das wirklich immer der einzige Grund? Und was heißt das für die Gegenwart?

Sie kennen das bestimmt: Alles halb so schlimm, denn Klimaveränderungen habe es doch immer schon gegeben, das sei normal, heißt es gerne aus einschlägiger Ecke. Und das hilft zwar niemandem weiter, aber grundsätzlich stimmt das ja auch.

Natürlich, der Vergleich hinkt. Klimaveränderungen in der Vorzeit haben sich viel langsamer vollzogen als der menschengemachte Klimawandel. Die Erde war eine andere, vor Jahrmillionen gab es andere Landmassen, der Meeresspiegel war meist deutlich höher, und so weiter. Auch das ist alles korrekt. Doch Archäologinnen und Archäologen geben auf solche Alles-ganz-normal-Thesen in jüngerer Zeit oft eine ganz andere Antwort. Sie lautet: Ja, das Klima hat sich schon immer verändert, alles ganz normal. Nur: Dummerweise hat das eben dazu beigetragen, dass menschliche Zivilisationen immer wieder untergegangen sind. Wenn der Klimawandel normal ist, dann das auch.

Montag, 1. August 2022

Grüne Fassaden gegen den Hitzekollaps

 31.07.2022  |  VON HANSPETER WALTER UEBERLINGEN.REDAKTION@SUEDKURIER.DE

 hier

Wer in diesen superheißen Tagen einen Wald betritt, der weiß spätestens dann, was Pflanzen Wert sind: endlich durchatmen in frischer, erstaunlich kühler Luft. Der Spaziergänger im Wald erlebt, was das Zauberwort Mikroklima praktisch bedeutet und wie wichtig das Grün auch mitten in den Städten und an Häusern ist.

Das ist nur einer der Aspekte, die der Überlinger Landschaftsarchitekt Tim Kaysers in seinem Buch „Phyto for Future“ beleuchtet, an dem er drei Jahre lang gearbeitet hat. Denn aus seiner Sicht gehört den vielfach wirksamen Pflanzen, die Kohlendioxid verarbeiten und den lebenswichtigen Sauerstoff spenden, nicht nur aus dieser Perspektive die Zukunft. Ja, neben den praktischen, unmittelbar spürbaren Effekten beschreibt Kaysers eine Fülle von Visionen, zum Beispiel, wie sich in Baumstädten gut und nachhaltig leben ließe.

Umdenken ist das Gebot der Stunde

.... Doch Tim Kaysers denkt sein Konzept in Konsequenz zu Ende und mahnt an, sich die Vorteile zunutze machen. Selbstversorger in der Stadt statt langer Lieferketten von Lebensmitteln, Wohnen in Waldstädten – „das große Ganze planen“, nennt er es anspruchsvoll. Wem einige der Visionen vor allem utopisch vorkommen, der täuscht sich nicht. Doch der Landschaftsarchitekt will Anstöße geben, vor allem Mut machen und zeigen, dass jeder vor seiner Haustür oder in seinem Garten anfangen kann. Die Graswurzelbewegung sei schließlich nicht umsonst nach einer Pflanze benannt, sagt er. „Pflanzen bieten Lösungen bei der Gesundheit, der Wirtschaft, der Energiegewinnung, der Ernährung, beim Bauen und für unsere Gesellschaft.“

Bevor die Menschen in die Wälder ziehen, könnten sie zumindest an die eigenen Wohnhäuser ran. „In die Optik verliebte Architekten scheuen sich häufig immer noch vor dem Grün am Bau“, kritisiert der Landschaftsarchitekt: „Warum werden nicht längst alle Fassaden begrünt?“ Jedes einzelne Blatt bewirke hier viel Gutes: „Es reguliert das Klima, reinigt die Luft und liefert Sauerstoff.“

....Neben dem Blatt und dem Baum als funktionale Vorbilder haben es Tim Kaysers insbesondere die gern bekämpften Moose angetan, die ersten Landpflanzen in der Evolution überhaupt. Für den Überlinger Landschaftsarchitekten sind die unscheinbaren Polster die grünen Tausendsassas schlechthin. „Moose haben hervorragende Luftreinigungseigenschaften.“ ....


Das Buch: Phyto for Future – Mit Pflanzen aus der Klimakrise. Büchner-Verlag, 240 Seiten, 22 Euro. 

Lidl, Aldi und Co. wollen Lebensmittelverschwendung reduzieren

Die auch noch im Jahr 2022 erzielten Erfolge beim Containern sind nicht gerade vertrauensbildend für das Zero-Waste-Projekt von Lidl, wie das Beispiel Ravensburg zeigt. Wird Containern auch deshalb abgelehnt?
Ist das Konzept ein Zahnloser Papiertiger um eine gesetzliche Regelung zu umgehen? Wird es noch umgesetzt?

HNA hier  Von: Lucas Maier  25.07.2022

Verschwendung von Lebensmitteln ist auch in Deutschland ein Problem. Aldi, Lidl und Co. testen neue Konzepte. Kunden können profitieren.

Essen – Zwischen 280 und 300 Kilogramm Lebensmittel: Soviel Essen landet ungefähr pro Kopf und Jahr in europäischen Mülltonnen. Der Großteil hiervon fällt bei der Produktion und im Einzelhandel an, wie eine Studie der Vereinten Nationen bereits im Jahr 2011 herausfand.

In Frankreich wurde als Reaktion auf die gestiegene Lebensmittelverschwendung im Jahr 2016 ein Gesetz zu Eindämmung erlassen. Das Gesetz erfolgte auf eine Initiative des damaligen Landwirtschaftsministers Guillaume Garot. Es ist deshalb als loi Garot bekannt, wie der wissenschaftliche Dienst des Bundestages schreibt. Es verpflichtet Supermärkte und Händler unter anderem dazu, abgelaufene Lebensmittel zu spenden, andernfalls droht eine Geldstrafe.

Große Änderung bei Rewe: Supermarkt-Kette bricht mit Tradition

Jahrzehntelang  musste man Aufkleber an Briefkästen hängen: Bitte keine Werbung einwerfen.
Hat das jetzt endlich bald ein (gutes) Ende?

Frankfurter Rundschau  Lucas Maier  hier   01.08.2022

Die erste deutsche Supermarkt-Kette bricht mit einer langen Tradition. Dadurch will Rewe 70.000 Tonnen CO₂ einsparen.

Auf vielen Küchentischen in Deutschland gehören die Prospekte von Aldi, Lidl, Rewe und Co. zum Wochenrhythmus dazu. Viele richten ihren Wocheneinkauf nach den Angeboten der Discounter und Supermärkte aus.

Der Supermarkt-Gigant Rewe hat jetzt angekündigt, diese Tradition zu beenden, wie die dpa schreibt. Die Kette folgt damit dem Vorbild von Obi, die Baumarktkette versendet bereits seit Juni 2022 keine Prospekte mehr.   

Große Hitze und kein Plan

Süddeutsche Zeitung hier  16. Juli 2022  Von Thomas Hummel

Hitzeaktionspläne

Deutschland wird schwitzen. Warum es wichtig ist, dass Kommunen einen Aktionsplan für extrem heiße Tage entwickeln - und weshalb so wenige das bisher getan haben.

....Aus Spanien und Frankreich weht heiße Luft heran, Deutschland wird schwitzen. Vor allem den Westen soll es erwischen, mancherorts könnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Hitzewarnstufe II ausrufen. Das gab es selten. Sie wird erst aktiviert, wenn am frühen Nachmittag die gefühlte Temperatur mehr als 38 Grad Celsius beträgt.

Die Verkehrswende in der Region ist mehr als hinten dran


Deshalb wollen wir euch einladen gemeinsam ein allumfassendes Verkehrswendekonzept zu erarbeiten

Unterstützung bekommen wir dabei von Menschen aus Gießen, welche dort bereits Teile ihres Konzepts umgesetzt haben

Damit wir uns eine Vorstellung davon machen können, wie das Schussental in Sachen Verkehr umgestaltet werden kann, gibt es am

06.08.2022 ab 15 Uhr

im Alti einen Workshop mit Jörg Bergstedt, welcher auch in diesen das Verkehrswendekonzept mitentwickelt hat

Kommt gerne vorbei, wir freuen uns auf viele tolle Ideen und hoffentlich bald eine echte Verkehrswende im Schussental


Unter Folgendem Link findet ihr den Verkehrswendeplan aus Gießen.

https://www.projektwerkstatt.de/index.php?p=14814



UN erkennen Recht auf saubere Umwelt als Menschenrecht an

 Tagesspiegel  hier

Appell an Regierungen und Wirtschaft

Mit der Entscheidung der Vereinten Nationen soll ökologische Ungerechtigkeit verringert werden. Rechtsverbindlich ist die Entscheidung allerdings nicht.

Die UN-Vollversammlung hat das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt als eigenständiges Menschenrecht anerkannt. Für eine entsprechende Resolution stimmten am Donnerstag in New York 161 Staaten bei acht Enthaltungen.

Einen rechtsverbindlichen Charakter hat die Entschließung nicht; dennoch sprachen Vertreter der internationalen Gemeinschaft von einem „historischen“ Schritt und einem Appell an Regierungen, internationale Organisationen und die Wirtschaft. Zuletzt hatte die Generalversammlung im Jahr 2010 das Recht auf Wasser und Sanitärversorgung als Menschenrecht anerkannt.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, nannte die Resolution einen „Meilenstein“. Er zeige, dass die Staatengemeinschaft im Kampf gegen die dreifache planetare Krise von Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt und Umweltverschmutzung zusammenkommen könne.

„Die Resolution wird helfen, ökologische Ungerechtigkeiten zu verringern, Lücken im Schutz zu schließen und Menschen zu stärken, besonders solche in vulnerablen Situationen wie Verteidiger ökologischer Menschenrechte, Kinder, Jugendliche, Frauen und indigene Völker“, sagte Guterres.

Menschenrechtskommissarin zeigt Verflechtung der Rechte auf

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet erklärte in Genf, allein das Recht auf eine gesunde Umwelt zu bekräftigen, reiche nicht. „Die Resolution der Vollversammlung ist sehr klar: Die Staaten müssen ihre internationalen Verpflichtungen umsetzen und ihre Bemühungen dazu verstärken.

Die Entscheidung spiegele wider, „dass alle Rechte mit der Gesundheit der Umwelt verbunden sind“, so Bachelet. Jeder Mensch habe „ein Recht zu essen, zu atmen und zu trinken, ohne seinen Körper dadurch zu vergiften“, und ein Recht, ohne die Bedrohungen durch einen Kollaps des Ökosystems und einer Klimakatastrophe zu leben. Bachelet forderte, jetzt gelte es, Regierungen und Unternehmen für Umweltschäden zur Verantwortung zu ziehen und die Rechte derer anzuerkennen und zu wahren, die von Umweltzerstörung am meisten betroffen seien.