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Freitag, 20. Januar 2023

Klimaaktivismus: Die neue Mitte

Zeit hier  Ein Kommentar von Lea Schönborn  19. Januar 2023

Ist die Klimabewegung tatsächlich an einem toten Punkt? Im Gegenteil: Die Proteste von Lützerath haben Bürgerlichkeit und zivilen Ungehorsam zusammengebracht.

Greta Thunberg wollte gar nicht mehr weg. Nachdem sie am Samstag auf der Demonstration bei Lützerath eingekesselt wurde, tauchte sie Dienstag schon wieder auf, dieses Mal wurde sie weggetragen. Sie lächelte dabei beinahe schelmisch in die Kamera. Auf Twitter schrieb jemand neben ein Foto ihres herangezoomten Gesichtes: "Ich, wenn ein Plan aufgeht."

Auch Luisa Neubauer wurde am Donnerstag abgelichtet, als sie von drei Polizisten weggetragen wurde: Die Hose schlammverdreckt, in ihrer Hand ein Schild, "Klimaschutz ist Handarbeit". Und über diejenigen, die sich am Samstag aus der angemeldeten Demo lösten und versuchten, bis zur Abbruchkante zu kommen, sagte Neubauer am Sonntag bei Anne Will: "Das war nicht legal, aber in den Augen der Demonstration legitim." 

Mit solchen Aktionen und Statements betreten Thunberg, Neubauer und mit ihnen der bürgerliche Teil der Klimabewegung neues Gelände. Bisher beschränkte sich Neubauers Aktivismus auf Reden, Talkshowauftritte, Interviews und Bücher. Auch von Thunberg lässt sich kein Bild finden, das sie in den Armen der Polizei zeigt, dafür umso mehr auf Podien und großen Bühnen, auf denen sie in den vergangenen Jahren nicht zuletzt zu einer Ikone in bürgerlichen Jugendzimmern geworden ist.

Doch in Lützerath normalisierten die beiden Klimaaktivistinnen und mit ihnen viele Tausende andere vor den Augen der Welt jenen zivilen Ungehorsam, der bisher Gruppen wie Extinction Rebellion oder der Letzten Generation vorbehalten war. Der bürgerliche Teil des Protests ist näher an den radikalen gerückt. Und der klimaaktivistische Ungehorsam zieht endgültig in die Wohnzimmer der gutbürgerlichen Familien ein. Damit ist auch die Antwort auf die Frage gekommen, was nach der Phase der Massenmobilisierung für die Klimabewegung kommt. Sie lautet nicht Ratlosigkeit, sondern noch mehr und noch unbequemerer ziviler Ungehorsam, mit immer mehr Menschen.

Für alle, die jetzt mit dem Hufeisen werfen wollen: Ziviler Ungehorsam ist nicht dasselbe wie Gewalt gegen Polizisten oder andere Menschen. Diejenigen, die bewusst Gewalt einsetzen, sind verschwindend wenige im Vergleich zu denen, die friedlich ihren Körper als Mittel des Widerstands nutzen. Es stimmt: Die Aktivistinnen haben sich von denen, die gewalttätig wurden, um der Geschlossenheit willen nicht distanziert. Das kann man kritisieren. Man sollte dann aber auch nicht unerwähnt lassen, wohin es führt, wenn man sich von konservativen Medien- und Politikakteuren die Agenda diktieren lässt: Die absurde Debatte um eine angebliche "Klima-RAF" ist ein Beispiel dafür, wie schnell ziviler Widerstand in die Nähe von Terrorismus gerückt wird.

Thunberg, Neubauer und die teilnehmenden Vereine und Initiativen haben Gewalt nie gutgeheißen. Sie haben allerdings auf die verzweifelte Wut hingewiesen, die hinter solchen Taten steckt.
Und die kann man nicht einfach dauerhaft wegtabuisieren. Ob es die Proteste gegen die A14 sind, der Dannenröder Forst oder jetzt Lützerath: Jedes Symbol des Widerstands gegen die Klimakatastrophe, das abgebaggert und gerodet wird, hinterlässt mehr frustrierte Menschen. Es hinterlässt mehr Leute, die zum ersten Mal mit Polizeigewalt in Kontakt gekommen sind. Das radikalisiert, und das bringt die heterogene Bewegung näher zusammen. Oder, wie es der Protestforscher Daniel Mullis von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) sagt: Die Klimabewegung, die vor Lützerath eher koexistiert hat, ist weiter zusammengewachsen.

Dieser gewachsene innere Zusammenhalt, diese Verzweiflung und die Bereitschaft, mit dem eigenen Körper als Ultima Ratio in den Widerstand zu gehen, kann man beklagen. Doch man sollte auch die Kausalität nicht vergessen. Sie sind das Ergebnis der Entscheidungen von Politikern, die in ihrer offenkundigen Bereitschaft, ein erträgliches Morgen gegen ein bequemes Heute einzutauschen, womöglich mehr gegen das Grundgesetz verstoßen als die Schlammwerfer von Lützerath.

Ja, das sollte Angst machen – aber nicht vor einem terroristischen Flügel des Klimaaktivismus, wie er von manchen imaginiert wird. Es sind die Protestler, deren Ängste hier die realistischen sind. Die verborgene Wahrheit hinter Lützerath ist: Sie sind in ihrem entschlossenen Einsatz für das klimatische Gemeinwohl längst bürgerlicher als so mancher konservativer Klimabeschwichtiger geworden.

Montag, 16. Januar 2023

Warum RWE jeden Argwohn verdient hat

Spiegel  hier   Eine Kolumne von Christian Stöcker  15.01.2023,

Deutschland braucht die Kohle unter Lützerath, behauptet RWE. Das stimmt nicht, sagen viele Fachleute und Studien. Es gibt gute Gründe, Fossilkonzernen nie weiter zu trauen, als man einen Sack Kohle werfen kann.
»Die demgegenüber von den Beklagten aufgrund subjektiver Wahrnehmung angenommene Gefahr ist weder konkret noch gegenwärtig. Ob es Klimaveränderungen geben wird, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, Kausalzusammenhänge zwischen den einzelnen menschlichen Einflussnahmen auf die Umwelt und Klimaphänomene sind offen.«
Aus einer Gerichtsakte des Kölner Oberlandesgerichtes , Text von der Rechtsvertretung des Braunkohlekonzerns RWE im Jahr 2006
2006 lag die deutsche Durchschnittstemperatur 1,3 Grad höher als im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990, damit war »das Jahr 2006 das fünftwärmste seit 1901«, so der Deutsche Wetterdienst . Damit setzte sich ein Trend fort, der nachweislich bereits im 19. Jahrhundert begonnen hat .
Überraschend kam das keineswegs: Schon in der 1992 in Rio verabschiedeten Uno-Klimarahmenkonvention  wurde als explizites internationales Ziel formuliert, »eine [durch CO₂ verursachte] gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems« zu verhindern.
Bei RWE aber war man sich 2006 angeblich noch nicht sicher. Bis heute macht der Konzern einen Großteil seiner Profite mit der Produktion von Energie, die zum Ausstoß enormer Menge von Treibhausgasen führt.

Sonntag, 15. Januar 2023

Lützerath-Räumung und deren Bedeutung für die Energieversorgung

Tagesschau Video: Energieökonomin Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, zur Lützerath-Räumung und deren Bedeutung für die Energieversorgung | tagesschau.de  11.01.2023




LÜTZERATH: Die falsche Schlacht

 Südkurier  hier

Schon vor dem großen Showdown scheint das Ende klar: „Lützi“ bleibt eben nicht. Womöglich schon an diesem Wochenende wird die Polizei die Klimaaktivisten, die seit Monaten im nordrhein-westfälischen Dörfchen Lützerath hausen, vollständig vertrieben haben. Der Traum, bis ins Frühjahr hinein auszuharren, bis der Naturschutz Rodungen unmöglich machen und den ersten Baggerbiss um Monate verzögern würde, scheint ausgeträumt, bevor er noch angefangen hat. Und in ein paar Wochen wird die mediale Aufregung ums letzte Kohlerevier in NRW in Vergessenheit geraten sein.

Stopp, ganz so einfach ist es auch wieder nicht: Zumindest zwei Gruppen dürften Lützerath so schnell nicht vergessen – die Grünen und die Klimaaktivisten. 2000 Grünen-Mitglieder hatten bis Freitag einen offenen Brief für den Erhalt des Dorfes unterzeichnet. Es brodelt, nicht nur an der Basis.

Samstag, 14. Januar 2023

700 Wissenschaftler fordern Stopp der Lützerath-Räumung

WDR hier  13.01.2023  Von Oliver Köhler

Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete fordern die NRW-Landesregierung in einem gemeinsamen Appell auf, erneut zu prüfen, ob die Braunkohle unter Lützerath tatsächlich gebraucht wird.

"Nach den Informationen, die uns heute vorliegen, ist der Abbau der Braunkohle in diesem Bereich nicht notwendig, um die Versorgungssicherheit mit Energie in Deutschland sicherzustellen", sagte Dr. Niklas Höhne, Professor am Kölner New Climate Institut am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz.

Die Räumung von Lützerath müsse "jetzt ausgesetzt werden, damit wir Zeit gewinnen, gemeinsam eine bessere Lösung zu finden", sagte Höhne.

Pauline Brünger, die Bundes-Sprecherin von Fridays for Future, unterstützt diese Forderung: "Es geht um Millionen Tonnen von Braunkohle. Unter Lützerath und den angrenzenden Gebieten liegen die dicksten Braunkohleschichten. Wenn wir noch eine Chance haben wollen, das Klimaziel von 1,5 Grad zu erreichen, dürfen wir diese Kohle nicht verbrennen."

Der befürchtete Energienotstand sei in Deutschland nicht eingetreten, so Brünger. Jetzt müssten die Fakten neu bewertet werden. Deshalb seien ein Stopp der Räumung von Lützerath und neue Verhandlungen über die Braunkohle der richtige Weg.

Deutschland muss "in den Notfallmodus schalten"

"Wir schaffen die Energiewende nur gemeinsam", sagt Dr. Niklas Höhne. Deshalb sei es jetzt auch im Fall Lützerath wichtig, nicht gegeneinander zu arbeiten. "Die Zeit läuft uns sonst davon."

So wie der Professor vom New Climate Institut sind auch die anderen etwa 700 Unterzeichner des Appells tief besorgt über das Tempo des Klimawandels und die zögerlichen Reaktionen von Landesregierungen und Bundesregierung in Deutschland. "Wir müssen in den Notfallmodus schalten", fordert Höhne, "und das schnell." Notfallmodus bedeute, bei allen politischen Entscheidungen dem Klimaschutz den Vorrang zu geben.

Lützerath sei mehr als ein Symbol, sagt Fridays-for-Future-Sprecherin Brünger. "Wenn die Kohle in dem Tagebau komplett abgebaut und verbrannt wird, sind die international vereinbarten Ziele zum Schutz des Klimas nicht mehr zu erreichen."

Die Folge werde sein, dass Klimakrisen weltweit zunehmen und noch mehr Menschen in Gefahr bringen.

Freitag, 13. Januar 2023

 


Leben in Lüzerath: "Verzieht euch"

Auszüge aus der Süddeutschen Zeitung  hier

.... Noch einen Tag also, alle rüsten sich jetzt für die Räumung. Die Aktivisten stapfen durch den matschigen Boden. Und die, die den Einsatz aus der Ferne dirigieren. In Aachen tritt am Montag ein anderer Grüner ins Rampenlicht: Dirk Weinspach, 63, Volljurist und dreifacher Familienvater, ist jemand, der „hohe Achtung vor dem Engagement von Fridays for Future“ hat, sagte er einige Tage zuvor bei einem Gespräch in seinem Büro. „Ich habe dieselben Sorgen für meine Kinder und Enkel.“ Und ja, er könne die Verzweiflung verstehen, aber er ist Polizeipräsident von Aachen und nun mal dafür zuständig, Tausende Polizisten loszuschicken, um brennende Autoreifen, Betonblöcke und Stahlträger aus dem Weg zu räumen – für die Schaufelrad-Bagger von RWE.

Weinspach könnte den Einsatz ablehnen, aus Gewissensgründen. Klar, das ginge, sagt er, „aber dann müsste ich die Konsequenzen ziehen und um meine Entlassung bitten“. Kann er Lützerath mit seinem Gewissen vereinbaren? Er sitzt hinter dem Konferenztisch im dritten Stock seines Präsidiums, dann nickt er: „Ja.“

Denn Weinspach besitzt etwas, das die Aktivisten in den Baumhäusern von Lützerath längst verloren haben: Vertrauen in die Regierung. Deshalb hofft er, „dass wir die Mengen an CO₂, die wir jetzt kurzfristig mehr ausstoßen wegen des Ukraine-Kriegs, danach durch den früheren Kohleausstieg wieder einsparen“. Er weiß natürlich, dass unabhängige Studien das anzweifeln.
Aber Weinspach sieht Habeck und Neubaur, mit der er regelmäßig telefoniert, als grüne Verantwortungsethiker, die „nach Abwägung Entscheidungen fällen, die sie auch persönlich als Zumutungen empfinden“. Nach all dem, was politisch und gerichtlich entschieden sei, gehe es jetzt um weit mehr als sicheren Strom: „Ein Blackout könnte unsere Gesellschaft politisch destabilisieren, und Kräften vom rechten Rand gefährlichen Einfluss verschaffen.“

Er jedenfalls will „eine friedliche Räumung“ versuchen: ohne Verletzte, transparent und kommunikativ, auch gegenüber den Besetzern. Und mit dem Angebot zum Rückzug der Aktivisten, ohne Aufnahme der Personalien, solange sie noch keine Straftaten begangen haben. Ob das gelingt, wird man sehen.....

Mittwoch, 11. Januar 2023

Der toxische Deal um Lützerath

 Spiegel hier  Von Susanne Götze, Redakteurin Wissenschaft   06.01.2023

Mehr als 300 Dörfer sind für die Braunkohle in Deutschland bereits abgebaggert worden. Lützerath ist eines der letzten. Die Gründe für die Räumung sind schwach, der politische Preis ist hoch.

Jahreswechsel eignen sich für historische Rückblicke, es sind Zäsuren, die uns zum Nachdenken bewegen. In den ersten Tagen von 2023 gibt ein kleines Dorf in Nordrhein-Westfalen dazu Anlass: In Lützerath versammeln sich Hunderte, bald Tausende Menschen, um das Dorf gegen die Zerstörung durch den Braunkohleabbau zu verteidigen. Die Aktivisten kommen aus ganz Deutschland und Europa, sie haben fest vor, keinen Zentimeter herzugeben – es ist ein symbolischer Kampf gegen fossile Konzerne und schwachen Klimaschutz.

LÜTZERATH : Die Machtprobe


Aus dem Lüzerath lebt! Infokanal: 

🚨 Großer Alarm🚨

Durch den Tagebau fährt eine nicht endende Kette von Polizeiwagen nach Lützerath um jetzt mit der Räumung zu beginnen und den Zaun zu bauen. Wenn ihr noch in das Dorf rein wollt um die Räumung und den Abriss zu blockieren kommt jetzt schnell.


Südkurier hier

Kurz vor der ab heute erwarteten Räumung des Dorfes Lützerath im rheinischen Braunkohlerevier hat sich die Stimmung spürbar aufgeheizt. Die Polizei räumte am Dienstag auf dem Zufahrtsgelände Barrikaden weg, was die Klimaaktivisten empörte. Über Lautsprecher appellierte die Polizei: „Greifen Sie die Polizei-Einsatzkräfte nicht an! Wenn Sie die Polizei angreifen, können Sie sich strafbar machen!“ Vereinzelt kam es zu Handgreiflichkeiten. In mehreren Reihen stemmten sich Aktivisten gegen die Einsatzkräfte, es wurde geschubst und gebrüllt. Der Energiekonzern RWE will die unter Lützerath liegende Kohle abbaggern – dafür soll der Weiler auf dem Gebiet der Stadt Erkelenz abgerissen werden. Vertreter von katholischer und evangelischer Kirche wenden sich gegen die bevorstehende Räumung. Stattdessen sollten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen, um gemeinsam nach Wegen zu suchen, die zur Stromerzeugung noch notwendigen Kohlemengen zu sichern und dann schnellstens die Braunkohlenutzung zu beenden.


10.01.2023  |  VON ANGELIKA WOHLFROM  hier

KOMMENTARE: LÜTZERATH : Die Machtprobe

Es ist die vielleicht letzte große Machtprobe um die Kohle, die im Dörfchen Lützerath ab heute ausgetragen wird. Wie sie ausgeht, ist längst ausgemacht: RWE darf Garzweiler 2 ausbaggern, das ist vertraglich vereinbart. Die Staatsmacht wird sich von ein paar Tausend Demonstranten nicht davon abhalten lassen. Die wissen das selbst: Ihr ausgegebenes Ziel ist es deshalb lediglich, die Baggerbisse ein paar Tage oder Wochen hinauszuzögern. Die Frage, um die es geht, ist also weniger: Fällt „Lützi“? Sondern: Was kommt davon beim Rest Deutschlands an? Die Aktivisten kämpfen für idealistische Überzeugungen, für den Klimaschutz. Die riesige Menge an Kohle, die unter Lützerath liegt, soll nicht auch noch verfeuert werden. Doch die Botschaft verfängt angesichts der aktuellen Energiekrise kaum bei den Menschen. Am allerwenigsten hilft den Demonstranten in der öffentlichen Meinung allerdings Gewalt. Schon deshalb ist zu hoffen, dass die Friedlichen sich ihren Protest nicht von Krawallmachern klauen lassen.         

Sonntag, 8. Januar 2023

Der Kampf um Lützerath

Süddeutsche Zeitung  hier  6. Januar 2023,  Kommentar von Jana Stegemann

Protest gegen Braunkohle-Abbau: Der Kampf um Lützerath ist überflüssig

Denn eigentlich hat die Klimabewegung den Kampf gegen die Braunkohle längst gewonnen - sie müsste das nur verstehen.

Die Bilder, die Anfang der Woche aus Lützerath gesendet wurden, waren martialisch: Brennende Barrikaden vor dunkelgrauem Himmel, schmale Vermummte, die sich Polizeiketten in schwerer Ausrüstung entgegenstellten. Im Hintergrund drehte sich der gigantische Braunkohle-Schaufelradbagger an der Abbruchkante, fraß sich unaufhörlich weiter in das für den Essener Energiekonzern RWE so wertvolle Flöz am Rande des Protestdorfs in Nordrhein-Westfalen. Auch wenn es vor Ort nicht so angespannt war, wie die Bilder suggerieren, schmissen einzelne Aktivisten Böller, Steine und Flaschen auf die Polizisten - verheerend für die Außenwirkung und Akzeptanz der Klimabewegung.

Freitag, 16. Dezember 2022

Aktivist:innen des Jugendforums Weingarten hängen Banner in Ravensburg auf

In der Nacht von Donnerstag, den 15.12. auf Freitag, den 16.12. haben Aktivist:innen in Ravensburg ein Banner an der Fußgängerbrücke über der Leonhardstraße beim Gänsbühl Center und eins am Kuppenau-Parkplatz befestigt. Auf dem Banner beim Gänsbühl Center steht „Klima ist wie Bier. Zu warm ist scheiße! Lützi lebt!“. Auf dem Banner am Kuppenau-Parkplatz ist „Frieden den Dörfern – Krieg der Kohle – Lützi bleibt!“ zu lesen.

Anlass ist der dezentrale Aktionstag von Lützerath, ein Dorf in NRW, das abgebaggert werden soll, um dort Braunkohle abzubauen. Die Aktivistin Hannah Schak sagt dazu: „Im Braunkohleabbaugebiet werden seit Jahrzehnten Menschen enteignet und aus ihrer Heimat vertrieben, um weiterhin fossile Brennstoffe gewinnen zu können. 

Nun soll Lützerath auch weichen, doch dank Landwirt Eckard Heukamp und vieler Aktivist:innen hat sich dort Widerstand gegen die Zerstörung unserer Welt, die RWE aktiv vorantreibt, formiert. Denn um das 1,5-Grad-Ziel zu schaffen, muss Lützerath bleiben. Dies berechnete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Initiative ‚Alle Dörfer bleiben‘. Um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu verfehlen, dürften demnach nur noch 235 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut werden und alle Dörfer könnten bleiben. Doch RWE will 900 Millionen Tonnen fördern. Das ist das Vierfache von dem, was laut Pariser Klimaabkommen erlaubt wäre.“

Die Klimakrise ist momentan die größte Herausforderung, vor der wir als Menschheit stehen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres dazu: „Die Welt riskiert es, den Punkt zu überschreiten, an dem es kein Zurück mehr beim Klimawandel gibt, was verheerende Folgen für die Menschen auf dem Planeten und die natürlichen Systeme, die diese erhalten, hat. […] Das Versprechen der Staatsoberhäupter zum Pariser Klimaabkommen vor sieben Jahren war wirklich das absolute Minimum, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu vermeiden. […] Einfach ausgedrückt: Wir müssen den Ausstoß von tödlichen Treibhausgasemissionen bremsen und den Klimaschutz vorantreiben.“

Die Aktivist:innen halten es für wichtig, auch in Ravensburg und der Region über die Problematik des Braunkohleabbaus zu diskutieren und aufzuklären. Aktivist:in Sina Wagner: „Wir sitzen alle im selben Boot. Dennoch sind die Auswirkungen des Klimawandels nicht überall gleich spürbar und es tragen auch nicht alle Menschen dieselbe Schuld daran. Menschen im globalen Süden haben erwiesenermaßen viel weniger zur Klimakatastrophe beigetragen, sind aber die, die nun schon am meisten darunter leiden. Es kann nicht sein, dass wir weiterhin auf Kosten anderer und der Erde wirtschaften. Die Politik in Deutschland, egal ob in NRW, Berlin oder Oberschwaben, muss endlich handeln, denn unser aller Zukunft liegt in den Händen derer, die Profitinteressen über unser aller Wohl stellen. Deswegen müssen wir jetzt alle aktiv werden, unsere Kräfte bündeln und Kämpfe verbinden. Klimagerechtigkeit jetzt!“

Freitag, 14. Oktober 2022

„Alles ist viel zu umständlich und vieles wird blockiert“

 WiWo   hier    Interview von Cordula Tutt  13. Oktober 2022

REINER PRIGGEN 

Am Wochenende treffen sich die Grünen zum Bundesparteitag. Klimaschützer stören sich an zu viel Regierungspragmatismus in Berlin und auch in Nordrhein-Westfalen.
Reiner Priggen, der grüne Doyen in NRW, hält dagegen.

Dienstag, 8. Februar 2022

"Mehr ist nicht immer besser"

NTV  hier

Wirtschaft

Wenn Wachstum an seine Grenzen stößt

Immer mehr Unternehmen entscheiden sich gegen Wachstum. Die Forschung zeigt sogar, dass diese Firmen innovativer, sparsamer und krisenresistenter sind. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn nur ganz bestimmte Unternehmen können überhaupt eine solche Strategie in Erwägung ziehen.

Dienstag, 11. Januar 2022

Pressemitteilung zur Banneraktion in Ulm am 08.01.2022 wegen Lüzerath

 

In der Nacht vom 07.01.2022 auf den 08.01.2022 hängten Klimaaktivist*innen in Ulm über die Hirschstraße auf Höhe des Müllers (Koordinaten 48.3983038, 9.9881176) ein Banner mit der Aufschrift "Soll das Dorf Lützerath einer Kohlegrube werden?!". Mit der Aktion wollen sie ihre Solidarität mit dem Dorf Lützerath im Rheinland zeigen und im Rahmen des deutschlandweiten Aktionstags mehr Aufmerksamkeit auf vorhandene Missstände in der Klimapolitik lenken. 

"Es kann nicht sein, dass heutzutage immer noch Menschen meist gegen ihren Willen umgesiedelt und teils sogar enteignet werden um einen Rohstoff abzubauen, welcher die Klimakrise maßgeblich befeuert. Es ist unglaublich, dass die kapitalistischen Interessen des Kohlekonzerns RWE scheinbar höhere Priorität haben als die Einhaltung der 1,5 Grad-Grenze." so die Klimaaktivist*in Charlie Kiehne (19).

Lützerath ist eines von mehreren Dörfern, welches trotz des anstehenden Kohlesausstiegs abgerissen werden soll um die darunterliegende Braunkohle abzugraben. Seit Jahren wehren sich die Bewohner*innen des Dorfes gegen ihre Umsiedlung und das Abbaggern des Ortes. Auch Klimaaktivist*innen sprechen sich klar gegen den Abriss von Lützerath und besonders den Abbau der darunter liegenden Braunkohle aus, denn sollte diese Kohle zur Stromerzeugung verbrannt werden, wie es vorgesehen ist, wird Deutschland die Reduktionsziele für das 1,5 Grad-Limit realistisch nicht erreichen können.

"Wenn RWE Lützerath abgebaggert verfehlen wir das 1,5 Grad-Limit. Das bedeutet nicht nur, das Nichteinhalten des Pariser Klimaabkommens sondern viel konkreter das aktive Befeuern der Klimakatastrophe. Das können wir uns angesichts der Folgen, welche wir allein dieses Jahr zu spüren bekommen haben, nicht leisten!" führt Kiehne weiter aus.

Um den Abriss zu verhindern sind seit Jahren auch Klimaaktivist*innen vor Ort um die verbliebenen Bewohner*innen bei der Verteidigung ihres Dorfes parallel zu den laufenden juristischen Bemühungen zu unterstützen.  Sie haben teils beeintruckende Bauten errichtet um "RWE eine Räumung so schwer wie möglich zu machen".

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Mehr Informationen zu Lützerath und dem Widerstand vor Ort: http://luetzerathlebt.info/

Anmerkung:Kiehne und Bosch gefährden als profesionelle Aktions-Kletter*innen weder sich noch Passant*innen. Parallel zeigen sie befreundeten Aktivist*innen die Kunst des Aktionsklettern. So können auch diese in Zukunftselbst derartige Aktionen durchführen.


noch ein Artikel :Kohleausstieg: Der letzte Landwirt von Lützerath  hier


Freitag, 7. Januar 2022

Zum Erhalt von Lützerath

 LIVESTREAM UND BUNDESWEITE AKTIONEN!💥

zum Erhalt von Lützerath 

Morgen – Samstag, 08.01.! 


Das wird der Hammer!

📢 bundesweit finden über 30 Orten Aktionen statt! 📢

🚀ab 14 Uhr gibt es einen Livestream aus Lützerath 🚀





Was du jetzt tun kannst: 

➡️ Checke, ob ihr eine lokale Aktion in Eurem Ort habt und geh hin!

➡️ Bastel ein gelbes X und poste Bilder davon auf Deinen Social Media Accounts #XfürLützi #LützerathBleibt #meinXfürlützerath 

➡️ Lade deine Fotos  hier hoch: https://cloud.fridaysforfuture.is/s/LwfE9q7CEWy2Lc8

➡️ Nutze den Profilbildgenerator auf  alle-doerfer-bleiben.de/demo/

➡️ Schalte ab 14h den Livestream an luetzerathlebt.info/08-01  


Weitere Infos und Hintergründe zu Lützerath gibt es u.a. auf  parentsforfuture.de/de/luetzerath

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