hier Frankfurter Rundschau 27.09.2024, DPA
Baustelle Wohnungsbau: Günstig Bauen und gleichzeitig das Klima schützen, das ist für Architekten und Bauherren eine Herausforderung. Jetzt soll das mit Förderung vom Bund belohnt werden.
Die 3 Kreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis haben trotz lauter Proteste keinen zukunftsfähigen Regionalplan bekommen. Wo steht Deutschland, Baden-Württemberg und seine Kommunen aktuell beim Klimaschutz? Welche Möglichkeiten gibt es und wo gibt es Anregungen, die übernommen werden könnten?
hier Frankfurter Rundschau 27.09.2024, DPA
Baustelle Wohnungsbau: Günstig Bauen und gleichzeitig das Klima schützen, das ist für Architekten und Bauherren eine Herausforderung. Jetzt soll das mit Förderung vom Bund belohnt werden.
Tagesschau hier 04.07.2024
Fast zwei Millionen Wohnungen stehen leer
Schwäbische Zeitung am 3.11.23 Von Susanne Kupke
Standard hier Reportage von Bernadette Redl 14. Oktober 2023
Einfamilienhaussieldungen sind ein Konzept von vorgestern. Viele stehen halb leer und überfordern ihre alternden Bewohner. Ein Besuch in Mistelbach
Es gab eine Zeit, da war das Haus von Irmgard Opitz voller Leben. Zehn Kinder aus der Nachbarschaft planschten gleichzeitig in ihrem Schwimmbecken, sie veranstaltete Kräuterworkshops und Adventfeiern, oder es kamen einfach ein paar Freundinnen vorbei, um gemeinsam in die Sauna zu gehen. "Das waren schöne Momente. Wie schön, das wird einem erst klar, wenn sie vorbei sind", sagt die 83-Jährige heute. Sie sitzt am Esstisch in ihrem Haus in Mistelbach. Auf einer Fensterbank stehen getrocknete Blütenköpfe, nach Farben einsortiert in Rex-Gläsern. Der Garten, die Blumen und Kräuter – das war Irmgard Opitz’ große Freude. Und die vielen Menschen, die dadurch in ihr Haus kamen.
Heute ist das anders. Ihre Familie besucht sie nicht mehr so oft. Ihre Kinder hätten sich ihr eigenes Leben aufgebaut, erzählt sie. "Und meine Freundinnen hatten alle irgendwann ihre eigene Sauna."
Es ist eine Geschichte, die bezeichnender nicht sein könnte für das Leben im Einfamilienhaus. Jeder hat sein eigenes Reich. Auf den Spielplatz oder ins Freibad geht kaum noch jemand, weil jeder im Garten eine Rutsche, ein Trampolin oder einen Pool hat. Auch das Haus von Irmgard Opitz steht in einer klassischen Einfamilienhaussiedlung, wie es unzählige in Österreich gibt. Die Häuser "Am Stadtwald", wie die Siedlung heißt, stammen aus den 1970er- bis 1990er-Jahren, die meisten werden von einer oder zwei Personen bewohnt, ein Großteil der Zimmer steht leer, denn die Kinder sind längst ausgezogen.
Das Konzept stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Lagen Wohnungen davor direkt neben Geschäften und Dienstleistern, zentral im Ortskern, wurden ab dann Siedlungen immer weiter außerhalb erschlossen – das Auto als Nonplusultra machte den Traum vom Wohnen im Grünen möglich. Damals begann die Zersiedelung. Die Folge: Noch heute sind viele vom Auto abhängig, und Ortskerne sterben aus.
So richtig verstehe ich den Hintergrund an einer entscheidenden Stelle tatsächlich nicht: Weshalb bricht das Baugewerbe ein, weil der Wohnungs-Neubau derzeit schwächelt? Weshalb müssen Stellen abgebaut werden? Dieses Potential braucht man doch dringend für Sanierungen, und die werden doch vermutlich von denselben Firmen ausgeführt?
Erst vor Kurzem waren 2 Vertreter der BO-Gruppe in Salem eingeladen, um einen Vortrag zum zeitgemäßen Bauen zu halten. Tatsächlich wurde dabei auch die notwendige Entwicklung im Handwerk angesprochen. Hr. Hähle und Herr Zeitler erklärten uns, dass das Handwerk, das bisher immer nach denselben Vorgaben arbeitet, sich angesichts des Fachkräftemangels dringend weiterentwickeln müsse zur seriellen Fertigung. Diese ist mit Holzbau wesentlich einfacher umzusetzen. Und im Prinzip lässt sich damit ebenso sanieren wie auch neu bauen. hierZeit hier 28. Mai 2023 Quelle: dpa
Klimaschutz: Bestandsgebäude in Deutschland klimaneutral zu machen, wird teuer - außerdem fehlen Fachkräfte.
Für das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel klimaneutraler Gebäude bis 2045 wären nach Einschätzung von Fachleuten eine sechsstellige Zahl neuer Fachkräfte und zusätzliches Kapital in dreistelliger Milliarden- bis Billionenhöhe notwendig.
15.05.2023 hier Schwäbische Zeitung
Wo einst Industrie-Geschichte geschrieben wurde, sollen bald Singles, Familien, Senioren und junge Menschen leben. Im Osten Ravensburgs, entlang der Wangener Straße, läuft auf dem ehemaligen Rinker-Areal ein Bauprojekt der Superlative. 324 Wohnungen werden Plänen zufolge hier entstehen. Oberbürgermeister Daniel Rapp nannte das Vorhaben „die größte Baustelle Oberschwabens“.
Südkurier 08.05.2023 hier
Der graue Abendhimmel schien sich der Stimmung der Teilnehmer der Begehung der St.-Leonhard-Wiese am ehemaligen Turnierplatz des Überlinger Reitvereins anzupassen, zu der der SPD-Ortsverein und dessen Ratsfraktion eingeladen hatten. Auf blankes Unverständnis stieß bei den rund 50 Interessierten, die teilweise auch aus der Kernstadt gekommen waren, die Absicht der Stadtplanung, nicht nur die Fläche der Kleingärten an der Rauensteinstraße bebauen zu wollen. Schon das würde vielen zu weit gehen. Doch auch noch die grüne Wiese zu opfern, die erst 20 Jahre zuvor zum Landschaftspark gekürt worden war, das wollte an diesem Abend überhaupt niemand verstehen....
In Deutschland fehlt immer mehr Wohnraum. Bundesbauministerin Klara Geywitz will darum deutsche Städte mit radikalen Mitteln verändern. Was die SPD-Politikerin plant.
Das Kramer-Areal soll von einem Industriestandort zu einem Wohngebiet transformiert werden. Nahe am Bodensee entsteht so ein neuer Stadtteil für rund 700 Bewohner.
Die Organisation Architects for Future (A4F) drängt auf eine klimaneutrale Bebauung. Der Umgang mit dem Bestand spiele dabei eine entscheidende Rolle. Ebenso die Frage nach der Bebauungsdichte, nach der Nutzung und der Verwendung bestimmter Baumaterialien. Nach Angaben der Stadtverwaltung werden im städtebaulichen Realisierungswettbewerb entsprechende Forderungen an die teilnehmenden Büros gestellt.
13.12.2022 Südkurier hier
Ein Interview mit Ministerin Geywitz
....Wie wollen Sie gegensteuern?
Auf viele Sachen hat man in der Tat wenig Einfluss. Aber wir müssen die Produktivität steigern durch Digitalisierung in den Bauämtern, durch serielle und modulare Bauweisen. Wenn wir also unser Ziel von 300 000 auf 400 000 erreichen wollen, dann müssen einfach pro Mann und Frau auf dem Bau mehr Wohnungen entstehen. Und auch wenn der Bauüberhang von rund 750 000 genehmigten, aber nicht gebauten Wohnungen zeigt, dass Bauland eben nicht das drängendste Problem ist, müssen wir trotzdem das mobilisieren, was geht und dem Flächensparziel nicht entgegensteht. Da geht viel durch Aufstockung und Lückenschluss.
Das Zauberwort für massenhaft mehr Wohnungen heißt serielles Bauen. Häuser eines Typs aus vorgefertigten Elementen werden in Serie auf die Grundstücke gepflanzt. Das klingt nach Großsiedlungen, wie sie ab den 1960er-Jahren entstanden sind. Braucht es wieder mehr solcher großen Projekte?
Beim seriellen Bauen sage ich immer wieder: Dieser Wohnungsbau ist schön und individualisierbar. Wir müssen endlich unser Bild vom Fertigbau ändern. Das mag nach einer Kleinigkeit aussehen, ist aber für die Akzeptanz in unseren Köpfen entscheidend. Und dann: Nein, es wird keine Satellitenstädte per Rationalisierungserlass geben. Das war mal. Heute macht man eine andere Städteentwicklung, würde nicht mehr auf der grünen Wiese eine homogene Bevölkerungsstruktur mit 20 000 Wohneinheiten hinsetzen und dann noch 100 Prozent sozialer Wohnungsbau. Das führt zu sozialen und städtebaulichen Missständen. Wir haben jetzt die große Aufgabe, industrielle Vorproduktion zu nutzen und gleichzeitig in bestehenden Siedlungen nachzuverdichten. Wir müssen auch in die Lücken-Bebauung gehen, weil der Flächenverbrauch nicht mehr so hoch sein darf, wie das früher der Fall war.
Was sind die nächsten Schritte?
Alle Beteiligten werden sich jetzt mit den Empfehlungen, den 187 Maßnahmen, auseinandersetzen, die wir im Bündnis bezahlbarer Wohnraum für die nächsten Jahre festgelegt haben. Wir als Bund sind für das Baugesetzbuch zuständig, da machen wir nächstes Jahr eine große Novelle. Wichtig werden hier der Klimaschutz und die Digitalisierung. Das Baugesetzbuch muss jetzt eiligst in die Gegenwart geholt werden. Das klingt jetzt nicht nach einem Partykracher, ist aber ungemein wichtig für die Zukunft.
Von Klimaschützern gibt es ja Stimmen, die fordern, möglichst gar keine neuen Flächen mehr zu bebauen. Ist das nicht utopisch angesichts des Bedarfs?
Wenn man sich anschaut, dass die Bevölkerung wächst, ist klar, dass wir mehr Wohnraum brauchen. Wir müssen natürlich schauen, wie man das flächensparend macht. Weniger in die Breite, sondern mehr in die Höhe gehen. Das kann auch mit einer Qualitätssteigerung verbunden sein. Wenn Sie jetzt in einem vier- oder fünfstöckigen Mehrfamilienhaus ohne Fahrstuhl leben und dann kommen noch mal drei Etagen drauf und dann haben alle einen Fahrstuhl. Gar nicht zu bauen oder der Verweis, dass ja in Frankfurt an der Oder was leer steht, hilft einem Menschen, der in Augsburg eine Wohnung sucht, nun wirklich nicht.
Sie hatten einmal mit einer Aussage für Aufregung gesorgt, die so aufgefasst wurde, als wäre für Sie die Zeit des Einfamilienhauses vorbei. Für viele Menschen ist der Traum vom eigenen Haus aber ein sehr lebendiger...
Ich habe gesagt, es ist ökonomisch und ökologisch unsinnig, wenn jede Generation neben den einzelnen Häusern der Vorgängergeneration ihre eigenen baut. Früher war das ganz normal, dass man in sein Elternhaus gezogen ist. Dann hat man noch mit der Schwiegermutter zusammengelebt, und dann hat man das als Familie für die eigenen Bedürfnisse umgebaut. Kaum jemand wäre auf die Idee gekommen, das Elternhaus leer stehen zu lassen und auf der Wiese daneben ein neues Haus zu bauen. Das Problem ist, dass dieser Kreislauf, dieses Vererben der Häuser über die Generationen hinweg, nicht mehr funktioniert. Die allermeisten von uns leben nicht mehr in dem Dorf ihrer Eltern. Und wenn man selber ein Haus will, denkt man als Erstes natürlich an ein neues Haus.
...während junge Familien keine ausreichend große und trotzdem bezahlbare Wohnung finden. Gerade der soziale Wohnungsbau kommt nicht voran. Mehr Wohnungen fallen aus der Sozialbindung heraus, als neu hinzukommen. Sie wollten 100 000 haben, die sind nirgends in Sicht. Warum?
Das ist schnell erklärt. In den vergangenen Jahren hatten wir für den sozialen Wohnungsbau wenig Geld zur Verfügung, etwa eine Milliarde pro Jahr. Gleichzeitig hatten wir eine hochattraktive Förderung für effiziente Wohngebäude, für die man anschließend so viel Miete nehmen konnte, wie man wollte. Das war die besagte Förderung von Peter Altmaier. Und dann wundern sich jetzt alle, warum die Projektentwickler gesagt haben, ich mache keine Sozialwohnungen. Wir haben jetzt für einen ganz starken Aufwuchs der Mittel des sozialen Wohnungsbaus gesorgt. Wir sind jetzt nächstes Jahr bei 2,5 Milliarden Euro, dann geht es auf drei, dann auf dreieinhalb Milliarden, sodass wir insgesamt bis 2026 den Ländern 14,5 Milliarden zur Verfügung stellen. Und ein zweites Element kommt hinzu: Die Wohngemeinnützigkeit, an der wir gerade arbeiten. Das wird ein Steuermodell, wo dauerhaft Sozialwohnungen preisgebunden gehalten werden....
RND hier Günstiger Wohnraum Johanna Apel
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In der alten Bundesrepublik wurden damit Wohnungsunternehmen gefördert, die ihre Wohnungen dauerhaft preiswert hielten. Dafür konnten sie sich im Gegenzug Steuerbefreiungen sichern. Die Wohnungen blieben also dauerhaft günstig und fielen nicht nach beispielsweise 20 Jahren aus der Sozialbindung heraus. Das Prinzip wurde 1990 unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) allerdings abgeschafft.
Kreis Ravensburg Schwäbische Zeitung hier Karin Kiesel
...Die Wohnungsnot vor allem im bezahlbaren Bereich ist kein neues Thema, hat aber eine neue Dimension angenommen. Das gilt ebenfalls für die Region Oberschwaben-Allgäu-Bodensee. Um die missliche Lage zu lösen, braucht es neben Förderprogrammen und mehr Bauten auch neue Wohnformen, gemeinschaftliche Projekte und innovative Quartiere. ...
Schwäbische Zeitung hier Annette Vincenz
Wegen Corona mussten einige Einzelhändler aufgeben, auch in der Ravensburger Innenstadt gibt es zahlreiche Leerstände. Andere wollen sich verkleinern und dafür das Internetgeschäft ausbauen. Viele Unternehmen reduzieren zudem ihre Büroflächen, weil die Mitarbeiter genauso gut aus dem Homeoffice arbeiten können. Und gleichzeitig fehlt es dramatisch an Wohnungen. Was läge also näher, als Gewerbeflächen in Wohnraum umzuwandeln?
Die Stadt will mit dem neuen Projekt den Mangel an Wohnraum in Friedrichshafen bekämpfen. Insbesondere soll in Hirschlatt auch bezahlbarer Wohnraum entstehen, heißt es in der Sitzungsvorlage zum PBU. Durch die Realisierung von verschiedenen „Gebäudetypologien“ könne Wohnraum für viele Zielgruppen geschaffen werden. Vorgesehen sind demnach neben Mehrfamilienhäusern auch Doppel- und Reihenhäuser.
Denkbar wären laut Stadt auch Mehrfamilienhäuser als gemeinschaftliche oder genossenschaftliche Wohnbauprojekte oder die Schaffung von gefördertem Wohnraum seitens der Stadt.
Mit den unterschiedlichen Gebäudetypen und einem verstärkten Fokus auf eine verdichtete Bebauung werde dem Grundsatz des schonenden Umgangs mit Fläche und Boden Rechnung getragen. Mit diesem Ansatz sei die Realisierung von bis zu 150 Wohneinheiten möglich.