Donnerstag, 17. September 2026

Diesmal haben wir die Knappheitssituation selber zu verantworten

 

Constantin Zerger / DUH,

Lange hat Katherina Reiche gezögert und die leeren Gasspeicher ignoriert. Jetzt will sie nachfüllen, aber das wird teuer

Eine Rechnung:

Laut POLITICO möchte Reiche dafür sorgen, dass der Füllstand der deutschen Gasspeicher von heute 56% auf mehr als 70% steigt. Bei einer gesamten Speicherkapazität von 251 TWh entspricht dies 35,1 TWh, die nachgefüllt werden müssen.

 Schon im Sommer, wenn die Speicher üblicher Weise gefüllt werden, waren die Preise hoch. Aber seitdem sind sie mit der (wieder-)eskalierenden Iran-Krise auf ein neues Rekord-Niveau gestiegen. Die TTF-Preise in Zahlen:

📉 1.06.2026: 47,4 €/MWh

📈 16.09.2026: 81 €/MWh


Die Differenz beträgt 33,6 €/MWh. Das mit 35,1 TWh multipliziert, die nun beschafft werden sollen, ergibt 1,2 Milliarden Euro.

 Das sind die Mehrkosten für Katherina Reiche Zögern und Zaudern.

Und zwar egal, wer nun für den Einkauf des Gases sorgt: Uniper, SEFE Securing Energy for Europe GmbH oder THE - Trading Hub Europe.

 Ich meine trotzdem, dass es richtig ist, jetzt die Speicher zu füllen. Ja, das ist teuer. Aber das Risiko des Nicht-Handelns ist unkalkulierbar: Dann wären wir bei einem kalten Winter auf zuverlässige LNG-Lieferungen von Donald Trump angewiesen. 

Und wer möchte sich ernsthaft vom Trump abhängig machen, der an einem Tag neue Zölle verkündet und am nächsten Tag Grönland annektieren möchte? Da müssen wir damit rechnen, dass er bereit ist, jederzeit Energielieferungen als Waffe einzusetzen.

Auch wenn es richtig ist, jetzt zu handeln: Die Situation offenbar das ganze Versagen von Katherina Reiche bei ihrem Kernthema Versorgungssicherheit. Die heutige Situation war lange absehbar. Viele Marktakteure haben davor laut gewarnt. Reiche hat bloß ihr leeres Mantra vom Markt wiederholt. Damit hat sie die deutsche Energieversorgung in eine strategische Falle geführt.

 Das unterscheidet die Energiekrise 2026 von der Energiekrise 2022: Diesmal haben wir die Knappheitssituation selber zu verantworten. Die Bundesregierung hat versagt. Zahlen werden das die Verbraucher*innen und die Industrie, über den Gaspreis oder über den Umweg Bundeshaushalt.


Dr. Martin Bethke

Verzögerung ist scheinbar kein Versäumnis, sondern Teil des politischen Geschäftsmodells. 

Denn während Gas und Öl immer teuerer werden, bremst Wirtschaftsministerin Reiche den Ausbau von Wind und Solar weiter aus.

Christian Stoecker beschreibt in seinem Buch „Männer, die die Welt verbrennen", wie sich die fossile Strategie vom Leugnen zum Verzögern verschoben hat. Und Katherina Reiche ist Teil dieses Männerclubs.

Mehr kann man dem Wirtschaftsstandort eigentlich nicht schaden. Wenn das das Ziel war, dann macht sie einen super Job.

hier Spiegel

Lesenswert dazu auch in der Kolumne "Energie für alle " von Patrick Graichen: hier 17.9.2026

Aufstehen gegen die Gaskostenfalle Gas und Öl werden wieder teuer. Trotzdem bremst Wirtschaftsministerin Reiche den Ausbau von Wind und Solar.

Die Wahlergebnisse von Sachsen-Anhalt stecken uns allen noch in den Knochen, wir hoffen, dass es am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin besser ausgeht, und für die Tage danach raunt das politische Berlin über ein mögliches Kanzlerbeben. Es fällt aktuell schwer, sich auf Energiefragen zu konzentrieren.

Nur: Leider läuft die Öl- und Gaspreiskrise mit unverminderter Wucht weiter. Die Straße von Hormus ist immer noch zu, die Meerenge Bab al-Mandab jetzt unter Kontrolle der Huthis, und die saudische Ost-West-Ölpipeline wurde von irakischen Milizen bombardiert. Wenn Ihnen jetzt der Kopf schwirrt und Sie in Ihrem Diercke-Atlas nachschauen müssen, wo das alles ist: Das ist sehr verständlich. Auch ausgewiesene Ex­per­t:in­nen des arabischen Raums geben keine verlässlichen Prognosen mehr darüber ab, was wo passieren wird, seit US-Präsident Donald Trump im März den Irankrieg gestartet hat. Eines aber ist konstant: Öl und Gas werden teurer, erneuerbare Energien billiger. Hierzu drei Zahlen: Benzin und Diesel kosten aktuell rund 2,50 Euro. Für die Älteren unter uns: Das sind 5 Mark, und das war vor 20 Jahren mal eine grüne Forderung. Jetzt kommt der Preis ganz ohne ökologische Steuerreform – aber das Geld fließt in Richtung Ölkonzerne statt in sinnvolle Zwecke. Parallel hat sich der Gaspreis an der Börse seit Anfang des Jahres mehr als verdoppelt und ist wieder auf dem Niveau des Krisenwinters 2022/23. Demgegenüber sind die ohnehin günstigen Windstromkosten nochmals gesunken, Wind- und Solarstrom gibt es jetzt für nur 5 Cent pro Kilowattstunde.

Kolumne Energie für alle

Je­de*r braucht Energie. Der Umstieg auf Sonne, Wind und Co. kann sie klimafreundlicher, demokratischer und billiger machen. Doch die fossile Lobby kämpft hartnäckig ums Überleben. Wie Energiepolitik funktioniert, erklärt hier regelmäßig Patrick Graichen. Er war Wirtschaftsstaatssekretär unter Robert Habeck und Mitgründer des Thinktanks Agora Energiewende. Heute ist er Berater, Aufsichtsrat und Blogger.

Auf zur Demo gegen Reiche! Was hat das mit der deutschen Energiepolitik zu tun? Leider sehr viel. Denn nicht nur hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche es versäumt, die Gasspeicher vor dem Winter ordentlich befüllen zu lassen.

Die CDU-Politikerin hat zudem zwei Gesetze vorgelegt, die Anfang Oktober im Bundestag zur Abstimmung stehen: das Netzpaket und eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Die Details sind kompliziert (wer mehr wissen will, wird auf meinem Blog fündig), aber im Kern laufen sie auf zweierlei hinaus:

  • Zum einen soll das Netzanschlussrecht für neue Wind- und Solaranlagen überall dort entfallen, wo das Stromnetz „nur“ 95 Prozent des Stroms abtransportieren kann. Damit wird ein großer Teil des Windzubaus bedroht, gerade in Norddeutschland.
  • Und zum anderen sollen neue Solaranlagen auf Hausdächern für ihren eingespeisten Strom keine Vergütung mehr erhalten. Das führt dazu, dass Dachsolaranlagen sich nur noch lohnen, wenn man den Strom fast komplett selbst verbraucht. Folge der beiden Gesetzentwürfe: Die Erneuerbaren werden ausgebremst, teures Gas treibt die Strompreise, Deutschland bleibt abhängig von unsicherem Öl und Gas, Kommunen verlieren Einnahmen.
    Und zum anderen sollen neue Solaranlagen auf Hausdächern für ihren eingespeisten Strom keine Vergütung mehr erhalten. Das führt dazu, dass Dachsolaranlagen sich nur noch lohnen, wenn man den Strom fast komplett selbst verbraucht. Folge der beiden Gesetzentwürfe: Die Erneuerbaren werden ausgebremst, teures Gas treibt die Strompreise, Deutschland bleibt abhängig von unsicherem Öl und Gas, Kommunen verlieren Einnahmen.
Diese Kolumne will ja mit einem „Was tun?“ enden. Dieses Mal möchte ich Sie motivieren, sich politisch zu engagieren. Falls Sie in Berlin wohnen: Am 9. Oktober ist am Brandenburger Tor eine Großdemonstration gegen Reiches Pläne geplant. Für alle anderen: Kontaktieren Sie Ihre örtlichen Bundestagsabgeordneten von CDU, CSU und SPD und sagen Sie ihnen, dass das, was da auf dem Tisch liegt, so gar nicht in Ihrem Interesse und dem Ihrer Region ist. Man ist ja leidgeprüft mit dieser Regierung – aber es wäre schon aberwitzig, ausgerechnet mitten in der Öl- und Gaspreiskrise die Erneuerbaren abzuwürgen. In diesem Sinne: Jetzt aktiv werden!



Ralph Schneider

Der Gas Irrweg!

Weg vom „Klimawahn“ hin zu Gaskraftwerken. 

Das ist verkürzt die Strategie der Bundesregierung. So hört man es auch laufend von der AFD und jetzt auch noch vom BSW unterstützt. 

Aktuell verhandeln beide Parteien an einem gemeinsamen Beschluss, dass Nordstream wieder eröffnet werden soll.

Jahrzehntelang hat Deutschland von günstigen Gaslieferungen aus Russland gelebt. 

Diese Zeit ist jedoch mittlerweile vorbei. Als der Ukraine Krieg ausbrach, hatte die Rot/ Grüne Regierung schnell mittels LNG Gas und Maßnahmen, für einen Ausgleich gesorgt.

Dummerweise ist die Welt seitdem nochmals etwas komplizierter geworden. Der Irankrieg und die Straße von Hormus und Angriff auf Saudi Arabische Pipelines machen uns schmerzhaft bewusst, wie verletzlich wir sind und wie abhängig wir sind.

Aktuell sind die Gasspeicher in Deutschland nur zu 55% gefüllt. Die Vorgabe, dass am 01. November ein Füllstand von 80% garantiert werden soll ist Stand heute nicht mehr zu erreichen!

Bei dem Thema erneuerbare Energien geht es schon lange nicht mehr nur um

  • Klimaschutz und
  • Preise und Kosten!

Nein! Es geht schlichtweg um Unabhängigkeit und Freiheit.

Wir als EWIA Green Investments GmbH werden nicht müde zu betonen, dass Solar „The Power of Independence“ ist. (Wir wissen auch, dass wir mit Erneuerbaren allein keine Grundlastfähigkeit erzielen.). 

EWIA und Afrika: Viele afrikanische Staaten verzeichnen ein Wirtschaftswachstum von 4% oder gar 6%. Gut!
Das bedeutet jedoch auch einen steigenden Energiebedarf von 8%, 10%, 12%?
Energiebedarf, der häufig nicht gedeckt werden kann oder durch das Verfeuern von Öl und Gas kompensiert wird?

Was hat das mit Deutschland zu tun - wenn man das Thema Klima einmal ausklammert?

Bei zunehmenden Lieferschwierigkeiten, bedeutet dies, das zunehmende Konkurrieren um knappe Ressourcen!

Was wiederum Auswirkungen auf Kosten hat!

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