Achim B.C. Karpf
Die AfD nennt die Förderung erneuerbarer Energien eine „noch nie dagewesene Umverteilung von unten nach oben”.
Steht so im Regierungsprogramm. 20 Seiten Energiepolitik, „Kehrtwende um 180 Grad”.
Auf dem Acker steht ein Windrad. Nach dem Akzeptanzgesetz bekommt der Landwirt dafür 15.000 bis 25.000 Euro im Jahr, mit Umsatzbeteiligung bis zu 35.000. Ohne Wetterrisiko, ohne Dürre, ohne Erntesorge. Die Gemeinde daneben bekommt ihren Anteil und finanziert davon das, wofür kein Landeszuschuss reicht.
Diese Zahlung will die AfD streichen. Das Akzeptanzgesetz soll weg. Zusammen mit dem Windkraftausbau, der Förderung für Wärmepumpen, den Wasserstoffprojekten, der Ladeinfrastruktur und gleich auch der Landesenergieagentur.
Umverteilung von unten nach oben, in der Tat. Nur läuft sie in die andere Richtung, als das Programm behauptet: weg vom Landwirt, weg von der Kommune, hin zu Importeuren von Kohle, Gas und Öl. Bezahlt wird per Weltmarktpreis, verhandelt wird in Rotterdam, und der Bürgermeister von Klötze sitzt bei diesen Verhandlungen ganz sicher nicht am Tisch.
Der zweite Teil ist noch schöner. Sachsen-Anhalt deckt rechnerisch 83 Prozent seines Stromverbrauchs aus Erneuerbaren — Bundesschnitt 53. 26.000 Menschen arbeiten in dieser Wertschöpfungskette. Der Präsident des IWH sagt ausdrücklich, dass genau dieser hohe Anteil das Land für Investoren attraktiv macht. Ein armes Bundesland hat zufällig eine Sache im Überfluss, die im Rest Europas knapp und teuer ist: sauberen, günstigen Strom. Das ist kein Ökoprojekt. Das ist der einzige harte Standortvorteil, den Sachsen-Anhalt gerade hat.
Und den will man jetzt abräumen. Um stattdessen — ich zitiere aus dem Inhaltsverzeichnis — den „Wiedereinstieg in die Kernenergie” einzuleiten. In einem Bundesland ohne einziges Kernkraftwerk. Frühestens in fünfzehn Jahren. Auf Kosten von jemand anderem.
Das ist keine Energiepolitik. Das ist Heimwerken mit der Kettensäge am eigenen Tragbalken.
Nebenbei: Ein einziger Hitzetag Ende Juni hat das Land nach Prognos-Berechnung rund 22 Millionen Euro gekostet. Der Bauernverband erwartet für 2026 eine teils katastrophale Ernte.
Wie man mit Dürre, Niedrigwasser in der Elbe und Ernteausfällen umgehen will, steht auf keiner der 258 Programmseiten. Dafür ist Platz für Bürgerwachen.
Ich verdiene mein Geld damit, Unternehmen und Versorgern zu erklären, wo künftig günstig produziert werden kann. Die Antwort lautet seit Jahren: dort, wo der Strom herkommt. Sachsen-Anhalt hat dieses Los gezogen.
Am Sonntag entscheidet sich, ob es das Los zerreißt.
Marcel Fratzscher / DIW Berlin -Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung hier
Die AfD verspricht in Sachsen-Anhalt, die Partei der „kleinen Leute“ zu sein. Unsere neue Analyse zeigt ein AfDParadox: Sie unterstützt einige populäre soziale Entlastungen, lehnt aber zentrale Grundlagen eines starken Sozialstaats und der Daseinsvorsorge ab.
Die AfD Wähler würden den größten Schaden einer AfD Politik haben.
Im Wahl-O-Mat 2026 ist die AfD in allen sechs untersuchten Politikfeldern deutlich restriktiver und extremer positioniert als der Durchschnitt der anderen Parteien. Besonders groß ist der Abstand bei Gesellschaft, Klima und Sozialpolitik.
Das soziale AfD-Paradox:
Die AfD will kostenlose Deutschland-Tickets für Schüler:innen und geringere Kita-Kosten.
Gleichzeitig lehnt sie Fachkräftezuwanderung, Vermögensteuer, Ausbildungsfonds und eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft ab.
Gerade Sachsen-Anhalt braucht Fachkräfte, gute Krankenhäuser, Pflege, Schulen, bezahlbares Wohnen und eine funktionierende kommunale Infrastruktur. Die sozialen Sorgen vieler Menschen sind real. Aber viele Antworten der AfD würden diese Probleme nicht lösen, sondern verschärfen.
Die demokratischen Parteien müssen die sozialen Sorgen der Menschen ernst nehmen – und zugleich die Widersprüche der AfD-Politik klar benennen. Entscheidend ist nicht, wer die größten Versprechen macht, sondern welche Politik soziale Sicherheit tatsächlich gewährleisten kann.
Einzelne Positionen der AfD in Sachsen-Anhalt:
🔴 KLIMANEUTRALITÄT
Die AfD ist GEGEN weitere Maßnahmen des Landes zur Erreichung der Klimaneutralität.
🔴 MASERN-IMPFPFLICHT
Die AfD ist GEGEN die Beibehaltung der Masern-Impfpflicht für Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen.
🔴 DEMOKRATIEBILDUNG
Die AfD ist GEGEN eine stärkere Verankerung von Demokratiebildung im Schulunterricht.
🔴 FEMIZIDE
Die AfD ist GEGEN eine gesonderte Erfassung von Femiziden in der Kriminalstatistik.
🔴 FACHKRÄFTE AUS DEM AUSLAND
Die AfD ist GEGEN die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland. Dies ist gerade für Sachsen-Anhalt relevant, wo Demografie und Fachkräftemangel Wirtschaft und Daseinsvorsorge vor große Herausforderungen stellen.
🔴 DROGENKONSUMRÄUME
Die AfD ist GEGEN die Einrichtung von Drogenkonsumräumen.
🔴 KOHLEAUSSTIEG
Die AfD ist DAFÜR, den Kohleausstieg rückgängig zu machen.
🔴 PROJEKTE GEGEN RECHTSEXTREMISMUS
Die AfD ist GEGEN die Förderung von Projekten gegen Rechtsextremismus.
🔴 KITAS
Die AfD ist GEGEN weitere Elternbeiträge für die Betreuung ihrer Kinder in Kitas.
🔴 VERMÖGENSTEUER
Die AfD ist GEGEN eine Vermögensteuer.
🔴 SOZIALER WOHNUNGSBAU
Die AfD ist GEGEN eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft für den sozialen Wohnungsbau.
🔴 AUSBILDUNGSFONDS
Die AfD ist GEGEN einen Fonds, über den alle Unternehmen die Kosten der betrieblichen Berufsausbildung gemeinsam finanzieren.
Genaueres dazu hier
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