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Freitag, 13. Februar 2026

Grönland - Konflikt: von oben betrachtet kommt die Erkenntnis

Krautreporter hier ISOLDE RUHDORFER   28. Januar 2026

Die Welt ist ein Dorf

Montag, 29. Dezember 2025

Demokratien können sich wehren! Wie genau, zeigt Brasilien

 Jetzt lesen  Krautreporter Benjamin Hindrichs  22.12.2025

Mittwoch, 2. April 2025

Eine der besten Klimaschutz-Ideen kommt schon wieder nicht

 Krautreporter hier  

Kommentar Rico Grimm 02.04.2025

Klimageld sollten Bürger:innen im Ausgleich für die CO2-Steuer bekommen. Jetzt kommt es nicht. 

Dabei hätte es ein grundlegendes Problem der Klimapolitik lösen können.

„Mensch“, dachte ich damals, „hab doch Vertrauen in die Regierung!“

Es war das Jahr 2019 – der Höhepunkt der Klimaproteste von Fridays for Future. Auf Facebook gründete sich in Reaktion auf die Klimabewegung eine Gruppe mit dem frechen Namen „Fridays for Hubraum“. Dieser Gruppe traten innerhalb weniger Tage 400.000 Menschen bei – sechsmal so viele wie damals in der Fridays-for-Future-Gruppe auf Facebook waren.

Viele Medien interviewten den Gründer der Hubraum-Gruppe, Chris Grau. Vor allem die CO₂-Steuer lehnte er ab, also die gezielte Besteuerung von fossilen Brennstoffen, die auch das Tanken verteuert. „Das Problem daran ist, dass die Kosten letzten Endes dem Bürger aufgebrummt werden“, sagte er etwa gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Alles werde einfach teurer.

Schon damals wiesen Experten immer wieder darauf hin, dass das nicht stimmen muss. Denn die Einnahmen könnten an die Bürger in Form eines sogenannten Klimagelds ausgezahlt werden, auch Klimadividende genannt. Aber dieses Argument verfing bei den Hubraum-Aktivisten nicht. Für sie blieb die CO₂-Steuer einfach eine weitere Steuererhöhung auf Kosten der kleinen Leute.

Denke ich daran zurück, finde ich mich heute in einer ungewohnten Position wieder.

Samstag, 15. Februar 2025

Nur für starke Nerven: Tiktok, X und Insta sind keine sozialen, sondern rechte Medien

Krautreporter hier  10.02.2025  Isolde Ruhdorfer

Wie das unsere Wahlen beeinflusst – und was wir dagegen tun können

Eingefärbte Social-Media-BeiträgeGeld stinkt nicht, heißt es, und das hat Donald Trumps Amtseinführung als US-Präsident eindeutig bewiesen. Denn wenn Geld stinken würde, hätte es in dem großen Saal im Kapitol riechen müssen wie in einer Kloake. Schließlich ist nicht nur Trump selbst Milliardär, zu seiner Amtseinführung kamen auch einige der mächtigsten und reichsten Männer der Welt, unter anderem die Chefs von Google, Apple, Tiktok, Amazon, X und Meta.

Samstag, 1. Februar 2025

Das Problem ist: Das bringt kaum etwas

 hier  Krautreporter  01.10.2024  Benjamin Hindrichs,Reporter für Macht und Demokratie

Flucht und Grenzen: Es gibt keine Politik, die unerlaubte Migration stoppen kann

Die Forschung sagt: Geschlossene Grenzen sind Symbolpolitik. Nur wenn man die deutsche Wirtschaft ruiniert, kommen weniger Migranten.

Sonntag, 13. Oktober 2024

Wie sieht es bei euch vor Ort aus? Entdeckt ihr die globalen Megatrends, die Rico Grimm hier beschrieben hat, auch in eurer Straße?

Krautreporter hier 18.07.2024 Rico Grimm

Diese 10 Grafiken zeigen, wie gut wir bei der Klimakrise vorankommen: Die Klimakrise wird schlimmer, aber die Aussicht, dass wir sie lösen können, besser.

Ich habe zehn Grafiken gesammelt, die die kleinen Randnotizen zusammenfassen, in denen vermeldet wird, dass hier ein neuer Solarpark gebaut wurde und dort ein neues Windrad. Meldungen, die gemessen an der Größe der Klimakrise für sich alleine stehend viel zu banal sind – jedenfalls auf den ersten Blick.

bitte den Originalartikel lesen um die Grafiken zu sehen und den gesamten Text

Samstag, 12. Oktober 2024

Die Grünen werden niemals Volkspartei und das ist in Ordnung

Krautreporter hier Rico Grimm  11.10.2024

Nach den verheerenden Wahlniederlagen der Grünen suchen die Partei und ihre Anhänger nach einem Ausweg. Den gibt es – er ist aber nicht einfach zu verdauen.

Jede Partei hat einen historischen Auftrag. Hätte sie keinen, wäre sie niemals eine Partei geworden. Ob sie groß und mächtig wird, hängt davon ab, wie ihr historischer Auftrag beschaffen ist.

Samstag, 7. September 2024

Warum die Bauern erfolgreicher waren als die Klimaaktivisten von der letzten Generation

Ein kleiner und wertvoller Rückblick auf das, was uns im Frühjahr so beschäftigt hatte...

hier  Krautreporter  06.03.2024 
Lea Schönborn

Symbol-Bilder links:Die letzte Generation und ein satirisch bearbeitetes Foto der Bauernproteste im Postillion

......   Warum reagiert die Öffentlichkeit so unterschiedlich auf die Proteste der Bauern und die der Klimaaktivisten? Mein Kollege Rico Grimm hat es auf X so formuliert: „Die einen produzieren das leckere Steak, die anderen wollen es wegnehmen.“ Drei Thesen erklären, wie diese Logik funktioniert

Freitag, 6. September 2024

Das Geheimnis effektiver Klimapolitik ist simpel - Wie es anders geht, zeigt Dänemark

Das ist eine wunderbare Analyse von Rico Grimm, die zeigt wie es laufen muss, um zu funktionieren.
In Deutschland kämpft jeder gegen jeden, das ermüdet uns alle. Viel zu viel Lebensenergie wird dafür vergeudet.
Ja, das Miteinander wurde versäumt, nicht nur in der Ampel sondern schon viele Jahre zuvor in der Merkel-Regierung....Und Söder und Merz sind nicht gerade die Hoffnungsträger auf ein besseres Miteinander, fürchte ich.

 hier  Krautreporter  09.08.2024 Rico Grimm

KLIMAKRISE UND LÖSUNGEN

Dänemark hat als erstes Land der Welt eine CO₂-Steuer für die Landwirtschaft eingeführt. Es ist möglich, gute Klimapolitik zu machen, ohne die ganz großen Gegenproteste.

Es müsste so einfach sein. In Umfragen sagen 91 Prozent, dass Deutschland mehr gegen die Klimakrise tun soll. Aber sobald Politiker der Ampel-Regierung Maßnahmen für mehr Klimaschutz umsetzen wollen, kommen die Probleme.

Das zeigte sich zuletzt deutlich, als die Regierung im Januar den Bauern ihre Vergünstigungen für Agrardiesel streichen wollte. Die Folge: die größten Bauern-Proteste, die das Land seit Jahren gesehen hat.

Wie es anders geht, zeigt Dänemark.

Dienstag, 30. Juli 2024

Milliardärssteuer von G20-Staaten gewünscht, vom Finanzministerium abgelehnt

Deutschlandfunk hier  24.07.2024

G20-Treffen: Finanzministerium lehnt internationale Steuer für Milliardäre ab

Das Bundesfinanzministerium lehnt eine von Brasilien ins Gespräch gebrachte globale Mindestbesteuerung für Milliardäre ab.

Dienstag, 25. April 2023

Der Check: Wie Wasserstoff in der Klimakrise weiterhilft

 hier  Rico Grimm,Politikreporter  20.04.2023 bei Krautreporter

In der Klimakrise gibt es Technologien, die immer und immer wieder genannt werden, wenn es um Lösungen für diese Krise geht. Es sind Technologien, die das große Versprechen in sich tragen, das Menschheitsproblem des Klimawandels zu lösen. Ich nenne diese Technologien „Zaubertechnologien“. Weil sie wie von Zauberhand eine Lösung für die Klimakrise liefern sollen.

Wasserstoff ist so eine Technologie. Aber auch Geoengineering gehört dazu. Oder das Absaugen von CO₂ aus der Luft. Was sie alle eint: Sie klingen toll, versprechen viel. Die Frage ist nur: Halten die Versprechen?

Was die Zaubertechnologien der Klimakrise wirklich bringen

Mittwoch, 24. August 2022

Auto - Traum - Land

 Krautreporter hier  09.08.2022 Leopold Pelizaeus

Mein zerplatzter Traum vom Autokauf

Ich habe Autos immer geliebt, aber wie kann ich eine eigene Karre heute noch moralisch rechtfertigen?

Früher wollte ich Journalist werden, um über Autos zu schreiben. Ich wollte alle zwei Wochen einen neuen Testwagen bei Porsche abholen und zu Presseveranstaltungen auf Rennstrecken in Spanien reisen. Ich wollte Erprobungsfahrten in der Arktis begleiten und mit Rallyefahrer:innen über Kurvengeschwindigkeiten und Reifenprofile fachsimpeln.

Mittlerweile betrachte ich Autos aus der Ferne, wie Nilpferde auf Safari. Alles, was ich mir in Fachzeitschriften angelesen und auf Automessen aufgesogen habe, kommt mir unnütz vor. Dass der Lamborghini Aventador Ultimae wohl der letzte mit dem legendären Colombo-V12-Motor ist, zum Beispiel. Dass die frühen Modelle des Ferrari Testarossa nur auf der Fahrertür einen Seitenspiegel haben. Oder dass die G-Klasse von Mercedes das einzige Auto ist, dessen Frontscheibe eine komplett flache Glasplatte ist. Die Ingenieur:innen dachten, wenn den Abenteurer:innen in der Wildnis die Scheibe springe, könnten sie einfach Fensterglas einsetzen.

Was soll ich heute mit diesem Wissen anfangen? Die Klimakrise ist unaufhaltbar und Umweltschutz-NGOs bezeichnen Autos als „Klimakiller”. Der Soziologe Klaus Gietinger nennt sie „Massenvernichtungswaffe“, er hält Autos gar für eine Droge.

Fest steht: Wir müssen unser Fahrverhalten drastisch ändern. Heute stehe ich vor einer Entscheidung, die ich nicht kommen gesehen habe: Kaufe ich mir überhaupt jemals ein Auto?

Donnerstag, 1. Juli 2021

"Technik wird die Klimakrise nicht lösen"

 Krautreporter hier  von James Dyke mit Robert Watson und Wolfgang Knorr

Manchmal kommt die Erkenntnis blitzschnell. Verschwommene Umrisse nehmen Gestalt an, plötzlich ergibt alles einen Sinn. Aber dem voraus geht oft ein viel langsamerer Abwägungsprozess: Im Unterbewusstsein wachsen die Zweifel, ob die Dinge zusammenpassen. Bis etwas klick macht und stimmt – oder vielleicht zerbricht.

Zusammengenommen haben wir drei Autoren dieses Artikels wohl mehr als 80 Jahre damit verbracht, über den Klimawandel nachzudenken. Warum also hat es so lange gedauert, bis wir uns zu den offensichtlichen Gefahren des Konzepts der Klimaneutralität – Netto-Null genannt – zu Wort melden? Zu unserer Verteidigung: Die Grundannahme von Netto-Null ist einfach, täuschend einfach – und wir geben zu, dass sie selbst uns in die Irre geführt hat.

Der Klimawandel ist eine direkte Folge davon, dass sich zu viel Treibhausgase, in erster Linie Kohlendioxid (CO2), in der Atmosphäre befinden. Daraus folgt: Wir müssen aufhören, mehr davon auszustoßen, und sogar CO2 entfernen.

Diese CO2-Entfernung ist zentraler Bestandteil des aktuellen Plans, eine Katastrophe auf der Erde zu verhindern. Für die Umsetzung gibt es viele Vorschläge, von der massenhaften Anpflanzung von Bäumen bis hin zu Hightech-Geräten, die Kohlendioxid aus der Luft absaugen.

Derzeit herrscht Einigkeit darüber, dass wir die globale Erwärmung schneller stoppen können, wenn wir Kohlendioxid mit bestimmten Techniken entfernen und gleichzeitig die Nutzung von Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Gas reduzieren. So werden wir hoffentlich um die Mitte dieses Jahrhunderts die „Netto-Null“, also die Klimaneutralität erreichen. Das ist der Punkt, an dem alle verbleibenden Emissionen von Treibhausgasen durch Technologien ausgeglichen werden, die diese aus der Atmosphäre entfernen.

Theoretisch ist das eine tolle Idee. Leider trägt sie in der Praxis dazu bei, den Glauben an eine technologische Lösung aufrechtzuerhalten. Die Dringlichkeit nimmt ab, die Emissionen jetzt einzudämmen.

Wir glauben, dass die Idee der Netto-Null-Emissionen einen rücksichtslosen, leichtfertigen Ansatz zugelassen hat nach dem Motto: „Jetzt verbrennen, später bezahlen.“ Mit der Folge, dass der CO2-Ausstoß weiter angestiegen ist. Diese Idee hat auch die Zerstörung der Natur durch ständig steigende Abholzung beschleunigt und das Risiko erhöht, dass diese Zerstörung in der Zukunft weitergeht.

Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschheit ihre Zivilisation auf der Basis von Versprechen künftiger Lösungen aufs Spiel gesetzt hat, müssen wir in die späten 1980er Jahre zurückkehren. Damals war auf internationaler Bühne erstmals vom Klimawandel die Rede.

1988 hätten die Menschen die Klimakrise noch verhindern können

......Leider haben sie (Anmerkung: die Modelle) auch die Notwendigkeit für tiefgreifendes kritisches Denken beseitigt. Solche Modelle stellen die Gesellschaft als ein Netz von idealtypischen, emotionslosen Käufern und Verkäufern dar und ignorieren damit komplexe soziale und politische Realitäten oder sogar die Auswirkungen des Klimawandels selbst. Sie gehen davon aus, dass marktbasierte Ansätze immer funktionieren werden. Folglich beschränkten sich die Diskussionen über politische Maßnahmen auf das, was für die Politiker am bequemsten war: Sie änderten schrittweise Gesetze und Steuern.

Ungefähr zu der Zeit, als die Modelle entwickelt wurden, gab es Bestrebungen, die USA zu Klimaschutzmaßnahmen zu bewegen, indem man ihnen erlaubte, die Kohlenstoffsenken der Wälder ihres Landes anzurechnen. Das Argument der USA war: Bei guter Bewirtschaftung der Wälder sind sie in der Lage, eine große Menge an Kohlenstoff in Bäumen und Böden zu speichern. Diese Menge sollte von ihren CO2-Einsparzielen abgezogen werden....

Wer eine Zukunft mit mehr Bäumen postuliert, könnte die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in der Gegenwart ausgleichen. Da Modelle leicht Zahlen ausspucken konnten, die den Kohlendioxidgehalt so weit sinken ließen, wie man wollte, konnten immer ausgefeiltere Szenarien erforscht werden. Gleichzeitig nahm die wahrgenommene Dringlichkeit ab, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Durch die Einbeziehung von Kohlenstoffsenken in klimaökonomische Modelle wurde die Büchse der Pandora geöffnet.

An dieser Stelle entstand die heutige Netto-Null-Politik.

„Es war für mich ein echter Schock zu erkennen, dass ich persönlich zur Netto-Null-Falle beigetragen haben muss. ......Aber da keiner der Co-Autoren unserer Studie ein Experte war, haben wir nicht berücksichtigt, wie viele dieser künstlichen Senken nötig wären, um unser Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten oder ob es überhaupt technisch möglich wäre, sie zu schaffen.“
Wolfgang Knorr,
leitender Wissenschaftler für Physische Geografie und Ökosystem-Wissenschaften an der Universität Lund, Schweden

Mitte der 1990er Jahre lag das Hauptaugenmerk jedoch auf der Steigerung der Energieeffizienz und der Umstellung auf andere Energieträger (zum Beispiel der Umstieg von Kohle auf Gas) sowie auf dem Potenzial der Atomenergie, große Mengen an kohlenstofffreiem Strom zu liefern. Solche Innovationen würden hoffentlich den Anstieg der Emissionen fossiler Brennstoffe schnell umkehren.

Doch um die Jahrtausendwende zeigte sich: Diese Hoffnungen waren vergeblich. Angesichts der Kernannahme eines stufenweisen Wandels wurde es für ökonomische Klimamodelle immer schwieriger, gangbare Wege zu finden, um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden. Als Reaktion darauf begannen die Modellierer, immer mehr Beispiele für die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid einzubeziehen. CO2 sollte aus Kohlekraftwerken aufgefangen und dann tief unter der Erde für unbestimmte Zeit gespeichert werden.

Dass dies grundsätzlich möglich ist, zeigte eine Reihe von Projekten seit den 1970er Jahren. Dabei wurde komprimiertes Kohlendioxid von fossilem Gas getrennt und dann in den Untergrund gepresst. Ziel dieser „Enhanced Oil Recovery“-Programme war eigentlich, Gase über Bohrlöcher einzuspeisen, damit das Öl zu den Bohrtürmen gedrückt wird und so mehr gefördert werden kann – Öl, das später verbrannt wird, wodurch noch mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt.

Die Weiterentwicklung „Carbon Capture and Storage“ (CCS) bot den Dreh, das Kohlendioxid nicht mehr zur Förderung von Öl zu verwenden, sondern im Untergrund zu belassen und es aus der Atmosphäre zu entfernen. Diese angeblich bahnbrechende Technologie sollte klimafreundliche Kohle und damit die weitere Nutzung dieses fossilen Brennstoffs ermöglichen. Doch lange bevor die Welt Zeuge eines solchen Vorhabens wurde, war der hypothetische Prozess bereits in klimaökonomische Modelle eingeflossen. Am Ende bot die bloße Aussicht auf Kohlenstoffabscheidung und -speicherung den politischen Entscheidungsträgern einen Ausweg, die dringend benötigte Verminderung des Treibhausgasausstoßes zu verschieben.

Der Aufstieg der Netto-Null (oder: 2009 sollte Biomasse als „Senke“ das Klima retten)

Als sich die internationale Klimagemeinschaft 2009 in Kopenhagen traf, war klar: Kohlenstoffabscheidung und -speicherung würde aus mehreren Gründen nicht ausreichen. Niemand hatte Anlagen zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid in einem Kohlekraftwerk in Betrieb. Es war auch nicht abzusehen, dass diese Technologie in naher Zukunft irgendeinen Einfluss auf die steigenden Emissionen aus der zunehmenden Nutzung von Kohle haben würde.

Das größte Hindernis für die Umsetzung waren im Wesentlichen die Kosten. ..

Da die Hoffnungen auf eine Lösung der Klimakrise wieder schwanden, war ein weiteres Wundermittel gefragt. Es musste eine Technologie her, die den Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nicht nur verlangsamt, sondern sogar umkehrt. Folglich griffen die klimaökonomischen Modellierer – die bereits in der Lage waren, pflanzliche Kohlenstoffsenken und geologische Kohlenstoffspeicher in ihre Modelle einzubeziehen – zunehmend auf die „Lösung“ zurück, diese beiden Auswege aus der CO2-Misere zu kombinieren.

So wurde die Bioenergie-Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (Bioenergy Carbon Capture and Storage, BECCS) schnell zur neuen Rettungstechnologie. Indem man „austauschbare“ Biomasse wie Holz, Feldfrüchte und landwirtschaftliche Abfälle anstelle von Kohle in Kraftwerken verbrennt und dann das Kohlendioxid aus dem Schornstein des Kraftwerks abfängt und unterirdisch speichert, könnte BECCS Strom erzeugen und gleichzeitig Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen.....

Mit dieser neuen Lösung in der Hand gruppierte sich die internationale Gemeinschaft nach wiederholten Misserfolgen neu, um einen weiteren Versuch zu starten, unsere gefährlichen Eingriffe in das Klima einzudämmen. Die Bühne war bereitet für die entscheidende Klimakonferenz 2015 in Paris.

Im Jahr 2015 kommen Zweifel an den Fantasiewelten auf

....Nach wochenlangen, zermürbenden Verhandlungen auf höchster Ebene war in Paris endlich ein Durchbruch erzielt worden. Wider Erwarten hatte sich die internationale Gemeinschaft nach Jahrzehnten der Fehlstarts und Misserfolge endlich darauf geeinigt, das Nötige zu tun, um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, am besten auf höchstens 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

...Doch wer ein wenig tiefer gräbt, könnte eine weitere Emotion finden, die am 13. Dezember die Delegierten umtrieb. Zweifel. Es fällt uns schwer, einen einzigen Klimawissenschaftler zu nennen, der das Pariser Abkommen zu diesem Zeitpunkt für umsetzbar hielt. Inzwischen haben uns einige Wissenschaftler gesagt, das Pariser Abkommen sei „natürlich wichtig für die Klimagerechtigkeit, aber nicht umsetzbar“ und „ein kompletter Schock, niemand hielt eine Begrenzung auf 1,5 Grad Celsius für möglich.“ Anstatt die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, kam ein hochrangiger Wissenschaftler, der am IPCC beteiligt war, zu dem Schluss, dass wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf über 3 Grad Celsius zusteuern.....

„Sich auf ungetestete Mechanismen zur Beseitigung von Kohlendioxid zu verlassen, um die Ziele von Paris zu erreichen, obwohl wir die Technologien haben, um heute von fossilen Brennstoffen wegzukommen, ist schlichtweg falsch und leichtsinnig.“
Robert Watson, emeritierter Professor für Umweltwissenschaften, Universität von East Anglia, Großbritannien

...In den vom Weltklimarat erstellten Szenarien mit einer 66-prozentigen oder besseren Chance, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müsste BECCS jedes Jahr 12 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entfernen. BECCS in diesem Umfang würde massive Anpflanzungsprogramme für Bäume und Bioenergiepflanzen erfordern.

Man schätzt, dass BECCS zwischen 0,4 und 1,2 Milliarden Hektar Land benötigen würde. Das sind 25 bis 80 Prozent aller derzeit bewirtschafteten Flächen. Wie wollen wir das erreichen, wenn wir gleichzeitig 8 bis 10 Milliarden Menschen in der Mitte des Jahrhunderts ernähren wollen? Wie, ohne die einheimische Vegetation und Artenvielfalt zu zerstören?

Der Anbau von Milliarden von Bäumen würde riesige Mengen an Wasser verbrauchen – teilweise an Orten, an denen die Menschen bereits durstig sind. Eine zunehmende Walddecke in höheren Breitengraden kann mehr Erwärmung bedeuten, weil die Landoberfläche dunkler wird, wenn Grasland oder Felder durch Wälder ersetzt werden. Dieses dunklere Land absorbiert mehr Sonnenenergie, die Temperaturen steigen. Und wer den Schwerpunkt auf die Entwicklung riesiger Plantagen in ärmeren tropischen Ländern legt, riskiert, dass Menschen von ihrem Land vertrieben werden.

„Der Vorläufer von Netto-Null wurde und wird immer noch Kompensation genannt. Einst war ich voller Hoffnung, dass Kohlenstoff-Kompensationsprogramme das Kunststück vollbringen könnten, intakte Waldökosysteme vor der fast sicheren Zerstörung durch wirtschaftliche Entwicklung zu retten. Doch heute erschrecken mich die Folgen von Netto-Null fast mehr als die der Klimaerwärmung.“
Wolfgang Knorr

....

Neue Trugbilder ersetzen fehlgeschlagene technische Lösungen

Als die Erkenntnis dämmerte, wie schwierig die Umsetzung von Paris angesichts der ständig steigenden Emissionen und des begrenzten Potenzials von BECCS sein würde, entstand in Politikerkreisen ein neues Schlagwort: das „Überschreitungsszenario“. Danach dürfen die Temperaturen kurzfristig über 1,5 Grad Celsius steigen, müssen dann aber bis zum Ende des Jahrhunderts durch eine Reihe von Maßnahmen zur Kohlendioxid-Entfernung gesenkt werden. Dies heißt, dass Netto-Null eigentlich Kohlenstoff-negativ bedeutet. Innerhalb weniger Jahrzehnte müssen wir unsere Zivilisation von einer Wirtschaftsweise, die derzeit jährlich 40 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre pumpt, auf eine umstellen, die netto 10 Milliarden Tonnen entfernt.

.....Es sollte nun klar werden, wohin die Reise geht. Wenn die Trugbilder einer magischen technischen Lösung verschwinden, taucht eine andere, ebenso untaugliche Alternative auf, um ihren Platz einzunehmen. Die nächste ist bereits am Horizont zu sehen – und sie ist sogar noch grauenhafter. Sobald wir erkennen, dass Netto-Null nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht erreicht werden kann, wird wahrscheinlich Geo-Engineering – der absichtliche und großflächige Eingriff in das Klimasystem der Erde – beschworen werden als Lösung, um den Temperaturanstieg zu begrenzen.

„Es ist erstaunlich, wie die andauernde Abwesenheit einer glaubwürdigen Technologie zur Kohlenstoffentfernung die Netto-Null-Politik nicht zu beeinflussen scheint. Mittlerweile habe ich erkannt, dass wir alle einer Form von Verarschung aufgesessen sind.“
James Dyke, Senior Lecturer für Globale Systeme, Universität von Exeter, Großbritannien

Schwierige Wahrheiten (oder: Netto-Null-Politik taugt nicht zur Begrenzung der Erderwärmung)

Im Prinzip gibt es nichts Falsches oder Gefährliches an Vorschlägen zur Kohlenstoffentfernung. .....

Problematisch wird es erst, wenn davon ausgegangen wird, dass diese Vorschläge in großem Maßstab eingesetzt werden können. Damit wird praktisch ein Blankoscheck für die weitere Verbrennung fossiler Brennstoffe und die zunehmende Zerstörung von Lebensräumen ausgestellt.....

Der einzige Weg, die Menschheit zu schützen, ist die sofortige und nachhaltige radikale Senkung der Treibhausgasemissionen auf sozial gerechte Weise.....

Es ist an der Zeit, unsere Ängste auszusprechen und gegenüber der Allgemeinheit ehrlich zu sein. Die aktuelle Netto-Null-Politik wird die Erwärmung nicht auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, weil sie nie dazu gedacht war. Sie wurde und wird immer noch von der Notwendigkeit angetrieben, Business as usual zu schützen, nicht das Klima. Wenn wir die Menschen schützen wollen, dann müssen wir die Kohlenstoffemissionen jetzt stark und nachhaltig reduzieren. Das ist der ganz einfache Härtetest, der auf alle klimapolitischen Maßnahmen angewendet werden muss. Für Wunschdenken ist es zu spät.


James Dyke ist Senior Lecturer für Globale Systeme an der Universität Exeter in Großbritannien.

Robert Watson ist emeritierter Professor für Umweltwissenschaften an der Universität von East Anglia in Großbritannien.

Wolfgang Knorr ist leitender Wissenschaftler für Physische Geografie und Ökosystem-Wissenschaften an der Universität Lund in Schweden.

Ihren Artikel veröffentlichten sie auf Englisch bei The Conversation. Hier könnt ihr den Originalartikel lesen.