Martin Jendrischik
Die Weltwetterorganisation hat sich in ihrer 50-jährigen Geschichte noch nie so eindeutig festgelegt wie heute Vormittag in Genf: Ein sehr starker El Niño kommt, und er bleibt bis mindestens Februar 2027.
Die Wahrscheinlichkeit dafür beziffert die WMO mit nahezu 100 Prozent. Ein Zurück gibt es nicht mehr.
Die Zahlen dahinter:
- Der Niño-3.4-Index, das Fieberthermometer des Pazifiks, lag Mitte August bei bis zu plus 2,6 Grad. Ab plus 2,0 gilt ein El Niño als sehr stark.
- Unter der Meeresoberfläche stellenweise mehr als 8 Grad über dem Durchschnitt. Das ist das Wärmereservoir, aus dem sich das Ereignis in den kommenden Monaten speist.
- 13 Prognosezentren, darunter ECMWF, DWD und NOAA, sehen den Höhepunkt im November bei rund plus 4 Grad. Kein einziges Modell bleibt unter plus 3.
Zum Vergleich: Der bisherige Rekord-El-Niño 1997/98 kam auf plus 2,4 Grad.
Rückkehr zu normalen Bedingungen bis Februar 2027: null Prozent.
Anders Levermann vom Potsdam-Institut hat heute früh im ZDF den Satz gesagt, der die Sache auf den Punkt bringt: "Es wird was passieren. Wir wissen nicht, was passieren wird."
Und er hat die Einordnung geliefert, die in vielen Schlagzeilen fehlt. El Niño ist ein natürliches Phänomen, er hat mit der Klimakrise nichts zu tun. "El Niño kommt obendrauf." Die Wetterextreme gibt es schon jetzt durch die Erderhitzung. Der Pazifik legt jetzt eine Schippe drauf.
Was heißt das für Deutschland? Weniger, als die Winter-Schlagzeilen suggerieren. Normalerweise macht El Niño den Winter bei uns eher mild. Ein sehr starkes Ereignis kann den Jetstream ins Schwanken bringen und arktische Luft hereinlenken. Kann. Levermann: "Auch das wissen wir nicht, es ist nur eine Möglichkeit."
Was sicher ist: Indiens Monsun schwächelt bereits, der Panamakanal drosselt den Schiffsverkehr, Kenia bereitet sich auf eine Rekord-Regenzeit vor. Die WMO hat die größte Mobilisierung ihrer Geschichte gestartet.
Wer jetzt noch über den Ausstieg aus dem Ausstieg diskutiert, verhandelt mit dem Pazifik. Der verhandelt nicht.
Daniel Mautz / LinkedIn
Ein Super-El-Niño, der stärker werden könnte als alles seit 1950. Glückwunsch, wir haben es geschafft.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen dieses Jahr die höchste Stärkestufe erreicht, liegt laut Climate Prediction Center bei über 90 Prozent.
Expert:innen der Columbia University und der WMO warnen, es könnte das stärkste El-Niño-Ereignis der gesamten Messgeschichte werden, mit Auswirkungen bis weit in 2027.
Und weil ein Super-El-Niño nicht im Vakuum passiert, sondern auf einem Planeten, den wir durch Jahrzehnte fossiler Verbrennung bereits um mehr als 1,2 Grad aufgeheizt haben, addieren sich die Effekte nicht, sie potenzieren sich.
Was das konkret bedeutet, weiß die Wissenschaft ziemlich genau.
- Teile Südostasiens und Brasiliens steuern auf schwere Dürren zu, Ernteausfälle inklusive.
- In Indonesien und Australien werden Waldbrände wahrscheinlicher.
- Für Länder, die ohnehin unter der Klimakatastrophe leiden, kommt dieser Extremschlag obendrauf.
Das 1997er Super-El-Niño hat nach aktuellen Schätzungen rund 5,7 Billionen Dollar Schaden verursacht. Dieser hier trifft eine heißere, fragilere Welt.
Gleichzeitig läuft in vielen Parlamenten die Debatte, ob die Energiewende nicht doch zu teuer sei. Ob man die CO2-Bepreisung nicht lieber etwas entspannter angehen sollte. Ob Technologieoffenheit nicht bedeute, dass man auch Fossilinvestitionen weiterhin steuerlich fördern dürfte.
Das ist keine Diskussion über Wirtschaftspolitik. Das ist Realitätsverweigerung als Regierungsprogramm.
Der nächste Super-El-Niño kommt nicht in 75 Jahren. Er kommt gerade jetzt, während wir noch diskutieren.
Link: https://lnkd.in/ergCZ3MS
Frankfurter Rundschau hier 23.08.2026,
Dürren, Brände, Überschwemmungen: Experten warnen vor „beispiellosem Ereignis“
Das Wetterphänomen El Niño wird in diesem Jahr wahrscheinlich schlimmer als je zuvor. Ein ungewöhnlicher Temperaturanstieg im Pazifik von über 2 °C könnte weltweit extreme Folgen haben.
El Niño verstärkt sich und wird voraussichtlich der intensivste seit Menschengedenken sein.
In Kombination mit den Folgen des menschengemachten Klimawandels ist es „sehr wahrscheinlich“, dass 2027 das weltweit heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wird.
Alarm schlägt der nationale Wetterdienst des Vereinigten Königreichs, der Met Office: „Wir müssen klarstellen, dass es sich um ein beispielloses Ereignis handelt – sagte Adam Scaife, Leiter der Langfristprognosen beim Met Office – ich habe in unseren Vorhersagen noch nie ein so starkes El-Niño-Signal gesehen“.
Die aktuellen Messungen der Wissenschaftler in einem genau definierten Gebiet des Pazifiks, in dem El Niño entsteht, zeigen Meeresoberflächentemperaturen von deutlich mehr als 2 °C über dem Normalwert. El Niño wird bereits dann ausgerufen, wenn diese Werte 0,5 °C oder mehr über dem langjährigen Durchschnitt liegen.
Und nicht nur das: Denn die jüngsten Prognosen des Met Office deuten darauf hin, dass, je näher El Niño seinem Höhepunkt kommt, dieser Temperaturanstieg bis zum Jahresende 3 °C übertreffen könnte. Nach Einschätzung anderer Klimaforscher sind sogar 4 °C denkbar, es wäre nach den seit 1950 vorliegenden Daten ein einmaliges Ereignis und wahrscheinlich das stärkste seit dem 19. Jahrhundert.
Sehr hohe Temperaturen in größeren Ozeantiefen – in einigen Bereichen rund 8 °C über dem Normalwert in 100 Metern Tiefe – könnten dazu beitragen, El Niño anzuheizen, indem sie faktisch ein Reservoir warmen Wassers bereitstellen, das das Phänomen verstärkt. „Uns bleiben noch viele Monate, bevor sich dieses Ereignis vollständig entwickelt, und das ist einer der Gründe, warum wir uns zunehmend sicher sind, dass es sich um ein Rekordereignis handeln wird“, sagte Zeke Hausfather, Klimatologe der US-Forschungsgruppe Berkeley Earth.
El Niño: Ursprünge eines Klimaphänomens mit globalen Folgen
El Niño. Das Christkind. Mit verheerenden Auswirkungen auf das Wetter in einem beträchtlichen Teil des Planeten, punktuell und auf unterschiedliche Weise: Mancherorts bringt es sintflutartige Regenfälle, andernorts Hitze und Dürre. So nannten es die Fischer an der Westküste Südamerikas am Pazifik, die im 17. Jahrhundert eine periodische Erwärmung des Wassers mit einem Rückgang der Fischbestände beobachteten. Der Höhepunkt des Phänomens trat meist um Weihnachten herum auf, weshalb es „El niño de Navidad“, das Christkind, genannt wurde.
Das Phänomen wiederholt sich alle zwei bis sieben Jahre und dauert etwa ein Jahr. Die Passatwinde, die normalerweise von Ost nach West über den Pazifik wehen, können sich abschwächen oder sogar umkehren, sodass sich warmes Wasser nach Osten ausbreiten kann. Die Wärme wird vom Ozean an die Atmosphäre abgegeben, was die globalen Temperaturen ansteigen lässt und die Niederschlagsmuster verändert.
Prognosen bis 2027: Risiko für Landwirtschaft und Ernten
Zwischen Oktober und Dezember könnte El Niño eine sehr hohe Intensität erreichen, mit einer Wahrscheinlichkeit von 81 %, während laut dem auf die Agrarmärkte in den USA und Kanada ausgerichteten Bericht „North American Agribusiness Review Q3 2026“ die Wahrscheinlichkeit, dass das Phänomen bis zum Beginn des Frühjahrs 2027 anhält, auf 97 % steigt. Die Auswirkungen auf die nordamerikanischen Ernten könnten dramatisch sein. In den Vereinigten Staaten haben Hitze und Trockenheit im Juli den Anteil des Maises, der als gut oder ausgezeichnet eingestuft wird, bereits von 67 % auf 61 % verringert, während Soja bei 62 % liegt.
Nach den Prognosen der Warenbörse von Rosario (BCR) könnte in Argentinien ein möglicher „Super-El Niño“ dagegen die Niederschläge im Oktober um 30 %, im November um 70 % und im Dezember um bis zu 90 % erhöhen. Und nach mehreren Saisons mit Wasserknappheit werden die Landwirte angesichts deutlich höherer Niederschläge gezwungen sein, ihre Strategien für Aussaat und Bewirtschaftung der Kulturen zu ändern. „Wir müssen handeln und uns vorbereiten. Die Zeit ist gekommen“, lautet die Botschaft, die aus Umfragen in den wichtigsten Agrargebieten hervorgeht. Nach Ansicht von Experten wäre es das erste Mal seit 20 Jahren, dass im Vorfeld eines Niño so viele Präventionsmaßnahmen ergriffen werden.
Daniel Mautz / LinkedIn
Ein Super-El-Niño rollt auf Kalifornien zu und Wissenschaftler:innen sagen: Die Küstenüberschwemmungen sind bereits eingepreist.
Nicht als Möglichkeit. Als Gewissheit.
Denn El Niño erhöht die Meeresspiegel an der kalifornischen Küste um bis zu 30 Zentimeter zusätzlich. Auf Höchststände, die durch jahrzehntelangen Meeresspiegel-Anstieg infolge der Klimakatastrophe ohnehin schon neue Rekordwerte erreichen. Die Kombination aus Super-El-Niño, extremen Springfluten und beschleunigtem Meeresspiegelanstieg bedeutet nach Einschätzung von Forschenden: Rekordpegel an der Küste, so gut wie sicher.
Dann kommt der Regen. In der San Francisco Bay Area fiel während des Super-El-Niño von 1997/98 mehr als doppelt so viel Niederschlag wie im Durchschnitt. In Los Angeles fiel in einem einzigen Februar fast der Jahresniederschlag. Tödliche Erdrutsche rissen Häuser mit sich. Die Santa Monica Pier wurde großteils zerstört. Die NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass dieser aktuelle El Niño alle bisherigen Rekorde seit 1950 bricht, auf 69 Prozent.
Und dann ist da noch der Verstärkereffekt, über den so ungern gesprochen wird: Wenn die Ozeane höher stehen, kann Regenwasser schlechter abfließen. Küste und Landfläche werden gleichzeitig unter Druck gesetzt. Der eine Extremfaktor potenziert den anderen.
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen. Aber seine Wucht 2026 ist nicht natürlich erklärbar ohne die Klimakatastrophe als Hintergrundrauschen, das inzwischen alles lauter macht. Wer das noch als Einzelereignis rahmt, erklärt den Brandverstärker zur unbeteiligten Zimmerdekoration.
Klimaschäden landen im Haushalt der Betroffenen. Die Gewinne der fossilen Industrie bleiben wo sie immer waren.
Süddeutsche Zeitung hier Interview von Benjamin von Brackel
Warum das Klimaphänomen El Niño alle Rekorde pulverisieren und uns dabei einen Blick in die Zukunft gewähren wird, erklärt der US-Klimaforscher Zeke Hausfather.
SZ: Herr Hausfather, wann haben Sie zuletzt die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen tropischen Pazifik überprüft?
Zeke Hausfather: Nun, das macht mich vielleicht ein wenig zum Wetter-Nerd, aber: heute Morgen. Ich habe ein Klima-Dashboard erstellt, das automatisch die aktuellen Tagesdaten abruft und grafisch darstellt, sodass ich sie quasi täglich überprüfen kann.
Was ist Ihnen aufgefallen?
Wir liegen in der Region Niño 3.4 – dort, wo das El-Niño-Signal klassischerweise definiert wird – 2,6 Grad Celsius über dem Normalwert.
Ist das viel?
Das ist schon jetzt das zweitstärkste El-Niño-Ereignis seit Beginn der Aufzeichnungen. Aber es ist erst August! El-Niño-Ereignisse erreichen ihren Zenit fast immer gegen Jahresende, meist zwischen November und Januar. Dann bringen sie das Wettergeschehen auf bemerkenswerte Weise durcheinander. Es liegen also noch viele Monate vor uns, bis wir den Höhepunkt erleben werden.
Sie haben mal gesagt, dass Sie in der Regel versuchen, Ihre Klimadaten zurückhaltend zu kommunizieren. Ist jetzt eine Ausnahme angebracht?
Ja. Dieses Ereignis wird definitiv beispiellos sein in der 150-jährigen Geschichte der Aufzeichnungen. Historisch gesehen lag der stärkste El Niño, den wir je erlebt haben, bei 2,75 bis 2,8 Grad Celsius über dem Normalwert in jener speziellen Region des tropischen Pazifiks – wobei dieser Normalwert den langfristigen, vom Menschen verursachten Erwärmungseffekt bereits herausrechnet. Den Höhepunkt prognostizieren die Modelle für den aktuellen El Niño im Schnitt bei 3,7 Grad – das ist also um ein Grad Celsius heißer als alles, was wir bisher gesehen haben.
Lassen Sie uns trotzdem nach Analogien suchen. Als Referenz für einen extremen El Niño wird oft der aus den Jahren 1877 und 1878 genannt, der rund um die Welt Dürren verursachte. In Nordamerika sprach man vom Jahr ohne Winter.
Der El Niño von 1877 bis 1878 galt gemeinsam mit dem von 2015 bis 2016 bislang als stärkster. Damals starben Millionen Menschen infolge von Hungersnöten. Insbesondere in weiten Teilen der Tropen herrschen bei El Niño oft trockenere Bedingungen, was sich auf die Ernteerträge auswirkt.
Sind wir heute besser vorbereitet?
Definitiv. Ich glaube nicht, dass wir Massenhungersnöte erleben werden – also, hoffentlich nicht –, denn dafür müsste ein Großteil der globalen Verteilungssysteme zusammenbrechen. Im Gegensatz zu den 1870er-Jahren können wir heute viel leichter Lebensmittel von einem Ort ohne Hungersnot an einen Ort mit Hungersnot transportieren. Dennoch haben Ernteausfälle nach wie vor gravierende Auswirkungen auf das Einkommen der Landwirte und können in den ärmsten Regionen der Welt deren Existenzgrundlage bedrohen – etwa in Nordafrika oder Teilen Südostasiens. Aber auch auf die Weltwirtschaft wirken sich El-Niño-Ereignisse aus: Einbußen im langfristigen Wirtschaftswachstum können in die Billionen Dollar gehen.
Welche Folgen sind noch zu erwarten?
In den Jahren 1997 und 1998 erlebten wir während des Super-El-Niños das allererste Mal eine weltweite Korallenbleiche. Überall auf der Welt starben Korallen, weil die in ihnen symbiotisch lebenden Algen die hohen Meerestemperaturen nicht vertrugen. Seither haben wir während jedes starken El-Niño-Ereignisses solche globalen Phänomene von Korallenbleiche und Korallensterben beobachtet. Da für dieses Jahr erwartet wird, dass die Meeresoberflächentemperaturen alle Rekorde brechen, dürfte es ein besonders schlimmes Jahr für das Great Barrier Reef und andere tropische Riffe werden.
Kürzlich schrieben Sie auf Bluesky: „Ich bin mir nicht sicher, ob den Leuten klar ist, wie verrückt die globalen Temperaturen in der zweiten Jahreshälfte 2026 und 2027 sein werden, auf dem Rücken eines El-Niño-Ereignisses, das alle bisherigen Rekorde bricht.“ Was meinen Sie mit „verrückt“?
Uns steht ein großer Sprung der globalen Temperaturen bevor. El Niño beeinflusst die Wärmeverteilung zwischen Ozean und Atmosphäre. In den Monaten nach dem Höhepunkt eines starken Ereignisses wie 1997 bis 1998 erhöht das die Temperaturen auf der Welt typischerweise um bis zu 0,4 Grad Celsius. 2027 wird deshalb mit ziemlicher Sicherheit ein neues Rekordjahr für die globale Erwärmung, da dieses natürliche Klimaphänomen auf den langfristigen, vom Menschen verursachten Erwärmungstrend trifft. Wir rechnen mit etwa 1,7 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau.
Und dieses Jahr?
Da sich El Niño so rasch entwickelt, erwarten wir schon für die letzten Monate des Jahres 2026 deutlich erhöhte Temperaturen. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass bereits 2026 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden könnte. Ich rechne aber eher mit dem zweitwärmsten Jahr.
Der bekannte Klimaforscher James Hansen hat schon früh im Jahr prognostiziert, dass es das wärmste Jahr werde. Zu Beginn des Sommers schrieb er in seinem Newsletter: „Wir gehen davon aus, dass wir – wenn das ‚Pferderennen‘ im November und Dezember dieses Jahres in die Zielgerade einbiegt – auf einem Vollblut reiten werden, einem starken, jungen Pferd, während Zeke auf einem alten, schwächelnden Gaul sitzt.“ Wenn Sie so etwas lesen, müssen Sie da schmunzeln oder denken sich: „Wie unangemessen!“
Nein, nein, wir kennen uns seit vielen Jahren. Das ist eine Art akademisches Frotzeln. Da steckt keine böse Absicht dahinter. Ein Teil des Reizes der Wissenschaft liegt gerade an solchen Meinungsverschiedenheiten. Jeder hat seine eigenen Modelle. Und da wir ja nur das aktuelle Jahr vorhersagen wollen, müssen wir nicht lange warten, um zu sehen, wer recht hat.
Und, was meinen Sie?
Hansens Prognose hat sich als ziemlich vorausschauend erwiesen. Zu Jahresbeginn hielt ich die Wahrscheinlichkeit, dass es das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn werden würde, für ziemlich gering. Ich schätze die Wahrscheinlichkeit immer noch auf etwa 35 Prozent, aber eine Chance von eins zu drei ist durchaus real. So etwas kommt vor. Was ich im Januar nicht vorhergesehen habe – und fairerweise muss man sagen, Jim auch nicht –, war die Tatsache, dass wir ein El-Niño-Ereignis erleben würden, das alle Rekorde in den Schatten stellt. Es verpasst Hansens „Rennpferd“ quasi eine Dosis Steroide, was das Rennen nicht ganz fair macht. (lacht)
Hansen argumentiert, dass nicht ein vorübergehender El Niño das Problem sei, sondern die Beschleunigung des Klimawandels.
Beides ist wichtig. Ein Super-El-Niño erwärmt den Planeten im Laufe eines Jahres vorübergehend um rund 0,2 Grad Celsius. Doch durch menschliche Emissionen erwärmt sich der Planet alle acht Jahre dauerhaft um 0,2 Grad Celsius. Wir führen dem Klimasystem mit unseren Treibhausgasemissionen also effektiv alle acht Jahre eine Wärmemenge zu, die der eines dauerhaften Super-El-Niños entspricht. Oder anders ausgedrückt: Ein starkes El-Niño-Ereignis – wie wir es 2015 bis 2016 erlebt haben oder wie es uns dieses Jahr bevorsteht – gewährt uns einen Vorgeschmack darauf, wie die neue Normalität der Erderwärmung in etwa acht bis zehn Jahren aussehen wird.
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