Moritz Koch / Handelsblatt / LinkedIn
Die Brandmauer hat versagt, sie muss weg, da sind sich immer mehr Kommentatoren sicher. Ich glaube, das ist zu kurz gedacht.
Die Brandmauer dient nicht nur der Eindämmung der AfD, sondern auch, und das ist noch wichtiger, dem Schutz der CDU. Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt habe ich mir im Handelsblatt ein paar Gedanken dazu gemacht.
Das Ende der Brandmauer dürfte die CDU zerreißen. (Spiegelbildlich zeigt sich das in der Debatte um Kooperationen mit der Linke.) Teile der Partei könnten sich mit der AfD vielleicht arrangieren, für viele andere Christdemokraten wäre das undenkbar, weil sie in der AfD eine verfassungsfeindliche, antipluralistische Bewegung erkennen.
Auf diese Spaltung des bürgerlichen Lagers haben es AfD-Strategen abgesehen.
Die völkischen Vordenker der Partei wissen genau, dass ihre Hauptgegner nicht die Grünen sind. Grünen-Bashing dient der Publikumsbespaßung, Hass auf alles vermeintlich Linksversiffte ist eine Mobilisierungsressource für die AfD. Aber ihre Strategie reicht weit darüber hinaus.
Die Union muss geschwächt, idealerweise zerschlagen werden – denn die dominanten Strömungen in der AfD wollen keine Reformen, sie wollen ein anderes Deutschland. Diese AfD ist deshalb auch keine Protestpartei, wie es etwa die Schill-Partei in Hamburg war, mit der die CDU zeitweise paktierte. Diese AfD ist eine revolutionäre Kraft. Und das wichtigste Zwischenziel auf ihrem Weg zum Umsturz ist die Zerstörung der Union als systemrelevante Bewahrerin des bundesrepublikanischen Status quo.
hier Handelsblatt Kommentar von Moritz Koch 04.09.2026
Die Brandmauer dient dem Schutz der CDU
Die Politik der Ausgrenzung habe die AfD nicht geschwächt, sondern gestärkt – sie sei gescheitert und könne weg, heißt es derzeit immer öfter. Doch wird der entscheidende Punkt übersehen.
Die hitzige Debatte über die Brandmauer der Union zur AfD krankt an einem Missverständnis. Ihr Hauptzweck, das suggerieren die Bandmauer-Gegner gern, sei die Ausgrenzung der AfD und ihrer Wähler. Dabei hat der sogenannte Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU seine Sanktionskraft längst verloren. Die Brandmauer hat ein Biotop geschaffen, in dem die AfD florieren konnte. Eine politische Nische, aus der heraus die Partei ihre Opferrolle perfektionieren konnte.
In Sachsen-Anhalt steht sie vor einem historischen Wahlsieg, vielleicht sogar vor der absoluten Mehrheit. Auch in Mecklenburg-Vorpommern liegt sie vorn. Selbst in Berlin kann sie mit fast 20 Prozent der Stimmen rechnen. Das Erfolgsrezept ist überall gleich. Die AfD inszeniert sich als wahre Opposition gegen das „Altparteienkartell“.
Ist es da nicht höchste Zeit, die Brandmauer niederzureißen? Die AfD aus der Verbannung zu entlassen und ihr politische Verantwortung zu übertragen? Mit dieser Frage beschäftigen sich inzwischen auch erklärte Gegner der Partei.
Die Hoffnung lautet, dass der mühselige Regierungsalltag die Krawallrhetoriker entzaubert, vielleicht sogar zerreibt. Wandel durch Annäherung, so lautet das Versprechen.
Übersehen wird dabei, dass die Brandmauer noch einen zweiten, für die politische Stabilität der Bundesrepublik noch wichtigeren Zweck erfüllt. Sie schützt die CDU. Ohne Brandmauer würde der Umgang mit der radikalen rechten Konkurrenz die Union spalten. Spiegelbildlich zeigt sich das auch in der Debatte um Kooperationen mit der Linkspartei.
Konservative Kreise könnten sich mit der AfD vielleicht arrangieren, schließlich scheint die AfD auf Feldern wie der inneren Sicherheit oder dem Staatsbürgerschaftsrecht Positionen zu vertreten, die in der Vor-Merkel-Ära von Unionspolitikern wie Manfred Kanther oder Roland Koch abgedeckt wurden. Doch viele andere Christdemokraten würden diesen Weg nicht mitgehen, weil sie in der AfD eine verfassungsfeindliche, antipluralistische Bewegung erkennen.
Die AfD will die CDU zerstören
Auf diese Spaltung des bürgerlichen Lagers haben es AfD-Strategen abgesehen. Die völkischen Vordenker der Partei wissen genau, dass ihre Hauptgegner nicht die Grünen sind. Grünen-Bashing dient der Publikumsbespaßung, Hass auf alles vermeintlich Linksversiffte ist eine Mobilisierungsressource für die AfD. Aber ihre Strategie reicht weit darüber hinaus.
Die Union muss geschwächt, idealerweise zerschlagen werden – denn die dominanten Strömungen in der AfD wollen keine Reformen, sie wollen ein anderes Deutschland. Diese AfD ist deshalb auch keine Protestpartei, wie es etwa die Schill-Partei in Hamburg war, mit der die CDU zeitweise paktierte. Diese AfD ist eine revolutionäre Kraft. Und das wichtigste Zwischenziel auf ihrem Weg zum Umsturz ist die Zerstörung der Union als systemrelevante Bewahrerin des bundesrepublikanischen Status quo.
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