Raphaël Schmeller / LinkedIn
25,7 Prozent für die Linke – und Teile der Hauptstadtpresse reagieren, als drohe Berlin eine Koalition aus SED, Hamas und Clankriminalität.
In meinem neuen Substack-Text schaue ich mir diese Reaktionen genauer an: wie Antisemitismusvorwürfe zum politischen Kampfmittel werden, warum dabei auffällig oft auch die Eigentumsfrage auftaucht – und wie nun Druck auf SPD und Grüne aufgebaut wird, nicht mit der Linken zu koalieren.
Zum Text: hier Raphaël Schmeller Sept. 23, 2026
Die Linke gewinnt Berlin, Teile der Medien reagieren mit Hamas-, DDR- und Antisemitismusvorwürfen. Dahinter steckt mehr als bloße Empörung: Es geht um politische Macht und die Eigentumsfrage.
Berlin ist in Aufruhr. Genauer: ein bestimmter Teil der Hauptstadtöffentlichkeit. Spätestens seit dem Wahlsieg der Linken am Sonntag scheint bei einigen Medienschaffenden jeder Maßstab verloren gegangen und so manche Sicherung durchgebrannt zu sein. Liest man die Reaktionen der vergangenen Tage, könnte man meinen, in Berlin stehe die Machtübernahme einer Koalition aus SED, Hamas und organisierter Kriminalität bevor.
Dabei hat die Linke die Wahl mit einem Programm gewonnen, das nicht nach Diktatur des Proletariats klingt:
- niedrigere und sicherere Mieten,
- mehr öffentliche Wohnungen,
- ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr,
- eine saubere Stadt und
- die Umsetzung des Volksentscheids zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne.
Der moralische Ausnahmezustand
- Philipp Peyman Engel von der Jüdischen Allgemeinen schrieb über die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp vom „freundlichen Gesicht des Judenhasses“ und zog gleich die größtmögliche historische Linie: Geschichte wiederhole sich nicht, reime sich aber; in Berlin, wo die Schoah beschlossen und geplant worden sei, dürften keine Antisemiten regieren.
- Welt-Journalistin Anna Schneider brauchte auf X noch weniger Worte: „Berlin wählt Sozialismus und Antisemitismus, nicht mehr zu helfen.“
- Ihr Kollege Filipp Piatov fragte, ob nach dem Wahlsieg der Linken nun ähnliche Debatten geführt würden wie nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt. Immerhin könne eine Partei die Hauptstadt übernehmen, deren Funktionäre mit islamistischen Terrororganisationen sympathisierten und die beim Antisemitismus „den deutschen Weg nach 1945“ verlasse.
- Karina Mößbauer, Chefreporterin Politik bei The Pioneer, fragte: „Wie viel Bigotterie ist möglich? Die Linke: viel.“ Eralp habe erklärt, Liebe und Gerechtigkeit hätten über den Hass gesiegt, obwohl bei einer Wahlkampfveranstaltung „übelster Judenhass“ verbreitet worden sei: „Death to the IDF“ und „Yalla Yalla Intifada“.
- Felix Dachsel vom Spiegel entwickelte auf X eine kleine Serie zum Berliner Untergang. Die gute Nachricht sei, dass russische Hacker sich künftig nicht mehr die Mühe machen müssten, sich in die Systeme der Berliner Verwaltung einzuschleichen, schrieb er.
Es folgten Tweets wie „Verpflichtende Mauerspaziergänge für jeden Berliner Wahlberechtigten“, „Berlin am Ende“, „Innensenator Issa Remmo“ und schließlich: „Nie wieder (bis zum Dienstwagen).“ - Auch Stephan Anpalagan, der unter anderem für Stern und Zeit schreibt, sah wie Dachsel im Berliner Ergebnis einen Sieg für Moskau. Mit Blick auf die Linke in Berlin, die AfD in Mecklenburg-Vorpommern und Putins Partei in Russland schrieb er: „Drei Wahlsiege für Putin heute.“
- Güner Balcı entwarf im Spiegel gleich das vollständige Bild des bevorstehenden Berliner Niedergangs: „Es wird kommen, wie es kommen muss: Kriminelle Clans und Aktivistinnen mit Intifada-Träumen werden Seite an Seite mit Hamas-Unterstützern und Lifestyle-Linken ein bisschen Politik spielen – in einer heruntergekommenen Stadt.“
- Ulf Poschardt trieb diese Logik auf die Spitze. „Der Kampf gegen rechts war ein Kampf für links“, schrieb er. „Alle haben Angst vor 1933. Die eigentliche Gefahr ist 1949: die Wiederkehr der DDR – und das mit arabischen Islamofaschisten an Bord.“
Poschardt legte später nach: Die Berliner Linkspartei sei „in nahezu jeder Hinsicht gefährlicher und radikaler“ als die AfD in Mecklenburg-Vorpommern. SPD und Grüne würden mit einer Koalition die „Hamas in Berlin an die Macht“ bringen, die Brandmauer sei dann tot. Später schrieb er über „Ökosozialisten“, die Morgenluft witterten, und erklärte, seit Greta Thunberg sei Hamas bei „Ökos“ offenbar kein Schimpfwort mehr. - Alexander Kissler von Nius hatte schon vor der Wahl gewarnt, Berlin könne so wählen, „wie es Islamisten gefällt“: gegen Juden, für eine geschwächte Polizei und für mehr Migration. Die „umbenannte SED“ stehe vor einem Triumph. Nach der Wahl fragte er, ob Berlin angesichts eines drohenden „Bündnisses der Enteigner, Islamisten und Antisemiten“ nicht reif für den Bundeszwang sei. Alan Posener vom Springer-Konzern prognostizierte, Berlin werde keine billigeren Wohnungen bekommen, für Jüdinnen und Juden werde die Stadt aber „noch ungemütlicher“. Sascha Chaimowicz, Chefredakteur des Zeit Magazins, fragte seine Kreuzberger Nachbarschaft angesichts von 42 Prozent für die Linke: „Was habt ihr da bitte gewählt?“ Als Jude frage er sich, ob seine Kinder und er dort noch zu Hause seien.
- Miriam Lau von der Zeit empfahl unterdessen eine ihrer Ansicht nach „faire und gründliche“ Aufarbeitung des Antisemitismusproblems bei der Linken beim Blog Ruhrbarone. Dessen Redaktion veröffentlichte 2018 eine Grafik mit dem Slogan „Transform Gaza to Garzweiler“. Zu sehen war der Braunkohletagebau Garzweiler. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, bezeichnete den Post damals als „explizite Vernichtungsfantasie“. Dieses Medium empfiehlt Lau nun als Referenz für eine seriöse Aufarbeitung von Antisemitismus.
Dann war da noch Issa Remmo. Seine Anwesenheit auf einer offenen Wahlparty der Neuköllner Linken entwickelte sich binnen Stunden zum Symbol einer angeblichen Verbindung zwischen Linkspartei und organisierter Kriminalität. Dabei war Remmo nicht eingeladen. Er kam auf die Veranstaltung, wurde erkannt und musste wieder gehen. Das hinderte Teile der Debatte nicht daran, aus seiner bloßen Anwesenheit eine politische Nähe zu konstruieren.
- Michael Bröcker, Chefredakteur von Table Media, brachte etwa das gesamte Bedrohungspanorama in einem einzigen Tweet zusammen: „Gibt es eigentlich auch Bundeszwang gegen eine linke Bürgermeisterin, die Antisemitismus duldet, mit Enteignungsfantasien das Eigentumsprinzip der Marktwirtschaft verrät und mit Clan-Chefs feiert?“
Auschwitz, die Linke und „Lang lebe Israel“
- Den vielleicht bemerkenswertesten Beitrag lieferte allerdings Jörg Thadeusz – nicht auf X, nicht bei Nius und nicht in einer Springer-Kolumne, sondern in den Tagesthemen. Dort wandte er sich direkt an die Spitzen von SPD und Grünen und fragte, ob sie am kommenden 27. Januar überhaupt noch zum Holocaust-Gedenken des Bundestags gehen wollten, sollten sich ihre Berliner Landesverbände mit der Linken verbünden. „Wehret den Anfängen“ sei bei ihnen dann offenbar nur noch eine „Floskel für Feiertage“, der politische Alltag etwas anderes. Herausragende Vertreter der Linken seien „Feinde jüdischen Lebens“ und „dunkelrote Antisemiten“.
Bemerkenswert ist, womit Thadeusz das begründet. Er nennt eine Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister der israelischen Stadt Bat Jam, den Auftritt eines Rappers mit „Death to the IDF“ und „Yalla Yalla Intifada“ – und beendet seinen Kommentar mit einer Solidaritätsadresse an Israel: „Am Israel Chai. Lang lebe Israel.“
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Was diese Reaktionen zeigen
Es wäre zum Schreien, wenn es nicht so ernst wäre. Denn der gesamte Vorgang zeigt ziemlich gut, was gerade schiefläuft.
- Israel und jüdisches Leben werden gleichgesetzt
Durch die gesamte Debatte zieht sich eine fatale Gleichsetzung: Israel ist jüdisches Leben, jüdisches Leben ist Israel. Kritik an der israelischen Regierung oder ihrer Armee erscheint damit als Angriff auf Jüdinnen und Juden insgesamt. Das ist nicht nur analytisch falsch. Es kann selbst eine antisemitische Logik reproduzieren: Jüdinnen und Juden werden auf ein bestimmtes Verhältnis zu Israel festgelegt. Ihnen wird gewissermaßen vorgeschrieben, wie sie sich als Juden zu Israel, zum Zionismus oder zum Krieg in Gaza zu verhalten haben. Wer sich nicht mit der israelischen Regierung identifiziert, sie scharf kritisiert oder den Krieg in Gaza ablehnt, passt dann nicht mehr in das Bild dessen, was als „jüdisch“ gelten soll. Dabei gibt es selbstverständlich sehr unterschiedliche jüdische Positionen zu Israel und Gaza, darunter auch viele jüdische Stimmen, die die israelische Regierung ablehnen, gegen den Krieg protestieren oder von einem Genozid sprechen. Diese Vielfalt verschwindet, sobald „jüdisches Leben“ praktisch mit dem Staat Israel gleichgesetzt wird.
Thadeusz führt diese Logik in den Tagesthemen besonders deutlich vor. Er spricht von „Feinden jüdischen Lebens“, nennt als Belege aber einen Konflikt mit einem israelischen Politiker und Parolen gegen die israelische Armee. Besonders befremdlich ist, dass Thadeusz seine Gleichsetzung von Israelkritik und Judenfeindlichkeit auch noch mit Auschwitz und dem 27. Januar auflädt. - Deutschland bekommt die Nahostdebatte kaum noch auseinander
Wie weit der Antisemitismusbegriff inzwischen gedehnt wird, führte mir kurz vor der Wahl ein CDU-Politiker selbst vor. Auf meine Kritik an den Vorwürfen gegen die Linke präsentierte Nico Büschgen mir als Beweis für deren angeblichen Antisemitismus ein Plakat mit der Aufschrift „Freiheit für Palästina“. Für diesen CDU-Politiker ist also schon die Forderung nach einem freien Palästina antisemitisch.
„Death to the IDF“ kann man brutal, martialisch und völlig daneben finden. Niemand sollte sich den Tod anderer Menschen wünschen. Aber eine Parole gegen eine Armee ist nicht automatisch Judenhass. Wenn „Freiheit für Palästina“, radikale Kritik an der IDF und Protest gegen israelische Rüstungsunternehmen gleichermaßen zum Antisemitismusproblem werden, verliert der Begriff seine Trennschärfe. Der Linguist Friedemann Vogel brachte diese Entwicklung auf X so auf den Punkt: „‚Antisemitisch‘ ist das neue ‚extrem‘ oder ‚radikal‘, instrumentalisiert von Rechtskonservativen und Nationalisten. Mit fatalen Folgen für die Bekämpfung von Judenfeindlichkeit.“ - Wer ständig über „linken Antisemitismus“ spricht, muss weniger über Gaza sprechen
Auch das ist eine politische Funktion dieser Debatte. Statt über den Genozid in Gaza und die deutsche politische und militärische Unterstützung Israels zu sprechen, kreist die deutsche Öffentlichkeit immer wieder um die Frage, ob ein Palästina-Symbol, eine Parole gegen die IDF oder Protest gegen einen israelischen Rüstungskonzern antisemitisch sei.
Damit verschiebt sich die Debatte: Nicht mehr Israels Krieg in Gaza und Deutschlands Rolle dabei stehen im Zentrum, sondern die Frage, welche Kritik an Israel überhaupt noch zulässig ist. Gerade für Deutschland ist das ausgesprochen bequem, schließlich muss sich die Bundesregierung vor dem Internationalen Gerichtshof selbst gegen den Vorwurf verteidigen, durch ihre Unterstützung Israels Beihilfe zum Völkermord geleistet zu haben. - Hinter Hamas und Antisemitismus taucht erstaunlich oft die Eigentumsfrage auf
Auffällig ist, wie schnell die aktuelle Debatte bei der Eigentumsfrage landet. Michael Bröcker von Table Media spricht von „Enteignungsfantasien“ und einem Verrat am „Eigentumsprinzip der Marktwirtschaft“. Alexander Kissler von Nius warnt vor den „Enteignern“, Nikolaus Blome vor Wohnungsunternehmen, die Berlin verlassen könnten, Ulf Poschardt vor der Rückkehr der DDR.
Die Antisemitismuskeule ist in diesem Zusammenhang ziemlich durchschaubar: Eine linke Bürgermeisterin, die die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne durchsetzen will, soll verhindert werden. Dafür wird der Druck auf SPD und Grüne maximal erhöht. Eine Koalition mit der Linken soll nicht als politische Entscheidung über Mieten, Eigentum oder Verkehr erscheinen, sondern als moralischer Tabubruch.
Es ist nicht gerade appetitlich zu sehen, wie ausgerechnet in Deutschland Antisemitismusvorwürfe für politische Zwecke instrumentalisiert werden. - Das Hufeisen hat eine Lieblingsseite
Solange die bürgerliche Mitte selbst regiert, lässt sich bequem behaupten, links und rechts seien zwei gleichermaßen gefährliche Extreme. Interessant wird es erst, wenn diese Mitte ihre Mehrheit verliert und sich entscheiden muss.
Dann zeigt sich bei manchen erstaunlich schnell, wohin die Präferenz geht: nach rechts. Ulf Poschardt spricht es besonders offen aus. Die Berliner Linke sei „in nahezu jeder Hinsicht gefährlicher und radikaler“ als die AfD in Mecklenburg-Vorpommern; die „eigentliche Gefahr“ sei nicht 1933, sondern 1949.
Auch der Vergleich mit dem AfD-Sieg in Mecklenburg-Vorpommern ist aufschlussreich. Nach Erfolgen der AfD heißt es in der bürgerlichen Presse regelmäßig, man müsse die Sorgen ihrer Wählerschaft ernst nehmen und verstehen, warum sie so gewählt habe. Nach dem Sieg der Linken werden deren Wähler dagegen behandelt, als seien sie entweder Idioten oder Antisemiten. Das Hufeisen hat also eine Lieblingsseite. Oder einfacher: Poschardt hat offenbar mehr Angst vor günstigen Mieten als vor Faschismus. - Zumindest diesmal hat es nicht funktioniert
25,7 Prozent, stärkste Kraft, mehr als doppelt so viel wie 2023. Die Menschen in Berlin hatten die Warnungen vor SED, Hamas, Antisemitismus, Putin, Clan-Kriminalität, Enteignung und DDR gehört. Sie haben trotzdem die Linke gewählt.
Das ganze Medientheater zieht nicht mehr – zumindest nicht in Berlin und zumindest nicht diesmal.
Kommentar Sven Nossek
Die 4 Stimmen von Berlin im Bundesrat sind die 4 Stimmen die noch fehlen, um die Arbeitsgruppe zur Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens zu starten.
Und ganz überraschend versuchen jetzt sämtliche nicht-progressiven Medien (und die gesamte konservativ-rechte Bubble) ganz dringend, eine rot-rot-grüne Regierung zu verhindern.
Nicht falsch verstehen: Die Linke hat Probleme und muss die auch thematisieren und aufarbeiten. Aber da werden gerade Sachen aufgebauscht als ginge es darum, die physische Existenz des Planeten zu retten, während die Leute, die zumindest die physische Bewohnbarkeit des Planeten aktiv torpedieren als ganz normale Leute behandelt werden, mit denen man ja mal reden muss.
Wild.Aber durchschaubar.
Prof. Dr. Harro Heilmann, LinkedIn
Es ist schon manchmal so ein Ding mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ein solches Ding, dass ich neben meinem spitzen Kommentar zum Kommentar Jasper von Altenbockums (https://lnkd.in/p/e5_mg7xG) gleich nochmal einen Artikel hinterherschicken muß.
Rechts oben im HULK-Kommentar, das der SPD und den Grünen empfohlene Koalitionsverbot mit der Linken bei eklatanter Missachtung des Wählerwillens, zumal der absoluten Mehrheit bei den Jungen und der Mehrheit bei den Frauen … und das alles trotz in Berlin gefühlter #Lebensrealität.
Rechts darunter, im zweiten Erstseiten-Kommentar von Stephan Löwenstein, die Empfehlung in Sachsen-Anhalt den #Wählerwillen zu beachten …
Ich beginnen den Tag mit nicht auflösbarer kognitiver Dissonanz. Ich glaube, ich brauche dringend den Trance-Effekt von Linnemanns #Dampfplauderei.
Die Kampagne gegen Rot Rot Grün ist in vollem Gange.
Vergesst alles, was Axel Springer & Co. gegen die Ampel und Robert Habeck aufgefahren haben, die nächsten Wochen werden das in den Schatten stellen.
Angeführt von dem reichweitenstarken rechten Bodensatz dieser Gesellschaft auf Elon Musks Propagandaplattform X ist eine Kampagne angerollt, die weniger die Linke als Partei als viel mehr jegliche progressive Regierungsoption zum Ziel hat.
Deutschlands versammelte Rechtsradikale - Ostermann, Poschardt, Alsleben und wie sie alle heißen - fantasieren wahlweise das Kalifat herbei, bereiten sich auf die sozialistische Diktatur vor oder gratulieren der Hamas zum Wahlsieg. Man kann sich diesen Meltdown in der Jauchegrube X wirklich nicht vorstellen.
Das wäre per se gar nicht so dramatisch, diese Leute verdienen schließlich ihr Geld damit, Katastrophen herbeizufantasieren und dann darüber Bücher zu schreiben, aber diese Kampagne hat längst bürgerliche und teilweise sogar progressive Kreise erreicht.
In der SZ erscheinen Artikel, ob jüdische Menschen in Kreuzberg noch sicher sind, grüne und sozialdemokratische Parteisoldaten fordern lautstark von ihren Parteien, mit DIESER Linkspartei nicht zu koalieren und selbst ARD und ZDF springen auf diesen absurden Zug auf und lassen sich vor den Karren der Rechten spannen.
Dabei ist wirklich interessant zu beobachten: 90% der Leute, die lautstark vor sich hertröten, dass die Linke in Berlin aus Antisemiten besteht, können gar nicht so genau benennen, woran sie das festmachen.
Da hat der (in der Tat problematische) Bezirksverband Neukölln mal irgendjemanden eingeladen oder ein MdB hat mit einem Clanmitglied Nachrichten ausgetauscht und solche Informationsfetzen genügen dann, um die Partei als Ganzes zu diskreditieren und die Linke nicht nur mit der AfD gleichzusetzen, sondern sie als weit schlimmere Gefahr für die Demokratie darzustellen.
Es ist wirklich spannend zu beobachten, welches Wahlergebnis bei wem für größere Schnappatmung gesorgt hat - so haben die rechten Lautsprecher alle sehr besonnen auf die AfD in Sachsen-Anhalt reagiert, während sie sich seit Sonntag kollektiv in ihre Schießer-Feinripp-Unterhemden machen.
Wir kennen dieses Playbook übrigens: Von Zohran Mamdani aus New York. Auch diese Kampagne kam mit Ansage - und auch sie ist ins Leere gelaufen, weil die Menschen diese völlig hirnverbrannte Propaganda nicht mehr geglaubt haben. Mamdani ist auch nach der Wahl gelassen geblieben und gut mit den absurden Vorwürfen umgegangen, es bleibt zu hoffen, dass die Linke das ebenso tut und sich nicht von Springer & Co. in einen absurden Abwehrkampf ziehen lässt.
Viel wichtiger ist aber, dass SPD und Grüne standhaft bleiben und nicht noch mehr Glaubwürdigkeit im progressiven Lager verspielen, indem sie jetzt in Berlin mit der CDU koalieren, weil der Druck des rechten Lagers zu hoch wird. Wenn das passiert, ist Rot Rot Grün für die kommenden Jahre verunmöglicht - und genau das ist das Ziel dieser Kampagne.
Dr. Jannis Julien Grimm / LinkedIn
Die Art und Weise, wie nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin berichtet wird, offenbart redaktionelle Abgründe
Journalistische Standards scheinen völlig über Bord geworfen zugunsten einer tendenziösen Berichterstattung, die mal so eben eine gesamte Partei zu Antisemiten erklärt.
Eine ähnliche Empörung würde man sich über die Stimmenzuwächse einer offen echtsextremen Partei in MV und Berlin wünschen.
- In der Berliner Zeitung wird die Partei pauschal als Kommunisten, Antisemiten und Extremisten geframed.
- Beim Verlag Der Tagesspiegel wird die Partei per Sondernewsletter aus der Chefredaktion gleich noch mit der AfD in einen Topf geworfen.
Das ganz bewusste Framing - und das ist es, wie aus dem Bilderbuch - einer demokratischen Partei in dieser Weise ist nicht nur beschämend, sondern offenbart auch die Tiefe Kluft zwischen vor allem jungen Wähler*innen und denjenigen, die in der Hauptstadt Presse machen.
Es beschädigt überdies zudem das Vertrauen in demokratische Prozesse und ist Wasser auf den Mühlen reaktionärer Kräfte wie der AfD, die mit dem Feindbild "links" punkten und sich vom Vorwurf des Antisemitismus reinwaschen.
„Die
Debatte hat die Funktion, die Linke zu schwächen“
http://www.taz.de/Linke-und-Antisemitismus/!6215302/
http://www.taz.de/Linke-und-Antisemitismus/!6215302/
Weitere
Diskussionen über Antisemitismus in Linkspartei
https://www.deutschlandfunk.de/weitere-diskussionen-ueber-antisemitismus-in-linkspartei-100.html?utm_source=flipboard&utm_content=topic/de-nachrichten
https://www.deutschlandfunk.de/weitere-diskussionen-ueber-antisemitismus-in-linkspartei-100.html?utm_source=flipboard&utm_content=topic/de-nachrichten
Warnungen
vor Koalition mit der Linken
https://www.tagesschau.de/inland/linke-berlin-antisemitismus-100.html?utm_source=flipboard&utm_content=topic%2Fde-nachrichten
https://www.tagesschau.de/inland/linke-berlin-antisemitismus-100.html?utm_source=flipboard&utm_content=topic%2Fde-nachrichten
Und plötzlich wird den anderen Parteien klar: Es geht ums Geld
https://www.stern.de/politik/deutschland/der-eigentliche-linken-erfolg-ist-nicht-der-berliner-wahlsieg-38293004.html?utm_campaign=deutschland&utm_medium=rssfeed&utm_source=flipboard
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