Dienstag, 8. September 2026

Forschungsergebnisse übernommen, aber völlig falsch interpretiert...

Susanne Goetz /LinkedIn

Jetzt gibt es ein spannendes Update zum TUM-Papier von der Leiden University, an der ich meine Bachelorabschlüsse gemacht habe. Die Münchner haben nämlich an zentraler Stelle Forschungsergebnisse der Uni Leiden zitiert, aber völlig falsch interpretiert, wie jetzt Prof. Arnold Tukker kritisiert. Die Einordnung aus Leiden ist eindeutig: »Unsere Studie kommt zu Schlussfolgerungen, die dem widersprechen, was die Pressemitteilung der TUM und die anschließende Medienberichterstattung nahelegen.« 

Viele gute Texte zur Kausa TUM haben schon die richtigen Fragen gestellt, etwa nach Verflechtungen mit anderen Akteuren in München oder einem mangelnden Peer-Review. 

Schaut man sich die Studie im Detail an, liest sich das Ergebnis: Vollelektrische Autos schneiden unter allen Bedingungen durchweg besser ab als Verbrenner. Das als Schlagzeile angeführte Ergebnis, E-Autos würden im Lebenszyklus nur 41% der Emissionen gegenüber einem Benziner reduzieren, weist dagegen erhebliche Mängel auf. 

Die Debatte um Lebenszyklusemissionen (LCA) ist fast so alt wie das E-Auto selbst und wird immer wieder von denselben Industrieverbänden und ihren politischen Verbündeten propagiert.

Die Meta-Analyse aus München unterschätzt systematisch die Vorteile von E-Autos, zum Beispiel den immer grüneren Strommix. Unseren Berechnungen zufolge lag der Emissionsvorteil eines E-Autos 2022 bereits bei 69%. Das ICCT kommt für 2025 sogar schon auf 73% Emissionsreduktion. Ich musste übrigens beim Lesen schmunzeln, da die Studie (bzw. deren Kommunikation der Uni) Anspruch auf eine realitätsnähere Analyse der Emissionen erhebt, als es die Flottengrenzwerte tun - dann aber Studien nutzt, die nur Laborergebnisse der Emissionen von Verbrennern heranziehen - und nicht Realwerte. 

Was bleibt? Diese Debatte wird keine Jobs in Deutschland retten oder die Automobilindustrie besser für die Zukunft aufstellen. Statt die Verbraucher:innen mit irreführenden Schlagzeilen zu verunsichern, sollten sich Söder und Co. um Industriepolitik kümmern, die unserer Industrie und vor allem dem Erhalt von Arbeitsplätzen und Wettbewerbsfähigkeit wirklich helfen kann

Die Bundesregierung könnte sich etwa für einen effektiven Industrial Accelerator Act stark machen. Als europäische Antwort auf den veränderten Welthandel sieht der #IAA nämlich vor, dass öffentliche Förderung und Steuervorteile stärker an europäische Produktion geknüpft werden – insbesondere bei E-Autos und Batterien. Wie unsere Automobilindustrie in diesen Bereichen stark bleiben und werden kann, ist die Debatte, die wir führen sollten. 


Jürgen Schultheis / LinkedIn

Ich gebe zu, dass Fakten zunehmend an Bedeutung verlieren, lieber Mark Misselhorn, aber aufgeben will ich deshalb nicht. In einem Jahr, in dem 16.000 Menschen als Folge des durch #CO2 ausgelösten Klimawandels in Deutschland gestorben sind, möchte ich ein paar Fakten nennen:

  1. Der Verkehr in Europa ist der einzige Bereich, in dem die Treibhausgasemissionen in den letzten drei Jahrzehnten zugenommen haben. Zwischen 1990 und 2019 stiegen sie um 33,5 Prozent. 

  2. 71% der Verkehrsemissionen im europäischen Straßenverkehr entfallen auf Pkw, Lkw und leichte Nutzfahrzeuge. Der Kohlendioxidausstoß im europäischen Straßenverkehr hat 2025 einen Höchststand von fast 800 Millionen Tonnen CO₂ erreicht.

  3. In Deutschland ist der Anteil des Verkehrs an den Gesamtemissionen von 13,1% (1990) auf 22,3% (2024) gestiegen. 

  4. Der Verbrennungsmotor ist energetisch ineffizient, weil er nur 30% der Primärenergie in kinetische Energie umsetzt (Fahrleistung). Der Durchschnittsverbrauch aller zugelassenenn Pkw in Deutschland liegt seit Jahren unverändert bei rd 7 Litern und müsste im Blick auf die Klimaziele bei 2 Litern liegen. 

  5. 7 Liter entsprechen etwa 64 kWh auf 100 km für den Verbrennungsmotor. Ein Tesla Modell 3 benötigt für die gleiche Strecke 15 kWh!

  6. Bei der Verbrennung im Motor entstehen je Liter fossilen Kraftstoffs rd 3,5 kg CO2, von dem die Hälfte nach 30 Jahren in den Kohlenstoffkreislauf eingeht, die andere Hälfte mehrere tausend Jahre (!) in der Atmosphäre verbleibt.

  7. Der Verkehrssektor wird laut Expertenrat für Klimafragen (Mai 2026) bis 2030 sein zulässiges CO2-Budget um 187 Mio t überschritten haben. „Das Budgetziel für den Zeitraum von 2021 bis 2030 würde im Sektor Verkehr damit deutlich verfehlt werden.“

  8. Der Verbrennungsmotor zementiert die Abhängigkeit Deutschland von fossilen Energieträgern, die in autokratischen und diktatorischen Ländern eingekauft werden und verlagert die Wertschöpfung ins Ausland. 

  9. Das Jahresmittel der Lufttemperatur ist im Flächenmittel von Deutschland von 1881 bis 2025 statistisch gesichert um 2,5 °C angestiegen, berichtet der Deutscher Wetterdienst. "Die neun wärmsten Jahre seit 1881 sind nach dem Jahr 2000 aufgetreten. Die Temperaturen in Deutschland sind damit deutlich stärker gestiegen als im weltweiten Durchschnitt (etwa 1,4 °C).

  10. Deutsche Meteorologische Gesellschaft e.V. (DMG), Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V. (DPG) und die Gesellschaft deutscher Chemiker warnen, dass sich der Planet angesichts dieser Entwicklung bis 2050 um katastrophale 3° C erwärmen könnte.

Der Verbrennungsmotor ist tot und sein Betrieb unverantwortlich. Das Aus für diese fahrende Heizung (30% kinetische Energie, 70% Wärmeenergie) ist die beste Methode, CO2 zu reduzieren und Abhängigkeiten vom Ausland zu verringern. 

Ihre Argumentation und der Beifall unter Ihrem Post ist deshalb wissenschaftlich nicht haltbar und kontraproduktiv - und vermutlich interessegeleitet! (CAPHENIA #SAF !)




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen