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Donnerstag, 27. Oktober 2022

Energiewende versus Artenschutz – deutsche Vorreiter zeigen, wie die Versöhnung gelingen kann

 Geo hier  von Fred Langer  26.10.2022

Windräder töten Vögel, Solarparks versiegeln Landschaften – sind Klima- und Artenschutz auf Kollisionskurs? Nein, ganz im Gegenteil. Eine Reise durch die neuen deutschen Energielandschaften zeigt: Die beiden großen Herausforderungen der Zukunft lassen sich in gutem Einklang miteinander lösen.

Wir haben einiges vor, als Menschheit. Zwei Jahrhundertprojekte stehen an, die wir gleichzeitig bewältigen müssen, und zwar schnell, sehr schnell. Zum einen den Schutz des Klimas, den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe also, um die Erderwärmung zu begrenzen. Zum anderen den Erhalt der Tier- und Pflanzenarten, deren Ausrottung in einem schockierenden Ausmaß und Tempo voranschreitet – der Kollaps ganzer Ökosysteme bedroht mittlerweile unsere Lebensgrundlagen.

Die Collage illustriert, was Biolog*innen vor Ort erforschten: Im Solarpark Klein Rheide sind Arten wie Dunkle Erdhummel, Pappelschwärmer und die bedrohte Feldlerche heimisch geworden
Die Collage illustriert, was Biolog*innen vor Ort erforschten: Im Solarpark Klein Rheide sind Arten wie Dunkle Erdhummel, Pappelschwärmer und die bedrohte Feldlerche heimisch geworden

© Lêmrich, Montage: David Kern

Klimakrise abwenden, das massenhafte Artensterben verhindern: Steht das eine in Konkurrenz zum anderen, weil etwa Windkraftanlagen Vögel töten und Fotovoltaikparks die Landschaft versiegeln? Nein, wir können saubere Energie erzeugen und gleichzeitig sogar die Artenvielfalt stärken. Wir können neue Kulturlandschaften erschaffen, die Unmengen sauberen Stroms erzeugen und gleichzeitig Tieren und Pflanzen ein Überleben ermöglichen.

Eine optimistische Zukunftsvision? Ja. Aber eine, die sich bereits besichtigen lässt.

Samstag, 23. Juli 2022

"Wasserstoff - teurer Kaviar der Energiewende"

 efahrer hier  22. Juli 2022 | Aslan Berse

Ministerin stellt Wasserstoff-Plan vor: Aus der Forschung gibt's Gegenwind

Wasserstoff Technologien gelten als Schlüssel zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft.

Deutschland, die Wasserstoffrepublik. Darauf hofft Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger. Sie sieht in grünem Wasserstoff die Chance die Energiewende zu meistern und Deutschland in Zuge dessen zum Vorreiter der Technologie zu machen. Experten reagieren darauf mit Ernüchterung.  

Wasserstoff hat viele Vorteile. Vor allem bietet er eine saubere und nachhaltige Möglichkeit Energie zu speichern. In Deutschland existiert bereits eine Vielzahl an Pilotprojekten, die mit Wasserstoff arbeiten. Im neu vorgestellten "Wasserstoff Atlas" können Interessierte sich zu diesen Projekten interaktiv informieren.

Das freut Forschungsministerin Stark-Watzinger, die bei der Vorstellung des Wasserstoff Atlas die Wichtigkeit der Wasserstoff-Technologie für die Bewältigung der Energiewende hervorgehoben hat. Damit soll die Klimaneutralität bis 2045 erreicht und Deutschland zum globalen Vorreiter und Exporteur der Technik werden.

Einfacher gesagt als getan

Gegenwind gibt es aus der Forschung. Nicht, weil die Technologie keinen Sinn macht, sondern weil die Umsetzung nicht so einfach ist, wie es sich die Politik wahrscheinlich wünscht. Professor für regenerative Energiesysteme der HTW Berlin Volker Quaschning erklärte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk: „Für Wasserstoff braucht man erneuerbare Energien, um ihn herzustellen. Wasserstoff kann man nicht fördern, wie Erdgas irgendwie aus der Erde rausholen. Und wir haben in Deutschland erst 20 Prozent erneuerbare Energien.“

Damit gehe der Ausbau der Wasserstoff Systeme mit dem Ausbau der Gewinnung erneuerbarer Energien einher. Von daher schätzt Quaschning eine schnelle Lösung der Energiekrise oder der Abhängigkeit von russischem Gas durch den Fokus auf Wasserstoff als unrealistisch ein.

Es wird Zeit und Geld kosten

Die Wasserstofftechnologie wird auch nach Expertenmeinung essenziell für die Energiewende sein. Zum Beispiel für klimaneutrale Stahlproduktion, Langstreckenflüge und Energiespeicher kann sich Prof. Quaschning zukünftig keine nachhaltigen Alternativen als Wasserstoff vorstellen. Dennoch gibt es derzeit eine große Herausforderung für den flächendeckenden Einsatz: „Wasserstoff ist vielleicht nicht der Champagner, aber der Kaviar der Energiewende. Es ist einfach unendlich teuer.“, so Quaschning.

Seiner Einschätzung nach ist die Wasserstoff Technologie ein wichtiges Instrument in der Bewältigung der Energiewende. Das Potenzial ist enorm, allerdings dürfen andere, funktionierende und nachhaltige Technologien wie zum Beispiel Wärmepumpen und Batterien, nicht vernachlässigt werden.

Samstag, 4. Juni 2022

Störfeuer an der Staumauer

 29.05.2022  |  VON WALTHER ROSENBERGER WALTHER.ROSENBERGER@SUEDKURIER.DE

hier Wasserkraft in Deutschland

Wenn Manfred Volk Gästen zeigen will, wie es um die Wasserkraft in Deutschland bestellt ist, bittet er zum Rapport an seine Weltkarte. Sie hängt in seinem Büro im südbadischen Städtchen Gutach und zeigt die Wasserkraftwerke, die Volks Unternehmen WKV in den letzten Jahrzehnten errichtet hat. Ein Fähnchen auf der Karte ist ein abgeschlossenes Projekt. In Mittelamerika stecken viele davon. In Südostasien, in Indien und in Zentralafrika auch. Auf dem Balkan prangt gar ein ganzer Fähnchenwald. Nur in Deutschland sieht es übersichtlich aus.

„Mehr als 90 Prozent unserer Wasserkraftturbinen stehen im Ausland“, sagt Volk. „Dabei könnte man direkt vor der Haustür so viel machen.“ Allein im Schwarzwald könnten Hunderte Kleinanlagen errichtet werden und sauberen Strom für die Energiewende liefern, sagt der Unternehmenschef. Die Wahrheit aber sei: „Wenn wir Pech haben, ist die Wasserkraft in Deutschland bald tot.