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Dienstag, 5. März 2024

Bitte nicht schon wieder: FLÄCHENFRASS-PARAGRAPH 2.0 - DER § 246e BauGB

2 Dinge fallen mir spontan ein: wurde der §13b nicht deshalb gekippt, weil er mit Europäischem Recht unvereinbar war? Wieso sollte das jetzt beim § 246e anders sein? Oder wird er auch einfach mal in Kraft gesetzt, bis die Rechtsprechung dann in ein paar Jahren reagieren kann?
Und dann eine Nachricht aus verlorenen geglaubten Zeiten: Eine Zusammenarbeit zwischen Landesbauernverband und Landesnaturschutzverband wird fortgeführt - der reine Wahnsinn!

Ländle- Newsletter 6  hier | 26.02.2024   

Liebe Landwirt*innen Naturschützer*innen, engagierte Bürger*innen,  unter Missachtung bisheriger Planungsabläufe, demokratischer Beteiligungsprozesse und des kommunalen Initiativrechts soll der gesamte Außenbereich potenzielles Bauland für den Geschosswohnungsbau werden. 

In den nächsten Jahren könnten in den Städten, aber auch im Umland und in ländlichen Regionen größere Wohnungsbauvorhaben unter Umgehung bauplanungsrechtlicher Regelungen und kommunaler Satzungen genehmigt werden. 

Der neue Absatz e) soll – befristet bis Ende 2026 – Ausnahmeregelungen für den Bau von Wohngebäuden ab sechs Wohnungen schaffen. Grundlegende Regelungen des Planungsrechts werden dabei im Sinne der Beschleunigung außer Kraft gesetzt, etwa die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Öffentlichkeitsbeteiligung. 

Ziel: Trabantenstädte?  Klingt wie der bisherige § 13b. 

er Verzicht auf eine Prüfung, ob Interessen gut abgewogen sind und ob das Gemeinwohl berücksichtigt ist, war und ist keine besonders gute Idee.  Die Gemeinden wollen sich in ihrem Siedlungsbereich entwickeln, allein: es fehlen die Instrumente zur Thematik des Baulückenschlusses, der Brachflächenaktivierung und der Innenentwicklung.  

Wie wäre es, die Innenentwicklung endlich zur Regel zu machen? „Innen first, außen second!“

Es wäre Zeit, dass das auch in der gebauten Realität ankommt. Wie Studien gezeigt haben, liegen hier Potenziale zur Schaffung mehrerer 100.000 Wohnungen in Baden-Württemberg. 
Die Bereitstellung von ausreichendem Wohnraum ist unverzichtbar. Allerdings muss vermieden werden, dass weiterhin v.a. am Siedlungsrand bzw. im Außenbereich gebaut wird und die Innenentwicklung, das heißt das tatsächliche Wohnungspotenzial des Innenbereichs nur nachrangige Berücksichtigung findet.   

Der Umgang mit dem § 13b BauGB hat deutlich gezeigt: Dafür, wofür dieser Paragraph verwendet worden ist, wurde er nicht gemacht. Durch eine Fortführung der bisherigen Baulandpolitik mit erleichtertem Zugriff auf Siedlungsrand und Außenbereich droht nicht nur den landwirtschaftlichen Betrieben, dass noch schneller und noch mehr Fläche in Anspruch genommen wird. 

Dass Bauern und Naturschützer protestieren liegt nahe. Aber auch Architekten, Wissenschaftler und  Raumplaner sehen die Planungsqualität und eine geordnete Raumentwicklung gefährdet. Und selbst die vermeintlich Begünstigten dieser Regelung wie der Mieterbund und die Kommunalen Spitzenverbände lehnen den Paragraphen ab.  Gerade mit der Priorisierung der Außenentwicklung tragen solche Vorschriften zur weiteren Flächeninanspruchnahme bei. 

Experten halten es für zweifelhaft, ob solche Regelungen überhaupt die erhebliche Hebelwirkung für das Ankurbeln des Wohnungsbaus haben können. Zu Recht fordert auch die Bundesarchitektenkammer: „Wir brauchen kompakte Siedlungen mit einer effektiven Infrastruktur, wir können … nicht die Ränder unserer Siedlungen einem zerstörerischen Wildwuchs preisgeben – wider jede Baukultur!“  Seien Sie sicher, wir, das Bündnis des Volksantrags Ländle leben lassen, werden weiterhin Alles tun, um sich gegen diesen Paragraphen zu wehren. Wir setzen uns weiterhin für den Schutz der Natur- und Landwirtschaftsflächen ein. 

Rückenwind in dieser Debatte bringt uns hoffentlich die Übergabe der gesammelten Unterschriften an den Landtag, welche am 1. März stattfindet. Infos hierzu und zu weiteren Themen finden Sie in diesem Newsletter.   

Ihr Michael Schulz,  Kommunalreferent Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V.  

Ihre Ingrid Hagenbruch, 1. Vorsitzende Bundesbündnis Bodenschutz e.V.   

Ihr Dr. Gerhard Bronner, Vorsitzender Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V.

Samstag, 29. Juli 2023

Kommunaler Flächenrechner und Broschüre "Bauland und Innenentwicklungspotenziale"

Liebe Bodenschützer*Innen,

 möglicherweise ist das schon bekannt, ich möchte trotzdem darauf hinweisen:

das UBA macht ein Monitoring für die Kommunen in ganz Deutschland, in dem man sowohl den aktuellen Flächenverbrauch der letzten Jahre sehen kann, als auch einen Vergleich der Flächenkontingente, die der Gemeinde zustehen, wenn wir alle gemeinsam das 30 Ha Ziel bis 2030 schaffen wollen.  Auch wenn diese Kartierung nicht alle Wahrheiten enthält, sieht man, wo am meisten Fläche verbraucht wird. Das sind oft ländliche Regionen, wo man nach wie vor viel zu verschwenderisch  mit dem Boden umgeht.

links und unten : Beispielhaft wird Salem dargestellt

hier  geht`s zum Kommunalen Flächenrechner

Aber es gibt auch ein Positiv-Bespiele:

Ein Kreis in Nordwestbayern hat in den vergangenen 20 Jahren eine sehr erfreuliche Umkehr geschafft und kann mittlerweile Vorrechnen, wieviel Geld und Fläche sie dadurch gespart hat. Die Gemeinden im oberen Werntal haben sich für viele Themen zusammengeschlossen (Interkommunale Allianz) und profitieren so von vielen positiven Effekten: Auch was die Fläche angeht.

In einem Bericht von SWR Wissen wurde auch der Bürgermeister von Wallmerod im Westerwald genannt, der sogar ein Verbot von Neubaugebieten auferlegt hat (soweit geht man in Bayern nicht). Wenn man sich den Ort auf  google-Maps ansieht, versteht man auch schnell warum: Es gibt jede Menge Baulücken, hier wäre eine weitere Außenentwicklung fatal.

Sicherlich sind diese ländlichen Beispiele nicht auf alle unsere regionalen Gegebenheiten übertragbar. Aber dass auch Städte riesiges Innenentwicklungspotential haben, ist mittlerweile wissenschaftlicher Konsens.

Bauland- und Innenentwicklungspotenziale in deutschen Städten und Gemeinden  hier  

Montag, 14. November 2022

Das Bundesbündnis Bodenschutz wendet sich an Minister Özdemir

Sehr geehrter Herr Minister Özdemir,

 

Für den dringend notwendigen Ausbau von Photovoltaik bitten wir Sie eine Regelung zu schaffen, die die absolut vorrangige Nutzung bereits versiegelter Flächen verbindlich vorschreibt.

Wir können die Energiewende meistern, wenn wir die reichlich vorhandenen Potentiale für PV auf Dächern, Fassaden , Parkräumen , über Strassen, Gleis-Trassen , auf sonstigen versiegelten Flächen nutzen.

Unsere Böden und ihre wichtigen Funktionen müssen für Ernährung  und  Klimaschutz erhalten werden.
In der Anlage übersenden wir unser heutiges Schreiben mit der Bitte um Antwort.

Mit freundlichen Grüßen 

Ingrid Hagenbruch

  1.Vorsitzende







Sonntag, 14. August 2022

Position des Bundesbündnis Bodenschutz zur Freiflächen-Photovoltaik

 Pressemitteilung vom 10.08.2022 

Ausgangslage: Gesunde Böden mit ihren natürlichen Funktionen sind ein wertvolles Gut, das wir kommenden Generationen erhalten müssen. Böden speichern Wasser und tragen wesentlich zur Grundwasserneubildung bei, sorgen für natürliche Kühlung, binden enorme Mengen Kohlenstoff, erbringen also lebenswichtige Ökosystemleistungen und sind vor allem die wichtigste Grundlage für unsere Ernährung. 

Für den Erhalt dieser Böden und die Sicherung von Landwirtschaftsfläche setzen wir uns ein. Für einen wirkungsvollen Klimaschutz müssen fossile Energieträger so schnell wie möglich durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Photovoltaik wird als wichtiger Teil des Ausbaus der erneuerbaren Energien angesehen. 

Es mehren sich jedoch Stimmen, die Photovoltaikanlagen großflächig als sog. Freiflächen-PV (FF-PV) auf Acker- und Grünland installieren wollen. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die auf Gebäuden und über sonstigen bereits versiegelten Flächen vorhandenen Potentiale für PV mehr als ausreichend sind, um die Energiewende zu meistern.* Deshalb fordern wir, dass dieses Potential umgehend ausgeschöpft wird, bevor weitere Flächen mit FF-PV zugebaut werden. Dies muss jetzt gesetzlich verankert und umgesetzt werden. 

Kritikpunkte/ Gründe: Der unregulierte Freiflächen-PV-Ausbau löst beachtliche Nebenwirkungen aus, u.a.: 

 ➢ Verlust von Anbaufläche für die Erzeugung regionaler Lebensmittel. Durch langfristige Verträge entfällt die landwirtschaftliche Produktion in einem Zeitraum von bis zu 40 Jahren! Folge: noch mehr Anbauflächen werden anderswo auf der Welt z.B. durch Brandrodung von ökologisch und klimatisch wertvollen Naturflächen geschaffen, die Klimakrise wird indirekt befeuert. Dies ist letztlich klimaschädigend (vgl. Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt, NBS) 

Kaltluftproduktion und Luftaustausch nehmen ab, was für die klimatische Situation der Umgebung erhebliche negative Auswirkung hat 

➢ bei Starkregen kann der Boden unter Solarpaneelen nicht die gleiche Menge Regenwasser aufnehmen wie nicht überbauter Boden 

➢ Freiflächen-PV auf landwirtschaftlichen Böden und Grünland ist keine landwirtschaftliche Nutzung, sondern gewerbliche Nutzung, was zu einer Änderung im Planungsrecht führt 

➢ unsere Böden werden noch mehr zum Spekulationsobjekt; Investoren bieten ein Vielfaches der erzielbaren landwirtschaftlichen Erträge; der weitere Ausverkauf landwirtschaftlicher Produktionsflächen für andere Zwecke wird befördert 

Das Nachhaltigkeitsprinzip erfordert, Probleme – auch die Energiekrise - so zu lösen, dass dadurch nicht neue Engpässe entstehen, die uns und kommende Generationen über lange Zeit enorm belasten würden. Wir fordern daher: 

 ➢ Boden, auf dem Lebensmittel angebaut werden können, muss hierfür weiter vorrangig zur Verfügung stehen 

➢ die Zulassung der FF-PV kann nur unter der Voraussetzung einer sinnvollen Doppelnutzung als hochgeständerte Agrar-Photovoltaik (Agri-PV), z.B. im Gemüse-, Beerenobst- oder Apfelanbau erfolgen 

➢ Boden, auf dem als 2. Nutzungsart Agri-PV zugelassen wird, muss der landwirtschaftlichen Nutzung vorbehalten bleiben. Es darf keine Umwidmung zum „Gewerbegebiet“ erfolgen. Die Sondernutzung „Agri-PV“ darf lediglich als zusätzliche Nutzung zugelassen werden, die der landwirtschaftlichen Bestimmung unterzuordnen ist. Sie darf nicht Hauptzweck der Nutzung von fruchtbaren Flächen sein 

➢ Vorrang muss weiterhin der Anbau von Nahrungsmitteln haben! Wir fordern ferner eine Umweltprüfung der FF-PV-Anlagen (auch hinsichtlich der verwendeten Rohstoffe, deren Gewinnung und deren Entsorgung) sowie Berücksichtigung negativer Folgewirkungen
a. auf die natürlichen Lebensgrundlagen, auf Umwelt und biologische Vielfalt als existentielle Grundlagen des Lebens auch für künftige Generationen (Art. 20a GG)
b. auf die Kaltluftproduktionsleistung des Bodens
c. bezüglich der Erosionsgefahr (auch auf angrenzenden Flächen) d. auf die allgemeinen Funktionen des Naturhaushaltes 


Fazit: Freiflächen-PV darf auf Ackerflächen nur in Form von hochgeständerten Agri-PV-Anlagen installiert werden und nur dort, wo dies den jeweils angebauten Kulturen Nutzen bringt und dem Artenschutz nicht zuwiderläuft.
Gute Möglichkeiten und enormes Potential für PV-Anlagen bieten neben bereits versiegelten und bebauten Flächen z.B. Seiten-/Mittelstreifen und Lärmschutzwände an Verkehrswegen (Autobahnen, Straßen, Bahnlinien). Dies gilt es auszuschöpfen. 

Das Bundesbündnis Bodenschutz fordert deshalb die Entscheidungsträger dazu auf, alles zu tun, damit die Installation von PV-Paneelen auf bzw. über bereits versiegelten Flächen schnellstmöglich umgesetzt wird. Dadurch wird weiterer Verbrauch wertvollen Bodens durch Freiflächen-PV überflüssig. 

*Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, 2022 Harry Wirth, Fraunhofer ISE, www.pv-fakten.de

Sonntag, 8. August 2021

Das Bundesbündnis Bodenschutz, als bundesweiter Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, mit dem Ziel Landschaft und Boden als Ressource zu erhalten, erstellte einen Forderungskatalog, in dessen Mittelpunkt der Erhalt unserer Feldflur, wertvoller Böden und der Kampf gegen die ungebremste Versiegelung steht. Zur Bundestagswahl formulierte und versandte das Bundesbündnis dazu acht Schlüsselfragen an die zur Wahl stehenden Parteien bzw. Kandidaten.


 Es geht um die Nagelprobe: Welche Partei/en, welche Kandidaten  nehmen den  Bodenschutz ernst?

 

Acht Fragen an die Kandidaten:  Bitte mit ja/nein antworten (unzutreffendes löschen), bzw. max 3 Zeilen, danke!

1) Setzen Sie sich für eine gesetzliche Regelung zur Begrenzung des Flächenverbrauchs in Deutschland und Europa ein?        Ja/nein

2) Setzen Sie sich für eine Halbierung des Flächenverbrauchs in den nächsten 5 Jahren als verbindliches Zwischenziel auf dem Weg zum Netto-Null Verbrauch in Deutschland ein?  Ja/nein

3) Um den Wettbewerb um neue Gewerbeflächen zu entschärfen, könnte die Verteilung von Gewerbesteuer-Einnahmen reformiert werden. Kommunen, die ohne Verbrauch neuer Gewerbeflächen auskommen, sollten besonders belohnt werden. Unterstützen Sie diesen Ansatz?              Ja/nein

4) Ein ökologischer Ausgleich für Flächenverluste erfolgt derzeit gar nicht bzw. in fragwürdiger Weise. Setzen Sie sich dafür ein, dass für Verluste am Schutzgut Boden ein vollständiger Ausgleich durch Entsiegelung anderer Flächen verlangt wird?    Ja/nein

5) Wenn Sie abwägen zwischen Ausweisung von Feldflur für neue Gewerbeansiedelungen oder Erhalt der lokalen landwirtschaftlichen Flächen, was hat für Sie Priorität?

6) Trotz vorhandenem Innenraumpotential und verbreitetem Leerstand werden täglich neue Baugebiete ausgewiesen. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Ausschöpfung von Leerstandsreserven Voraussetzung für die Ausweisung neuer Baugebiete wird?                            Ja/nein

7) Wenn wir in ungebremstem Tempo weiter Flächen verbrauchen, gibt es in 75 Jahren keine landwirtschaftlichen Flächen mehr. Was löst diese Aussage konkret bei Ihnen aus?

8) Setzen Sie sich für die Streichung des § 13b BauGB (Bauland-Offensive) ein?     Ja/nein

Sonntag, 11. Juli 2021

Felder und Wiesen: Deutschlands Regionalpläne betonieren sie

 

Pressemitteilung

Die Regionalpläne legen den Grundstein für den Bodenverbrauch in Deutschland. In den Regionalverbänden, die  hierüber beschließen, sitzen u.a. Bürgermeister, Landräte und andere Kommunalpolitiker. Auf dieser Grundlage stellen Städte und Gemeinden ihre Flächennutzungs- und Bebauungspläne auf.
Durch neue Siedlungs-, Verkehrs-und Gewerbefläche geht immer mehr Boden für die Ernährung unzähliger Generationen unwiederbringlich verloren. Das Bundesbündnis Bodenschutz hat sich dem Schutz des Bodens verschrieben und macht auf die Misere "Regionalplanung ohne Einschränkungen" aufmerksam.

"Was im politischen Sprachgebrauch eher abstrakt als 'Flächenverbrauch' bezeichnet wird, ist in Wahrheit die Bebauung und Zerstörung der Böden, die uns ernähren. Anlässlich der Überarbeitung zahlreicher Regionalpläne in Deutschland muss dieses Thema auf den Tisch und zwar im Wahljahr" erklärt Ingrid Hagenbruch, Vorsitzende des Bundesbündnis Bodenschutz.

Viele Bürger*innen haben noch nie von einem Regionalplan gehört, geschweige denn sich dafür interessiert und wissen nicht, dass sie Eingaben dazu machen können. Interesse für die Politik wecken in erster Linie Wahlen: Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen. Das Thema Regionalplan erregt kaum Aufmerksamkeit.  Die Regionalverbände bzw. Bezirksregierungen als zuständige Behörden für die Regionalplanung, klingeln nicht an der Haustür, um auf Flächenplanung in der Umgebung hinzuweisen. Sie planen ja nur, umgesetzt wird es dann von den Städten und Gemeinden. Die Absichten der regionalen Gremien werden meist erst dann deutlich, wenn die Bürger von Bebauungsplänen  aus der Presse erfahren. Dann ist oft alles bereits „in Sack und Tüten“.

Bundes- und Landesregierungen sorgen zwar für die allgemeine Ausrichtung, doch wie dies vor Ort umgesetzt wird, beschließen fast immer die kommunalen Gremien. Und hier versucht die Lokalpolitik oftmals den Status Quo, "Weiter so wie bisher" so lange wie möglich zu erhalten. Weiterhin werden neue Siedlungsflächen auf bisherigen Vorrangflächen für Landwirtschaft  im Regionalplan ausgewiesen. Trotz Leerständen und leeren Innenstädten wird auf der grünen Wiese gebaut, als gäbe es keine Grenzen - zu Lasten von Umwelt und Klima. Die  CO2-Emissionen durch die Bauaktivitäten sind enorm.

Dass Deutschland Netto-Importeur von Lebensmitteln mit einer „tiefroten“ Bilanz ist, wie das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt berichtet hier, ist dabei nur ein lästiger, kleiner Neben-Fakt. Doch gute und regional produzierte Lebensmittel werden nicht nur in Deutschland immer gefragter. Die Politik scheint es jedoch wenig zu kümmern, wo unser Essen herkommt.

Deutschland verliert stetig Anbauflächen. Identitätsstiftende Kulturlandschaften, Ernährungsgrundlagen und Artenvielfalt schwinden. Tag für Tag verbraucht man hierzulande ca. 56 Hektar Boden, obwohl die Bodenfläche nicht vermehrbar ist und sie aufgrund des ansteigenden Meeresspiegels sogar ohne Bebauung schrumpft. 1,35 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche haben wir in den letzten 20 Jahren verloren. Dennoch, man möchte weiter in Beton-Gold, Industriegebiete und Umgehungsstraßen investieren. Die Regionalpläne geben es her. 

Das Ökosystem Boden ist aber im Verbund mit Wasser und Luft unsere überlebens-wichtigste Ressource. Kein Wasser, kein Boden, kein menschliches Leben. Sie zu vergeuden und für sekundäre „Bedürfnisse“ unter Beton zu begraben ist eine Gedankenlosigkeit, die unsere Kinder und Enkel bitter zu spüren bekommen werden, spätestens, wenn andere Teile der Welt ihren ebenfalls weniger werdenden Böden Priorität für die eigene Versorgung geben.

Ansprechpartner

Ingrid Hagenbruch, Vorsitzende

Frank Möller, Presse

Büro: Olbrichtstr.20, 69469 Weinheim 

Tel.: 06201/ 25 80 90

www.bundesbuendnis-bodenschutz.de

info@bundesbuendnis-bodenschutz.de

Bild von anncapictures auf Pixabay Erde

 

Mittwoch, 30. Dezember 2020

§ 13b BauGB - Baulandmobilisierungsgesetz

 Hier noch eine Info des Aktionsbündnis Grünzug Salem, die Mitglied  im Bundesbündnis ist:


Liebe Mitglieder unseres Bündnisses, liebe BodenschützerInnen,

von unserem neuen Mitglied , dem BUND Saarbrücken, den wir willkommen heißen,  kam die Anregung , nochmals alle Kontakte zu Bundestagsabgeordneten zu mobilisieren, um gegen den geplanten § 13b BauGB (im Baulandmobilisierungsgesetz) erneut vorzugehen.

 

sieh dazu :
§ 13b - das kommt dann auch noch dazu in den Kommunen

Samstag, 12. Dezember 2020

Die freien Bäcker: Aktion ‚BODEN-BROT‘ und Bildungskampagne ‚Boden‘

Warum wir Freien Bäcker*innen zum Thema Boden aktiv werden

Weil eine der grundlegendsten Voraussetzung dafür, dass wir täglich gesundes Brot backen können, der Erhalt der natürlichen Bodenfruchtbarkeit ist.
Doch ist es um den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit zunehmend schlecht bestellt.

Als Berufsorganisation mit dem selbstgewählten Motto „Zeit für Verantwortung“ können
wir den nächsten Generationen nicht sagen, wir haben von alledem nichts gewusst.
Deshalb geht es bei der Aktion und Kampagne zum Thema BODEN primär um die Vermittlung
von Wissen zum Erhalt und Aufbau von Bodenfruchtbarkeit. Auf der Grundlage dieses Wissens –
das weder in Berufs- noch Meisterschulen vermittelt wird – geht es im nächsten Schritt ganz
konkret darum, durch wirksame Zusammenarbeit von Bäcker*innen mit Bauern und Bäuerinnen
die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu verbessern. Bei der Vermittlung bzw. Erlangung von
Wissen, werden uns Boden-Expert*innen aus dem wissenschaftlichen Bereich sowie aus
unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen unterstützen.

Bodenfruchtbarkeit
In einer Hand voll fruchtbarem Boden gibt es mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde. Die
oberste, durch unzählige, winzige Lebewesen belebte Schicht des Bodens, stellt die Grundlage
unserer Existenz dar. Sie versorgen im Verborgenen die Pflanzen mit Nährstoffen und Wasser,
wandeln organisches Material zu Humus um und sorgen dafür, dass CO2 im Boden gespeichert
wird.

Bodenverbrauch/Bodenversiegelung

Obwohl die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie den Flächenverbrauch bis 2020 auf
30 ha pro Tag senken wollte, wird in Deutschland jeden Tag eine Fläche von rund 58 ha für den
Siedlungs- und Verkehrsbau ausgewiesen – meist wertvolles Acker- oder Grünland. Von dem Ziel
des Klimaschutzplans der Bundesregierung, den Flächenverbrauch auf Netto Null zu reduzieren
sind wir weit entfernt. Jährlich verliert das Land 0,5% seiner Agrarflächen.

Weiterhin verschlechtert sich die Bodenqualität. Zu den Folgen gehören unter anderem:
Rückgang der Bodenfruchtbarkeit, verringerte Wasserrückhaltekapazität, verringerter Abbau von
Schadstoffen, Überschwemmungen, Erosion. Die Verschlechterung der Bodenqualität hat direkte
Auswirkungen auf die Qualität von Wasser, Luft und Nahrungsmitteln und wirkt sich negativ auf
die biologische Vielfalt und den Klima aus.


Klimawandel und Bodenfruchtbarkeit

Andersrum wirkt sich die Klimakrise inzwischen auf die Bodenfruchtbarkeit aus. Höhere
Temperaturen und häufige Dürren verursachen Stress für die kleinen Bodenlebewesen. Die
Biomasse der kleinen Tiere, die im Boden Pflanzen zersetzen und damit die Fruchtbarkeit des
Bodens erhalten, nimmt sowohl durch den Klimawandel als auch durch eine zu intensive
Bewirtschaftung ab

Klimawandel und Landnutzung reduzieren die Biomasse der Bodentiere über unterschiedliche Pfade: 

Das veränderte Klima reduziert die Körpergröße und die Bewirtschaftung die Häufigkeit. UFZ / Grafik: Lisa Vogel

Bodenspekulation
Wertvolle Ackerböden sind nach wie vor reine Spekulations- und Renditeobjekte (Verkauf von
Flächen an Großinvestoren, wie etwa Versicherungen, ALDI oder Lebensmittelkonzerne). Doch
Boden und Land gehören in Bauernhand. Denn Bäuerinnen und Bauern - insbesondere in
regionalen, transparenten Wertschöpfungsketten - können den Boden so beackern, dass seine
natürliche Fruchtbarkeit erhalten bleibt. Doch braucht dies Spielregeln, die von der Politik
gestaltet werden müssen.

Wie läuft die Kampagne zum Thema BODEN ab
Mit dem Verkauf der BODEN-BROTE in der Zeit vom 16. Januar bis 27. Februar 2021 ist eine
Spende* verbunden, die die Ausbildung von jungen, engagierten Menschen zu „Boden-
Botschafter*innen“ ermöglichen soll.
*Hinweis: Zur Durchführung dieser und weiterer Bildungsmaßnahmen gründen die Freien
Bäcker e.V. sowie das Junge Netzwerk eine gemeinnützige Bildungsorganisation.

https://www.die-freien-baecker.de/nachwuchs/ aktuell

Die Freien Bäcker e.V. / Bergstr.50 / 30890 Barsinghausen
 

Hintergrundinformationen:

http://www.landimpulse.at/agroinnovation/downloads/warth_2015/Erosion_Warth%20Klik.pdf

https://www.bundesbuendnis-bodenschutz.de/unsere-erklaerung

https://nachrichten.idw-online.de/2020/07/28/das-schrumpfen-der-zwerge-durch-den-klimawandelwerden-
bodentiere-kleiner-durch-eine-intensive-landnutzung-weniger/

Pressemitteilung, Gemeinsame Forschungsstelle (GFS) – der Wissenschafts- und Wissensdienst der
Europäischen Kommission, 21. Juni 2018, Brüssel
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/IP_18_4202


Montag, 7. Dezember 2020

Tag des Bodens: Flächenschutz statt Betonschmutz! - Pressemitteilung des BUND

Anlässlich des Tag des Bodens am 5. Dezember warnt der BUND Baden-Württemberg vor zunehmendem Flächenverbrauch und Vergiftung der Böden.
Zahlreiche Umweltschützerinnen und -schützer im ganzen Land haben bedrohte Flächen fotografiert, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

 
Stuttgart. Zum Tag des Bodens weist der BUND Baden-Württemberg eindringlich auf die Bedrohung von naturbelassenen und gesunden Böden hin. Täglich werden in Baden-Württemberg laut Statistischem Landesamt 4,8 Hektar zugebaut, einbetoniert oder überteert und damit der Natur entzogen.

Streuobstwiesen müssen vierspurigen Trassen weichen
Hauptsächlich werden Freiflächen für Bauland und Verkehr überbaut. Niedrigzinsen bei Baukrediten, die Aufweichung des Baugesetzbuches (§13b) und die durch die Verdrängung einkommensschwacher Haushalte verstärkte Wohnungsnot in Städten führen derzeit wieder zu einem Anstieg des Flächenverbrauchs – mit fatalen Folgen, wie Christoph Schramm, Referent für Landwirtschaft und Wald beim BUND Baden-Württemberg, beschreibt:
„Böden entstehen über tausende von Jahren. Wenn sie überbaut und versiegelt werden, gehen ihre lebenswichtigen Funktionen auf einen Schlag dauerhaft verloren. Sie tragen dann nicht mehr zur Grundwasserneubildung bei, können keinen Kohlenstoff und kein Wasser mehr speichern und Schadstoffe nicht mehr filtern. Zudem wird der Lebensraum vieler Tiere und Mikroorganismen zerstört. Kahle Böden begünstigen sowohl Trockenheit als auch Überschwemmungen.“

„Wir appellieren eindringlich an die kommende Landesregierung, den Flächenverbrauch bis 2030 auf Netto-Null zu reduzieren. Das heißt, dass neu verbrauchte Fläche an anderer Stelle für die Natur zurückgewonnen wird“, erklärt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND Baden-Württemberg. „Das Land muss seine Ziele zur Reduzierung des Flächenverbrauchs gegenüber den Kommunen verschärfen und Generalwildwege und die Kernflächen des landesweiten Biotopverbundes vor der Überbauung durch Gewerbe, Industrie, Wohnhäuser und Straßen konsequenter schützen. Es ist außerdem wichtig, dass Baden-Württemberg flächensparende, auto- und stellplatzreduzierte Bauweisen sowie den Geschosswohnungsbau fördert, damit keine flächenfressenden Einfamilienhäuser und ebenerdigen Parkplätze gebaut werden. Dafür muss die Regierung die entsprechenden Vorgaben im Landesplanungsgesetz anpassen. Wir fordern die Landesregierung außerdem auf, beim Bund auf eine Abschaffung von § 13b BauGB hinzuwirken und gegenüber den Gemeinden schärfere Vorgaben durchzusetzen.“

Vergiftete Böden ohne Leben
Doch nicht nur Versiegelung ist für den Boden ein Problem, auch die industrielle Landwirtschaft machen ihm zu schaffen, erklärt Christoph Schramm. „Massiver Pestizideinsatz, Überdüngung und die Nichtbeachtung von Fruchtfolgen laugen den Boden aus und degradieren ihn zu einem Skelett, das seine ursprünglichen Funktionen nicht mehr erfüllen kann. Dadurch braucht er in der Folge noch mehr Dünger. Ein Teufelskreis entsteht, unter dem alle leiden: Böden, Grundwasser, Tiere und Pflanzen – und als Folge auch der Mensch. Der BUND fordert daher eine Agrarwende hin zu einer enkeltauglichen Landwirtschaft ohne Ackergifte und einer Ausrichtung an ökologischen Anbaukriterien.“
 
Bundesweite Aktion von Umweltschützerinnen und –schützern
Wie wichtig den Menschen der Schutz von bedrohten Böden ist, hat ein Aufruf des BUND gezeigt. Zahlreiche Männer, Frauen und Jugendliche ließen sich vor Wiesen und Äckern, die bebaut werden sollen, fotografieren, um ein Zeichen gegen den steigenden Flächenverbrauch zu setzen. Eine Auswahl der Bilder finden Sie hier:
https://www.bund-bawue.de/service/meldungen/detail/news/fotoaktion-anlaesslich-des-tag-des-bodens-am-5dezember/
 

Weitere Informationen:

Webseite des BUND Baden-Württemberg zu Flächenverbrauch: https://www.bund-bawue.de/themen/mensch-umwelt/flaechenschutz/
 

Freitag, 4. Dezember 2020

Weltbodentag am 5.12.

 Erst langsam begreifen Entscheiderinnen und Entscheider in Politik und Wirtschaft, dass es Ernst ist in Sachen Klimaschutz. Die voranschreitende Versiegelung unserer Böden für neue Siedlungen, Verkehrs- oder Gewerbefläche findet in der Öffentlichkeit wenig Beachtung. Dabei ist es höchste Zeit, sie zu begrenzen. Denn Boden ist endlich.

Das Aktionsbündnis Grünzug Salem und der BUND Salem nehmen den Weltbodentag zum Anlass, mit einer Fotoaktion auf den drohenden Verlust von 27,4 Hektar bester landwirtschaftlicher Böden vor Ort hinzuweisen. Sie möchten damit den Forderungen der Naturschutzverbände und den knapp 1.500 Unterschriften engagierter Bürgerinnen und Bürger aus Salem gegen die Fortschreibung des Regionalplanes Nachdruck verleihen.

„Der geschützte Grünzug Salem soll im Regionalplan Bodensee-Oberschwaben einem Schwerpunkt­gebiet für Industrie und Gewerbe weichen. Dass dies heutzutage möglich ist, ist für mich immer noch unfassbar,“ so die Aktivistin Silke Ortmann vom BUND Salem. Die Ausweisung der Fläche als nicht bebaubarer regionaler Grünzug erfolgte 1996 maßgeblich aus Gründen des Klimaschutzes und für den Erhalt der ertragreichen, landwirtschaftlichen Böden.

Stellvertretend für alle Böden, die in der Planung zur Versiegelung vorgesehen sind, hat das Aktions­bündnis Grünzug Salem das Gebiet zwischen den Salemer Ortsteilen Neufrach und Buggensegel ausgewählt. „Hier und anderswo hat sich Widerstand formiert, der den Regionalverband mit Ein­sprüchen nach der Offenlage nachdrücklich auf diese und andere Fehlplanungen hingewiesen hat“, meint Suzan Hahnemann „Wir bekommen aus unserem Rathaus und dem Regionalverband immer die Erklärung, dass man hier nichts ändern könne und man die gesetzten Vorgaben umsetzen müsse.“ Fritz Vogel bekräftigt: „Auf Bundes- und Länderniveau zeigt sich ein Umdenken, das auch in den Regionen und Gemeinden ankommen muss! Der kommunalen Planungshoheit müssen von der Landesregierung Grenzen gesetzt werden.“

Mit der leichtfertigen Zerstörung wertvoller Böden werden Fakten geschaffen, die unumkehrbar sind. Seit 1992 gingen in Deutschland allein 1,35 Mio ha landwirtschaftlicher Flächen verloren – das entspricht mehr als fünfmal der Fläche des Saarlandes oder 20 mal der Fläche des Bodenseekreises.

Bereits 2002 hatte sich die Bundesregierung eine Netto-Null-Neuversiegelung von Böden als Ziel gesetzt – dennoch verbrauchen wir auch heute noch das Doppelte dessen, was einmal für 2020 angestrebt war. 

Das sind schlechte Nachrichten für die regionale Ernährungssicherung, für biologische Lebensräume, für die Grundwasser-Neubildung und die immer noch unterschätzte klimatische Ausgleichsfunktion unserer Böden. Mit der Fotoaktion zum Weltbodentag protestieren das Aktionsbündnis Grünzug und der BUND Salem gegen die Planung des Regionalplans, nach dem in Salem 27,4 ha des geschützten Grünzugs zum Schwerpunktgebiet für Industrie und Gewerbe umgewandelt werden soll.

Das Aktionsbündnis Grünzug Salem und die BUND-Ortsgruppe Salem
https://www.bundesbuendnis-bodenschutz.de/

https://www.bund-bawue.de/service/meldungen/detail/news/fotoaktion-anlaesslich-des-tag-des-bodens-am-5dezember/