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Dienstag, 7. Mai 2024

Die fetten Kohlejahre sind vorbei

SPIEGEL-Klimabericht  hier Von Susanne Götze  03.05.2024

Die G7-Staaten wollen bis Mitte der Dreißigerjahre aus der Kohle aussteigen. Ostdeutsche Politiker sind empört. Dabei wissen die Tagebaubetreiber in der Lausitz längst, was bevorsteht und bereiten die Post-Kohle-Ära vor.

Bild: Garzweiler

Dass das Ende der Kohle naht, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Sie ist der erste der drei fossilen Brennstoffe – Erdöl, Erdgas, Kohle – für die es in vielen Ländern einen konkreten Ausstiegsplan gibt. Offiziell begonnen hat der Anfang vom Ende im November 2021. Damals beschlossen die 195 Teilnehmer der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow, dass die Länder ihren Kohleausstieg beschleunigen und die Subventionen für fossile Brennstoffe herunterfahren sollen.

Nun ziehen die G7-Staaten mit einem konkreten Datum nach: bis zum Jahr 2035, so einigten sich deren zuständige Minister diese Woche auf einem Treffen in Turin, beabsichtige man, komplett aus der Verbrennung des klimaschädlichen Brennstoffs auszusteigen. Zur G7-Gruppe zählen die USA, Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Japan. Die Länder stehen für 38 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und sind für 21 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich (Stand 2021).

Montag, 29. April 2024

G7-Staaten vereinbaren Gründung einer "Wasserkoalition"

Zeit hier  30. April 2024 Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, hoe

Die G7 wollen sich mehr mit dem Problem knapper werdender Wasserressourcen beschäftigen. Auf der Agenda stehen etwa Überschwemmungen, Dürren und Abwasserentsorgung.

Die Industriestaaten der G7-Gruppe haben nach Angaben des französischen Umweltministers Christophe Béchu die Gründung einer "Wasserkoalition" zur Bewältigung der vom Klimawandel verschärften globalen Wasserkrise vereinbart. 

G7-Treffen in Turin: Einigung auf Kohle-Ausstieg bis 2035

Deutschlandfunk hier 30.04.2024

Die G7-Staaten haben sich auf einen Kohleausstieg bis zum Jahr 2035 verständigt. Das bestätigte das Bundeswirtschaftsministerium. Deutschland habe sich maßgeblich für einen Beschluss zu einem klaren Enddatum der Kohleverstromung aller G7-Staaten eingesetzt, teilte ein Sprecher mit.

links: Kohleabbau Garzweiler vor RWE Kraftwerk
hier

Samstag, 20. Mai 2023

Warum G7 dieses Mal auch Klimagipfel wird

ZDF  hier von Elisa Miebach    19.05.2023

Kritik an Japan und Deutschland

Beim G7-Gipfel geht es um die Konflikte und Krisen der Welt - und auch um den Klimawandel. Warum gerade Japan für diese Diskussion ein schwieriger Ort ist.


In seiner Rede auf der vergangenen Klimakonferenz im Dezember 2022 beschwor Olaf Scholz die Welt:

    Wir werden aus den fossilen Brennstoffen aussteigen, ohne Wenn und Aber.
Es darf keine weltweite Renaissance der fossilen Energien geben.

Olaf Scholz, Bundeskanzler

Doch genau das befürchten Umweltorganisationen vor dem G7-Gipfel. Von Freitag bis Sonntag treffen im japanischen Hiroshima die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, den USA, Kanada und Japan zusammen.

Deutschland besteht auf fossile Energien

Bereits auf dem vergangenen G7-Gipfel in Elmau hatte ausgerechnet Deutschland in die Abschlusserklärung hineinverhandelt, dass weiterhin öffentliche Gelder in fossile Infrastrukturen fließen dürfen. Die Bedingung: Diese müssten unbedingt notwendig und noch im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel sein.

Sonntag, 16. April 2023

G7 einigen sich erstmals auf Ausstieg aus fossilen Brennstoffen

 Standard hier Alicia Prager  16. April 2023

Ausstieg aus Fossilen

Die Energie- und Klimaminister der G7-Staaten stecken hohe Ziele für Solar- und Windkraft – und versprechen zum ersten Mal den Ausstieg aus Kohle, Erdöl und Erdgas

Die Energie- und Klimaministerinnen und -minister der G7-Staaten verhandelten am Wochenende in Japan. Foto: Reuters / Kyodo

Es ist ein Ziel, um das bei jeder Klimakonferenz aufs Neue gerungen wird: der Ausstieg aus Kohle, Erdöl und Erdgas. Obwohl sich die Welt bereits 2015 auf die Pariser Klimaziele einigte, gelang bisher keine Einigung zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.

Dienstag, 5. Juli 2022

„Die völlig falsche Richtung“

 Claudia Kemfert über fossile Energien in der TAZ hier

Die G7 haben ein Klimaversprechen verwässert – es soll trotzdem mit den Klimazielen vereinbar sein. Energieökonomin Claudia Kemfert sieht das anders.

taz: Frau Kemfert, eigentlich haben die G7 versprochen, ab dem kommenden Jahr kein Steuergeld mehr in fossile Energien in andere Länder zu stecken. Jetzt steht im Gipfelbeschluss vom Dienstag plötzlich: Unter den „außergewöhnlichen Umständen“ seien solche Investitionen in Gas doch nötig, besonders in Flüssiggas. Sehen Sie das auch so?

Claudia Kemfert: Nein. Es gibt bereits ausreichende existierende Flüssiggas-Kapazitäten, die wir jetzt übergangsweise nutzen können. Außerdem sollten wir auch unter außergewöhnlichen Umständen keine Fehlentscheidungen treffen.
In der Klimakrise lohnen sich nur noch Investitionen in Erneuerbare, in emissionsfreie Technologien und in Energiesparen. Dafür brauchen wir dieses Geld.

Die G7 sehen da kein Problem: Ausnahmen von dem Versprechen müssen laut Beschluss mit den Klimazielen vereinbar sein und dürfen nicht so angelegt sein, dass sie sich nur rentieren, wenn sie diese sprengen. Fossil und gleichzeitig klimafreundlich sowie wirtschaftlich – gibt es das überhaupt?

Nicht auf dem freien Markt. Wenn man ernsthaft die Pariser Klimaziele umsetzen will, dürfte es gar keine Investitionen in fossile Infrastruktur mehr geben. Kraftwerke, Pipelines und andere fossile Anlagen werden schließlich gebaut, um sie mehrere Jahrzehnte auszulasten – sonst rentieren sie sich nicht. Also läuft man entweder den Klimazielen zuwider oder programmiert bei rechtzeitiger Stilllegung der fossilen Anlagen, dass man Verluste macht. Beides ist falsch.

Dienstag, 28. Juni 2022

G7: Kraftvolles Signal zur Eindämmung der Klimakrise bleibt aus

Germanwatch  hier

Pressemitteilung Pressemitteilung | 28.06.2022

G7-Gipfel: In der Klimapolitik dominiert Schadensbegrenzung

Enormes Potenzial neuer Initiativen – aber wichtige Finanzierungsfragen offen

Deutschland soll Vorreitergruppe bei Energiesicherheit anführen

Die G7-Staats- und Regierungschefs sind nach Einschätzung der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch beim Gipfel deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben. Nachdem die Fachminister:innen ihnen im Mai eine gute Vorlage für große Fortschritte unter anderem in der Klimapolitik erarbeitet hatten, ist das Ergebnis nun vor allem von Schadensbegrenzung geprägt. „Es ist sehr ärgerlich, dass das klimapolitische Aufbruchssignal, das bei diesem Gipfel möglich war, ausgeblieben ist“, bilanziert Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. „Stattdessen musste vor allem klimapolitische Schadensbegrenzung betrieben werden.“ Auslöser war unter anderem der auch von Germanwatch stark kritisierte Vorstoß von Bundeskanzler Scholz, neue Gasfelder in Afrika und anderswo mit öffentlichen Geldern zu fördern.

G7-GIPFEL IN ELMAU: "Rückschritt für den Klimaschutz?"

Rückschritt oder Fortschritt? Es kommt darauf an, was man sich rauspickt.
2 sehr unterschiedliche Artikel über den Gipfel in Elmau. Hoffnung und Angst liegen sehr eng beeinander.

Westdeutsche Zeitung hier

:G7 planen sozial gerechten Klimawandel und erschwingliche EnergieDie G7-Staaten wollen weiter an Lösungen arbeiten, um den Klimawandel aufzuhalten. Dafür gibt es konkrete Bespiele. Russland soll für den Angriffskrieg gegen die Ukraine zur Rechenschaft gezogen werden.

Samstag, 28. Mai 2022

"Vorreiter-Rolle beim Klimaschutz?"

Tagesschau   Stand: 27.05.2022 

G7-Beratungen in Berlin

Berlin und Washington haben beim G7-Treffen der Umwelt - und Energieminister eine Energie- und Klimapartnerschaft geschlossen. Umweltministerin Lemke kündigte zudem "konkrete" Vereinbarungen zum Kohleausstieg an.

Deutschland und die USA wollen international eine Führungsrolle bei den Rahmenbedingungen für eine Energiewende übernehmen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und der US-Klimabeauftragte John Kerry unterzeichneten beim G7-Treffen in Berlin eine Erklärung zu einer neuen Klima- und Energiepartnerschaft.

In vier Bereichen sollen deutsch-amerikanische Experten-Arbeitsgruppen dauerhaft zusammenarbeiten: Im Fokus steht

  • die Entwicklung des Windenergie-Sektors auf See, 
  • das Thema Wasserstoff, 
  • Verkehr ohne Treibhausgasemissionen sowie die 
  • Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern.

SPIEGEL Klimabericht vom 28. Mai 2022: "Alles bisschen schwammig"

DER SPIEGEL – SPIEGEL Klimabericht <themennewsletter@newsletter.spiegel.de>
von Viola Kiel

ginge die Größe der Fortschritte im Klimaschutz proportional einher mit der Anzahl der Treffen mächtiger Menschen – diese Woche wäre unbestritten eine gute Woche fürs Klima gewesen.

In Davos kamen Anfang der Woche Staatenlenker, Wirtschaftsdenker und Firmenbosse zum Weltwirtschaftsforum (S+) zusammen, in Berlin berieten bis zu diesem Freitag Vertreterinnen und Vertreter der G7 über die Klima-, Energie- und Umweltpolitik der sieben führenden Industrienationen.
Bei beiden Treffen wiesen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vielfach auf die Bedeutsamkeit konsequenter, konkreter Klimaschutzmaßnahmen hin.

In der Schweiz sprach Bundeskanzler Olaf Scholz von einem »Jetzt erst recht« und kündigte an, die Klimaziele mit noch einmal mehr Entschlossenheit zu verfolgen. Fatih Birol, der Vorsitzende der Internationalen Energieagentur, bezeichnete die durch den russischen Angriffskrieg verursachte Energiekrise als möglichen »Wendepunkt für die Staaten, ihre Energiepolitik zu ändern«.

In Berlin bezeichnete Bundesumweltministerin Steffi Lemke (S+) das G7-Treffen als Erfolg, der eine deutliche Betonung auf die Themen Klimaschutz, Schutz der biologischen Vielfalt und Engagement gegen Plastikverschmutzung gesetzt habe. Und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (S+) stellte »entschiedenes politisches Handeln in den nächsten Jahren« in Aussicht. Denn: »Was wir tun, ist zu wenig.«
Damit trifft es Deutschlands Klimaminister ziemlich genau auf den Punkt.

Samstag, 21. Mai 2022

"Hilfe gegen Hunger"

 Spiegel hier  19.05.2022

G7 vereinbaren Bündnis gegen Russlands »Kornkrieg«

Viele Staaten in Afrika und im Nahen Osten sind abhängig von günstigem Getreide aus der Ukraine. Wegen russischer Handelsblockaden im Krieg drohen Hungersnöte. Die G7-Staaten wollen das verhindern.

Freitag, 20. Mai 2022

Brandbrief von Forschern: Verlust von Arten nicht rückholbar"

 ARD  hier    Stand: 19.05.2022 

Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat die Bundesregierung dazu aufgerufen, die Artenvielfalt zu schützen und den Klimawandel zu bekämpfen - und zwar nicht nur in Deutschland. Dass die Forderung jetzt kommt, ist kein Zufall.

Ein Bündnis aus renommierten Forscherinnen und Forschern hat die Bundesregierung dazu aufgerufen, mehr gegen den Verlust der Artenvielfalt und gegen den Klimawandel zu tun. Dazu gaben die Wissenschaftler in Berlin eine Erklärung ab. Bei der Vorstellung des Papiers sagte der Generaldirektor am Berliner Museum für Naturkunde, Johannes Vogel, "der Verlust von Arten sei nicht rückholbar".

Johannes Vogel, Generaldirektor am Museum für Naturkunde Berlin, zu der Biodiversitätskrise

Gelinge es in dieser Dekade nicht, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten, bestehe die Gefahr, bis zu eine Million Arten zu verlieren, heißt es in dem Papier. So können Prognosen zufolge innerhalb der nächsten Jahrzehnte 40 Prozent aller Insekten weltweit aussterben.

Freitag, 8. Oktober 2021

Fossile Brennstoffindustrie erhält Subventionen von 11 Millionen Dollar pro Minute

 The Guardian  hier (aus dem Englischen übersetzt, daher an manchen Stzellen etwas holprig zu lesen)

Billionen von Dollar pro Jahr "ölen" die Klimakrise, sagen Experten.

 Environment editor

Die fossile Brennstoffindustrie profitiert nach einer Analyse des Internationalen Währungsfonds von Subventionen in Höhe von 11 Millionen US-Dollar pro Minute.

Der IWF stellte fest, dass die Produktion und Verbrennung von Kohle, Öl und Gas im Jahr 2020 mit 5,9 Milliarden US-Dollar subventioniert wurde, wobei kein einziges Land alle seine Brennstoffe ausreichend bepreiste, um ihre volle Versorgung und Umweltkosten widerzuspiegeln. Experten sagten, die Subventionen würden "Öl ins Feuer schöpfen" der Klimakrise, zu einer Zeit, in der eine schnelle Reduzierung der Kohlenstoffemissionen dringend erforderlich war.

Explizite Subventionen, die die Kraftstoffpreise senkten, machten 8% der Gesamtsumme aus und Steuererleichterungen weitere 6%. Die größten Faktoren waren das Versäumnis, die Verursacher für die Durch Luftverschmutzung verursachten Todesfälle und die schlechte Gesundheit (42%) sowie für die Hitzewellen und andere Auswirkungen der globalen Erwärmung (29%) bezahlen zu lassen.

Die Festlegung von Preisen für fossile Brennstoffe, die ihre wahren Kosten widerspiegeln, würde die globale CO senken2 ,Emissionen um mehr als ein Drittel, sagten die IWF-Analysten. Dies wäre ein großer Schritt zur Erreichung des international vereinbarten 1,5C-Ziels. Dieses Ziel in Reichweite zu halten, ist ein zentrales Ziel des UN-Klimagipfels Cop26 im November.

Die Vereinbarung von Regeln für Kohlenstoffmärkte, die eine angemessene Preisgestaltung für Umweltverschmutzung ermöglichen, ist ein weiteres Ziel der Cop26. "Die Reform der Preise für fossile Brennstoffe könnte nicht zeitgleicher sein", sagten die IWF-Forscher. Die Abschaffung der Subventionen für fossile Brennstoffe würde auch fast eine Million Todesfälle pro Jahr durch schmutzige Luft verhindern und Billionen von Dollar für die Regierungen aufbringen, sagten sie.

"Es gäbe enorme Vorteile durch Reformen, also steht enorm viel auf dem Spiel", sagte Ian Parry, der Hauptautor des IWF-Berichts. "Einige Länder zögern, die Energiepreise zu erhöhen, weil sie glauben, dass dies den Armen schaden wird. Aber die Preise für fossile Brennstoffe niedrig zu halten, ist ein höchst ineffizienter Weg, um den Armen zu helfen, da die meisten Vorteile wohlhabenderen Haushalten zugute kommen. Es wäre besser, die Ressourcen darauf auszurichten, armen und schutzbedürftigen Menschen direkt zu helfen."

Mit 50 Ländern, die sich bis Mitte des Jahrhunderts zu Netto-Null-Emissionen verpflichtet haben, und mehr als 60 Kohlenstoffpreissystemen auf der ganzen Welt gibt es einige ermutigende Anzeichen, sagte Parry: "Aber wir kratzen immer noch an der Oberfläche, und es liegt noch ein schrecklich langer Weg vor uns."

Die G20 einigten sich 2009 darauf, "ineffiziente" Subventionen für fossile Brennstoffe auslaufen zu lassen, und 2016 setzten die G7 eine Frist von 2025,aber es wurden wenig Fortschritte erzielt. Im Juli zeigte ein Bericht, dass die G20-Länder seit 2015,dem Jahr, in dem das Pariser Klimaabkommen erreicht wurde, fossile Brennstoffe um Billionen von Dollar subventioniert hatten.

"Um die globalen Temperaturen zu stabilisieren, müssen wir dringend weg von fossilen Brennstoffen, anstatt Öl ins Feuer zu gießen", sagte Mike Coffin, Senior Analyst beim Thinktank Carbon Tracker. "Es ist entscheidend, dass die Regierungen aufhören, eine Industrie zu unterstützen, die sich im Niedergang befindet, und stattdessen versuchen, die kohlenstoffarme Energiewende und unsere Zukunft zu beschleunigen.

"Als Gastgeber der Cop26 könnte die britische Regierung eine wichtige globale Führungsrolle spielen, indem sie alle Subventionen für fossile Brennstoffe einschöhnt und neue Nordsee-Lizenzrunden stoppt",sagte er. Die Internationale Energieagentur (IEA) sagte im Mai, dass die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder in diesem Jahr gestoppt werden muss, um die Klimaziele zu erreichen.

Der umfassende IWF-Bericht ergab, dass die Preise für 99% Kohle, 52% Diesel und 47% Erdgas im Jahr 2020 mindestens 50% unter ihren tatsächlichen Kosten lagen. Fünf Länder waren für zwei Drittel der Subventionen verantwortlich: China, die USA, Russland, Indien und Japan. Ohne Maßnahmen werden die Subventionen im Jahr 2025 auf 6,4 Milliarden Dollar steigen, sagte der IWF.

Eine angemessene Preisgestaltung für fossile Brennstoffe würde die Emissionen senken, indem beispielsweise Stromerzeuger ermutigt werden, von Kohle auf erneuerbare Energien umzusteigen und Elektroautos zu einer noch billigeren Option für Autofahrerzu machen. Die internationale Zusammenarbeit sei wichtig, sagte Parry, um Befürchtungen zu zerstreuen, dass Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnten, wenn ihre Preise für fossile Brennstoffe höher wären.

"Der IWF-Bericht ist eine ernüchternde Lektüre, die auf einen der größten Mängel der Weltwirtschaft hinweist", sagte Maria Pastukhova vom Thinktank e3g. "Die Netto-Null-Roadmap der IEA geht davon aus, dass bis 2030 5 Milliarden US-Dollar notwendig sind, um die Welt auf den Weg zu einer klimasicheren Welt zu bringen. Es ist verrückt zu erkennen, dass der dringend benötigte Wandel jetzt beginnen könnte, wenn nicht die Verstrickung der Regierungen mit der fossilen Brennstoffindustrie in so vielen großen Volkswirtschaften wäre."

"Subventionen für fossile Brennstoffe sind seit Jahren ein großer Stolperstein im G20-Prozess", sagte sie. "Jetzt sind alle Augen auf den Gipfel der G20-Staats- und Regierungschefs Ende Oktober richten."

Ipek Gençsü vom Overseas Development Institute sagte: "[Subventionsreform] erfordert Unterstützung für schutzbedürftige Verbraucher, die von steigenden Kosten betroffen sein werden, sowie für Arbeiter in Branchen, die einfach schließen müssen. Es erfordert auch Informationskampagnen, die zeigen, wie die Ersparnisse in Form von Gesundheitsversorgung, Bildung und anderen sozialen Diensten an die Gesellschaft umverteilt werden. Viele Menschen sind gegen Subventionsreformen, weil sie sie nur als Regierungen sehen, die etwas wegnehmen und nicht zurückgeben."

Die G20-Staaten stoßen fast 80% der globalen Treibhausgase aus. Mehr als 600 globale Unternehmen der We Mean Business-Koalition, darunter Unilever, Ikea, Aviva, Siemens und Volvo Cars, forderten kürzlich die Staats- und Regierungschefs der G20 auf, die Subventionen für fossile Brennstoffe bis 2025 zu beenden.


Montag, 14. Juni 2021

KLIMASCHUTZ: Mehr Unterstützung für Entwicklungsländer

Deutschland will seinen Beitrag für den Klimaschutz in Entwicklungsländern bis spätestens 2025 von derzeit vier auf sechs Milliarden Euro jährlich erhöhen. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Rande des G7-Gipfels der großen demokratischen Industrienationen im südwestenglischen Cornwall auf Twitter mit. „Die G7 sollte Vorreiter bei der Klimafinanzierung sein.“ Ein weiterer Regierungssprecher betonte, der Erfolg der UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow Anfang November hänge entscheidend von den Zusagen der Industrieländer zur Klimafinanzierung ab. Die G7-Staaten sind aber noch weit davon entfernt, wie geplant für arme Länder 100 Milliarden US-Dollar jährlich zu mobilisieren. (dpa)

Kurzmitteilung im Südkurier am 14.6.


Vielleicht lässt sich dadurch diese Entwicklung auffangen?  Bericht im Tagesspiegel  hier
Fängt der Kohleboom in Afrika gerade erst an?

In Afrika ist die Kohleenergie auf dem Vormarsch, mehrere Kraftwerke sind geplant oder im Bau. Für den Klimaschutz ist das eine verheerende Entwicklung. Dabei gibt es Alternativen. 

Freitag, 11. Juni 2021

Klimafreitag vom 11.6.2

 Aktivisten protestieren am ersten Tag des G7-Gipfels am Strand von St Ives in Cornwall. 


wenn ich von meinem Schreibtisch im Büro aufblicke, dann schaue ich auf eine Wand blauer Aktenordner. Tatsächlich habe ich viele Jahre lang alle möglichen Dinge abgeheftet, in dem Versuch, irgendwie Ordnung zu halten. Die meisten dieser Ordner habe ich schon lange nicht mehr aufgeschlagen.

Heute habe ich aber einen herausgezogen, auf seinem Rücken steht "G7/G8 - Klima". Es ist erstaunlich, was man in alten Gipfeldokumenten so zutage fördert - etwa die Entwicklung der Klimapolitik zwischen den sieben alten Industrienationen (oder, als Russland noch dabei war, den G8). Im schottischen Gleneagles etwa, 2005, galten fossile Energien noch als unverzichtbar, bei allen Bemühungen um mehr Klimaschutz.
Als Großbritannien 2013 wieder Gastgeber war, da wollte der Club immerhin schon "seinen Teil beitragen", um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Schließlich sei die eine "der größten Herausforderungen für unser künftiges Wirtschaftswachstum und Wohlbefinden".

An diesem Wochenende ist Großbritannien abermals Gastgeber eines G-7-Gipfels, aber die Lage ist eine ganz andere. Alle Sieben haben sich mittlerweile verpflichtet, bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden, Deutschland neuerdings sogar bis 2045.
Mit großen, aber erstmal folgenlosen Bekenntnissen muss sich dieser Club, der ja im Grunde ein Verein der Verursacher ist, also diesmal nicht weiter aufhalten. Spannender wird die Frage, was sie sofort tun.

Die meisten von uns denken da gleich an irgendwelche Sofortpläne, die rasch Emissionen senken sollen. Aus Sicht vieler Entwicklungsländer sieht die Sache anders aus. Für sie ist nicht wichtig, wie viele neue Windräder in Deutschland gebaut werden, und wie die USA oder Japan eine Wasserstoffwirtschaft aufziehen. Denn sie sollen auf all jene Technologien verzichten, mit denen die Sieben erst groß wurden. Sie sollen Milliarden in grüne Infrastrukturen investieren. Sie sollen auf Einnahmen aus dem Verkauf fossiler Ressourcen, von Kohle, Öl und Gas, verzichten. Dabei erwarten sie, völlig zu Recht, finanzielle Hilfe. Oder, einfacher: Solidarität.

Solidarität ist der Kitt des internationalen Klimaschutzes. Sie lässt sich, anders als Klimaversprechen für eine ferne Zukunft, unmittelbar zählen, in Euro, Dollar und Cent. Deshalb ist auch schon jetzt klar, dass die bisherigen Zusagen verfehlt worden sind: Bis 2020 hatten die reichen Staaten versprochen, jährlich 100 Milliarden Dollar aus öffentlichen und privaten Quellen aufzubringen. 80 Prozent davon müssten von den G7 kommen. Selbst bei großzügiger Zählung sind diese Milliarden nie zusammengekommen. In Sachen Solidarität sind die Sieben bisher nicht besonders stark.

Beim Klima ist das in doppelter Hinsicht fatal: Einmal, weil in ärmeren Ländern ohne solche Hilfen fossile Energie die treibende Kraft bleiben wird. Und zum anderen, weil damit Vertrauen erodiert: Was ist schon von all den Zusagen für Klimaschutz in ferner Zukunft zu halten, wenn selbst die Versprechen für die Gegenwart nichts wert sind? Auf dieses Vertrauen aber baut die globale Klimapolitik, bauen die gemeinsamen Anstrengungen in Nord und Süd.

Wir werden den Gipfel im britischen Cornwall sehr genau für Sie verfolgen, und auch, was aus den Zusagen am Ende wird. Der blaue Ordner bleibt erst einmal aufgeschlagen auf meinem Schreibtisch liegen - als mahnende Erinnerung an all die wortreichen Erklärungen, aus denen am Ende nichts wurde.


Michael Bauchmüller