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Freitag, 17. Juli 2026

Klimaschutz und Hitzeschutz sind Gesundheitsschutzprojekte

Jörg Schmid / Notarzt 

Ich habe als Notarzt in der Hitzewelle tote Menschen in ihren Wohnungen gefunden. 

Deutschlandweit >5000 Hitzetote in der letzten Hitzewelle – und jetzt? Forderungen an die Politik reichen nicht. Wir müssen es wohl erst mal selbst in die Hand nehmen.

Samstag, 15. Februar 2025

Als größtes Sicherheitsrisiko gelten "Extremwetterereignisse und Waldbrände". Auf Platz zwei: die Klimakrise im Allgemeinen

 Standard hier  Benedikt Narodoslawsky  15. Februar 2025

Sicherheitsexperten warnen: Klimapolitik stellt die EU vor eine Zerreißprobe

Sicherheitsexperten warnen: Klimapolitik stellt die EU vor eine Zerreißprobe
Laut dem Bericht der Münchner Sicherheitskonferenz gelten Extremwetter als größtes Sicherheitsrisiko der Welt – vor Russland, Wirtschaftskrisen und Massenmigration

Sonntag, 23. Juni 2024

Unterschätzen wir extreme Hitze? Was auf Menschen weltweit zukommt

 RND hier Saskia Heinze Mit Material der dpa 19.06.2024

Tote in Saudi-Arabien und Griechenland

Saudi-Arabien, Griechenland, die USA: An vielen Orten weltweit kämpfen Menschen mit Temperaturen weit über 40 Grad Celsius. Solche extremen Hitzewellen werden häufiger und intensiver. Die gesundheitlichen Folgen werden oft unterschätzt. Wie sollten wir uns an das neue Normal im Klimawandel anpassen?

Donnerstag, 21. März 2024

Von hohen Temperaturen, rinnenden Nasen und von boomenden Energiegemeinschaften

 Der Standard hier  Klimaklartext

sitzen Sie vielleicht auch gerade mit einem Haufen Taschentücher vor sich in einem geschlossenen Innenraum? Ich fühle mit Ihnen, ich tue es auch. Durch die ungewöhnlich hohen Temperaturen zu Jahresbeginn haben Allergien bereits jetzt Hochsaison. Leider habe ich gleich noch mehr schlechte Nachrichten: Die Pollensaison dürfte heuer laut Fachleuten besonders lange dauern. Sie fragen sich jetzt vielleicht: Was haben diese Informationen mit einem Klima-Newsletter zu tun? Sehr viel. 

Denn durch die Klimakrise wird die Pollenbelastung stärker: Milde Wintertage führen zu einer frühen Blüte, warme Herbsttage lassen die Pflanzen lange blühen. Eschenpollen wurden laut dem Österreichischen Polleninformationsdienst heuer schon rund einen Monat früher gefunden als im langjährigen Schnitt. Das liegt nicht zuletzt auch an dem bisher wärmsten Februar seit Beginn der Messgeschichte in Österreich. 

„Sollten wir nicht dringend über radikalere ökologische Anpassungsmaßnahmen sprechen?“, fragt sich auch Philippe Narval angesichts der hohen Temperaturen und der blühenden Bäume im Februar in seinem Gastkommentar im STANDARD. Darin argumentiert er, dass unsere Städte unter anderen klimatischen Bedingungen gebaut wurden, als sie jetzt vorherrschen. Sie müssten daher schneller umgebaut werden als gedacht, und es braucht Notfallpläne für Hitzewellen und Trockenperioden. „Die große Hitze kommt bestimmt. Es liegt an uns, ob wir uns in dieser Lage egoistisch verhalten, lediglich die Klimaanlage einschalten und die Realität ausblenden, oder ob wir solidarisch vorausschauend denken und handeln“, fasst Narval zusammen. 

Ein Beispiel, wie Klimaschutz solidarisch – und dennoch auch eigennützig – gelingen kann, sind Energiegemeinschaften. Deren Zahl wächst in Österreich rasant. Dabei vernetzen sich Bürgerinnen und Bürger untereinander sowie mit kleinen Energieerzeugern und gründen gemeinsam einen Verein, um Strom zu kaufen und zu verkaufen. Kollege András Szigetvari hat solche Gemeinschaften besucht und ist der Frage nachgegangen, ob die Idee den Strommarkt revolutionieren wird. Sein Bericht ist hier nachzulesen. 

„Todesraten sind erschütternd“: Forscher warnen vor globaler Bedrohung durch Vogelgrippe aus Massentierhaltung

hier  Spektrum, Geschichte von Philipp Rall • 20.3.24

Die Virologin Diana Bell sieht in der Vogelgrippe eine globale Bedrohung für Artenvielfalt und Menschen, vor allem durch intensive Geflügelhaltung verursacht. Sie beschreibt diese Massenzucht als „Tsunami“, der die Virusverbreitung beschleunige. Bell, eine führende Expertin nach zwei Jahrzehnten Forschung, schätzt, dass Millionen wilder Vögel der Krankheit zum Opfer fielen, genaue Zahlen bleiben unklar.

Montag, 27. November 2023

Wie der Klimawandel Millionen Menschen krank macht: „Die anhaltende Expansion fossiler Brennstoffe ist ein Todesurteil für Millionen von Menschen“

Sehr gut dass dieses Thema an Raum gewinnt, auch in den Verhandlungen.

Man erinnere sich: auch vor dem europäischen Menschenrechts-Gerichtshof steht noch eine Rechtsprechung aus, für die bereits 3 Klagen zusammen verhandelt wurden. Die Klage der Schweizer Umweltseniorinnen geht genau in diese Richtung, die beiden anderen unterstützen diesen Gesichtspunkt.

Und es sei noch einmal an die Verdienste der DUH hingewiesen, die durch fortwährenden Einsatz zur Senkung der Luftschadstoffe beigetragen hat.

RND hier  Laura Beigel  15.11.2023,

„Lancet Countdown“ 2023 veröffentlicht

Der Klimawandel macht den Menschen krank – und das auf unterschiedliche Art und Weise. Wie genau, das verdeutlicht der neue „Lancet Countdown“. Die Prognosen des Berichts sind eindeutig: Setzt sich der Klimawandel fort, wartet eine gefährliche Zukunft.

Zum ersten Mal geht es auf der Weltklimakonferenz (COP28) um die Gesundheitsgefahren des Klimawandels. Einen Tag lang wollen Regierungsvertreterinnen und ‑vertreter sowie Fachleute darüber beraten, wie sich verhindern lässt, dass die Klimakrise Millionen Menschen weltweit krank macht.

„Der Gesundheitsschwerpunkt auf der COP28 ist die Chance unseres Lebens“, sagt Marina Romanello. Sie ist Executive Director des „Lancet Countdowns“ am University College London. An der neuen Ausgabe des Sachstandsberichts, die am Mittwoch erschienen ist, haben 114 Wissenschaftler und Gesundheitsexpertinnen aus 52 Forschungseinrichtungen und UN‑Organisationen weltweit zusammengearbeitet.

Der Bericht verdeutlicht einmal mehr, wie gesundheitsschädlich die Klimakrise ist. „Unsere gesundheitliche Bestandsaufnahme zeigt, dass die zunehmenden Gefahren des Klimawandels heute weltweit Leben und Lebensgrundlagen kosten“, sagt Romanello.

Die größten Gesundheitsgefahren des Klimawandels

Hitze

Unwetterextreme

Infektionskrankheiten

Luftverschmutzung

Samstag, 4. November 2023

„Wir müssen nicht das Klima retten - sondern uns“

 Meedia hier Eckart von Hirschhausen 03.11.2023 

KOLUMNE - WELTGESUNDHEIT

Als Wissenschaftsjournalist und bekanntester deutscher Fernsehmediziner setzt Eckart von Hirschhhausen Impulse und Aha-Effekte. "Weil es schwer ist, die Welt ehrenamtlich zu retten, solange sie andere hauptberuflich zerstören", hat er seine Bühnenkarriere an den Nagel gehängt, um sich mit seiner Stiftung "Gesunde Erde- gesunde Menschen" für sein wichtigstes Ziel einzusetzen: "Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde".

Für Dr. Eckart von Hirschhausen geht es um die "planetarische Gesundheit" 

Mittwoch, 27. September 2023

Scientists4future: Die planetaren Grenzen unserer Gesundheit


 hier zum einloggen am 28.9.23

Wir haben mit unserem Handeln in den letzten Jahrzehnten die Belastungsgrenzen unseres Planeten in einigen Bereichen überschritten (Rockström, Safe and Just Earth System Boundaries, Nature 2023). 

Es stellt sich die Frage, inwiefern auch die Belastungsgrenzen unserer Gesundheit überschritten sind? Vor allem die Nutzung fossiler Energien schädigt unsere Gesundheit – Hitzewellen, Luftqualität, PFAS und Co - diese Zusammenhänge wird Prof. Dr. Koch (Southern University Denmark / Charité) in ihrem Vortrag beleuchten und Fragen beantworten.   

Susanne Koch ist Ärztin und Wissenschaftlerin an der Charité. In den letzten Jahren Forschung zum Thema Nachhaltigkeit im Gesundheitssystem und dem Einfluss der Umweltzerstörung auf unsere Gesundheit. Seit Juni 2023 Professur an der Süddänischen Universität in Odense. Aktiv bei Health 4 future und Scientist Rebellion. Als Ärztin tätig in der Intensivmedizin und in der Palliativmedizin.

Freitag, 28. Juli 2023

Mittwoch, 26. Juli 2023

Forscher: Hitzewellen in Europa und den USA ohne Klimawandel "praktisch unmöglich"

Focus hier

 hier    Artikel von AFP • 23.7.23

Die heftigen Hitzewellen in den USA, Europa und China wären ohne den menschengemachten Klimawandel "praktisch unmöglich". Das geht aus einer neuen Schnellanalyse von Wissenschaftlern des Forschungsnetzwerks World Weather Attribution (WWA) hervor.

Die globale Erwärmung habe etwa die Hitzewelle in China "mindestens 50 Mal wahrscheinlicher" gemacht, erklärten die Forscher am Dienstag. Außerdem sorge der Klimawandel dafür, dass die Hitzewellen heißer und länger geworden seien und öfter aufträten.

Extreme Temperaturen halten in diesem Monat Südeuropa, Teile der USA, Mexiko und China im Griff - teils mit Temperaturen über 45 Grad. In Phoenix im US-Bundesstaat Arizona etwa stieg das Thermometer drei Wochen in Folge auf über 43 Grad - ein Rekord.

"Die Rolle des Klimawandels ist absolut überwältigend", sagte die Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London. Otto und ihre WWA-Kollegen haben Wetterdaten und Computer-Modellsimulationen genutzt, um das heutige Klima mit dem der Vergangenheit zu vergleichen. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf Zeiträume, in denen die Hitze in jeder Region "am gefährlichsten" gewesen sei. 

In der Vergangenheit sei es "im Grunde unmöglich" gewesen, dass solche schweren Hitzewellen zur selben Zeit aufgetreten seien, sagte Otto. In der Zukunft könne sich dies aber noch verschlimmern. "So lange wir fossile Brennstoffe verbrennen, werden wir mehr und mehr dieser Extreme sehen", fuhr sie fort.

Den Ergebnissen der Analyse zufolge müssen diese schweren Hitzewellen nun etwa alle 15 Jahre in Nordamerika, alle zehn Jahre in Südeuropa und alle fünf Jahre in China erwartet werden. Und sie werden demnach noch häufiger auftreten, sollte die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um 2 Grad ansteigen. 

Mittwoch, 26. Oktober 2022

Große Studie: Klimawandel wird zur Gesundheitsbedrohung

Spektrum hier

Die globale Erwärmung könnte drastische Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen haben. Eine Forschergruppe hat nun umfassend die Risiken bemessen.

Die Verwendung von Kohle, Gas und Erdöl beschleunigt nicht nur den Klimawandel – sie verschärft auch die gesundheitlichen Folgen, die mit Erderwärmung, Luftverschmutzung und Extremwetterereignissen einhergehen. So lautet die eindringliche Warnung des »Lancet Countdown 2022«. Die Fachleute des Berichts betonen aber auch, dass sich ein weiterer Anstieg der durch den Klimawandel bedingten Todesfälle und Krankheiten noch verhindern lässt.

»Die Klimakrise bringt uns um«: Angesichts des siebten Jahresberichts des »Lancet Countdown on Health and Climate Change« findet UN-Generalsekretär António Guterres klare Worte.
Die Krise untergrabe nicht nur die Gesundheit der Erde, sondern auch die Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt: »Durch giftige Luftverschmutzung, immer weniger Ernährungssicherheit, höhere Risiken für den Ausbruch von Infektionskrankheiten, extreme Hitze, Dürre, Überschwemmungen und vieles mehr.« Tatsächlich zeichnet der seit 2015 erscheinende Bericht ein düsteres Bild der gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, die durch die anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern weiter verschärft würden.

Eine unmittelbare Gefahr sieht der aktuelle Bericht, der von 99 Fachleuten aus 51 Institutionen und UN-Organisationen erstellt wurde, bei der globalen Ernährungssicherheit: Einer Analyse von 103 Ländern zufolge nehmen Tage mit extremer Hitze auf Grund des Klimawandels an Häufigkeit und Intensität zu. Als Folge daraus habe dort die Zahl der Menschen, die von einer mäßigen bis schweren Ernährungsunsicherheit betroffen sind, 2020 um 98 Millionen Menschen höher gelegen als im Schnitt der Jahre von 1981 bis 2010.

Im Zeitraum 2012 bis 2021 sei die jährlich von extremer Dürre betroffene weltweite Landfläche zudem durchschnittlich um 29 Prozent größer gewesen als von 1951 bis 1960. Vor allem für vulnerable Bevölkerungsgruppen wären nahrhafte Lebensmittel künftig nur noch eingeschränkt verfügbar und zugänglich, prognostiziert Umweltökonomin Elizabeth Robinson von der London School of Economics in einer Mitteilung: »Dies ist besonders besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass sich die globalen Lebensmittelversorgungsketten in diesem Jahr erneut als äußerst schockanfällig erwiesen haben, was sich in rapide steigenden Lebensmittelpreisen und einer entsprechenden Zunahme der Ernährungsunsicherheit niederschlägt.«

Hitze kann Atemwegserkrankungen und Schlaflosigkeit bewirken

Extreme Hitze stelle jedoch auch eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit dar, indem sie etwa Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verschlimmere, negative Auswirkungen auf Schwangerschaften habe und zu Hitzschlag, verschlechtertem Schlafverhalten und schlechter psychischer Gesundheit führe. Darüber hinaus schränke sie die Arbeits- und Bewegungsfähigkeit der Menschen ein, heißt es in dem Bericht. Alles in allem sei die Zahl hitzebedingter Todesfälle im Zeitraum von 2017 bis 2021 im Vergleich zu den Jahren 2000 bis 2004 um 68 Prozent gestiegen. Und schließlich fördere der Klimawandel die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Malaria und Denguefieber.

»Unser diesjähriger Bericht zeigt, dass wir an einem kritischen Punkt angelangt sind«, fasst Marina Romanello, Leiterin des Reports und Forscherin am University College London, zusammen. Vor allem die andauernde Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verschlimmere die beobachteten Befunde, wobei weder Regierungen noch Unternehmen ihre Versprechen einlösten. 2019 hätten beispielsweise 69 der 86 im Bericht betrachteten Regierungen fossile Energieträger effektiv mit einem Nettogesamtbetrag von 400 Milliarden US-Dollar subventioniert. In 31 dieser Länder hätten diese Subventionen mehr als zehn Prozent der nationalen Gesundheitsausgaben ausgemacht.

Der Report macht indes auch Hoffnung: Die Erzeugung erneuerbarer Energien sei zwar noch unzureichend, habe 2020 aber ein Rekordniveau erreicht. Parallel seien die Investitionen in Stromerzeugungsmethoden mit kohlenstofffreien Quellen gestiegen. Insgesamt ließen sich die Auswirkungen des Klimawandels auf die globale Gesundheit abdämpfen. Nötig seien hierfür ein rascher Umstieg auf saubere Energieträger, eine Verbesserung der Luftqualität und Verminderung der Feinstaubbelastung, ein beschleunigter Übergang zu einer ausgewogenen und verstärkt pflanzlichen Ernährung und eine stärkere Begrünung von Städten.

Sonntag, 1. August 2021

Klimafreitag vom 30.7.21, Süddeutsche Zeitung

 

Dass der Klimawandel die menschliche Gesundheit bedroht, dürfte kaum jemanden überraschen. Länger anhaltende Hitzewellen sind besonders tödlich, so hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der Menschen über 65, die infolge extremer Hitze starben, weltweit verdoppelt. Und mit dem ungebremsten Temperaturanstieg erhöhen sich die Risiken weiter. Das medizinische Fachjournal The Lancet nennt den Klimawandel daher die größte globale Bedrohung der öffentlichen Gesundheit des Jahrhunderts.

 Umso überraschender, dass sich diese gesundheitlichen Risiken bislang kaum in der Klimapolitik niederschlagen. Um Klimaschäden abzuwägen, nutzen Politiker sogenannte integrierte Bewertungsmodelle, in die auch die „sozialen Kosten des Kohlenstoffs“ einfließen. Das sind beispielsweise die wirtschaftlichen Schäden, die eine Tonne CO₂ anrichtet, etwa durch verminderte Ernteerträge. So lässt sich der Nutzen von Klimaschutz in Zahlen ausdrücken, ähnlich wie bei einer Versicherungspolice. Schäden am Menschen kommen bei der Bewertung jedoch kaum vor.

 Um das zu ändern, hat die Columbia University eine neue Metrik entwickelt, die sogenannten „Mortalitätskosten des Kohlenstoffs“ - oder anders ausgedrückt, wie viele Menschen durch Treibhausgase sterben. Die Zahlen, die der Autor der Studie Daniel Bressler ausgerechnet hat, sind gewaltig. Bleibt die Welt auf ihrem bisherigen Emissionspfad, würde der Klimawandel demnach bis zum Ende des Jahrhunderts 83 Millionen zusätzliche Todesopfer fordern – die Erde hätte sich dann um 4,1 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt. Gelingt es hingegen, die Emissionen ab sofort schnell zu senken, ließe sich die Zahl der Todesfälle auf neun Millionen begrenzen, also 74 Millionen Leben retten.

Auch der Effekt einzelner Maßnahmen lässt sich so beziffern: Legt man beispielsweise nur für ein Jahr ein Kohlekraftwerk still und ersetzt dessen Kapazität durch erneuerbare Energien, verhindert man dadurch bis zum Ende des Jahrhunderts 904 Todesfälle. 100 000 Autos mit Verbrennungsmotor, die ein Jahr lang unterwegs sind, produzieren demnach 105 zusätzliche Todesfälle, Verkehrsunfälle nicht eingerechnet. Dabei hat Bressler nur die Folgen der Hitze betrachtet, also beispielsweise Todesfälle infolge von Hitzschlag. Andere Klimafolgen wie Überschwemmungen, Starkregen oder klimabedingte bewaffnete Konflikte sind in der Rechnung noch gar nicht enthalten.

Auch so ist eine solche Modellierung natürlich sehr komplex und hängt von vielen Faktoren und Unsicherheiten ab. So ist mehr als fraglich, dass die Emissionen weiter so stark ansteigen wie im „Worst Case“-Szenario vorausgesetzt, und erst 2090 ein Plateau erreichen. Allerdings zeigt die Studie sehr anschaulich den Preis des Nichthandelns auf, und ermöglicht eine deutlich genauere Abschätzung der sozialen Kohlenstoffkosten. Bezieht man die Mortalität mit ein, müsste der soziale CO₂-Preis laut Bressler bei 258 US-Dollar pro Tonne liegen, siebenmal höher als derzeit im weithin international anerkannten DICE-Modell veranschlagt.

Letztlich geht es darum, wie viel uns das Leben der nachfolgenden Generationen – oder unser eigenes – wert ist. Und wie sehr wir bereit sind, unser heutiges Handeln nach dem Ziel auszurichten, künftiges Leid zu verhindern.

 

 


 

 

Christoph von Eichhorn


Freitag, 4. Juni 2021

SPIEGEL Klimabericht vom 3. Juni 2021

Ein internationales Forscherteam hat nun die Übersterblichkeit durch vermehrte Hitze infolge des Klimawandels in einem Modell berechnet. Und die Zahlen sind beachtlich. Demnach ließe sich ein Drittel aller hitzebedingten Todesfälle weltweit zwischen 1991 und 2018 auf die Folgen der global steigenden Temperatur zurückführen...
Anfang des Jahres zeigte zudem eine Untersuchung im Fachjournal »Environmental Research«, dass sich im Jahr 2018 einer von fünf Todesfällen weltweit mit der Luftverschmutzung durch Kohle, Benzin oder Diesel erklären lässt. Die Europäische Umweltagentur EEA ermittelte, dass in der EU jedes Jahr rund 400.000 Menschen vorzeitig aufgrund von Luftverschmutzung sterben. Eine Ursache hierfür ist Feinstaub, der durch die Energieerzeugung, die Industrie und den Straßenverkehr aber auch durch die Landwirtschaft freigesetzt wird....
Die Botschaft aller drei Erhebungen lässt sich vereinfacht so zusammenfassen:
Schon heute, bei einer gemittelten globalen Erwärmung von »nur« 1,1 Grad, lassen sich einigermaßen konkret Todesopfer infolge des Temperaturanstiegs finden. Dabei gefährdet nicht nur die zunehmende Hitze die Gesundheit vieler Menschen weltweit, sondern auch die Nutzung fossiler Energien, die den Klimawandel erst hervorrufen.

Donnerstag, 27. Mai 2021

Eckart von Hirschhausen: "Wir müssen nicht das Klima retten – sondern uns"

Hintergrund-Artikel in GEO hier

Die Klimakrise bedroht nicht nur die Erde, sondern auch unsere Gesundheit. Die Hitzewelle 2003 beispielsweise kostete 70.000 Europäerinnen und Europäer das Leben ...

Die Klimakrise bedroht unsere Gesundheit existentiell. Es sprechen zum Beispiel immer noch zu wenige Menschen darüber, aber Luftverschmutzung ist weltweit das Schlimmste, killt mehr Menschen als das Rauchen, und verkürzt auch unser Leben in Deutschland massiv. Der Dreck in der Luft hängt maßgeblich an der Verbrennung von fossiler Energie: Kohle, Diesel, Öl.

Dabei entsteht Feinstaub, der für Viren eine Art Taxi in die vorgeschädigte Lunge ist. Dort, wo die Luft am dreckigsten ist, verläuft auch eine Covid-19-Infektion besonders schwer. Man erkennt: Die Krisen hängen zusammen. Wir diskutieren die Energiewende aber immer noch so, als wäre es primär ein Thema für Ingenieurinnen und Ingenieure und nicht für uns alle. Die nächsten zehn Jahre entscheiden darüber, wie die nächsten 10.000 Jahre für unsere Zivilisation werden. Wir müssen nicht das Klima retten – sondern uns.

Und was hilft unserer Gesundheit und dem Klimaschutz gleichermaßen?

Reden, den Mund aufmachen, Fakten vermitteln, sich schlau machen, vernetzen und auf politische Veränderung drängen. Das haben wir vor lauter Mülltrennen und Jutebeutel-Auftragen etwas vergessen. Die großen Hebel sind in neuen Rahmenbedingungen, nicht im persönlichen Verhalten. Die allermeisten denken bei Klimaschutz an Verzicht, und das ist falsch. Wir müssen viel mehr betonen, welche Vorteile wir selbst haben, wenn wir für den Klimaschutz handeln: Radfahren statt Auto, Zug statt Flugzeug und Gemüse statt Fleisch. Als Arzt interessiert mich der gesundheitliche Vorteil dieser Maßnahmen. Ich atme lieber die Abgase von zehn Radfahrern ein als von einem SUV.

Freitag, 12. März 2021

Wenn der Hitzestress zu groß wird - Hintergrundwissen

 hier zum ganzen Artikel: KLIMASCHUTZ in Spektrum.de

Wenn die Luft zu warm wird, versagt die Kühlung des Körpers. Eine neue Studie zeigt: Durch das 1,5-Grad-Ziel bliebe den meisten Menschen dieses Schicksal erspart.

Wissenschaftler haben einen weiteren Grund gefunden, warum sich ambitionierter Klimaschutz auszahlen könnte: Er dürfte maßgeblich dazu beitragen, dass die meisten Regionen entlang des Äquators dauerhaft bewohnbar bleiben. Bei einer ungebremsten globalen Erwärmung würde die Luft in den Tropen während Hitzewellen hingegen so erdrückend warm, dass es für Menschen lebensgefährlich wird, schreibt das Forschertrio um Stephan Fueglistaler von der Princeton University in »Nature Geoscience«.


Die Wissenschaftler machen dies an der so genannten Kühlgrenztemperatur fest. Sie ist das etablierte Maß für den Hitzestress und gibt die tiefste Temperatur an, auf die sich die menschliche Haut in einer bestimmten Umgebung durch Schwitzen herunterkühlen kann. Die Messgröße liegt dabei stets unterhalb der Außentemperatur und hängt stark von der Luftfeuchte ab.