Wir müssen angesichts der sichtbaren Eskalation der planetaren Krise einmal über das Porzellan im Elephantenladen sprechen.
Wie viel Technologieoffenheit können wir uns noch leisten?
Bestimmt haben Sie auch die Schlagzeilen gelesen: Die Gewinne der größten Ölkonzerne sind wegen des Iran-Kriegs stärker explodiert, als so manche Raffinerie im Nahen Osten.
Schon 2023 sagte António Guterres:
„Die Produzenten fossiler Energien und ihre Unterstützer treiben die Ausweitung der Produktion weiter voran –
obwohl sie genau wissen, dass dieses Geschäftsmodell mit dem Überleben der Menschheit unvereinbar ist.“
Ok, Überleben der Menschheit - übertreibt dieser linksradikale Klimaaktivist da nicht? Und woher stammt dieses Zitat überhaupt? Von irgendeiner Demo dieser Klima-Irren? Na ja, die Veranstaltung, wo der UN-Generalsekretär in seiner offiziellen Rede diese Sätze sagte, war das World Economic Forum in Davos.
„Der Klimanotstand ist unser dritter Weltkrieg.
Unser Leben und unsere Zivilisation, wie wir sie kennen,
stehen auf dem Spiel – genau wie im Zweiten Weltkrieg.“
Dieses Zitat stammt ebenfalls nicht aus dem Klimaaktivismus-Lager, sondern vom Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und Professor an der Columbia University in New York.
Vom Wirtschaftsprofessor aus den USA zu einem Professor nach Belgien, Prof. Aviel Verbruggen. Er ermittelte mit offiziellen Zahlen der Weltbank fossile Subventionen und Gewinne der Öl- und Gaskonzerne, von 1970 bis heute. Einige kennen das schon, Prof. Christian Stöcker berichtete darüber.
„Das ist eine riesige Menge Geld.
Mit all diesem Geld kann man jeden Politiker,
jedes System kaufen – und ich glaube, genau das ist passiert.
Es schützt [die Produzenten] vor politischen Eingriffen,
die ihre Aktivitäten einschränken könnten.“
Und da ist es, das Porzellan im Elefantenladen: Denn dieses Geld kaufte eben nicht nur Politikerinnen und Politiker, sondern durch Desinformation von Presse und Fake-News im Social Media auch Teile der Öffentlichkeit. Was dann wiederum dazu führt, dass auch eine nicht gekaufte Politik aus populistischen Gründen Angst vor wirksamen Klimaschutzmaßnahmen hat.
Für die meisten dürfte das alles keine neue Erkenntnis sein. Denn bei den Klimalösungen haben wir
weder ein Geld- noch ein Erkenntnisproblem.
Im Gegenteil: Je wirtschaftlicher emissionsfreie Energie wird, desto mühsamer wird es,
die fossile Energiewende-Sabotage noch irgendwie zu rechtfertigen.
„AgNes“ lässt grüßen – ein Name, den vermutlich kein heute geborenes Kind von Eltern aus der neuen Energiewirtschaft tragen wird. Wie man eine derart rückwärtsgewandte Regulierung, die weder systemdienlich noch netzdienlich ist, überhaupt ernsthaft ins Spiel bringen kann, lässt sich mit Logik jedenfalls nur schwer erklären. Und auch nicht mit Inkompetenz allein.
Aber warum ist das alles gerade jetzt noch einmal wichtig? Weil die planetare Krise diesen Sommer eine Sichtbarkeit erlangt hat, die auch den größten Leugnern des menschengemachten Klimawandels ein unwohles Gefühl beschert.
Und das öffnet die Tür für eine ehrliche Debatte darüber, wie viel Verzögerung wir uns noch leisten möchten? Oder wir uns noch leisten können? Wie viel Freiwilligkeit wirklich funktioniert oder ob die breite, träge Masse nicht jetzt einmal angeschoben werden muss? Denn Freiwilligkeit führt zu ca. 4% E-Auto Quote bei Bestandsfahrzeugen in Deutschland.
Thema Wärmewende:
Freiwillige Wärmewende mit guten Angeboten, oder durch Stilllegung der Gasnetze? Wir haben das Experiment gemacht und 350 Haushalte in einer Straße persönlich per individuellem Brief eingeladen. Ein Fußweg von 2 bis 10 Minuten zu einem in der Gemeinde bekannten Veranstaltungsort. 2% der 350 eingeladenen Haushalte sind zur Infoveranstaltung für eine Wärmepumpen-Sammelbestellung erschienen. Meine These hier: Lädt das Stadtwerk ein, zusammen mit dem Schreiben des Netzbetreibers - in 5 Jahren wird das Gasnetz stillgelegt - dann gibt es einen Aufschrei, aber das Interesse an der Wärmepumpe oder Klimaanlage ist geweckt. Und in der Sammelbestellung wird es für jeden Haushalt dann auch so günstig, wie mit Gas zu heizen.
Thema E-Mobilität:
Warum schaffen Kommunen denn jetzt E-Busse statt Diesel-Busse an? Weil es verpflichtende Quoten gibt. Und ja, das E-Auto ist jetzt in Deutschland auf Platz 1 der Zulassungen, relativ gesehen lag die reine E-Auto-Quote aber bei 22%. Was ja auch bedeutet, dass 2026, in dem Jahr wo in nahezu allen Klassen absolut praxistaugliche E-Fahrzeuge preisgleich zu Verbrennern verfügbar sind, immer noch 78% der Menschen Verbrenner oder Schrott-in-Hybride anschaffen. Also, brauchen wir ein Zulassungsverbot für Verbrenner 2035 oder besser 2028 - um der europäischen Autoindustrie eine letzte Chance zu geben, den Anschluss an China und die USA nicht endgültig zu verpassen?
Thema Stromproduktion und Netz:
Möchten wir Netzbetreibern jetzt gesetzlich zwingen, innerhalb von 6 Monaten Transparenz zum Netzzustand herzustellen, freie Kapazitäten und Engpässe zu benennen, die Überbauung von Solar, Wind, Batterie und Bioenergie zu akzeptieren - oder möchten wir das auch alles weiter freiwillig lassen, so dass selbst wenn Kapital, Fläche & Verwaltung bereit stehen - Projekte zur Dekarbonisierung und Sicherung unserer Lebensgrundlage am Netzanschluss scheitern?
Ja, alles was uns hilft kann freiwillig bleiben und alles was uns schadet kann erlaubt bleiben, aber dann wird’s halt scheiße. Denken Sie mal darüber nach, und schreiben gerne in die Kommentare, wie Sie sich das jetzt ohne Verbote und ohne Verbindlichkeit im Jahr 2026 vorstellen. Aber vielleicht hat Planet B das ja alles etwas konsequenter gelöst.
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