Posts mit dem Label S4f werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label S4f werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 15. Juli 2022

Offener Brief der Scientists for Future in Ravensburg zum Stand der Klimaschutzpolitik 15. Juli 2022

Übrigens:  am Montag (18.7.) um 16 Uhr im GR Ravensburg wird Mark Lehnertz zum (mangelhaften) Klimaschutz in RV vortragen.

 hier Bericht in der Schwäbischen von F. Hautumm

Klimaschutz: Wissenschaftler werfen Stadt Ravensburg Versäumnisse vor

An Verwaltung und Gemeinderat (GR) der Stadt Ravensburg hier

Der Klimawandel ist nachweislich in vollem Gang und die Prognosen sind mittlerweile von sehr hoher Qualität und Aussagekraft.

Immer mehr Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass es nur noch ein geringes CO2-Restbudget gibt, das ohne wirkungsvolle Maßnahmen sehr bald aufgebraucht ist. 2  
(Spratt, David, and Ian Dunlop. What lies beneath: the understatement of existential climate risk)

Das heißt, dass alle Menschen sofort und schnell wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz umsetzen sollten. Andernfalls wird die Klimaerwärmung auf deutlich über 1,5 Grad ansteigen mit katastrophalen Konsequenzen für alle Menschen wie etwa Dürren, Flutkatastrophen, Überflutung aller Küsten und globalen Flüchtlingsströmen von ungeahntem Ausmaß.

Vor zwei Jahren wurde der Ravensburger Klimakonsens (RKK) einstimmig beschlossen.
Wichtiger Teil dieses Beschlusses ist eine CO2-Reduktion von mindestens 13,3% pro Jahr.
Nur wenn die Stadt als Ganzes diesem Reduktionspfad folgt, leistet sie einen fairen Beitrag zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels. Da sich CO2 in der Atmosphäre kumulativ ansammelt, bedeutet jede Verzögerung heute, dass die Einsparbemühungen morgen noch radikaler werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Dieser Tatsache hat auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom April 2021 Rechnung getragen. 

Dienstag, 12. April 2022

Manne Walser: Redebeitrag "Wald,Wind und Kies"

Das ist der Redebeitrag  von Manne Walser von der Demo am 2.4.22  in Ankenreute.
Er ist Autor der Gutachten der Scientists zum Regionalplan und Raumplanungsexperte beim BUND.

Hallo zusammen, ich heiße Manfred Walser, bin aktiv im BUND Ravensburg-Weingarten und bei den Scientists for Future.
Ich stelle meinen Beitrag unter den Titel Wald, Wind und Kies 


Ich fange mir dem Kies an.
Da könnte ich allein eine Stunde darüber reden, aber ich will mich auf drei Punkte beschränken: 

Punkt 1) Der Export Der Export zeigt sich im Preis für Kies. In Deutschland liegt der Preis pro Tonne Kies durchschnittlich bei 10 Euro, in Österreich bei 17 Euro und in der Schweiz bei 20 Euro. Die kürzlich veröffentlichte Rohstoffstudie der Bodenseeregion zeigt, dass die Standorte in der Nähe der Grenze zu Vorarlberg und der Schweiz durchschnittlich 6 Euro mehr für die Tonne Kies verlangen können als die grenzfernen Standorte. Das ist nur möglich, weil sie die Möglichkeit zum Export in die Nachbarländer haben. Da könnte man natürlich politisch gegensteuern.
Vorarlberg erhebt z.B. im eigenen Land ein Naturschutzabgabe auf den geförderten Kies. Baden-Württemberg verweigert eine solche Abgabe. Das verstehe ich nicht. 

Punkt 2) Recycling- Beton- Kies ist ein nicht erneuerbarer Rohstoff. Das bedeutet, er sollte so sparsam wie möglich verwendet und nach Möglichkeit wiederverwertet werden. Das geht zum einen dadurch, dass man Gebäude saniert, anstatt sie abzureißen und neu zu bauen. Außerdem durch durch die Verwendung alternativer Baustoffe wie Holz und Lehm Und natürlich durch Betonrecycling.
Die Recyclingquote für Bauschutt in BaWü klingt zuerst einmal ganz ordentlich: 94%. Aber das meiste wird nicht recycelt sondern downgecycelt und als Schüttmaterial im Straßenbau verwendet.

Obwohl das Recycling und die Wiederverwendung des Materials als Betonrohstoff technisch ausgereift sind. Recyclingbeton kostet nur ungefähr 10% mehr als der Beton aus frisch gefördertem Kies. Er ist aber in der Architektenszene wenig bekannt und wird von Verwaltungen mangels Erfahrungen kaum ausgeschrieben. Und es fehlen Standorte für die Aufbereitung des Bauschutts. Mehr Nachfrage würde die Wertschöpfungskette ankurbeln und das System wirtschaftlicher machen. Da müsste die öffentliche Hand Vorreiter sein. 

Also wenn es schon Beton sein muss: Wie wäre es z.B. mit dem Recycling von alten, stillgelegten Baustoffdeponien? Oder wie wäre es, nicht nur den Abbau von Kies mit Abgaben zu belegen, sondern auch die Deponierung von Betonresten zu verteuern und damit einen zusätzlichen Anreiz für die Verwendung von Recyclingbeton zu schaffen? Da kommt sofort der Schrei nach den hohen Baukosten die das Wohnen verteuern; so argumentiert u.a. auch die Landesregierung. 

Aber das ist Humbug: Die Mehrkosten für Recyclingbeton Betragen für eine 100 m² Wohnung etwa 250.- €, das würde bei der Wohnungsmiete dann gerade mal 1 Euro im Monat ausmachen. 

(Berechnung: Man hat ungefähr 120 kg Kies für einen Kubikmeter Mehrfamilienhaus vom Baujahr 1962 gebraucht, denn in der damaligen Bauweise waren 44% der Baumasse Beton, und davon sind wiederum 4/5 Kies und Sand. Das ergibt ca. 700 kg Kies pro m² pro Nutzfläche (Das Verhältnis zwischen Nutzfläche und umbauten Raum beträgt im Geschosswohnungsbau ungefähr 1:6 oder 1:7). Dies Kosten für Beton betragen mit Stand heute in dieser Region durchschnittlich 12-18 Euro, d.h. allein die Betonkosten liegen bei 8,50 – 12,50 €/ m² Wohnfläche. 10 - 20 Prozent Mehrkosten für Recyclingbeton ergeben dann 1,70 – 2,50 €/ m² Wohnfläche. 

Die Mehrkosten liegen also für eine 100 m²- Wohnung bei 250.- €. Und wenn man bedenkt, dass die Investition für so ein Haus über mindestens 20 Jahre abgeschrieben wird, dann ergibt sich daraus eine Mietpreiserhöhung von 1 Cent pro m².) 

Punkt 3) Ich habe Zweifel an der Datenqualität: In der Unternehmensbefragung haben im Landkreis Ravensburg, in dem der Altdorfer Wald liegt, nur knapp ¼ der befragten Standorte geantwortet. Das reicht in meinen Augen nicht für eine Fakten-basierte Analyse.
Zumal die Studie nichts darüber aussagt, wie viel Prozent der Abbaumenge durch dieses Viertel erfasst sind. Hätte ich ein bisschen mehr Zeit zur Verfügung, dann würde ich mich intensiv in die Studie und die Quellen hineinarbeiten. Aber dafür langt es gerade leider nicht. 


Aber verlassen wir den Kies und kommen zum Wind
Da muss ich etwas ausholen und zuerst auf unseren Energiehunger eingehen: In einer Pressemitteilung haben wir vor zwei Wochen geschrieben: 

Leider kommen wir beim Energiesparen überhaupt nicht voran.
Seit 30 Jahren ist der Endenergieverbrauch pro Bundesbürger konstant hoch
und liegt bei etwa 85 kwh/Tag.
Jede*r Deutsche hat damit — bildlich gesprochen — 100 Radfahrer im Einsatz,
die täglich 10 Stunden für den persönlichen Energiehunger strampeln
.“ 

Und der Bedarf nimmt zu: Heizungen werden auf Strom umgestellt, die Mobilität wird auf Strom umgestellt und die Digitalisierung hat einen hohen Strombedarf. Das bedeutet:
Bei den Verhaltensänderungen sind wir realistisch betrachtet viel zu langsam. 

Aber das Klima interessiert sich nicht dafür, wie viel Zeit wir zur Änderung unseres Verhaltens benötigen. Es erwärmt sich einfach Grad um Grad.
Die Wissenschaft sagt (in einer für wissenschaftliche Aussagen seltenen Klarheit und Eindeutigkeit), dass wir noch einen Zeitkorridor bis etwa 2035 haben, in dem wir substantielle Verbesserungen erreichen müssen, um dann 2050 die Klimaneutralität zu schaffen.
Das geht nicht ohne den massiven Ausbau erneuerbarer Energien. Ohne Photovoltaik und Windkraftwerke können wir die fossile und atomare Energie nicht schnell genug ersetzen. Selbst wenn wir alle theoretisch in Frage kommenden Dächer nutzen, und dazu Parkplätze und hoffentlich bald Obstplantagen usw. - selbst dann können wir nur etwa ein Viertel unseres Endenergieverbrauchs aus Photovoltaik produzieren. 

Wenn wir die Zahl der Windräder in Deutschland verdoppeln und die vorhandenen 30.000 Windräder „repowern“, können wir damit ungefähr die Hälfte unseres Energiebedarfs decken.
Die wesentlich geringeren Potentiale der Bioenergie, Geothermie und Wasserkraft müssen zusammen mit dem Energiesparen dann das restliche Viertel besorgen. 

(Berechnung: Alle Dächer in D haben 1.500 km². Wenn wir sie alle mit Fotovoltaik belegen - und 3.500 km² Freiflächen dazu (Parkplätze, Kiesgruben, Wasserflächen, Straßen aber auch Äcker und Wiesen und hoffentlich bald Obstplantagen ) deckt die Sonne gerade ein Viertel unseres Endenergieverbrauchs – nämlich 28 kwh/Tag. Wenn wir die Zahl der Windräder in D verdoppeln und die vorhandenen 30.000 Windräder „repowern“ könnten wir ca. 40 kwh/Tag erneuerbar machen. Den Rest machen wir mit Bioenergie (12 kwh - Achtung: flächenintensiv) und Geothermie (8 kwh) und Wasser (1 kwh). ) 

Wir können es uns nicht mehr leisten zu sagen, man solle doch zuerst diese oder jene Energieform nutzen: Angesichts der Dringlichkeit müssen wir alle regenerativen Energien zugleich und mit großer Kraft vorantreiben. (Auf die Träume vom sauberen Atomstrom und technischer CO2- Speicherung gehe ich nicht näher ein, denn das sind in meinen Augen unseriöse Diskussionen, die nur vom Thema ablenken sollen.) 

Und damit komme ich zu meinem dritten Thema,
dem Altdorfer Wald

 Ja, auch hier im Wald brauchen wir Windräder. Denn die Stellen, die überhaupt für Windräder in Frage kommen, weil hier genug Wind weht und weil wir ausreichend Abstand zu Wohngebieten haben sind sehr begrenzt. Die müssen wir alle nutzen. 

(„Leider wird es nicht möglich sein, die Zahl der erforderlichen Windkraftanlagen nur im Offenland bzw. in ausgeräumten Agrarlandschaften zu bauen. Wir brauchen dazu auch Flächen im Wald. Wenn man nämlich die Windpotentialflächen in Ba-Wü mit Windleistungsdichte von mindestens 215 W/m² in 160 m Höhe über Grund mit den Restriktionen (Lärm, Naturschutzgebiete, Militär…) überschneidet, fällt das Offenland wegen der dichten Siedlungsstruktur ziemlich heraus“, so in einer Antwort-Mail der BUND-Regionalgeschäftsstelle Bodensee-Oberschwaben.) 

Aber natürlich darf das nicht auf Kosten der Natur gehen. Das zeigt der neueste IPCC-Sachstandsbericht, der viel stärker als frühere Berichte den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Landnutzung und Ökologie thematisiert. 

Und der Verlust an Biodiversität ist ja neben dem Klimawandel die zweite existentielle Krise, die immer etwas im Schatten des Klimawandels steht. Wir müssen enorm aufpassen, dass wir die zwei Themen nicht gegeneinander ausspielen. Deswegen müssen wir gut planen. 

Aus unserer Sicht sind im Wald vor allem die Flächen interessant, die bereits von Schädlingsbefall oder Windwurf  betroffen sind oder eine geringe Arten- und Strukturvielfalt haben, wie z.B. eintönige Fichtenmonokulturen. Auf keinen Fall kommen Flächen in Frage, die der Naturschutz braucht: Biotope, FFH-Gebiete, Wildtierkorridore usw. Und wir benötigen die Flächen in der Nähe von Straßen, um den Flächenverbrauch für die Infrastruktur – für den Bau und den Betrieb – möglichst gering zu halten. Solche Standorte gibt es im Altdorfer Wald. 

Und wir benötigen gebündelte Naturschutzmaßnahmen, z.B.: • Artenhilfsprogramme für windkraftsensible Arten; die Ausweisung von weiteren Bann- und Schonwaldbereichen im Altdorfer Wald kann einen gewissen Ausgleich bieten. •
Außerdem bieten zeitlich begrenzte Abschaltungen von Windkraftanlagen Schutz für bestimmte Tierarten. • Auch die Gestaltung von Flächen (unattraktiv für bestimmte Arten im näheren Umfeld, attraktiv zur Nahrungssuche im weiteren Umfeld etc.) ist eine mögliche Maßnahme.

Fazit : Die Naturschutzverbände in der Region arbeiten gerade gemeinsam an solchen Kriterien.
Und wenn man vernünftig plant und nicht nur darauf schaut, welche Fläche am einfachsten zu bekommen sind, dann kriegen wir das auch einigermaßen verträglich hin.

Aber da müssen wir zusammenhalten. Es geht darum, Klimaschutz und Naturschutz zusammen zu bringen und nicht darum, dass jeder nur sieht, was vor seiner Haustüre passiert. 

Mittwoch, 9. Februar 2022

Der Regionalplan wird den Aufgaben der nächsten Jahre nicht gerecht!

Es gibt ein "neues"  zweites Gutachten zum Regionalplan & Klimaschutz von den Scientists4future Ravensburg. hier

Kritische Anmerkungen zur

Fortschreibung des Regionalplans Bodensee-Oberschwaben Berücksichtigung von Aspekten des Klimaschutzes und der Klimawandelanpassung im Regionalplan


(Das 1. Gutachten war schon vor der Verabschiedung des Regionalplanes diskutiert worden  hier kann man dieses runterladen)


hier ist das zweite Gutachten auf der BUND-Seite verlinkt
Der BUND schreibt: 

Wir warten gespannt auf die Prüfung des Regionalplans auf Landesebene...
& außerdem auf den Startschuss für die Beteiligung in der Aufstellung des Teilregionalplans Energie des RVBO!



Kurzfassung des Gutachtens

Sonntag, 28. März 2021

Teil 2: Scientists for future, fff Bodensee, ABL/Demeter, BLHV

Für die Scientists4future sprach  Prof. Dr. Silvia Queri

Link zur Rede



Diese Rede habe ich schon in voller Länge veröffentlicht hier, es lohnt sich die ganze Rede nachzulesen!


Mit den Landwirten stehen wir in der Ablehnung des Flächenverbrauchs im RP bereits zusammen auf einer Seite. Jetzt ist wichtig, dass wir uns nicht wieder spalten lassen von der Politik in Naturschützer gegen Bauern.

Dieser zivilgesellschaftliche Widerstand muss jetzt aber noch so lange aufrechterhalten werden, bis der Zug auf dem richtigen Gleis in die richtige Richtung steht!
Dann traue ich unserer Politik und Verwaltung auch wieder zu, dass sie ihn am Fahren halten (‚Weiter so‘!)! Aber so lange bitte noch durchhalten – v.a. die F4F, die ich natürlich lieber in der Schule und Ausbildung/HS sehen würde, wo sie hingehören, als auf Bäumen bei Eiseskälte!


Für FFF Bodensee sprachen Elli und  Jonathan Oremek, bei 16 Jahre alt


Link zur Rede


Uns ist aufgefallen: Wir kommunizieren nicht richtig miteinander. Wir haben uns an ein hoffnungsloses ignorantes Weiter-so gewöhnt. Wir haben eine Klimakrise die die Menschheit und die Lebensqualität ... bedroht.

...Ewiges Wirtschaftswachstum ist zu klein gedacht.... Die Wirtschaft so wie wir sie kennen funktioniert nicht auf ewig.


Veränderung ist nötig um den Klimawandel zu bekämpfen und Veränderung macht uns verständlicherweise Angst .... aber Zusammen in Solidarität und in Mitgefühl können wir das schaffen.



Für die Landwirtschaft von AbL und Demeter sprach  Petra Müller 
(für Alfons Notz im Krankenhaus)


Link zur Rede



Für die in unserer Region noch vorherrschende bäuerliche Struktur der Landwirtschaft bedeutet der vorliegende Plan des Regionalverbandes einen Schlag ins Kontor. Warum? Weil Boden die wichtigste Voraussetzung für Landwirtschaft überhaupt ist.

... so wird in 15 Jahren bei einer durchschnittlichen Hoffläche von ca. 30 ha das Land von fast 90 Betrieben geopfert!
Weil Boden nicht beliebig vermehrbar ist steigen die Pachtpreise für die aktiven Bauern in astronomische Höhen.













Für den Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband  sprach Hubert Einholz

(BLHV)        


Link zur Rede

auch diese Rede wurde inzwischen schriftlich eingestellt.


Gerade in der Bodenseeregion haben unsere Landwirte eine Kulturlandschaft geschaffen, die für uns alle als lebenswert gilt.


...dass nicht nur hunderte oder  tausende ha wertvolle landwirtschaftliche Produktionsfläche unwiederbringlich vernichtet werden sondern es werden dadurch auch viele unserer bäuerlichen Familienbetriebe um unsere Existenzgrundlage gebracht, da diesen die Produktionsgrundlage durch den Flächenfraß genommen wird.


...wir müssen in Zukunft unbedingt aus den Fehlern der letzten 30-40 Jahre lernen






 Redebeitrag für die Scientists4future von Silvia Queri


Ich spreche heute für die S4F Ravensburg und wir sind ganz klar der Meinung, dass dieser Regionalplan so nicht verabschiedet werden sollte. Das Argument, das sei doch alles nicht bindend und die Kommunen müssen ja nicht in dem Ausmaß bauen oder Gewerbe ansiedeln, ist m.E. nicht angemessen. Denn: Wozu macht man Pläne? Pläne sollen richtungsweisend, ja zukunftsfähig sein und haben Richtliniencharakter – mindestens aber Empfehlungscharakter. Es wurde – wie ja immer betont wird – viel Arbeit und Sachverstand (s. die zahlreichen Gutachten) in den Plan investiert – da sollte man als Kommune und Bürger darauf vertrauen können, dass das, was da geplant wird auch das Richtige/das Beste für die Zukunft der Region ist. 

Es ist eben nicht nur Auftrag, – wie Herr Franke gesagt hat – den Plan rechtssicher zu machen.
Nicht die Rechtsicherheit hätte die Motivation der Verbandsversammlung sein sollen, sondern die Gestaltung der Zukunft gemäß den aktuellen Anforderungen und Gegebenheiten

Statt-dessen spiegelt der Plan ein ‚Weiter so‘ wider nach vielleicht dem ehemals einmal bewährten Muster: ‚Wachstum, Wachstum, Wachstum‘. Und mit aktuellen Anforderungen und Gegebenheiten meine ich nicht nur den Klimawandel und die Zerstörung der Biodiversität, sondern auch die Veränderungen im sozial-kulturellen Bereich

Menschen möchten zunehmend z.B. auch anders wohnen, wollen anders mobil sein und anders arbeiten – Forschungen in all diesen Bereichen zeigen hier eindeutige Tendenzen von Veränderung.
Es finden also gerade fundamentale Transformationen statt und ein Planwerk über immerhin 15 Jahre kann aufgrund dieser Transformationsprozesse gar nicht ein ‚Weiter so‘ beinhalten!
Agiles Management ist jetzt gefragt – und nach meinen Einblicken in bundesdeutsche Verwaltungen – mit Verlaub - ist das nicht gerade eine Kern-Kompetenz unserer Verwaltungen!
Darum sage ich es ganz direkt: Wenn nach all diesen Jahren der Arbeit an dem Plan nichts Zukunftsfähigeres rauskommt als der aktuell vorliegende RP, dann besser gar keinen!

Die Aufgabe von Verbandsversammlung und Verwaltung wäre gewesen ‚Zukunft ermöglichen und nicht Zukunft verhindern‘!

Beispielsweise das Thema Bevölkerungszuwachs: Es ist kein Naturgesetz, dem wir hier ausgeliefert wären. Prognosen geben einen Trend wieder, wie es kommen würde, wenn nichts Unkalkulierbares wie eine Pandemie eintritt und/oder man nicht regulierend eingreift. Letzteres ist aber genau Aufgabe von Politik - sie muss gestalten, auch mal steuernd eingreifen, sonst bräuchte es keine Politik!

Aber man soll immer positiv enden: Selten geht der notwendige Wandel von der Politik oder gar Verwaltung aus, sondern meist von zivilgesellschaftlichem Engagement! Frauenbewegung, Arbeiterbewegung und nun hoffentlich Klimabewegung… Ich möchte aber auch die Wirtschaft einbeziehen – die haben Ahnung von agilem Management und können hier entscheidend mitwirken, dass die Transformation, die sie sowieso nicht aufhalten können, schneller und besser gelingt. 

Die Kombination aus Verbraucherwillen (und damit auch, dass z.B. nicht jeder in einem Einfamilienhaus auf freier Fläche leben möchte) und guten Produkt-Alternativen könnte sehr rasch zu dem notwendigen Turbo werden, der den Klimawandel doch noch einbremst! Mit den Landwirten stehen wir in der Ablehnung des Flächenverbrauchs im RP bereits zusammen auf einer Seite. Jetzt ist wichtig, dass wir uns nicht wieder spalten lassen von der Politik in Naturschützer gegen Bauern.

Dieser zivilgesellschaftliche Widerstand muss jetzt aber noch so lange aufrechterhalten werden, bis der Zug auf dem richtigen Gleis in die richtige Richtung steht!
Dann traue ich unserer Politik und Verwaltung auch wieder zu, dass sie ihn am Fahren halten
(‚Weiter so‘!)! Aber so lange bitte noch durchhalten – v.a. die F4F, die ich natürlich lieber in der Schule und Ausbildung/HS sehen würde, wo sie hingehören, als auf Bäumen bei Eiseskälte!

Mir ist das zutiefst peinlich und ich schäme mich vor dieser Generation, dass meine Generation, die ja aktuell an den Schalthebeln der Macht ist, das nicht besser hinbekommt! Und ich rufe meine Generation, wie sie auch im Regionalverband überwiegend sitzt, auf – stoppen Sie diesen nicht zukunftsfähigen Regionalplan! Das wäre auch für die Glaubwürdigkeit der Politik besser, als mitanzusehen, wie ihn eine Petition stoppt!

Und hören Sie auf, den Menschen Angst zu machen. Vor der jetzt notwendigen ökologisch-sozialen Transformation braucht sich niemand zu fürchten. Ganz im Gegenteil.
Aus der Glücksforschung wissen wir längst, was den Menschen glücklich mach, nämlich seinen Bedürfnissen gerecht zu leben und das heißt v.a .im Einklang mit der Natur, weil wir Teil dieser Natur sind….Das haben nur einige gerade etwas aus dem Blick verloren.


Teil 4: 1000 KüheStall, Scientists4future, fff und Übergabe an Petra Krebs

Für die Ravensburger Initiative gegen den 1000KüheStall sprach  Frank Matschinski

Link zur Rede  (kurze Einführung)

Hauptrede

Da ging es nicht mehr darum Lebensmittel zu produzieren sondern die waren in dem Hype "wir müssen grüne Energie produzieren" und haben sich da sicher was vorgenommen und haben eine der größten Agrargas-Anlagen von BW da hingestellt....Die beackern 1000 ha Land und bauen da nachwachsende Rohstoffe an, die produzieren pro Std. bis zu 1000 m³ Agrargas - also alles super gigantomanisch - und was uns eben erschreckt ist,dass sie seit 5 Jahren planen einen Mega-Kuhstall dort zu installieren mit 1000 Kühen - nicht auf der Weide (das hat A. Notz sehr gut dargestellt dass eine Kuh die auf der Weide lebt  alles andere ist als ein Klima-Killer, sondern sehr wichtig ist für unsere Landschaftsgestaltung und auch für die Ökologie)


Für die Scientists4future sprach ganz spontan W. Ertel


Nur ganz kurz ein paar News zur Wissenschaft.....
Ich war in der Vergangenheit deutlich zu naiv was das Thema Klimawandel und Klimaschutz betrifft.... die Studien haben einen gewissen Grad an Unsicherheit. ...Die Berechnungen waren basierend auf einer Wahrscheinlichkeit von 50%  das 1,5° Ziel zu erreichen.
Und so langsam wachen wir Wissenschaftler jetzt auf... Wie kann es sein dass wir fordern 1,5° - nur durch nen Münzwurf, mit 50:50 Wahrscheinlichkeit zu erreichen?
Beim Thema Corona da erwarten wir Tests mit einer Sicherheit von 99%...

Und noch eine spontane Sprecherin für FFF Ravensburg


Wir befinden uns in der globalen Klimakrise und unsere Zeit zu handeln ist genau jetzt! Unser wichtigstes Klimaziel ist die Einhaltung des 1,5° Zieles.
Aber haben wir nicht noch Zeit?... Nein, da wir nicht wissen wann wir an den Point of no return kommen müssen wir jetzt handeln!
(Symbolisches Glockenläuten beginnt im Hintergrund!)







Petitionsübergabe von Barbara Herzig an Petra Krebs, Vorsitzende des Petitionsausschusses des Landes BW

Link zur Verlesung der Petition durch Barbara und Übergabe an Petra Krebs.











Donnerstag, 4. März 2021

Warum kommen die Scientists 4 future erst jetzt mit Argumenten? - Klärgespräch mit Hr. Franke

Am 19. Feb. 2021 wurden wir von VD Wilfried Franke zu einem Gespräch im Büro des Regionalverbands eingeladen, um die Inhalte der S4F-Analyse mit ihm zu diskutieren. 
Teilgenommen haben die Autoren Sebastian Mühlbach und Manfred Walser, Ulfried Miller als Koordinator der gemeinsamen Stellungnahme der Naturschutzverbände und VD Wilfried Franke. Das Gespräch fand in einer sachlichen und wertschätzenden Atmosphäre statt.

Im Folgenden fassen wir die wesentlichen Inhalte des Gesprächs zusammen (incl. der Korrektur eines sachlichen Fehlers in unserer Stellungnahme) und beziehen zu einzelnen Argumenten
Stellung. Wir haben diese Zusammenfassung Herrn Franke wieder zukommen lassen und seine
Kommentare und Argumente nochmals ergänzt:

Die Analyse der S4F wird vom RVBO als Trägereingabe gewertet und rechtlich wie alle
anderen Eingaben behandelt.

 Herr Franke meint: Es ist sehr schade, dass die Argumente erst jetzt in den Prozess
eingebracht wurden, nach einer > 6-jährigen Bearbeitungszeit des Regionalplanentwurfs
und erst in der 2. Offenlage.

← S4F: Frühere Stellungnahmen zur Bevölkerungsprognose gab es (zum ISEK Weingarten
vom Nov. 2019, siehe Anhang 4 der aktuellen Stellungnahme).
← S4F: Die Stellungnahme ist ein Ausdruck des wachsenden Widerstands zivilgesellschaftlicher
Gruppen gegen eine zu schwache Klimapolitik auf allen politischen Ebenen.
Die S4F
wurden 2018 ins Leben gerufen, um die Fridays-for-Future Bewegung und andere engagierte
Gruppen mit wissenschaftlichen Argumenten zu unterstützen. Im März 2019 haben
sie ihr Selbstverständnis in einer Charta (https://de.scientists4future.org/ueber-uns/charta/)
formuliert.
 Die Konzentration von Teilen der Stellungnahme auf das Mittlere Schussental erklärt sich
daraus, dass die S4F Ravensburg ihren Wirkungsbereich vor allem in dieser Teilregion
sehen, und weil in dieser Region die einzigen Gutachten zur Bevölkerungsentwicklung in
der Verbandsregion existieren, die wissenschaftlich analysiert werden konnten.
 Die Formulierung „Damit zeigen die politischen Verantwortlichen in der Region einen unbedingten Willen zum Wachstum“ wird von Herrn Franke als wertend und nicht wissenschaftlich
beurteilt.
← S4F: Wir sind da anderer Meinung, da wir diese Formulierung durch Fakten empirisch abgesichert sehen: Die Prognose zur Bevölkerungsentwicklung orientieren sich am oberen
Rand der Möglichkeiten und legen die wachstumsstärksten der letzten 20 Jahre als Referenzjahre
zugrunde.
 Herr Franke berichtet daraufhin, dass es in den Anfängen der Erarbeitung des Regionalplanentwurfs
eine intensive Debatte über die Bevölkerungsprognosen gegeben hätte.
Diese sei schließlich von der Verbandsversammlung mit einem Grundsatzbeschluss
beendet worden, dass für den Regionalplanentwurf ein Wert zwischen der damaligen mittleren und oberen Variante der Stala-Prognose genutzt werden sollte, weil die Region
über Jahrzehnte immer in diesem Korridor gelegen habe.
← S4F: Wir sehen uns in unserer Einschätzung dadurch eher bestätigt. In unserer Stellungnahme
weisen wir darauf hin, dass die aktuelle Bevölkerungsvorausrechnung des StaLa
2019 die tatsächlich Entwicklung sehr genau trifft und dass der im Regionalplanentwurf
genannte Zeitraum 2017- 3/2019 die wachstumsstärksten der letzten zwanzig Jahre in der
Region repräsentiert. Für uns ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass die Verbandsversammlung
diese Entwicklung fortschreiben will

Vollständiges Dokument der Scientists 4 future

Eigene Ergänzung:




Diese Prognose wurde in einer Sitzung des Planungsausschusses 2016 vorgestellt.
Schon damals keimte der Verdacht : Wenn man sich die Bandbreite vor Augen führt - eigentlich kann man alles daraus ablesen und alles begründen, breit genug angelegt ist sie ja....




Dienstag, 2. März 2021

Stellungnahme der Scientist4future - unsere wichtigste Grundlage zum Klimaschutz

Stellungnahme von S4F zum Entwurf des Regionalplans Bodensee-Oberschwaben - Die Scientists for Future Ravensburg haben eine "kritische Würdigung" des Entwurfs für den Regionalplan Bodensee-Oberschwaben ausgearbeitet, denn bis zum Jahr 2030 muss der Flächenverbrauch in Deutschland auf höchstens 30 Hektar pro Tag reduziert werden (2015 wurde beim Klimagipfel in Paris von fast allen Regierungen der Welt ein Limit von maximal 1,5 Grad Erderwärmung beschlossen).

Der neue Regionalplan muss diese von der Bundesregierung beschlossenen Ziele zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen für die Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und den Bodenseekreis umsetzen, damit Nachhaltigkeit und Klimaschutz keine Lippenbekenntnisse bleiben. Konkret bedeutet das, dass wir unseren zusätzlichen Flächenverbrauch bis 2035 auf maximal 1.500 Hektar für Wohnen, Arbeiten, Verkehr und Kiesabbau begrenzen. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten der Scientists For Future Ravensburg. Der aktuelle Entwurf des Regionalplans sieht hierfür noch über 3.100 Hektar vor - deutlich zu viel! Allein im Boden sind auf diesen 3.100 Hektar bei vorsichtiger Schätzung 500.000 Tonnen COgebunden. Diese Summe entspricht nach Berechnungen der hiesigen Scientists4Future etwa einem Zehntel des CO2-Gesamtverbrauchs eines Jahres in der gesamten Region. Gleichzeitig gehen CO2-Senken und Speicher wie Wälder, Wiesen und Felder verloren.

Die gesamte Stellungnahme hier zum Download.

Sonntag, 21. Februar 2021

Nochmal in den Focus gerückt: Kritische Würdigung des Regionalplanentwurfs

 

Lange erwartet - jetzt ist es endlich geschafft:

Die Stellungnahme der S4F ist fertig und wurde gestern an alle zuständigen Stellen versandt: Regionalverband - Geschäftsführung und Mitglieder, Wirtschaftsministerium und Regierungspräsidium Tübingen, alle Bürgermeister der Region, Presse und alle sonstigen Interessierten. 

Hier geht`s zur Stellungnahme der Scientists for future

Kurze Zusammenfassung:

Die Raumplanung nimmt in verschiedener Hinsicht Einfluss auf die Ziele des Klimaschutzes und
der Regionalplan ist die verbindliche Planungsgrundlage für die Region bis zum Jahr 2035.
Bis zum Jahr 2030 muss unsere Gesellschaft – und auch die Region Bodensee-Oberschwaben – viel CO2 einsparen, um ihre Klimaziele zu erfüllen. Je nach Quelle sind dies bis 2030 weitere 13%
(Klimaziele der Bundesregierung) bis 43% (neuere wissenschaftliche Erkenntnisse) CO2- Äquivalente (CO2e). 
In den Jahren 2010-2017 hat die Region Bodensee-Oberschwaben nur 7%
Einsparungen erreicht.
Es sind also noch deutlich größere Anstrengungen notwendig. 




Des ungeachtet setzt der vorliegende Planentwurf auf ein starkes Wachstum bei Bevölkerung,
Siedlungs- und Gewerbeentwicklung.

Die Einschätzung, wie sich verschiedene gesellschaftliche Einflussfaktoren entwickeln, ist eine
qualitative Einschätzung. Im Regionalplan werden Annahmen zur Entwicklung der Bevölkerungszahlen
und zur wirtschaftlichen Entwicklung getroffen. Daraus wird der künftige Siedlungs- und
Gewerbeflächenbedarf abgeleitet.
Diesen Annahmen liegen Szenarien zugrunde, wie sich die politisch Verantwortlichen die Gesellschaft der Zukunft vorstellen.
In der Region Bodensee-Oberschwaben stellen sie sich die Zukunft als ein „Weiter so“ bezogen auf die starken Wachstumsjahre 2017-2019 vor, die den Szenarien zugrunde gelegt werden. Damit zeigen sie in der Region einen unbedingten Willen zum Wachstum.
Der gesamte Flächenverbrauch in der Region Bodensee-Oberschwaben erscheint zu hoch.
Schon der Vergleich mit anderen Regionen und die Flächenausweisungen der letzten Jahre zeigen, dass
der Wille zum Flächensparen in den Kommunen schwach ausgeprägt ist. Umso wichtiger wäre
eine Steuerung der Siedlungsentwicklung durch die übergeordnete Planungsebene.
Das leistet der
Regionalplanentwurf nicht. Das Ziel der Bundesregierung, die Neubeanspruchung von Flächen auf
30 ha/Tag zu begrenzen, wird klar verfehlt
. Die derzeitigen Bedarfsplanungen nehmen mehr als
das Doppelte in Anspruch. Der überhöhte Flächenverbrauch ist eine zusätzliche Belastung für den
Klimaschutz.
Die Festlegungen im Regionalplanentwurf sind aus wissenschaftlicher Sicht nicht dazu geeignet,
die politischen Ziele im Klimaschutz zu erreichen
. Das verbleibende CO2e-Budget der Region, das
die Einhaltung des 1,5 °C-Ziels ermöglichen würde, wird vermutlich 2025 aufgebraucht sein. Das
angenommene vom Regionalverband entwickelte Wachstumsszenario führt gegenüber dem
Status quo sogar noch zu einem zusätzlichen Ausstoß von ca. 3 Mio t CO2e bis 2050.
Der Planentwurf erfüllt weder die selbst gesteckten Klimaschutzziele der Region noch die internationalen Verpflichtungen Deutschlands zur Reduktion der Treibhausgas- Emissionen