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Freitag, 6. Juni 2025

Das schlimmste Treibhausgas der Welt hat einen überraschenden Gegenspieler gefunden: CO₂.

 Rico Grimm  hier  auf LinkedIn

Moment, was?

In Hochspannungsschaltern wird SF₆ eingesetzt – ein Gas, das 24.000-mal klimaschädlicher ist als CO₂ und jahrtausendelang in der Atmosphäre bleibt.

Im Hochspannungsnetz ist SF₆ als Isoliergas bisher unverzichtbar. Bei normalen Steckdosen reicht Luft als Isolator. Aber wenn mehrere hunderttausend Volt fließen, braucht es mehr.

Freitag, 25. Oktober 2024

Das Problem Methan

hier    23.10.2024  von Lars Fischer

Treibhausgas: Mikroben verursachen Methan-Rekord

Seit 2007 gelangt immer mehr Methan in die Atmosphäre. 2021 erreichte der Anstieg einen dramatischen Höchstwert. Nun zeigt sich: Mikroben waren verantwortlich. Doch der Mensch spielt dabei eine wichtige Rolle.

Tropische und subtropische Feuchtgebiete gehören zu den wichtigsten Methanquellen weltweit. Wenn das Klima wärmer wird, stoßen sie mehr des Gases aus.

In den Jahren von 2020 bis 2022 stieg die Konzentration des Treibhausgases Methan in der Atmosphäre so stark an wie nie zuvor. 

Freitag, 22. Juli 2022

Klimaschutz mit Sofort-Wirkung

 Süddeutsche Zeitung hier

Kolumne Klimafreitag, von Marlene Weiß

Im Großen und Ganzen halte ich mich für einigermaßen optimistisch veranlagt, oder zumindest behaupte ich, dass es sich bei meinem Pessimismus eigentlich nur um Erwartungsmanagement handelt. Aber momentan ist eine positive Perspektive wirklich nicht leicht, was soll eigentlich noch alles schiefgehen? Selbst wenn man die allgemeine Weltlage ausblendet, und wer schafft das schon, kann man schon allein über die Situation im Klimaschutz verzweifeln. Die Kohle boomt, noch immer werden vor allem in China munter neue Kohlekraftwerke geplant. Die Aufgabe, von diesen hohen CO₂-Emissionen wieder herunterzukommen, wird immer größer. Und derweil schreitet die Erwärmung weiter fort, jede heute emittierte Tonne wird man noch bereuen.

Wenigstens ein wenig erfreulich ist da eine aktuelle Studie im Fachmagazin PNAS, in der zumindest theoretisch gezeigt wird, wie man sich die Sache etwas leichter machen könnte: Würde man parallel andere Klimawandeltreiber als CO₂ in den Blick nehmen, so die Autoren, könnte man die Erwärmung schnell und spürbar verlangsamen, während die Welt den CO₂-Ausstoß herunterfährt. Und das müsste noch nicht einmal teuer sein.

Samstag, 5. März 2022

"Mit dem Thermostat gegen Putin"

DER SPIEGEL – SPIEGEL Klimabericht <themennewsletter@newsletter.spiegel.de>  hier

gut ein Monat ist vergangen, seit die EU-Kommission Erdgas zum Klimaschützer geadelt hat. Unter bestimmten Bedingungen sollen Investitionen in den fossilen Brennstoff künftig als »nachhaltig« gelten, als Brückentechnologie ins Zeitalter der erneuerbaren Energien war er der Wunschkandidat schlechthin. Seit Putins Überfall auf die Ukraine ist alles anders – zumindest von russischem Gas, das rund die Hälfte der deutschen Importe ausmacht, will man in Deutschland und Europa nun so schnell wie möglich unabhängiger werden.

Die politisch notwendige Neubewertung treibt allerdings seltsame Blüten.

Sonntag, 6. Februar 2022

Satellitendaten enthüllen die größten Methanlecks der Welt

 Standard hier   David Rennert

MASSIVE TREIBHAUSGASQUELLEN

Von wegen nachhaltiges Erdgas: Eine aktuelle Studie lässt erahnen, wie viel Methan aus lecken Pipelines und Förderanlagen freigesetzt wird

Wenn es nach der EU-Kommission geht, ist Erdgas als nachhaltig einzustufen – zumindest vorübergehend. In einem am Mittwoch veröffentlichten Rechtsakt werden Investitionen in Gas- und Atomkraft unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich gewertet, um einen Beitrag zum Übergang zur Klimaneutralität Europas zu leisten: Erdgaskraftwerke, die unter anderem schmutzigere Kohlekraftwerke ablösen, sollen zumindest bis 2035 als grüne "Brückentechnologien" gelten.

Dass Erdgas aber alles andere als klimafreundlich ist, liegt auf der Hand: Wie bei allen fossilen Brennstoffen werden bei seiner Verbrennung klimaschädliche Gase freigesetzt, vor allem Kohlendioxid. Zwar sind die Emissionen geringer als bei Kohle oder Öl. Aber es gibt noch ein anderes Problem: Ein Hauptbestandteil von Erdgas ist Methan (CH4), ein weitaus stärkeres Treibhausgas als CO2. Wie viel Methan aus Lecks in Förderanlagen und Pipelines weltweit entweicht und in die Atmosphäre gelangt, ist die große Unbekannte, die bei der Bewertung des Brennstoffs zu wenig berücksichtigt wird, warnen Forscherinnen und Klimaschützer seit langem. Eine aktuelle Studie im Fachblatt "Science" lässt nun befürchten, dass das Problem noch größer ist als angenommen.

Bei der Verbrennung von Erdgas wird CO2 freigesetzt, doch bei Förderung und Transport gelangen oft auch große Mengen an Methan in die Luft.
Foto: Reuters/Vasily Fedosenko

Donnerstag, 30. September 2021

China macht ernst beim CO2 -sparen

Handelsblatt hier

Eine Stadt fährt runter – Chinas Energieprobleme sind unsere Lieferkettensorgen

Im Kampf gegen Emissionen schließt die Stadt Kunshan für eine Woche alle Fabriken. Das gefährdet mehr als nur das iPhone unter dem Weihnachtsbaum.

Die chinesische Stadt Kunshan nahe Schanghai muss dringend Energie sparen. Sonst kann sie die von Peking vorgegebenen Emissionsziele nicht einhalten, jetzt, wo die Wirtschaft sich vom Corona-Schock erholt und auf recht hohen Touren läuft. Hält Kunshan die Ziele aber nicht ein, brächte dies die Provinz Jiangsu, in der Kunshan liegt, und letzten Endes den ganzen chinesischen Staat in Schwierigkeiten.

Versprochen ist schließlich versprochen: 2030 soll der Emissionshöhepunkt des größten Kohlendioxidemittenten der Welt überwunden sein, bis 2060 will China klimaneutral sein.

Mittwoch, 18. August 2021

Die reichsten zehn Prozent verursachen mehr als ein Drittel der Treibhausgase

Spiegel Wissenschaft  hier
Geleakter Teil des IPCC-Berichts 

Eine kleine Gruppe von Forschern hat den Entwurf für den dritten Teil des Weltklimarat-Reports geleakt. Daraus geht hervor: Verantwortlich für den Großteil der Emissionen sind vergleichsweise wenige Menschen. 
Ganz konkret verursachten die zehn reichsten Prozent der Menschheit nach Angaben der Forscher 36 bis 45 Prozent der weltweiten Emissionen. Das sei zehnmal so viel wie der Beitrag der ärmsten zehn Prozent. Dieses Zehntel der Weltbevölkerung habe lediglich drei bis fünf Prozent zu verantworten.

 Tagesspiegel  hier

Klimaziel verfehlt Deutschland stößt voraussichtlich 47 Millionen Tonnen mehr Treibhausgase aus

Einer Studie zufolge nimmt der Ausstoß an Treibhausgasen dieses Jahr in Deutschland kräftig zu. Es ist der höchste Anstieg seit 1990.


 

Montag, 2. August 2021

"Den Superverschmutzern auf der Spur"

 TAZ  hier

CO2-Emissionen bei Stromproduktion

For­sche­r:in­nen haben Tausende Kraftwerke untersucht, um herauszufinden, welche besonders viel CO2 emittieren. Eines der schlimmsten steht in Deutschland.

Nur wenige Kraftwerke weltweit emittieren fast drei Viertel der Treibhausgase in der Stromproduktion. Zu dem Schluss kommt eine neue Studie in der Zeitschrift „Environmental Research Letters“. Für die Studie analysierten ForscherInnen an der Universität Boulder 29.000 fossile Kraftwerke in 221 Ländern. Die Daten sind auf dem Stand von 2018.

Die Studie zeigt, dass die dreckigsten Kraftwerke vor allem in Nordamerika, Europa, Ostasien und China zu finden sind. In einigen Ländern – den USA, Japan, Südkorea, Deutschland und Australien – ist ein Bruchteil der Kraftwerke für 75 bis 90 Prozent der Emissionen verantwortlich, ein ähnliches Ergebnis wie weltweit. Die ForscherInnen berechnen, dass weltweit insgesamt ein Viertel der Emissionen aus der Stromproduktion reduziert würde, wenn die Effizienz der Kraftwerke verbessert würde.

Umgekehrt zeigt die Studie, dass solche „Superverschmutzer“ kaum in Südamerika, Afrika oder im Pazifik zu finden sind – der Globale Süden damit gemeinhin nicht Teil des Problems ist.

Unsere Grafik zeigt die 10 Kraftwerke weltweit mit den höchsten Emissionen. Alle zehn werden mit Kohle betrieben und sind nicht nur besonders groß, sondern auch ineffizient im Vergleich zu anderen ähnlichen Kraftwerken im Land.

Donnerstag, 22. Juli 2021

 LobbyControl e.V. - Newsletter vom 22. Juli 2021

„Gas ist nicht nur wichtig, es ist sexy“, brachte Minister Altmaier die Haltung seines Ministeriums für Wirtschaft und Energie gegenüber dem fossilen Brennstoff im Oktober 2019 auf den Punkt. Gerade hatten seine Beamten allein mit der Gasindustrie und fernab der Öffentlichkeit diskutiert, wieviel Gas in diesem Jahrzehnt noch gebraucht wird. Und befunden, dass der deutsche Gasbedarf noch steigen werde – obwohl sich Umweltexpert:innen einig sind, dass er eindeutig sinken muss, um die Klimaziele einzuhalten.

Im Ergebnis investiert Deutschland jetzt im großen Stil in Gasinfrastruktur, wie die geplanten LNG-Terminals in Brunsbüttel und Stade sowie die Gaspipeline Nordstream 2 zeigen. 14 Milliarden Euro gibt der Bund dafür aus, soviel wie kaum ein anderes EU-Land in Gas investiert.

Damit kettet sich die Bundesregierung trotz Klimakrise an einen fossilen Energieträger mit teurer Infrastruktur – für die die Verbraucher:innen am Ende bezahlen werden. Warum tut sie das? Die Erdgasindustrie und das Wirtschaftsministerium verbindet mehr als ein Flirt, wie unsere Recherchen zeigen. Eher handelt es sich um eine innige Beziehung, in der man sich gegenseitig nach Kräften unterstützt.

Hier die ganze Analyse lesen


Herzliche Grüße
Ihre Nina Katzemich
Expertin für Lobbyismus in der Klimapolitik

Donnerstag, 1. Juli 2021

"Technik wird die Klimakrise nicht lösen"

 Krautreporter hier  von James Dyke mit Robert Watson und Wolfgang Knorr

Manchmal kommt die Erkenntnis blitzschnell. Verschwommene Umrisse nehmen Gestalt an, plötzlich ergibt alles einen Sinn. Aber dem voraus geht oft ein viel langsamerer Abwägungsprozess: Im Unterbewusstsein wachsen die Zweifel, ob die Dinge zusammenpassen. Bis etwas klick macht und stimmt – oder vielleicht zerbricht.

Zusammengenommen haben wir drei Autoren dieses Artikels wohl mehr als 80 Jahre damit verbracht, über den Klimawandel nachzudenken. Warum also hat es so lange gedauert, bis wir uns zu den offensichtlichen Gefahren des Konzepts der Klimaneutralität – Netto-Null genannt – zu Wort melden? Zu unserer Verteidigung: Die Grundannahme von Netto-Null ist einfach, täuschend einfach – und wir geben zu, dass sie selbst uns in die Irre geführt hat.

Der Klimawandel ist eine direkte Folge davon, dass sich zu viel Treibhausgase, in erster Linie Kohlendioxid (CO2), in der Atmosphäre befinden. Daraus folgt: Wir müssen aufhören, mehr davon auszustoßen, und sogar CO2 entfernen.

Diese CO2-Entfernung ist zentraler Bestandteil des aktuellen Plans, eine Katastrophe auf der Erde zu verhindern. Für die Umsetzung gibt es viele Vorschläge, von der massenhaften Anpflanzung von Bäumen bis hin zu Hightech-Geräten, die Kohlendioxid aus der Luft absaugen.

Derzeit herrscht Einigkeit darüber, dass wir die globale Erwärmung schneller stoppen können, wenn wir Kohlendioxid mit bestimmten Techniken entfernen und gleichzeitig die Nutzung von Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Gas reduzieren. So werden wir hoffentlich um die Mitte dieses Jahrhunderts die „Netto-Null“, also die Klimaneutralität erreichen. Das ist der Punkt, an dem alle verbleibenden Emissionen von Treibhausgasen durch Technologien ausgeglichen werden, die diese aus der Atmosphäre entfernen.

Theoretisch ist das eine tolle Idee. Leider trägt sie in der Praxis dazu bei, den Glauben an eine technologische Lösung aufrechtzuerhalten. Die Dringlichkeit nimmt ab, die Emissionen jetzt einzudämmen.

Wir glauben, dass die Idee der Netto-Null-Emissionen einen rücksichtslosen, leichtfertigen Ansatz zugelassen hat nach dem Motto: „Jetzt verbrennen, später bezahlen.“ Mit der Folge, dass der CO2-Ausstoß weiter angestiegen ist. Diese Idee hat auch die Zerstörung der Natur durch ständig steigende Abholzung beschleunigt und das Risiko erhöht, dass diese Zerstörung in der Zukunft weitergeht.

Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschheit ihre Zivilisation auf der Basis von Versprechen künftiger Lösungen aufs Spiel gesetzt hat, müssen wir in die späten 1980er Jahre zurückkehren. Damals war auf internationaler Bühne erstmals vom Klimawandel die Rede.

1988 hätten die Menschen die Klimakrise noch verhindern können

......Leider haben sie (Anmerkung: die Modelle) auch die Notwendigkeit für tiefgreifendes kritisches Denken beseitigt. Solche Modelle stellen die Gesellschaft als ein Netz von idealtypischen, emotionslosen Käufern und Verkäufern dar und ignorieren damit komplexe soziale und politische Realitäten oder sogar die Auswirkungen des Klimawandels selbst. Sie gehen davon aus, dass marktbasierte Ansätze immer funktionieren werden. Folglich beschränkten sich die Diskussionen über politische Maßnahmen auf das, was für die Politiker am bequemsten war: Sie änderten schrittweise Gesetze und Steuern.

Ungefähr zu der Zeit, als die Modelle entwickelt wurden, gab es Bestrebungen, die USA zu Klimaschutzmaßnahmen zu bewegen, indem man ihnen erlaubte, die Kohlenstoffsenken der Wälder ihres Landes anzurechnen. Das Argument der USA war: Bei guter Bewirtschaftung der Wälder sind sie in der Lage, eine große Menge an Kohlenstoff in Bäumen und Böden zu speichern. Diese Menge sollte von ihren CO2-Einsparzielen abgezogen werden....

Wer eine Zukunft mit mehr Bäumen postuliert, könnte die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in der Gegenwart ausgleichen. Da Modelle leicht Zahlen ausspucken konnten, die den Kohlendioxidgehalt so weit sinken ließen, wie man wollte, konnten immer ausgefeiltere Szenarien erforscht werden. Gleichzeitig nahm die wahrgenommene Dringlichkeit ab, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Durch die Einbeziehung von Kohlenstoffsenken in klimaökonomische Modelle wurde die Büchse der Pandora geöffnet.

An dieser Stelle entstand die heutige Netto-Null-Politik.

„Es war für mich ein echter Schock zu erkennen, dass ich persönlich zur Netto-Null-Falle beigetragen haben muss. ......Aber da keiner der Co-Autoren unserer Studie ein Experte war, haben wir nicht berücksichtigt, wie viele dieser künstlichen Senken nötig wären, um unser Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten oder ob es überhaupt technisch möglich wäre, sie zu schaffen.“
Wolfgang Knorr,
leitender Wissenschaftler für Physische Geografie und Ökosystem-Wissenschaften an der Universität Lund, Schweden

Mitte der 1990er Jahre lag das Hauptaugenmerk jedoch auf der Steigerung der Energieeffizienz und der Umstellung auf andere Energieträger (zum Beispiel der Umstieg von Kohle auf Gas) sowie auf dem Potenzial der Atomenergie, große Mengen an kohlenstofffreiem Strom zu liefern. Solche Innovationen würden hoffentlich den Anstieg der Emissionen fossiler Brennstoffe schnell umkehren.

Doch um die Jahrtausendwende zeigte sich: Diese Hoffnungen waren vergeblich. Angesichts der Kernannahme eines stufenweisen Wandels wurde es für ökonomische Klimamodelle immer schwieriger, gangbare Wege zu finden, um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden. Als Reaktion darauf begannen die Modellierer, immer mehr Beispiele für die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid einzubeziehen. CO2 sollte aus Kohlekraftwerken aufgefangen und dann tief unter der Erde für unbestimmte Zeit gespeichert werden.

Dass dies grundsätzlich möglich ist, zeigte eine Reihe von Projekten seit den 1970er Jahren. Dabei wurde komprimiertes Kohlendioxid von fossilem Gas getrennt und dann in den Untergrund gepresst. Ziel dieser „Enhanced Oil Recovery“-Programme war eigentlich, Gase über Bohrlöcher einzuspeisen, damit das Öl zu den Bohrtürmen gedrückt wird und so mehr gefördert werden kann – Öl, das später verbrannt wird, wodurch noch mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt.

Die Weiterentwicklung „Carbon Capture and Storage“ (CCS) bot den Dreh, das Kohlendioxid nicht mehr zur Förderung von Öl zu verwenden, sondern im Untergrund zu belassen und es aus der Atmosphäre zu entfernen. Diese angeblich bahnbrechende Technologie sollte klimafreundliche Kohle und damit die weitere Nutzung dieses fossilen Brennstoffs ermöglichen. Doch lange bevor die Welt Zeuge eines solchen Vorhabens wurde, war der hypothetische Prozess bereits in klimaökonomische Modelle eingeflossen. Am Ende bot die bloße Aussicht auf Kohlenstoffabscheidung und -speicherung den politischen Entscheidungsträgern einen Ausweg, die dringend benötigte Verminderung des Treibhausgasausstoßes zu verschieben.

Der Aufstieg der Netto-Null (oder: 2009 sollte Biomasse als „Senke“ das Klima retten)

Als sich die internationale Klimagemeinschaft 2009 in Kopenhagen traf, war klar: Kohlenstoffabscheidung und -speicherung würde aus mehreren Gründen nicht ausreichen. Niemand hatte Anlagen zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid in einem Kohlekraftwerk in Betrieb. Es war auch nicht abzusehen, dass diese Technologie in naher Zukunft irgendeinen Einfluss auf die steigenden Emissionen aus der zunehmenden Nutzung von Kohle haben würde.

Das größte Hindernis für die Umsetzung waren im Wesentlichen die Kosten. ..

Da die Hoffnungen auf eine Lösung der Klimakrise wieder schwanden, war ein weiteres Wundermittel gefragt. Es musste eine Technologie her, die den Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nicht nur verlangsamt, sondern sogar umkehrt. Folglich griffen die klimaökonomischen Modellierer – die bereits in der Lage waren, pflanzliche Kohlenstoffsenken und geologische Kohlenstoffspeicher in ihre Modelle einzubeziehen – zunehmend auf die „Lösung“ zurück, diese beiden Auswege aus der CO2-Misere zu kombinieren.

So wurde die Bioenergie-Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (Bioenergy Carbon Capture and Storage, BECCS) schnell zur neuen Rettungstechnologie. Indem man „austauschbare“ Biomasse wie Holz, Feldfrüchte und landwirtschaftliche Abfälle anstelle von Kohle in Kraftwerken verbrennt und dann das Kohlendioxid aus dem Schornstein des Kraftwerks abfängt und unterirdisch speichert, könnte BECCS Strom erzeugen und gleichzeitig Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen.....

Mit dieser neuen Lösung in der Hand gruppierte sich die internationale Gemeinschaft nach wiederholten Misserfolgen neu, um einen weiteren Versuch zu starten, unsere gefährlichen Eingriffe in das Klima einzudämmen. Die Bühne war bereitet für die entscheidende Klimakonferenz 2015 in Paris.

Im Jahr 2015 kommen Zweifel an den Fantasiewelten auf

....Nach wochenlangen, zermürbenden Verhandlungen auf höchster Ebene war in Paris endlich ein Durchbruch erzielt worden. Wider Erwarten hatte sich die internationale Gemeinschaft nach Jahrzehnten der Fehlstarts und Misserfolge endlich darauf geeinigt, das Nötige zu tun, um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, am besten auf höchstens 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

...Doch wer ein wenig tiefer gräbt, könnte eine weitere Emotion finden, die am 13. Dezember die Delegierten umtrieb. Zweifel. Es fällt uns schwer, einen einzigen Klimawissenschaftler zu nennen, der das Pariser Abkommen zu diesem Zeitpunkt für umsetzbar hielt. Inzwischen haben uns einige Wissenschaftler gesagt, das Pariser Abkommen sei „natürlich wichtig für die Klimagerechtigkeit, aber nicht umsetzbar“ und „ein kompletter Schock, niemand hielt eine Begrenzung auf 1,5 Grad Celsius für möglich.“ Anstatt die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, kam ein hochrangiger Wissenschaftler, der am IPCC beteiligt war, zu dem Schluss, dass wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf über 3 Grad Celsius zusteuern.....

„Sich auf ungetestete Mechanismen zur Beseitigung von Kohlendioxid zu verlassen, um die Ziele von Paris zu erreichen, obwohl wir die Technologien haben, um heute von fossilen Brennstoffen wegzukommen, ist schlichtweg falsch und leichtsinnig.“
Robert Watson, emeritierter Professor für Umweltwissenschaften, Universität von East Anglia, Großbritannien

...In den vom Weltklimarat erstellten Szenarien mit einer 66-prozentigen oder besseren Chance, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müsste BECCS jedes Jahr 12 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entfernen. BECCS in diesem Umfang würde massive Anpflanzungsprogramme für Bäume und Bioenergiepflanzen erfordern.

Man schätzt, dass BECCS zwischen 0,4 und 1,2 Milliarden Hektar Land benötigen würde. Das sind 25 bis 80 Prozent aller derzeit bewirtschafteten Flächen. Wie wollen wir das erreichen, wenn wir gleichzeitig 8 bis 10 Milliarden Menschen in der Mitte des Jahrhunderts ernähren wollen? Wie, ohne die einheimische Vegetation und Artenvielfalt zu zerstören?

Der Anbau von Milliarden von Bäumen würde riesige Mengen an Wasser verbrauchen – teilweise an Orten, an denen die Menschen bereits durstig sind. Eine zunehmende Walddecke in höheren Breitengraden kann mehr Erwärmung bedeuten, weil die Landoberfläche dunkler wird, wenn Grasland oder Felder durch Wälder ersetzt werden. Dieses dunklere Land absorbiert mehr Sonnenenergie, die Temperaturen steigen. Und wer den Schwerpunkt auf die Entwicklung riesiger Plantagen in ärmeren tropischen Ländern legt, riskiert, dass Menschen von ihrem Land vertrieben werden.

„Der Vorläufer von Netto-Null wurde und wird immer noch Kompensation genannt. Einst war ich voller Hoffnung, dass Kohlenstoff-Kompensationsprogramme das Kunststück vollbringen könnten, intakte Waldökosysteme vor der fast sicheren Zerstörung durch wirtschaftliche Entwicklung zu retten. Doch heute erschrecken mich die Folgen von Netto-Null fast mehr als die der Klimaerwärmung.“
Wolfgang Knorr

....

Neue Trugbilder ersetzen fehlgeschlagene technische Lösungen

Als die Erkenntnis dämmerte, wie schwierig die Umsetzung von Paris angesichts der ständig steigenden Emissionen und des begrenzten Potenzials von BECCS sein würde, entstand in Politikerkreisen ein neues Schlagwort: das „Überschreitungsszenario“. Danach dürfen die Temperaturen kurzfristig über 1,5 Grad Celsius steigen, müssen dann aber bis zum Ende des Jahrhunderts durch eine Reihe von Maßnahmen zur Kohlendioxid-Entfernung gesenkt werden. Dies heißt, dass Netto-Null eigentlich Kohlenstoff-negativ bedeutet. Innerhalb weniger Jahrzehnte müssen wir unsere Zivilisation von einer Wirtschaftsweise, die derzeit jährlich 40 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre pumpt, auf eine umstellen, die netto 10 Milliarden Tonnen entfernt.

.....Es sollte nun klar werden, wohin die Reise geht. Wenn die Trugbilder einer magischen technischen Lösung verschwinden, taucht eine andere, ebenso untaugliche Alternative auf, um ihren Platz einzunehmen. Die nächste ist bereits am Horizont zu sehen – und sie ist sogar noch grauenhafter. Sobald wir erkennen, dass Netto-Null nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht erreicht werden kann, wird wahrscheinlich Geo-Engineering – der absichtliche und großflächige Eingriff in das Klimasystem der Erde – beschworen werden als Lösung, um den Temperaturanstieg zu begrenzen.

„Es ist erstaunlich, wie die andauernde Abwesenheit einer glaubwürdigen Technologie zur Kohlenstoffentfernung die Netto-Null-Politik nicht zu beeinflussen scheint. Mittlerweile habe ich erkannt, dass wir alle einer Form von Verarschung aufgesessen sind.“
James Dyke, Senior Lecturer für Globale Systeme, Universität von Exeter, Großbritannien

Schwierige Wahrheiten (oder: Netto-Null-Politik taugt nicht zur Begrenzung der Erderwärmung)

Im Prinzip gibt es nichts Falsches oder Gefährliches an Vorschlägen zur Kohlenstoffentfernung. .....

Problematisch wird es erst, wenn davon ausgegangen wird, dass diese Vorschläge in großem Maßstab eingesetzt werden können. Damit wird praktisch ein Blankoscheck für die weitere Verbrennung fossiler Brennstoffe und die zunehmende Zerstörung von Lebensräumen ausgestellt.....

Der einzige Weg, die Menschheit zu schützen, ist die sofortige und nachhaltige radikale Senkung der Treibhausgasemissionen auf sozial gerechte Weise.....

Es ist an der Zeit, unsere Ängste auszusprechen und gegenüber der Allgemeinheit ehrlich zu sein. Die aktuelle Netto-Null-Politik wird die Erwärmung nicht auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, weil sie nie dazu gedacht war. Sie wurde und wird immer noch von der Notwendigkeit angetrieben, Business as usual zu schützen, nicht das Klima. Wenn wir die Menschen schützen wollen, dann müssen wir die Kohlenstoffemissionen jetzt stark und nachhaltig reduzieren. Das ist der ganz einfache Härtetest, der auf alle klimapolitischen Maßnahmen angewendet werden muss. Für Wunschdenken ist es zu spät.


James Dyke ist Senior Lecturer für Globale Systeme an der Universität Exeter in Großbritannien.

Robert Watson ist emeritierter Professor für Umweltwissenschaften an der Universität von East Anglia in Großbritannien.

Wolfgang Knorr ist leitender Wissenschaftler für Physische Geografie und Ökosystem-Wissenschaften an der Universität Lund in Schweden.

Ihren Artikel veröffentlichten sie auf Englisch bei The Conversation. Hier könnt ihr den Originalartikel lesen.


Freitag, 18. Juni 2021

 Tagesspiegel hier

Kohlendioxid-Entnahme aus der Atmosphäre
Die Stille Revolution im Klimaschutz

Das neue Klimaschutzgesetz sieht vor, der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen. Deutschland fehlt es dazu aber an mutiger Politik, sagen unsere Gastautoren.

Arwen Colell Jan Minx

Deutschland hat sich mit dem neuen Klimaschutzgesetz auf den Weg in die Treibhausgasneutralität begeben. Spätestens im Jahr 2045 muss der Atmosphäre für jede verbleibende Tonne Treibhausgasemissionen eine entsprechende Menge Kohlendioxid, CO2, entnommen werden. Danach soll die Treibhausgasbilanz sogar „netto-negativ“ werden, der Atmosphäre mehr CO2 entzogen werden, als ausgestoßen wird.

Das ist notwendig, weil die Welt spät dran ist im Klimaschutz. Um den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, müssen wir einen Kredit bei der Atmosphäre aufnehmen. Wir überziehen zeitweilig das verbleibende Budget von mit dem Ziel noch vereinbaren CO2-Emissionen. Dieser Kredit muss aber mit CO2-Entnahmen zurückgezahlt werden.

Warum der Verbrennungsmotor schneller am Ende ist, als viele denken

Spiegel Artikel hier, unten Auszüge daraus

Deutschland soll bis 2045 treibhausgasneutral werden und seine Emissionen bis 2030 erheblich senken. Dieses Vorhaben dürfte den Abschied vom Verbrennungsmotor beschleunigen – und das ist nicht alles...

Denn der Abschied vom Verbrenner hat bereits begonnen. Zwar hat Deutschland – immerhin Europameister in der Autoproduktion – kein festes Ausstiegsdatum für Diesel und Benziner. Doch kein Sektor hat beim Klimaschutz mehr Nachholbedarf als der Verkehr. 2020 fielen hier 146 Millionen Tonnen CO₂ an, dieser Wert soll dem Entwurf für das neue Klimaschutzgesetz zufolge bis 2030 um 43 Prozent sinken. 2045 sollen die deutschen Treibhausgasemissionen auf null sinken.

Denn das Ziel, die Emissionen in diesem Sektor um 43 Prozent zu senken, ist ambitioniert. »Die neuen Klimaziele bedeuten, dass die CO2-Grenzwerte für Fahrzeuge bis 2030 um mindestens 50 Prozent sinken müssen«, rechnet Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung vor. Dazu sollte der Schienenverkehr massiv gefördert werden, die Ladeinfrastruktur ausgebaut aber auch die Digitalisierung vorangebracht werden. Gleichzeitig müsse die Anzahl der Autos in Städten erheblich verringert und der Autoverkehr insgesamt stärker vermieden oder auf die Schiene verlagert werden.

Mittwoch, 9. Juni 2021

Der Klimawandel lässt den Permafrost schwinden.

 Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) berichtet hier

Das krempelt die Landschaft um – nicht nur in den Alpen

Weltweit transformiert tauender Permafrost die Erdoberfläche. In den Alpen rechnen Forscher mit Felsstürzen und Muren; in der Tundra entstehen Seen, Häuser bekommen Risse. Die Ungewissheit, wie schnell das weitergeht, ist noch sehr gross. 

wenigstens das: Klimaforscher befürchten, dass es im Anschluss an das Auftauen des Permafrosts zu einer Selbstverstärkung kommt – einer «positiven Rückkopplung»: Wo die Trockenheit zunimmt, könnten Waldbrände die Erwärmung der Böden noch beschleunigen. Aus den mit Schmelzwasser gefüllten Tümpeln könnten vermehrt die Treibhausgase CO2 und Methan entweichen. Solche Prozesse würden die globale Erwärmung zusätzlich anfachen. Doch neuere Studien zeichnen ein differenziertes Bild: Zwar nimmt die Freisetzung von Treibhausgasen zu, aber eine «Methanbombe», wie manche früher dachten, sind die auftauenden Landschaften denn wohl doch nicht.

Dienstag, 8. Juni 2021

Methan: Der übersehene Klimakiller

 hier Süddeutsche Zeitung

Wenn die Methan-Emissionen zurückgehen, könnte das die globale Erwärmung fast sofort bremsen

So ähnlich ist es mit den Treibhausgasen Kohlendioxid (CO₂) und Methan (CH₄). Während CO₂ Hunderte Jahre in der Atmosphäre verbleiben kann und entsprechend lange den Klimawandel anheizt, zersetzt sich Methan innerhalb weniger Jahre. Dafür heizt Methan die Atmosphäre auf 20 Jahre betrachtet 87-mal so stark auf wie die gleiche Menge CO₂. Methan ist sozusagen das offene Fenster des Planeten, das man schnell schließen muss, um die Erderwärmung noch zu bremsen.

Wobei es sich eher um ein offenes Scheunentor handelt, wie ein neuer Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) deutlich macht, an dem 22 Wissenschaftler von elf Institutionen mitgearbeitet haben. Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre steige derzeit rasant, der Gesamtausstoß liege bei 380 Millionen Tonnen pro Jahr, ein Rekordwert. ...."Wir brauchen eine dramatische Kehrtwende, von stark steigend hin zu stark fallend", sagt der Klimatologe Drew Shindell von der Duke University, einer der Autoren des UNEP-Berichts.

Diese Herausforderung anzunehmen, kann sich auszahlen, denn es gibt wohl kaum einen anderen Bereich im Klimaschutz, in dem Maßnahmen so schnell Wirkung zeigen wie beim Methanausstoß. Weil das Klimagas nur kurz, aber dafür stark wirkt, dämpft es den globalen Temperaturanstieg rasch, sobald sein Ausstoß sinkt. "Die Klima-Effekte sind zwar nicht sofort, aber sehr viel schneller sichtbar als bei CO₂", sagt Shindell. So rechnen die Autoren vor, dass rasche Maßnahmen allein in den nächsten 20 Jahren einen Temperaturanstieg um 0,3 Grad verhindern könnten - und damit womöglich manche Hitzewelle oder Dürre in naher Zukunft.

Akute Maßnahmen müssten zudem gar nicht teuer sein oder würden unter dem Strich sogar Geld einsparen, vor allem im Bereich der Öl- und Gasindustrie, wo ein Drittel der Methan-Emissionen anfallen. Häufig entweicht das Methan schon bei der Förderung der Bodenschätze.....

Diese "Flaring" genannte Praxis setzt jedes Jahr allein 350 Millionen Tonnen CO₂ frei, so viel wie 75 Millionen Autos. ...

Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass die Öl- und Gasindustrie mit existierender Technik wie modernen Sensoren und elektrischen statt mechanischen Bauteilen mehr als zwei Drittel ihrer Emissionen innerhalb kurzer Zeit einsparen könnte....

Eine besondere Verantwortung kommt der EU zu, die anders als etwa Kanada, die USA oder Mexiko bislang keine umfassende Methan-Gesetzgebung hat. Vor allem ist Europa der größte Abnehmer von Erdgas weltweit. "..

Ohne Einschränkungen beim Fleischkonsum lässt sich das Problem wohl nicht lösen

Allerdings geht es nicht nur um Methan aus fossilen Quellen, wie der UNEP-Bericht deutlich macht. Immerhin 40 Prozent der anthropogenen Emissionen stammen aus der Landwirtschaft, 20 Prozent von Müllkippen oder Kläranlagen. In Indien und großen Teilen Asiens, aber auch innerhalb Europas gibt es bei der Müllverwertung das größte Potenzial, um den Ausstoß zu verringern. "Wir sollten da vor der eigenen Haustür kehren", mahnt Jutta Paulus, Europaabgeordnete der Grünen. Verstreut über Europa gasen etliche alte Mülldeponien Methan aus, auch aus stillgelegten Kohlebergwerken strömt das Treibhausgas noch. Paulus schlägt einen Sonderfonds vor, um diese Altlasten zu beseitigen.

Weitaus schwieriger dürfte es werden, das Methan aus der Landwirtschaft loszuwerden. Es stammt größtenteils aus den Mägen von Kühen, hängt also mit dem hohen Fleischkonsum in vielen Staaten zusammen. "Die industrielle Landwirtschaft ist der Elefant im Raum", sagt Paulus. 

Sonntag, 6. Juni 2021

"Wahlkampf Vorsicht, Volksverdummung"

Und jetzt kommt noch der Südkurier zu Wort, von Dieter Löffler (Auszüge in blau)

Wahlkampf sollte in diesem Blog nur ein Nebenthema sein, uns geht es schließlich um einen zukunftsfähigen Regionalplan! Doch natürlich: Hintergrund-Wissen muss sein, wenn man verstehen möchte um was es geht.
Und bei dieser Diskussion geht es für uns alle um ziemlich viel: es geht um den Klimakiller CO2.
Und dass der Südkurier diesen Streit näher beleuchtet, das ist wirklich beachtlich, finde ich jedenfalls! Losgetreten worden war das Ganze von "Frau Baerbock" von den Grünen, war ja klar...... ebenso wie es klar war, dass der Grüne "Herr Hofreiter" auch bei den Häuslebauern anecken musste. Vielleicht ist es aber zur "Einnordung" ganz gut, auch noch den nächsten Post vom Nicht-Grünen OB Rapp aus Ravensburg zu lesen, der ganz "grün" bekennt: "Die Zeit der Einfamilienhäuser ist im Prinzip vorbei"

" Vielleicht hat sich Annalena Baerbock zu blauäugig auf dieses dünne Eis gewagt, als sie eine Erhöhung des Benzinpreises um 16 Cent forderte, um den Klimaschutz voranzubringen. Eine Kanzlerkandidatin, die das Tanken teurer machen will? Selten hat der politische Gegner eine Vorlage dankbarer aufgegriffen, um im Wahlkampf Punkte einzusammeln. Von der CSU bis zur Linken, alle prügeln auf Baerbock ein. CSU-Mann Andreas Scheuer spricht von „Kandidatin Ahnungslos“.(Mit welchem Recht darf der überhaupt noch über Andere lästern?) Selbst SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gibt sich als Spritschlucker-Versteher und wirft der grünen Mitbewerberin vor, die Nöte der Bürger seien ihr egal.

Man muss kein Anhänger der Grünen sein, um hier Volksverdummung zu wittern. Tatsache ist: Anfang 2021 hat die große Koalition beschlossen, den Preis für den Klimakiller CO2 schrittweise anzuheben, um die Bürger zu einem sparsameren Verbrauch anzuregen. Das hat Auswirkungen auf alle Kraftstoffpreise, auch auf Benzin, Diesel und Heizöl. Für die Preiserhöhung stimmten CDU, CSU, SPD und die Grünen. Es war ein gemeinsamer, parteiübergreifender Beschluss, dem anschließend die Länder im Bundesrat zustimmten. Baerbock wird manches auf ihre Kappe nehmen müssen, nicht aber den Spritpreis. An dieser Schraube drehen andere munter mit, wenn auch aus guten Gründen, inklusive der Herren Scheuer und Scholz.

Kurzum, bei der Spritpreis-Debatte handelt es sich um ein Musterbeispiel aus dem Lehrbuch des Populismus. Der Wähler bekommt, was er hören will. Alle Parteien sind anfällig dafür, nicht nur die großen Vereinfacher am rechten und am linken Rand. ....


Auch der Tagesspiegel hat sich mit diesem Streitthema beschäftigt  hier ganz zu lesen

SPD gegen höhere Benzinpreise 
Und wie wollen die Sozialdemokraten das Klima schützen?

Der Wahlkampf nimmt Fahrt auf. Der Ton wird rauer. Und es geht auch um was – um viel Geld, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit. Die Grünen möchten schrittweise den Benzinpreis um bis zu 16 Cent anheben. Die SPD geht auf Konfrontationskurs: Für Kanzlerkandidat Olaf Scholz zeigt das nur, „wie egal“ den Grünen die Nöte der Bürgerinnen und Bürger sind. 

Die Kritik konterte die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock mit dem Vorwurf der Selbstvergessenheit: Die Koalition aus Union und SPD habe doch selbst den CO2-Preis eingeführt und gerade die Klimaziele nachgeschärft.
Woraufhin wiederum SPD-Chefin Saskia Esken mahnte, die Bewältigung des Klimawandels sei eine Menschheitsaufgabe. „Die kann man nicht im politischen Elfenbeinturm erreichen.“

Starker Tobak. Der Streit wirft die Frage auf, wie und wo die SPD die Menschheitsaufgabe anzugehen gedenkt......

Mittwoch, 2. Juni 2021

"Moore – der unterschätzte Klimafaktor"

Bericht in Science orf.at    hier zum ganz lesen

Moore speichern mehr Kohlendioxid als alle Wälder auf der Erde. Werden sie trockengelegt, gelangen große Mengen an CO2 in die Atmosphäre. Lange Zeit schenkte man den Mooren kaum Aufmerksamkeit, nun will man sie klimafit machen. Einige Moore werden deshalb wieder vernässt.

Welche Rolle Moore für den Klimaschutz spielen, sei lange nicht bekannt gewesen, sagt Hans Joosten, Professor für Moorkunde und Paläoökologie an der Universität Greifswald. „Eigentlich erst seit 2010 wissen wir, was der Umfang der Emissionen aus entwässerten Mooren ist.“
Weltweit seien nur noch 85 Prozent aller Moore intakt, erzählt der Moorkundler. Diese Moore würden jedes Jahr 100 Millionen Tonnen Kohlenstoff einlagern. Die entwässerten Moore hingegen würden in Summe jedes Jahr 500 Millionen Tonnen emittieren. „Moore sind langsame Festleger, sie sind sehr gute Festhalter. Aber wenn man sie mobilisiert, durch Entwässerung, werden sie auch zur großen Schleuder.“

Eine Konsequenz aus dem Pariser Klimaabkommen müsste sein, alle Moore der Welt wieder zu vernässen, ist Hans Joosten überzeugt. Doch viele ehemalige Moorflächen werden heute von Äckern und Feldern überlagert. In Greifswald experimentiert man daher mit Paludikulturen, mit der landwirtschaftlichen Nutzung von nassen Moorböden.

Dienstag, 1. Juni 2021

"Klimaziele, aber Öl und Gas verkaufen: Big Oil setzt nicht auf grün"

aus der TAZ vom 30.5.21   hier

Montag, 31. Mai 2021

"Klimaurteil: Das Bundesverfassungsgericht widerspricht sich selbst"

Im Handelsblatt gefunden  hier

Das Gericht legt zu optimistische Berechnungen für die CO2-Obergrenzen zugrunde. So sind die langfristigen Klimaziele nicht zu schaffen, moniert Helge Peukert
(Professor für Plurale Ökonomik an der Universität Siegen)

Das Gericht hat das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens und eine langfristige Freiheitssicherung quasi verfassungsrechtlich verankert. ....

Das Gericht erkennt an, dass die ökologischen Gefährdungen bei über 1,5 Grad Erderwärmung gut belegt und unbedingt zu vermeiden sind.

Demnach müsste bereits 2021 Klimaneutralität in Deutschland erreicht werden und nicht bis 2030 nur eine Emissionsminderung um 55 Prozent im Vergleich zu 1990, wie laut Klimagesetz bislang vorgesehen. Denn in Deutschland sind wir, was im Urteil nicht zur Sprache kommt, empirisch laut Deutschem Wetterdienst schon bei zwei Grad Erwärmung angelangt.

Wie können die Richter dann aber die Reduzierung des CO2-Ausstoßes um lediglich gut die Hälfte oder auch knapp zwei Drittel wie im Reformvorschlag bis 2030 für verfassungskonform erklären? Wie können sie Nachbesserung zwingend nur für Zwischenziele und geplante Maßnahmen nach 2030 einfordern?...

Dann stünde womöglich auch in Deutschland nur ein deutlich geringeres Restbudget zur Verfügung. Die optimistische Sicht der Richter widerspricht eklatant dem Vorsichtsprinzip....

Das ist im Rahmen unseres Wirtschaftswachstumsmodells unmöglich. Ohne eine Vollbremsung und den Übergang zu einer Postwachstumsökonomie ist die maximal akzeptable Erderwärmung nicht mehr zu schaffen.

Samstag, 29. Mai 2021

Und noch der "Klimafreitag" von der Süddeutschen Zeitung

 


Das Buch „Revolution Justified“ ist nicht gerade das, was man einen Bestseller nennt. Die englische Ausgabe hat auf Amazon gerade mal eine Bewertung (immerhin: 5 Sterne) und belegt selbst in der Unterkategorie Recht den Platz 6839. Aber vielleicht ändert sich das ja bald: Der Autor, der Rechtsanwalt Roger Cox, legt darin seine Auffassung dar, dass Staaten und Märkte prinzipiell unfähig seien, die Klimakrise zu lösen. Eine entscheidende Rolle komme daher der Justiz zu.

Vielleicht findet das Buch bald mehr Leser, Manager von Ölfirmen zum Beispiel. Denn diese Woche ist Cox im Auftrag des niederländischen Ablegers der Umweltorganisation „Friends of the Earth“ ein beachtlicher Sieg gegen Shell gelungen. Ein Gericht in Den Haag verpflichtete Europas größten Ölkonzern, seine Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2019 um 45 Prozent zu verringern – wozu auch alles CO₂ zählt, das Kunden emittieren, wenn sie Öl oder Gas von Shell verbrennen. „Was Umweltschützer und Tausende Bürger da erreicht haben, ist spektakulär“, kommentiert mein Kollege Michael Bauchmüller. „Dieses Urteil ist schon rein symbolisch von enormem Gewicht, denn keine Branche schädigt das Klima mehr als die globale Ölindustrie.“

Wobei Cox mit der Unfähigkeit der Märkte womöglich nicht ganz recht hat. Ebenfalls am Mittwoch musste ExxonMobil auf Druck von Aktionären zwei neue Vorstände akzeptieren. Der aktivistische Hedgefonds Engine No. 1 will so erzwingen, dass sich der Ölkonzern stärker in Richtung erneuerbarer Energien orientiert. Bei Chevron setzten am selben Tag Investoren erstmals verpflichtende Emissionsziele durch, gegen den Willen des Managements.

Es muss also nicht im Gerichtssaal enden, doch auch dort geht einiges. 1587 Klimaprozesse zählte die London School of Economics zwischen 1986 und Mai 2020, die meisten in den USA, 57 in der EU. Besonders 2019 sei es infolge der weltweiten Klimaproteste zu einem Anstieg von Prozessen gekommen. Meistens wurden in der Vergangenheit aber Staaten verklagt. Mit dem Urteil in den Niederlanden könnten Unternehmen stärker in den Fokus rücken.

Laut der FAZ laufen derzeit weltweit allein rund 40 Klimaschutzklagen gegen Energiekonzerne. Vielen Firmen aus der Öl- und Gasbranche könnte dabei auf die Füße fallen, dass ihre eigenen Klimaschutzpläne häufig äußerst schwammig sind. So zeigt eine Analyse des Think Tanks Carbon Tracker unter zehn der größten Ölfirmen, dass die meisten zwar das Ziel „Net Zero“ ausgegeben haben, also bis 2050 klimaneutral werden wollen. Viele beschränken sich dabei aber lediglich auf Emissionen bei der Ölförderung oder in der Verwaltung und ignorieren den Löwenanteil von Treibhausgasen, der bei der Verbrennung von Öl und Gas entsteht, mit dem Argument, dass dafür ja die Endkunden verantwortlich seien. Nur Eni setzt sich feste Reduktionsziele bis 2030 ohne Ausnahmen, auch was die Emissionen der Produkte selbst angeht.

Ein weiteres Problem: Bei der Umsetzung ihrer Klimapläne setzen die Ölfirmen häufig auf Methoden wie die unterirdische Speicherung von CO₂, die Entnahme von Treibhausgasen aus der Luft oder Bäumepflanzen, um nur ja das Fördern fossiler Brennstoffe zu erhalten. Alleine die Pläne von Shell und Eni, jedes Jahr 140 Millionen Tonnen CO₂ auszugleichen, würden erfordern, bis 2030 einen Wald von der Größe Bulgariens anzupflanzen. Zudem sind zwar die Langfristziele häufig ambitioniert, für die nächsten Jahre soll sich aber erstmal wenig ändern. Eben das hatten die niederländischen Richter Shell angekreidet, auch die Bundesregierung kann hiervon ein Liedchen singen.

Da dürften sich also noch etliche Ansatzpunkte für Klimaklagen finden lassen.

 


 

Ein schönes Wochenende ohne schwierige Prozesse wünscht Christoph von Eichhorn.