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Donnerstag, 14. April 2022

Klimaexperte Klaus Hubacek: Warum uns technologische Neuerungen nicht retten werden

moment.at  hier

 Wie wir Klimapolitik betreiben, sei bereits ein globales Experiment, kritisiert IPCC-Autor Klaus Hubacek.
Wir dürfen nicht nur auf technologische Neuerungen setzen, durch die unsere Wirtschaft wie bisher unverändert weiterwachsen soll. Stattdessen braucht es auch eine Debatte über alternative Wirtschaftskonzepte und eine Änderung unseres Konsumverhaltens.
So ganz ohne technologische Neuerungen wird es dann aber doch nicht gehen - und auch Geoengineering werde eine Rolle spielen.

Mittwoch, 9. März 2022

Forderungen des IPCC-Berichts: Ein Pakt mit der Natur

TAZ hier

Der neue Bericht des Weltklimarats vermittelt eine revolutionäre Botschaft: Ohne gesunde Ökosysteme ist der Klimawandel nicht zu stoppen.


Gleich der erste Satz irritiert, obwohl er eigentlich gar nicht so spektakulär klingt: „Dieser Bericht erkennt die gegenseitige Abhängigkeit von Klima, Ökosystemen und Biodiversität sowie menschlichen Gesellschaften an“. Anfang dieser Woche wurde der zweite Teil des neuen Weltklimaberichts veröffentlicht und dieser liest sich so ganz anders als die fünf vorangegangenen Berichte, die der IPCC im Abstand von im Schnitt sechs Jahren veröffentlicht: Die 270 Hauptautoren haben diesmal nicht „nur“ den Sachstand zu Klimafolgen und Klimaanpassung zusammengefasst und aktualisiert – sie haben das Dokument aus einer ganz neuen Sichtweise geschrieben

Das große Klimakosten-Tabu

 TAZ  hier

Schäden und Verlust in der Klimakrise

Wer zahlt für die Schäden der Klimakrise? Afrikanische Staaten wollen das Thema auf der Konferenz in Ägypten oben auf die Tagesordnung setzen.


Nicola Sturgeon hat die Grenzen des Sagbaren gesprengt. Zumindest die Grenzen dessen, was die Vertreterin eines Industrielands auf einem Klimagipfel sagen kann. Schottlands Regierungschefin sprach im November auf der Weltklimakonferenz in Glasgow von „Reparationen“ und kündigte an, eine Million Britische Pfund in einen Fonds für arme Länder einzuzahlen. Das Geld soll helfen, wenn die Klimakrise zerstört hat, wenn es Schäden gibt. Später verdoppelte sie die Summe. 

Montag, 7. März 2022

Deutsche Umwelthilfe: Was wir jetzt konkret gegen die Doppelkrise tun müssen

Deutsche Umwelthilfe hier

Furchtbare Nachrichten aus der Ukraine und vom Weltklimarat

Es sind katastrophale Nachrichten, die uns aktuell jeden Tag erreichen. Aus der Ukraine, wo so viele Menschen in diesem Krieg leiden. Wir alle bei der Deutschen Umwelthilfe sind erschüttert. Unsere Gedanken sind bei all jenen, die nun um das eigene Leben oder das ihrer Verwandten, Freundinnen und Freunde bangen müssen. Die Welt scheint aus den Fugen. Selbst der atomare Schrecken kehrt zurück. In Form von Drohungen aus dem Kreml, aber auch mit den bestürzenden Meldungen aus der Nacht zu Freitag, dass es Kämpfe, Raketenbeschuss und Feuer auf dem Gelände von Europas größtem Atomkraftwerk gibt. Die Gefahr einer Katastrophe weit schlimmer als Tschernobyl ist plötzlich äußerst real. Und sie warnt uns erneut, dass Atomenergie kein Teil einer Lösung sein kann und keine Zukunft haben darf.

Gleichzeitig haben uns diese Woche auch noch schlechte Nachrichten vom Weltklimarat IPCC erreicht. Der neueste Bericht zeigt, dass die Klimakrise dramatisch schnell voranschreitet und ist ein flammender Appell an die Bundesregierung, endlich entschlossener vorzugehen. Denn wir dürfen uns von dieser Doppelkrise nicht einschüchtern lassen. Ganz im Gegenteil: Wir müssen aktiv werden, müssen jetzt die richtigen Dinge tun. Genau die Maßnahmen, die gegen die Klimakrise wirken, helfen uns auch, die Abhängigkeit von den russischen fossilen Rohstoffen Öl, Gas und Kohle zu reduzieren. Gleichzeitig müssen wir die Fehler vermeiden, die uns in neue Abhängigkeiten und fossile Klimafallen tappen lassen. Klimaschutz und Energiesicherheit gehen jetzt Hand in Hand!

Besonders wichtig sind jetzt ganz konkrete Maßnahmen. Konkrete Maßnahmen für die Zukunft der Energieversorgung, die den massiv beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien sofort voranbringen, statt voreilig auf eine neue Abhängigkeit von Flüssigerdgas-Terminals zu setzen. Aber auch weil diese Schritte erst in Jahren ihre volle Wirkung entfalten werden, brauchen wir dringend konkrete Schritte, um jetzt Energie und Rohstoffe einzusparen. Jeder Liter Öl, jeder Kubikmeter Gas, jede Schaufel Kohle weniger ist ein Schritt raus aus der Abhängigkeit von russischen fossilen Importen – und ein Beitrag zum Klimaschutz. Dabei kann jeder persönlich mitmachen und einsparen. Aber es braucht auch klare Vorgaben der Politik.

Update "Die Erde brennt!" - Brandrede zum neuen IPCC Bericht

 YouTube Video: hier


UN-Generalsekretär António Guterres: Anmerkungen zur Pressekonferenz – Vorstellung des IPCC-Berichts, Genf, 28. Februar 2022

Auf den Seiten der Vereinten Nationen ist die Rede auf Deutsch zu lesen  hier

Ich habe in meinem Leben schon viele wissenschaftliche Berichte gesehen, aber keinen wie diesen.

Der heutige IPCC-Bericht ist ein Atlas des menschlichen Leids und eine vernichtende Anklage gegen die verfehlte Klimapolitik.

Samstag, 5. März 2022

3 Milliarden Menschen betroffen: "Jede Kommune müsste Schutzpläne für Starkregen oder Hitze haben"

 


Podcast ARD hier (oben ist nur ein Foto)

Der zweite Teil des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats zeigt die verheerenden Folgen der Klimakrise auf. Deutlich wird, dass die Hälfte der Menschheit Opfer dieser Krise werden wird. Das werden die ärmeren Menschen in ärmeren Regionen sein, aber auch die Ärmeren bei uns, fasst ARD-Umweltexperte Werner Eckert zusammen.

Dieser Teilbericht des Weltklimarats, der am 28. Februar veröffentlicht wurde, macht deutlich, dass relativ unmittelbar 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen auf der Welt betroffen sein werden, sagt ARD-Umweltexperte Werner Eckert.

Freitag, 4. März 2022

"Eine Generation, der fast nichts erspart bleibt: erst Klimakrise, dann Pandemie, jetzt Krieg"

Klimafreitag von der Süddeutschen Zeitung hier am 4.3.22
von Michael  Bauchmüller

wenn die Zeit drängt, dann kann man nicht bis Freitag warten. Nicht mal die Fridays for Future. Diese Woche haben sie schon am Donnerstag demonstriert, in vielen Städten weltweit. Zehntausende folgten dem Aufruf. Es ist eine Generation, der fast nichts erspart bleibt, wie mein Kollege Thomas Balbierer von der Demo in Berlin schrieb: erst Klimakrise, dann Pandemie, jetzt Krieg. Und wer weiß schon, was noch alles kommt. Wie viel näher dieser Krieg noch rücken mag. Es ist schrecklich.

Donnerstag, 3. März 2022

Klimaklartext: Hätten Sie`s lieber kurz und bündig oder ausführlich? Beides ist möglich...

 Klimaklartext / Die Klima-News  im Standard  aus Österreich hier



Es ist schwierig, im Moment sich mit anderen Dinge und zu beschäftigen als dem Krieg in der Ukraine. Und doch dürfen andere Krisen auch in so schweren Zeiten nicht vergessen werden. Daran erinnerte einmal mehr der am Montag erschienen Bericht des Weltklimarats. Dieser zeigt in aller Deutlichkeit, wie schlimm es um den Planeten steht. Die bisherigen Anpassungen an die Klimakrise sind viel zu schwach, die Emissionsreduktionen viel zu gering. Die Klimakrise ist längst auch in Europa spürbar – und doch ist das, was wir bis jetzt erlebt haben, nur auf Vorgeschmack auf das, was noch auf uns zukommen wird.

Mittwoch, 2. März 2022

Die elf Gebote

TAZ hier

 IPCC-Bericht im Detail

Der Weltklimarat legt seinen zweiten Bericht vor: Alle sind betroffen, die Verluste schon groß, Hilfe ist noch möglich, aber Zeit wird knapp.

Der Weltklimarat IPCC hat am Montag den Bericht der Arbeitsgruppe II zu den Auswirkungen der Klimakrise und zur Anpassung an diese Veränderungen veröffentlicht. Es ist der zweite Teil des aktuellen 6. Sachstandsberichts. Hier sind einige der zentralen Aussagen im Überblick:

  1.  Der menschengemachte Klimawandel hat bereits weit verbreitete negative Auswirkungen auf Menschen und Natur bewirkt, die die Anpassungsfähigkeit überschreiten. Manche Veränderungen sind unumkehrbar.

  2.  Alle Weltgegenden sind betroffen. Besonders verwundbar sind Regionen in West-, Ost- und Zentralafrika, Mittel- und Südamerika und Südasien, kleine Inseln und die Arktis.

  3.  3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen leiden unter regelmäßiger schwerer Wasserknappheit, dabei ist der Klimawandel ein zusätzlicher Faktor zu anderen Treibern.

  4.  Krankheiten und gesundheitliche Schäden nehmen zu. Hitze und Dürre und andere Extremereignisse bedrohen die Ernährungssicherheit von Milliarden Menschen und die Verwirklichung der UN-Entwicklungsziele.

  5.  Verwundbarkeit gegenüber Klimarisiken hängt davon ab, wie arm oder schlecht regiert Regionen sind. Besonders betroffen sind Arme, Frauen, Alte, Kinder, Indigene und andere Marginalisierte.

  6.  Städte sind einerseits besonders bedroht, können aber auch klimaresistent umgestaltet werden. Es gibt Fortschritt bei der Klima-Anpassung, aber er ist zu langsam. Je länger damit gezögert wird, desto größer die Schäden.

  7.  Die Überschreitung von 1,5 Grad Erwärmung auch nur für kurze Zeit würde schwerwiegende negative Folgen auf Natur und Menschen haben.

  8.  Die Risiken für Extremereignisse (Hitzewellen an Land und im Meer, Waldbrände, Überflutungen etc.) haben sich seit dem letzten Bericht vor sieben Jahren erhöht.

  9.  Klima-resiliente Entwicklung ist möglich, wenn Regierungen, Unternehmen und Privatleute die richtigen Entscheidungen treffen. Nötig sind Geld, historische Gerechtigkeit und internationale Kooperation.

  10.  Die Sicherung der Artenvielfalt weltweit ist Vorbedingung für klima-sichere Entwicklung. Dafür braucht es den Schutz von 30 bis 50 Prozent der Ökosysteme an Land und im Meer.

  11. -Die Jahre bis 2030 werden entscheidend für die weitere Entwicklung sein, ob die Pfade zur klima-sicheren Entwicklung eingeschlagen werden. Wenn die Erwärmung 1,5 Grad überschreitet, wird dieses Ziel kaum zu erreichen sein.

Enorme Anstrengungen liegen vor uns

 dw   hier

Weltklimarat:
1,5-Grad-Ziel nur mit enormen Anstrengungen noch möglich

Kann die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden? Wie wäre das möglich? Welche Vorteile hätte das? Diesen Fragen ging der Weltklimarat (IPCC) im Auftrag der Regierungen nach und stellte jetzt seinen Sonderbericht vor.

Vor allem durch den Ausstoß von CO2 hat sich die Erdtemperatur seit Beginn der Industrialisierung (circa 1870) um rund ein Grad erwärmt; die Folgen sind bereits heute sichtbar, so jedenfalls lautet eine Kernaussage des aktuellen Sonderberichts zur globalen Erwärmung, der jetzt in Südkorea vorgestellt wurde....

Jedes Zehntel Grad zählt 

Der Bericht hebt eine Reihe von Schäden und Katastrophen hervor, die durch die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad vermieden werden könnten.

So wäre zum Beispiel der Anstieg des globalen Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad im Vergleich zu zwei Grad um 10 cm niedriger und die Wahrscheinlichkeit eines meereisfreien Arktischen Ozeans im Sommer läge dann bei einmal pro Jahrhundert. Bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad gäbe es dagegen dann einen meereisfreien Arktischen Ozean schon mindestens einmal pro Dekade. Darüber hinaus wären alle Korallenriffe der Welt bei einer Zwei-Grad-Erwärmung verloren.

"Jede zusätzliche Erwärmung ist wichtig. Das Risiko von lang anhaltenden oder irreversiblen Veränderungen steigt vor allem über 1,5 Grad, wie der Verlust einiger Ökosysteme", sagt Mitautor Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad würde negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und das Wohlergehen verringern und dem Ökosystem mehr Spielraum zur Anpassung geben. Zu den beträchtlichen Risiken zählen laut Bericht Extremwetter mit Hochwasser, Stürmen, Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen an Küsten und der Verlust von Fischfang und Ernteerträgen.

Für das 1,5-Grad-Ziel ist das CO2-Budget schon fast aufgebraucht. Die Welt muss entscheiden wohin die Zukunft geht.

1,5 Grad nur mit erheblichen Veränderungen erreichbar

Laut Bericht ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad machbar.
"Nach den Gesetzen der Chemie und Physik ist dies möglich", sagt Mitautorin Jim Skea. Dies würde aber beispiellose Änderungen erfordern, "schnelle und weitreichende" Veränderungen in allen Lebensbereichen, lautet ein Fazit im IPCC-Bericht.

"Die gute Nachricht ist, dass einige notwendige Maßnahmen bereits auf der ganzen Welt im Gange sind. Diese müssten aber beschleunigt werden", betont Mitautorin Valerie Masson-Delmotte, Expertin für Klimaphysik.

Die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen müssten für dieses Ziel bis 2030 um etwa 45 Prozent gegenüber dem Stand von 2010 gesenkt werden und bis zum Jahr 2050 in der Summe auf Null. Das bedeutet zugleich, dass alle Emissionen darüber durch Techniken der CO2-Entfernung kompensiert werden müssten.


Szenario: Durch zu spätes Handeln muss CO2 in Zukunft wieder aus der Atmosphäre entzogen werden. Eine riskante Option.

Schnelle Veränderung hilft Zukunft

"Dieser Bericht bietet politischen Entscheidungsträgern und Praktikern die Informationen. Dies ist nötig, um die Bedürfnisse der Menschen zu berücksichtigen. Die nächsten Jahre sind wahrscheinlich die wichtigsten in unserer Geschichte", sagt Debra Roberts, eine weitere Autorin des Berichts.

Der IPCC-Sonderreport zeigt mit vier Szenarien auf wie eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad überhaupt möglich ist. Alle Szenarien gehen von einem schnellen Kohleausstieg aus, eine starke Reduktion von Öl und Gas und einem kräftigen Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Um das 1,5 Grad-Ziel nicht zu verfehlen, erachten alle vier Szenarien die CO2-Entfernung als notwendig. Eins davon rechnet mit globaler Energieeinsparung, setzt auf eine klimafreundliche Landnutzung und Maßnahmen der Wiederaufforstung zur CO2-Reduktion. Die anderen drei Szenarien rechnen auch mit großtechnisch noch unerprobten, riskanten und umstrittenen Technologien der CO2-Abscheidung aus der Atmosphäre.

Keine Zeit für Verzögerung 

Klimawissenschaftler aus der ganzen Welt loben den Bericht und betonen zugleich die Dringlichkeit zum Handeln. "Bei aller wissenschaftlichen Komplexität ist eines klar: Wir haben nur ein Jahrzehnt, um die CO2-Wende zu schaffen und die Menschen noch vor den größten Risiken des Klimawandels zu schützen", sagt Johan Rockström, designierter Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Vorsitzender der Earth League.

"Besser als je zuvor wissen wir mit diesem Bericht, was bereits bei einer Erwärmung von nur 1,5 Grad Celsius auf dem Spiel steht. Doch was die Politik gegenwärtig an Maßnahmen auf den Tisch legt, reicht bislang nicht einmal zur Einhaltung der Zwei-Grad-Grenze von Paris. Wir sind auf dem Weg Richtung 4 Grad bis Ende des Jahrhunderts, wenn wir jetzt nicht handeln", so Rockström.

Niklas Höhne vom NewClimate Institute, Professor für Klimaschutz in den Niederlanden, hält die Begrenzung auf 1,5 Grad für "technisch und ökonomisch machbar". Richtig umgesetzt könne sie zudem zur nachhaltigen Entwicklung weltweit beitragen.

"Das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten ist extrem schwer, aber nicht unmöglich. Der Bericht zeigt die enormen Anstrengungen, die für das 1,5-Grad-Ziel nötig sind. Fast alle Bereiche des Lebens müssen umgekrempelt werden: Wie wir wohnen, essen, uns fortbewegen, was wir konsumieren. Technische Lösungen alleine werden nicht ausreichen, wir müssen unser Verhalten ändern. Und dazu noch muss Entwicklungsländern geholfen werden, diese rasante Transformation zu vollziehen."

Der Menschheit läuft die Zeit davon

Süddeutsche Zeitung  hier   Von Benjamin von Brackel und Christoph von Eichhorn

In einem umfassenden Report warnt der IPCC vor höheren Klima-Risiken als bislang angenommen. Schon jetzt wirke sich die Erderwärmung auf Milliarden Menschen aus.

Vom Meeresgrund bis zur Spitze der höchsten Berge, auf dem Dorf oder in der Großstadt, ob arm oder reich: Der Klimawandel beeinträchtigt bereits jetzt Ökosysteme überall auf der Erde und das Leben von Milliarden Menschen. Das ist die Botschaft des neuen Berichts des Weltklimarats IPCC.
Das Ausmaß und die Folgen der Erderwärmung sind demnach größer als bislang angenommen. Bestimmte Risiken - etwa aufgrund von Extremwetter - lassen sich nicht mehr gänzlich vermeiden, die Erde hat sich einfach schon zu sehr erwärmt. Aber es gibt auch Hoffnung: Gegen manche Risiken kann der Mensch sich wappnen.

Montag, 28. Februar 2022

Weltklimarat fordert Änderung im Lebensstil für den Klimaschutz

Dieser Bericht erschien auf Agrar-aktuell und zeigt: Auch die Landwirtschaft hat sich auf den Weg gemacht. Klimawandel wird ernst genommen. Ein wirklich guter Artikel!

26.02.2022 in den Agrar-Nachrichten  hier

Was fällt den meisten Menschen hierzulande beim Thema Klimawandel als erstes ein? Wahrscheinlich, dass klimaschädliche Emissionen gesenkt werden müssen, Stichwort Kohleausstieg, Elektroautos und ähnliches.

Klimawandel
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Dass das Klima sich durch Menschenhand katastrophal verändert, steht fest. Nun geht es um die Folgen und darum, welche Anpassungen für Mensch und Natur nötig sind. Klar ist: Weitermachen wie bisher geht nicht. (c) proplanta
Dahinter steht vor allem der Wunsch und Wille, mit solchen Veränderungen so weiterleben zu können wie bisher. Aber mit der Verringerung der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen ist es längst nicht getan. Es braucht Anpassungsmaßnahmen, und Menschen müssen sich von Lebensgewohnheiten verabschieden. Dazu legt der Weltklimarat (IPCC) am 28. Februar einen neuen Bericht vor.

Darin geht es um die Folgen des Klimawandels für Natur und Mensch und die Anpassungen, die nötig sind, um das Leben auf diesem Planeten einigermaßen im Gleichgewicht zu halten.
Die Grundlagen stammen aus Zehntausenden wissenschaftlichen Studien.

Weil der Rat ein UN-Gremium ist, reden bei der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger aber Regierungen ein Wörtchen mit. Da geht es um handfeste politische Interessen: Was wird wie drastisch dargestellt, was rückt eher in den Hintergrund? Seit zwei Wochen wird um jede Zeile gerungen, die Debatte hinter verschlossenen Türen zog sich länger hin als geplant.

Natürlich müssen die Treibhausgase gemindert werden, betont die Wissenschaft. «Es kann aber nicht nur darum gehen, dass künftig alle Elektroauto fahren und ansonsten weiterleben wie bisher», sagt Tabea Lissner, Co-Leiterin des Wissenschaftsteams von Climate Analytics in Potsdam, der Deutschen Presse-Agentur. Und Almut Arneth, Klimaforscherin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), sagt: «Wenn wir uns nur auf die Minderung der Treiber des Klimawandels verlassen, mit Maßnahmen, die große Landflächen benötigen, haben wir Probleme mit dem Naturschutz.»

An Anpassungen führt also kein Weg vorbei. In Deutschland haben die Überschwemmungen in der Region Ahr und Erft im Juli 2021 den Klimawandel real gemacht. Mehr als 180 Menschen kamen dort nach Starkregen ums Leben, den es nach Studien ohne menschengemachten Klimawandel in dieser Intensität nicht gegeben hätte. Wenn nicht mehr Klimaschutz betrieben werde, stiegen die jährlichen Schäden durch Überschwemmungen an Flüssen in Deutschland nach Modellberechnungen bei gleichbleibender Politik um 72 Prozent, sagt Lissner.

Anpassung heißt: Mit kleinen Schutzwällen an besonders exponierten Stellen ist es nicht getan. «Man muss das ganze Wassersystem und das Zusammenspiel aller Faktoren anschauen», sagt Lissner. Allgemein sei es an Flüssen je nach Region und Lage womöglich nötig, Begradigungen zurückzubauen und ursprüngliche Flussbetten wieder herzustellen, durch Straßen oder Bauten versiegelte Böden zu öffnen und Flächen zu schaffen, wo Hochwasser versickern kann. Manche Flächen könnten in Zukunft auch einfach nicht mehr so genutzt werden wie bisher.

Inselstaaten sind in einem besonderen Dilemma, sagt Lissner. Durch häufigere Stürme werden Hütten und Häuser immer wieder zerstört. Die Länder hätten kaum Ressourcen für den Bau besserer Häuser, um diesem Teufelskreis zu entkommen. «Klimafinanzierung ist wichtiger Baustein der Anpassung», sagt sie.

Reiche Länder haben ihren Wohlstand mit klimaschädlichen Emissionen aufgebaut und sind historisch für den Großteil des Klimawandels verantwortlich. Sie haben 2009 versprochen, bis spätestens 2020 jedes Jahr 100 Milliarden Dollar dafür zur Verfügung zu stellen, doch dieses Versprechen nicht eingehalten.

Der Weltklimarat will auch stärker als bisher verdeutlichen, wie eng Klima- und Naturschutz zusammenhängen. «Klimaschutzmaßnahmen können schlecht für den Artenschutz sein, aber Artenschutz tut dem Klima eigentlich nicht weh», sagt Arneth. Beispiel Biosprit: Wenn statt emissionsintensivem Benzin Treibstoff aus pflanzlichen Rohstoffen genutzt werden soll und dafür riesige Rapsfelder oder Palmölplantagen angelegt werden, schwindet die Artenvielfalt. Die Aufnahme von klimaschädlichem CO2 kann sogar reduziert werden, wenn für Plantagen - wie etwa in Indonesien - tropische Regenwälder gerodet werden.

Nach einem UN-Bericht ist die durchschnittliche Artenvielfalt in ländlichen Lebensräumen um mindestens 20 Prozent zurückgegangen, überwiegend in den vergangenen 120 Jahren. Eine Million Arten seien vom Aussterben bedroht, mehr als je zuvor in der Menschengeschichte. Artenschutz bedeutet auch, Naturlandschaften zu erhalten, die zur Minderung der Treiber des Klimawandels beitragen.

Beispiel Wald: Als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel mit vielen positiven Effekten gilt die Wiederherstellung naturnaher Wälder. «Sie nehmen CO2 aus der Atmosphäre auf, sie schaffen Lebensraum für Arten, sie regulieren den Abfluss von Regenwasser, sie bieten ein kühles Ökosystem für Tier und Mensch, und damit auch Raum für Entspannung», sagt Arneth. Der Haken sei die Konkurrenz von Waldfläche mit notwendiger Fläche für die Nahrungsmittelproduktion.

Deshalb ist für die Klimaexpertinnen klar, dass Anpassung auch eine Veränderung der eigenen Lebensart bedeutet. «Der Pro-Kopf-Konsum in westlichen Ländern ist zu hoch», sagt Arneth. «Wir müssen nicht alle vegan werden, in Jutesäcken rumlaufen und die Wohnung nicht heizen, aber wir können uns an die eigene Nase fassen.» Fast 60 Prozent der Agrarflächen dienen der Fleischproduktion weltweit. «Wie überzeuge ich die Deutschen, dass sie vielleicht nur noch zweimal in der Woche Fleisch essen statt jeden Tag?»

Die Erde muss warten

Süddeutsche Zeitung hier  28. Februar 2022   Kommentar von Michael Bauchmüller

Lebensgrundlagen:

An diesem Montag wird der Weltklimarat seinen neuen Bericht vorlegen.
Auf viel Interesse wird er nicht stoßen.
Der Krieg könnte auch die Klimapolitik zerstören.

Alles ist vorbereitet für den großen Tag, seit Monaten schon. Eine von langer Hand geplante Pressekonferenz, dazu Statements, Appelle, Hilferufe. Denn wenn an diesem Montag der Weltklimarat seinen neuesten Bericht vorlegt, dann rückt die Klimakrise noch einmal ein Stück näher an die Menschen heran, wird greifbar in all ihren Ausmaßen - bei Artenvielfalt, Welternährung, Lebensqualität und -erwartung. Die Alarmsirenen, so war der Plan, sollten unüberhörbar sein. Stattdessen ertönt Luftalarm über den Städten der Ukraine.

Dienstag, 22. Februar 2022

Wie die Klimakrise unser Leben ändert

Stuttgarter Nachrichten  hier   

Vor dem neuen IPCC-Bericht

    Am 28. Februar wird der neue Bericht des Weltklimarats (IPCC) vorgestellt. Dieser werde wie kein anderer zuvor zeigen, „mit welchen katastrophalen Klimarisiken wir in Zukunft rechnen müssen“, sagt ein Wissenschaftler. Ein Überblick.

    Worauf sich die Welt vorbereiten sollte

     Solarify  hier Veröffentlicht am

    Klimakrise: Der nächste IPCC-Teilbericht zeigt, wie wir uns an den Klimawandel anpassen müssen

    Das Klima wird sich weiter aufheizen, Wetterextreme werden künftig häufiger auftreten. Wie schwerwiegend die Folgen sind, hängt allerdings auch davon ab, wie gut die Welt darauf vorbereitet ist. Dazu muss man Klima, Natur und Mensch zusammen denken, zeigt der neueste Beitrag zum Sechsten IPCC-Sachstandsbericht, schreibt Christian Mihatsch auf der Internetseite der Helmholtz-Klima-Initiative. Am 28.02.2022 wird der Bericht veröffentlicht.

    Freitag, 18. Februar 2022

    Klimakrise in Häppchen – Hunger, Hitze und Klimapolitik

     Energiezukunft hier  16.02.2022

    Der Ausblick des Deutschen Klima Konsortiums auf den zweiten Teil des IPCC-Berichts ist schwer verdauliche Kost. Die katastrophale Klimalage erfordere einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel. Deutschland habe viel aufzuholen.

    Sind in Häppchen kredenzte Katastrophenberichte besser zu verdauen, als wenn sie in einem Paket auf den Tisch geknallt würden? Der Weltklimarat IPCC jedenfalls will am 28. Februar den zweiten Teil seines Sechsten Sachstandsberichts (AR6) für den Zeitraum 2016 bis 2022 vorlegen, der dritte folgt im April. Und für September ist die „Synthese“ der drei Gänge angekündigt, hoffentlich dann kein zerkochtes Menü.

    Donnerstag, 17. Februar 2022

    Der Weltklimarat warnt: "weil noch nie mehr auf dem Spiel stand als jetzt"

     TAZ  hier

    Aufruf zum Handeln gegen Klimakrise

    „Noch nie stand mehr auf dem Spiel als jetzt“, sagt der IPCC-Chef zum Start der Beratungen in Berlin. Berichte zur Erderhitzung erzeugen bei Jüngeren Ängste.

    Die Auswirkungen des Klimawandels seien weit größer „als unsere Bemühungen, uns ihm anzupassen“, warnte auch die Chefin des UN-Umweltprogramms (Unep), Inger Andersen. Zum Auftakt zweiwöchiger Beratungen des Weltklimarats IPCC hat dessen Vorsitzender Hoesung Lee die Dringlichkeit des anstehenden neuen Sachstandsberichts zu den Folgen der Erderwärmung unterstrichen. Der vom IPCC in der aktuellen Plenarsitzung zu erörternde Report sei wichtig, „weil noch nie mehr auf dem Spiel stand“ als jetzt, sagte Lee am Montag in einer Videokonferenz.....