Posts mit dem Label COP26 Glasgow 2021 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label COP26 Glasgow 2021 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 16. November 2021

Unsere bedrohten Wälder - noch ein Statement

Südkurier  VON SUSANNE EBNER  hier

Eine kleine Hoffnung für die Wälder

Es sind große Summen, die in die Aufforstung und zum Schutz der Rettung der Wälder zur Verfügung gestellt werden sollen. Etwa zwölf Milliarden US-Dollar, rund 10,3 Milliarden Euro, sollen investiert werden. Doch auch wenn der Betrag beeindruckt, bleiben viele Fragen offen. So ist zum Beispiel nicht klar, wie genau das Geld investiert werden soll. Und noch wichtiger: Wie genau man kontrollieren will, ob die Investitionen auch da ankommen, wo sie gebraucht werden. Ein Problem, mit dem man insbesondere bei Initiativen im Rahmen der Klimakonferenz konfrontiert wird. Denn hier gibt es – im Unterschied zu Beschlüssen, die Teil des Klimaabkommens sind – nur wenige verbindliche Kontrollmechanismen.

Hinzu kommt, dass man sich nicht zum ersten Mal auf vergleichbare Ziele geeinigt hat. Schon 2014 in New York kam man, zumindest auf den ersten Blick, zu einer ganz ähnlichen Übereinkunft. Ergebnisse konnte man danach jedoch nicht verzeichnen. Im Gegenteil: Die Wälder wurden weiter abgeholzt. Ganz so, als hätte es den Beschluss nie gegeben. Ist das Abkommen der Länder, wie Greta Thunberg kürzlich in einem allgemeineren Zusammenhang sagte, also nur „Blablabla“?

Nein, denn es unterscheidet sich in einigen Punkten von früheren Beschlüssen. So gibt es Kooperationen zwischen Staaten, die eine Zusammenarbeit naturgemäß verbindlicher machen. Darüber hinaus beinhaltet die Initiative neben öffentlichen auch private Investitionen. Das heißt, immer mehr Akteure verstehen, dass die Folgen des Klimawandels auf lange Sicht wirtschaftlich teuer werden. Länder wie China und Brasilien haben sich der Initiative angeschlossen, die bisher kaum Interesse an gemeinsamen Klimazielen hatten.

Die Autorin berichtet als Korrespondentin für den SÜDKURIER aus London. 

Montag, 15. November 2021

Wenn das System kippt

TAZ  hier

Klimapolitik nach der COP26

Glasgow markiert das Ende der bisherigen Klimapolitik. Das heißt: hin zu nicht-staatlichen Akteuren, weg von staatlichen Nicht-Akteuren.

Die Konferenz COP26 hat gezeigt: Zumindest die Sprache der Fridays for Future ist bei den Mächtigen angekommen. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson nahm in seiner Eröffnungsrede den Vorwurf von Greta Thunberg auf, das alles sei nur „Blablabla“. Der Ausdruck war überall präsent. Und der US-Gesandte John Kerry gestand: „Auch ich bin frustriert“.

Vieles davon ist durchsichtiges Manöver, um den Protesten, vor allem der Jugend, die Spitze zu nehmen. Aber es zeigt auch, dass in und um Glasgow tatsächlich eine Machtverschiebung deutlich wird, die das ganze Klimaregime der nächsten Jahre und Jahrzehnte dominieren wird: Hin zu Wirtschaft, Wissenschaft und Protestbewegungen, den „nicht-staatlichen Akteuren“, wie sie im UN-Jargon heißen. Und weg von den staatlichen Nicht-Akteuren, wie sie seit einem Vierteljahrhundert die UN-Realität dominieren.

Glasgow dürfte für lange Zeit die letzte COP sein, in der umfassende völkerrechtliche Regeln beschlossen wurden. Das „Regelbuch“ des Pariser Abkommens ist jetzt fertig. „Nach den Konferenzen für Regelsetzung müssen jetzt die Konferenzen zur Umsetzung folgen“, sagt Christoph Bals, Chef der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch und ein Vordenker globaler Klimapolitik. Zum ersten Mal habe es auch direkten Druck auf einen Energieträger, nämlich die Kohle, gegeben. Das könne sich demnächst beim Öl wiederholen. Und die Klimakonferenz, eine eingeführte internationale „Marke“ werde sich umgestalten zu einem Forum, wo etwa die Finanzierung der Klimahilfen gefordert und kontrolliert werde und wo sich internationale AkteurInnen vernetzen. „Man könnte hier zum Beispiel nur noch Unternehmen zulassen, die sich ernsthaft für Klimaneutralität einsetzen“, schlägt Bals vor.

Wie bei einem tauenden Gletscher ist beim Klima vieles ins Rutschen geraten und kaum noch aufzuhalten: Im Erdsystem rücken physikalische „Kipppunkte“ immer näher, hinter die es keinZurück mehr ins Vorher gibt, etwa ein Abschwächen der Meeresströmungen. OptimistInnen sehen auch den gesellschaftlichen Druck für ehrgeizige Klimapolitik zumindest in manchen Industrieländern kurz vor dem Durchbruch – was sich allerdings derzeit in den Koalitionsverhandlungen der deutschen Ampel kaum widerspiegelt. Im Kernbereich der Glasgow-Verhandlungen jedenfalls hat es kleine und hart erkämpfte Fortschritte gegeben. Die reichen Länder versprechen mehr Hilfe für die Klima-Anpassung.

Zwar versagten sie bei der Überlebensfrage von Schadenersatz für die armen Länder bei Klimaschäden. Aber groß waren parallel dazu – und von der britischen Präsidentschaft clever und bewusst als Kontrast aufgebaut – die greifbaren Fortschritte von Glasgow: Vereinbarungen zur Reduktion des Klimakillers Methan, zum Schutz der Wälder, zum Ausstieg aus der Kohle, zum Ende des Verbrennungsmotors, zur Umschichtung der Finanzströme.

Und dann kippt noch ein anderes System: Statt globaler Klimapolitik durch Allianzen von UN-Staaten gibt inzwischen eine Mischung aus ökologisch und ökonomisch engagierten Gruppen den Ton an: Umweltgruppen, die weltweit protestierende Jugend, aber auch globale Unternehmen, die kühl mit Zukunftsmärkten und technologischen Durchbrüchen kalkulieren und naturgerechten Wohlstand versprechen.

Glasgow hat diese Verschiebung deutlicher gemacht als je zuvor. Da die Beschlüsse unverbindlich sind, liegt vieles in den Händen der Bewegungen und Unternehmen. Eine solche „Privatisierung“ der Klimapolitik wäre bis vor Kurzem undenkbar gewesen. Sie zeigt: Die Klimapolitik der letzten Jahrzehnte ist am Ende. Was jetzt kommt, ist anders, neu, dynamisch. Und es wird ganz neue GewinnerInnen schaffen. Und wenn die Politik nicht sehr aufpasst, die gleichen alten VerliererInnen.

Begonnen hat der Niedergang der staatlichen Klimapolitik bei der gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen 2009. .... Als Konsequenz daraus wurde das Pariser Abkommen 2015 ganz anders angelegt: Alle verpflichten sich auf ein gemeinsames Ziel. Aber jedes Land tut nur das, was es freiwillig in seinen Klimaplänen definiert. Juristische Konsequenz bei Nichteinhaltung: keine. Nur ein schlechter Ruf.

Gleichzeitig wurde in und um Paris aber die Zivilgesellschaft zur Aufpasserin. Eine globale Landschaft aus Thinktanks, Unternehmensberatungen, Analystenbüros, Rechenzentren, Forschungsinstituten, Stiftungen und Umweltorganisationen misst inzwischen den Anspruch der Klimapolitik in den Ländern an der Wirklichkeit. Gegen die mediale Macht der Gütesiegel wie Climate Action Tracker oder Climate Change Performance Index kommen Regierungen kaum an. ......

Sonntag, 14. November 2021

Schnellerer Kohleausstieg in Deutschland?

Tagesschau hier Von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio
Auszüge in blau

COP26-Konsequenzen 

Die Ergebnisse der Klimakonferenz geben den Grünen Rückenwind bei den Koalitionsverhandlungen. Und ein Nebensatz deutet an, welche Rolle eine neue Regierung weltweit spielen könnte.

.....Trotzdem hält Bundesumweltministerin Svenja Schulze das Ergebnis für "historisch". "Es ist jetzt weltweit der Kohleausstieg eingeleitet", sagt Schulze. Und obwohl Greenpeace Deutschland die Verwässerung des Texts ganz zum Schluss der Konferenz als "Enttäuschung" bezeichnet: Auch deutsche Umweltorganisationen sind erleichtert, dass das Kohle-Signal die Formulierungs-Schlacht von Glasgow überlebt hat. Martin Kaiser von Greenpeace sieht einen "klaren Arbeitsauftrag" für die deutschen Koalitionsverhandlungen.

 Auch die Grünen werden sich freuen. Für sie ist das verbindliche Vorziehen des Kohleausstiegs in Deutschland ein zentrales Ziel bei den Verhandlungen über eine künftige Ampel-Regierung. Im Sondierungspapier ist bisher nur die Rede von "idealerweise bis 2030". Oliver Krischer, der Verhandlungsführer für die Grünen beim Klimaschutz, gab sich im ARD-Morgenmagazin diese Woche schon selbstbewusst: "Wir müssen da mehr hinbekommen und wir werden auch mehr hinbekommen."


In der Süddeutschen Zeitung hier kommentiert Michael Bauchmüller :

Viele haben in Glasgow so etwas wie die letzte Chance im Kampf gegen die Erderhitzung gesehen. Sie werden enttäuscht sein. Andere haben sich Schritte auf dem Weg aus der größten planetaren Krise gewünscht. Diese Schritte gibt es. Denn die Konferenz schlägt ein neues Kapitel im internationalen Klimaschutz auf. Die Staaten bewegen sich weg vom Streit um das Kleingedruckte, hin zu ganz konkreten Schritten. Wie das Kapitel endet, ist ungewiss. Aber es beschreibt einen Aufbruch....

Das Pariser Abkommen, sein gegenseitiges Versprechen der Klimaneutralität, entfaltet zunehmend seine eigene Kraft - und das nicht nur in die Staaten hinein, sondern auch bei Industriekonzernen, Banken, Aktionären. Das "race to net-zero" hat begonnen: der Wettlauf zur Klimaneutralität. Klimaschutz wird zum Geschäftsmodell.

Passend zur heißen Phase ihrer Verhandlungen hat die Klimakonferenz deshalb auch eine Reihe von Botschaften für die angehenden Koalitionäre in Deutschland bereit. Dieses Land ist international angesehen für seine Klimapolitik, aber es ist längst nicht mehr führend. Die Energiewende stockt, die Politik klebt am Verbrennungsmotor, das Land hat sich gerade erst an eine weitere Pipeline gehängt, die es mit fossilem Gas versorgt. Es braucht jetzt ein paar klare Richtungsentscheidungen für ein Deutschland, das dem 21. Jahrhundert gewachsen ist, mit sauberer, grüner Energie in den Stromnetzen, auf den Straßen, in Heizungskellern, in der Industrie; und mit einer Landwirtschaft, die Böden, Moore und Artenvielfalt schützt. Deutschland kann mehr, wenn es nur will.

Keine Klimakonferenz allein kann diese Krise lösen, und keine ist die letzte Chance. Denn ob die Welt kollektiv noch die Kurve bekommt, ist die Summe individueller Entscheidungen, von Bürgerinnen und Bürgern, vor allem aber von Regierungen. An sie richtet sich die große Botschaft aus Glasgow: An die Arbeit!

Samstag, 13. November 2021

Update: Vorgerückt auf Platz 13

Stern hier

COP26-Nachrichten von Dienstag, den 9. November:

Klimaschutz-Index: Deutschland rückt im weltweiten Vergleich vor

Im Rennen um den besten Klimaschutz hat Deutschland den Abstand zu den skandinavischen Länder an der Spitze etwas verkürzt. Im neuen Klimaschutz-Index 2022 liegt die Bundesrepublik auf Rang 13, so gut wie seit acht Jahren nicht mehr (Vorjahr: Platz 19). Die Rangliste wurde heute von Germanwatch, dem NewClimate Institute und dem Climate Action Network in Glasgow vorgestellt. Verglichen werden darin die Bemühungen der größten Emittenten, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu drosseln. Zudem wird bewertet, inwieweit die Staaten auf dem richtigen Pfad sind, das 2015 in Paris vereinbarte Klimaziel zu schaffen – also die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

In dem Index belegen Dänemark, Schweden und Norwegen die Ränge vier bis sechs, vor allem dank großer Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien und guter Klimapolitik. Die Plätze eins bis drei bleiben erneut frei, "da sich noch kein Land tatsächlich auf einem 1,5-Grad-Pfad befindet", wie es hieß.

Am Ende der Tabelle finden sich den Verbänden zufolge "die größten Bremser": Australien mit der schlechtestmöglichen Wertung 0,0 – noch hinter Brasilien und Algerien. Aber auch fünf EU-Staaten befinden sich bei der Klimapolitik in der untersten Kategorie "sehr schlecht": Das sind Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien und Tschechien.


Klimaschutz-Index 2022: Erste Staaten gehen voran

Einige Länder machen Fortschritte. Doch der neueste Klimaschutz-Index von Germanwatch und New Climate Institute zeigt noch viel Verbesserungsbedarf bei den 61 größten Verschmutzern. 

hier aus DW



"Die Staaten haben den Klimapakt von Glasgow beschlossen" - "Wofür war das alles?"

Spektrum der Wissenschaft hier

Die Teilnehmenden der UN-Klimakonferenz in Glasgow haben die Nationen der Welt erstmals dazu aufgefordert, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten. Die am Samstag gebilligte Erklärung von rund 200 Staaten fordert zudem, »ineffiziente« Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde allerdings in letzter Minute auf Druck von China und Indien abgeschwächt. EU-Kommissar Frans Timmermans äußerte seine große Enttäuschung darüber, würdigte die Forderung zum Kohleausstieg aber dennoch als »historisch«.

Zudem verpflichteten sich die Länder dem Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen. Dazu sollen sie bis Ende 2022 ihre bislang unzureichenden Klimaschutzpläne nachschärfen – freiwillig.

Bisher reichen die bei den UN eingereichten Pläne bei weitem nicht aus, das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. In der Erklärung wird festgehalten, dass dafür der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weltweit noch in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent sinken muss.

Zugesagt werden auch mehr Finanzhilfen für arme Staaten, damit diese sich an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen könen. Zig Millionen Menschen sind schon jetzt mit häufigeren und längeren Dürren und Hitzewellen konfrontiert oder kämpfen mit heftigeren Stürmen und Überschwemmungen. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden, also von aktuell etwa 20 auf rund 40 Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 35 Milliarden Euro.

Erstmals wird die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten einzurichten. Gemeint sind etwa Zerstörungen oder erzwungene Umsiedlungen nach Dürren, Sturmfluten oder Wirbelstürmen. Die Staaten werden aufgefordert, dafür Geld einzuzahlen. Konkrete Summen dafür werden aber nicht genannt. Es soll nur »technische Unterstützung« nach Schadensereignissen bereitstehen, aber nicht der komplette Schaden beglichen werden.


"Wofür war das alles?"

in der Süddeutschen Zeitung  hier  von Michael Bauchmüller, Glasgow

Wie hält man das bloß aus ? Sie kämpfen seit Jahrzehnten für den Klimaschutz - und werden doch immer wieder enttäuscht. Was treibt Aktivisten und Verhandler von John Kerry bis zur Greenpeace-Chefin an? Gespräche mit Menschen, die nicht aufgeben wollen.

....An diesem Wochenende geht die "COP26" zu Ende, so oder so. Wie Kerry sind viele dabei, die ein Vierteljahrhundert ihres Lebens in dieses Projekt investiert haben. Andere müssen mit ansehen, wie ihre Heimat buchstäblich untergeht, während knapp 200 Staaten über die Spiegelstriche des dritten Subparagrafen der neuen Erklärung debattieren. Denn die Emissionen sind in all den Jahren nicht geschrumpft, sie sind gewachsen. Die Erde heizt sich ungebremst auf.

Dafür arbeiten, dass es besser wird, und dabei wird alles schlechter, Jahr für Jahr: Wie hält man das bloß aus?......

"Man hätte ganz entspannt die Emissionen reduzieren können."

Heute ist Höhne, ein hagerer, sachlicher Typ, so etwas wie der Buchhalter der Katastrophe. Pausenlos rechnet er um, was die Ankündigungen der Staaten übersetzt in Temperaturen bedeuten, auch im Auftrag des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Aktuell kommt er auf 2,4 Grad Celsius Erderwärmung - weit entfernt von jenen 1,5 Grad Celsius, ab denen die Folgen schwer kontrollierbar werden. "Hätte man den Klimaschutz in den Neunzigerjahren durchgezogen", sagt Höhne, "dann hätte man ganz entspannt die Emissionen reduzieren können." So aber werde die Kurve immer steiler. "Und wenn ich das vergleiche, die alte Kurve mit der neuen", sagt Höhne, "dann frage ich mich manchmal: Was habe ich eigentlich all die Jahre gemacht? Wofür war das alles?"

....Heute ist die Frau mit dem blonden Wuschelkopf Chefin von Greenpeace, sie zählt zu den einflussreichsten Umweltaktivistinnen. Morgan, 55, kann selbst dem Streit um den Spiegelstrich im dritten Subparagrafen etwas abgewinnen. "Wenn man die kleinen Schritte nicht schätzt, fällt man in eine Depression", sagt sie. Die Bremser im Klimaschutz, Länder wie Saudi-Arabien, platzierten in den Verhandlungen geschickt kaum erkennbare Bomben. "Wenn man es schafft, die zu entschärfen - dann hat man gegen das Böse gewonnen." Kleine Siege in einer großen Schlacht.

Auch in Glasgow wache sie manchmal nachts auf, in Panik. "Dann frage ich mich: Reicht das? Mache ich genug?" In solchen Momenten richte sie der Gedanke auf, nicht alleine zu sein, sagt Morgan. Andernfalls würde eine Einzelne unter der Last des Problems zusammenbrechen.

Kampf um den Kohleausstieg bis zur letzten Minute

 Südkurier

USA auf Distanz zu Subventionen

Glasgow (AFP) Der US-Sonderbeauftragte für Klima, John Kerry, hat die Abschaffung von Subventionen für fossile Brennstoffe gefordert. In den vergangenen fünf oder sechs Jahren seien Billionen von Dollar an derartige Subventionen geflossen, sagte Kerry bei der Weltklimakonferenz in Glasgow. „Das ist der Inbegriff des Irrsinns.“ „Wir sind der größte Öl- und Gasproduzent der Welt“, sagte Kerry mit Blick auf die USA. Subventionen für fossile Brennstoffe gebe es daher auch in den USA. „Diese Subventionen müssen aufhören.“


12.11.2021  |  VON CHRISTIAN GRIMM POLITIK@SUEDKURIER.DE  hier

...Eigentlich sollte die Weltklimakonferenz gestern enden. Doch es deutete sich im Laufe des Tages an, dass die Entsandten der Länder eine Nachtschicht dranhängen müssen. Das ist Usus bei den Klimagipfeln, die seit 2006 stets in die Verlängerung gingen. Zwischenzeitlich war der Textentwurf zum Kohle-Aus wieder aufgeweicht worden. Statt dem Bekenntnis, den „Ausstieg aus der Kohle und aus Subventionen in fossile Energieträger zu beschleunigen“, sollten plötzlich Kohlekraftwerke, die das CO2 eingefangen und in die Erde verpressen, weiterlaufen dürfen. Außerdem sollten nur noch „ineffiziente“ Subventionen für Kohle, Öl und Gas gestrichen werden. Diese Gummiformulierung hätte jedem Land die Möglichkeit gegeben, weiter fossile Brenn- und Kraftstoffe zu subventionieren.

„Wenn keine klare Aussage zu fossilen Energieträgern reinkommt, droht das Ganze zu einer Luftnummer zu werden“, hatte der Chef von Greenpeace-Deutschland, Martin Kaiser, gesagt. Er rief Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dazu auf, sich für verbindliche Abmachungen einzusetzen. Kaiser, der in Glasgow vor Ort war, sah die deutsche Position wegen der laufenden Regierungsbildung als geschwächt an.

...Als Fortschritt wird es allgemein gesehen, dass China und die USA in Schottland überraschend vereinbart haben, beim Kampf gegen die Erderwärmung gemeinsam zu arbeiten. Beide Länder blasen am meisten Kohlendioxid in die Atmosphäre. Unabhängig von der Abschlusserklärung haben sich 190 Länder, Regionen, Städte und Organisationen dazu verpflichtet, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen und bis 2040 die bestehenden abzuschalten. Industrieländer sollen das bis 2030 schaffen.  

Freitag, 12. November 2021

"Deutschland duckt sich weg -"Klimakanzler" Scholz schweigt"

 BUND Presseportal



Weltklimakonferenz in Glasgow:
Die COP26 enttäuscht 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist tief enttäuscht von den Resultaten der nun endenden Weltklimakonferenz (COP26) in Glasgow. Die internationale Staatengemeinschaft ist auch fünf Jahre nach Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommen nicht in der Lage, einen detaillierten und ausreichenden Plan aufzustellen, um die Klimakrise und ihre katastrophalen Auswirkungen abzuwenden. Deutschland hatte bei dieser COP einen schwachen Auftritt, insbesondere der voraussichtliche neue Kanzler Olaf Scholz glänzte durch Schweigen.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: "'Net Zero' und "Kooperativen Mechanismen" waren die Zauberworte der COP, mit denen sich Regierungen und Unternehmen allzu gerne geschmückt haben. Oft stecken jedoch nur leere Versprechen dahinter, in der fernen Zukunft für mehr Klimaschutz zu sorgen, die entstehenden Emissionen über den Zukauf von Zertifikaten auszugleichen oder auf ein Technikwunder zu hoffen. Allein Hoffnung ist zu wenig. Es wurde in den vergangenen zwei Wochen auch nicht dafür gesorgt, dass die Länder des Globalen Südens ausreichend finanziell unterstützt werden, um sich an Klimafolgen anzupassen. Auch glaubhafte und ambitioniert faire, verbindliche Maßnahmen in der nahen Zukunft gibt es viel zu wenige."

Soll die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad begrenzt werden - was zwingend notwendig ist, um die heutige Welt zu erhalten - ist das Warten auf vermeintliche Wunder-Technologien fahrlässig. "Wir müssen in den nächsten Jahren für einen zügigen Ausstieg aus unserer fossilen Wirtschaftsweise sorgen. Dazu braucht es einen sozial-ökologische Umbau aller Sektoren", so Bandt.

Auch die Bilanz der deutschen Bundesregierung ist blass. So reiste die deutsche Delegation mit einem zu schwachen nationalen Klimaschutzplan (NAP) an. Zwar sagte Deutschland zu, bis 2022 die internationale Finanzierung für fossile Energieprojekte einzustellen. Gleichzeitig blieb sie aber einer internationalen Allianz gegen Öl und Gas Energie (BOGA) fern. Besonders bedenklich stimmt das Schweigen des voraussichtlich neuen Bundeskanzlers Scholz. Im Wahlkampf noch von sich selbst als Klimakanzler betitelt, fehlt nun ein klares Bekenntnis im Namen der sich bildenden Koalition zu einem Neustart Deutschlands in Sachen Klimaschutz. Dabei gilt es, viel vertane Zeit aufzuholen.

Bandt: "Der Koalitionsvertrag muss dringend 1,5-Grad-kompatibel werden, so wie es das Pariser Klima-Abkommen verlangt. Dazu gehört zwangsläufig ein zügiger Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern. Bis 2035 muss der Strom in Deutschland zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien stammen und zum Großteil dezentral strukturiert sein. Wir können nicht einerseits ein Ende der internationalen Förderung von fossilen Energieprojekten versprechen und andererseits vor der eigenen Haustür weiterhin Kohle fördern und die Infrastruktur für Gas ausbauen."

Kontakt: Susann Scherbarth, BUND-Expertin für internationale Klimapolitik, Mobil: 0032-486341837, E-Mail: Susann.Scherbarth@bund.net

Neuer Entwurf für Abschlusserklärung erwartet

Spektrum der Wissenschaft   hier

 LIVEBLOG ZUM 26. UN-KLIMATREFFEN

:

Der offiziell letzte Tag der Klimakonferenz COP26 hat begonnen. Wird es einen guten Abschluss geben? Wahrscheinlicher ist, dass die 40 000 Delegierten in die Verlängerung gehen. Der Liveblog

Donnerstag, 11. November 2021

COP26:China und USA schließen Klima-Vereinbarung

 UN-Klimagipfel in Glasgow  hier

Gemessen an ihrem Ausstoß von Treibhausgasen sind die USA und China die größten Klimasünder weltweit. Doch nun wollen beide Seite an Seite stärker an einem besseren Klimaschutz arbeiten - mit dem langfristigen Ziel der Klimaneutralität.

China und die USA haben vereinbart, sich stärker für einen besseren Klimaschutz einsetzen zu wollen. Das gab der chinesische Klimagesandte Xie Zhenhua am Rande der UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow bekannt. Auch der frühere Außenminister und jetzige Sondergesandte der USA für das Klima, John Kerry, bestätigte die Vereinbarung.

Sowohl die USA als auch China hätten sich verpflichtet, die Kooperationen miteinander und auch mit anderen Partnern zu intensivieren, um die im 2015 geschlossenen Pariser Klimaabkommen festgeschriebenen Ziele umzusetzen. "Beide Seiten erkennen an, dass es eine Kluft zwischen den gegenwärtigen Bemühungen und den Zielen des Pariser Klimaabkommens gibt", sagte Xie. "Als die zwei großen Mächte in der Welt müssen wir die Verantwortung übernehmen, mit anderen Seiten bei der Bekämpfung des Klimawandels zusammenzuarbeiten."

.....Nun kündigten die USA und China an, im Jahr 2025 überarbeitete Ziele für die Reduzierung der Treibhausgase bekanntgeben zu wollen. Ursprünglich hatten sie diesen Schritt erst zehn Jahre später vorgesehen. Der Generalsekretär der UN, António Guterres, lobte die Vereinbarung der beiden Länder. Es sei ein "wichtiger Schritt in die richtige Richtung".


USA und China verkünden überraschend Zusammenarbeit beim Klimagipfel

Bisher war der Klimagipfel von Spannungen zwischen den zwei größten CO₂-Emittenten der Welt überschattet. Nun haben die USA und China die Bereitschaft zur Kooperation betont. Das könnte die Konferenz entscheidend voranbringen.
Spiegel hier

Mittwoch, 10. November 2021

 












hier auf YouTube

LIVE zum Klimagipfel in Glasgow | Harald Lesch | Jasmina Neudecker | Björn Sörgel | Elisa Miebach

Am 10. November stellen sich Harald #Lesch und Jasmina Neudecker Euren Fragen zur #COP26, dem UN-Klimagipfel 2021. Wie sinnvoll sind solche Konferenzen überhaupt? Können die UN-Staaten das Ruder beim Klimaschutz noch herumreißen? Mit dabei: Experte Björn Sörgel vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der die Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und Klimaschutz, globaler Ungleichheit sowie nachhaltiger Entwicklung untersucht. Und wie ist die Stimmung vor Ort? Das berichtet unsere Reporterin Elisa Miebach live aus #Glasgow. Dieses Video ist eine Produktion des ZDF, in Zusammenarbeit mit objektiv media.

Mehr als 20 Staaten wollen Verkauf von Verbrennerautos beenden

 Stern hier

Zwei Dutzend Staaten wollen sich auf der Weltklimakonferenz auf ein Enddatum für Autos mit Verbrennermotor festlegen. Zu der Allianz gehören bislang 24 Staaten, sechs große Autohersteller sowie einige Städte und Investoren, wie der britische Gastgeber des Klimagipfels mitteilte. Die beteiligten Regierungen wollen "darauf hinarbeiten, dass alle Verkäufe von neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040 weltweit und in den führenden Märkten bis spätestens 2035 emissionsfrei sind". Die Autokonzerne sollen demnach anstreben, spätestens 2035 in führenden Märkten nur noch emissionsfreie Autos und Vans zu verkaufen.

Detaillierte Infos zu den Unterzeichnern gibt es noch nicht. Ob Deutschland dazugehört, ist noch unklar. Aus dem Umweltministerium hieß es, dass es dazu noch keine endgültige Entscheidung der Bundesregierung gebe. Bis zum späten Dienstagabend berieten die Verhandler auf der Klimakonferenz noch.

Der scheidende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte dem Vorstoß zuvor eine Absage erteilt. "Der fossile Verbrenner wird 2035 auslaufen. Die Verbrennertechnologie wird aber weiterhin gebraucht. Wir wollen sie mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral machen und die Vorteile der Technologie erhalten", sagte der CSU-Politiker. Die geplante Erklärung berücksichtige den Antrieb mit synthetischen Kraftstoffen aber nicht. Deshalb sei sein Ministerium entschieden dagegen. Aus dem Verkehrsministerium hieß es, das sei auch Linie der Bundesregierung.





im Handelsblatt hier heißt es dazu:

Johnsons viertes COP-Ziel, der Verkehr, steht erst am Mittwoch auf der Tagesordnung in Glasgow. Laut „Financial Times“ ist eine Erklärung geplant, Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2040 zu verbieten – und schon 2035 in den Hauptmärkten.

Laut „FT“ wollen Autobauer wie VW und BMW sich nicht darauf einlassen. Auch die Regierungen der größten Automärkte USA, China und Deutschland wollen demnach nicht unterschreiben.

Einzelne Regierungen haben das Verbot längst beschlossen: Die britische Regierung gibt hier den Takt vor mit dem Verbot des Verbrennungsmotors ab 2030. Noch strikter ist Norwegen, wo der Motor bereits ab 2025 nicht mehr verkauft werden darf. Die EU-Kommission hat 2035 vorgeschlagen, aber einzelne Länder wollen den Zeitpunkt noch hinauszögern.

Dienstag, 9. November 2021

Das ist Plan B, wenn die Klimakonferenz in Glasgow scheitert

 Heise   hier können sie den ganzen Artikel lesen

Die UN-Klimakonferenz spielt immer noch eine wichtige Rolle, aber es werden andere Modelle nötig sein, um die Emissionen weltweit zu senken.​ ​     

.......... Wie viel schneller wird es Maßnahmen geben, um eine katastrophale Erwärmung in diesem Jahrhundert zu verhindern?

Wenn die bisherige Geschichte solcher Gipfel recht behält, wie es laufen wird, lautet die Antwort wohl: nicht viel schneller. Nach 25 derartigen Gipfeltreffen in den letzten drei Jahrzehnten sind die weltweiten Treibhausgasemissionen – abgesehen von einigen Einbrüchen während wirtschaftlicher Abschwünge – weiter angestiegen. Es wird erwartet, dass die Klimaverschmutzung im Jahr 2021 wieder immens ansteigt und fast den Höchststand von 2019 erreicht, da sich die Wirtschaft von der Pandemie erholt hat.

Sechs Jahre nach der Verabschiedung des bahnbrechenden Pariser Klimaabkommens haben sich die Länder noch immer nicht dazu verpflichtet, geschweige denn die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die Emissionen auch nur annähernd so kräftig zu reduzieren, wie es für das Erreichen des Ziels des Abkommens erforderlich wäre: eine globale Erwärmung von 2 Grad in diesem Jahrhundert zu verhindern und den Anstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Und den reichen Ländern fehlen immer noch Dutzende von Milliarden Dollar an jährlichen Mitteln, um den Entwicklungsländern bei der Bekämpfung des Klimawandels zu helfen.

Wenn die Länder nicht mehr tun, als die losen Zusagen zu erfüllen, die sie im Rahmen des Abkommens für 2030 gemacht haben, wird sich der Planet in diesem Jahrhundert wahrscheinlich um etwa 2,7 Grad erwärmen, ergab der kürzlich veröffentlichte "Emissionslückenbericht" des UN-Umweltprogramms. Wenn sie sich nur an die bereits bestehende Klimapolitik halten, könnte der Temperaturanstieg mehr als 3 Grad betragen..........

Angesichts des kurzfristigen geopolitischen Kalküls, das von Überlegungen zu politischer Stärke, internationalem Vorteil und inländischem Wachstum dominiert wird, ist der mangelnde Fortschritt nicht sonderlich überraschend. Jeder Vertrag, an dem fast alle Staaten der Welt beteiligt sind, vom Kyoto-Protokoll bis zum Pariser Abkommen, muss so weit verwässert werden, dass er einfach nicht mehr viel verlangt. Im Rahmen des Pariser Abkommens von 2015 sind die Emissionsziele selbstbestimmt, freiwillig und nicht bindend. Es gibt keine wirkliche Strafe für die Nichteinhaltung ehrgeiziger Ziele oder die Nichterreichung dieser Ziele, abgesehen von internationalem Tamtam..............

Es gibt auch eine wachsende Überzeugung, dass kleinere Gruppen von Regierungen oder Institutionen Regeln erlassen oder Handelsblöcke schaffen müssen, die Klimaschutzmaßnahmen durch klare Vorteile oder scharfe Strafen erzwingen. Victor, Nordhaus und weitere Experten haben sich für die Bedeutung von Marktplätzen ausgesprochen, die als "Klima-Clubs" bekannt sind und anfangs klein genug sind, um strengere Regeln festzulegen. Gleichzeitig bieten sie aber Anreize für neue Mitglieder und ermutigen sie, sich zu immer strengeren Zielen zu verpflichten......


Hier können Sie einen weiteren Artikel von Heise online dazu lesen

Klimaneutralität: Wie Deutschland die grüne Null erreichen kann

Auf der UN-Klimakonferenz sollen Wege in die Klimaneutralität gefunden werden. Zahlreiche Studien rechnen es für Deutschland vor. Wie realistisch ist das?       

Im Würgegriff der Lobbyisten?

 Tagesschau hier Von Werner Eckert, SWR

Kohle und Co. bei COP 26 

Ist die Klimakonferenz im Würgegriff der Kohle-, Öl- und Gaslobby? Eine Auswertung der Teilnehmerliste zeigt: 500 Vertreter dieser Industrien stellen eine mächtigere Gruppe, als selbst das größte Land an Delegierten hat.

503 Teilnehmer bei der Klimakonferenz vertreten die Interessen der fossilen Energien, sagt Global Witness - eine Lobby-Kontroll-Organisation. Ihr Sprecher, Pascoe Sabido: "Das ist mehr als jedes einzelne Land und mehr als 8 kleine, verletzliche Staaten zusammen haben."

Mehr als 100 Unternehmen aus diesen Branchen sind in Glasgow dabei und 30 Verbände. Das sind mehr Menschen, als die größte staatliche Delegation hat. Brasilien schickt 479 Leute. Die Sorge: die geballte Macht könnte die Gespräche einseitig beeinflussen.

"Das ist doch der Hauptgrund, warum wir nicht wirklich Klimaschutz machen und warum wir hier bei der 26. Konferenz keinen Schritt weiter sind als bei der ersten."

Klimaschützer sind die mächtigste Interessenvertretung

Doch mit den Zahlen ist das so eine Sache. Insgesamt sind 22.000 Mitglieder von offiziellen Delegationen dabei und 14.000 sogenannte Beobachter. Dazu zählen die meisten der Lobbyisten. Doch in dieser Gruppe gibt es Tausende von Klimaschützern - die mächtigste Interessenvertretung überhaupt. Alleine WWF und Greenpeace International kommen auf knapp 100. Und auch die Wissenschaft ist mit mehreren 1000 vertreten und keineswegs auf Seiten von Kohle, Öl und Gas.

Zudem ist der Vergleich mit den staatlichen Delegationen schwierig, denn wie viele Leute ein Land auf dieser Liste hat, bestimmen die Länder selbst. Sie tragen auch die Kosten.

Umbau der Industrie ist im Gange

Die Chefin des UN-Klimasekretariats, Maria Espinosa, macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam: "Der wirtschaftliche Umbau, den wir haben müssen, dazu brauchen wir auch den Umbau der Energieversorger weltweit."

Sie seien Teil der Lösung, und außerdem gebe es keinerlei Handhabe, einzelnen Branchen die Teilnahme an der Konferenz zu verweigern. Klaus Mielke, ein Veteran der Verhandlungen und Ehrenpräsident der Denkfabrik Germanwatch, sieht das gerade mit Blick auf die deutschen Unternehmen ähnlich. Die seien selbst im Umbau. Und weltweit sei der Einfluss der fossilen Branchen seit dem Paris-Abkommen längst nicht mehr so groß.

"Das Alte will so lange seine Geschäftsmodelle durchziehen, wie es nur irgend geht. Und gleichzeitig merken die aus den alten, traditionellen Industrien, dass eigentlich ihre Zeit vorbei ist."

"Jeder hier weiß, dass wir mit Kohle keine Zukunft haben"

Und auch der deutsche Staatssekretär um Umweltministerium, Jochen Flasbarth, selbst einst Umweltlobbyist, sieht in der schieren Zahl der Vertreter fossiler Energien keine Gefahr:

"Die Industrie war ja immer bei den Klimakonferenzen dabei. Und ehrlich gesagt habe ich den Eindruck gehabt, dass die NGOs (Umwelt-Nichtregierungs-Organisationen, d.Red.) gewesen sind. Und insofern wäre ich aus Sicht der NGOs da etwas generöser. Ich glaube, jeder, der hier verhandelt, weiß, dass wir mit Kohle jedenfalls keine Zukunft haben." 


Top-Klimafachleute eint die Skepsis

Spektrum der Wissenschaft  hier

UMFRAGE UNTER IPCC-MITGLIEDERN:

Wie denken die Mitglieder des Weltklimarats über die Erfolgsaussichten aktueller Klimapolitik? »Nature« ist bei seiner Umfrage auf ein nur kleines Fünkchen Optimismus gestoßen.

.......Es gibt auch positive Signale in den Umfrageergebnissen

Bei aller Skepsis findet man in den Antworten auch Anzeichen für Optimismus. So rechnen immerhin knapp 20 Prozent der Befragten damit, dass die beteiligten Staaten die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius begrenzen können. Und vier Prozent glauben sogar, dass die Welt das extrem ambitionierte Ziel einer Erwärmung auf nicht mehr als 1,5 Grad erreicht – obwohl viele Fachleute das im Grunde schon bei der Unterzeichnung des Pariser Abkommens im Jahr 2015 abgeschrieben hatten....

Charles Koven, Klimawissenschaftler am Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien, stützt seine Hoffnung auf Fortschritte in Wissenschaft und Technik und auf eine sich wandelnde öffentliche Meinung. Erfreulich sei auch die recht neue Erkenntnis, dass die globale Temperaturkurve schnell abflachen dürfte, sobald die Menschheit keine Treibhausgase mehr ausstößt. Das steht im Gegensatz zur früheren Auffassung, wonach sich das träge Klimasystem noch Jahrzehnte erwärmen würde, selbst bei einem sofortigen Emissionsstop. Koven verweist auch auf die sinkenden Kosten für nachhaltige Energiequellen und dass die öffentliche Meinung immer stärker Gegenmaßnahmen fordert angesichts spürbarer Auswirkungen des Klimawandels – in Kovens Heimat Kalifornien beispielsweise sind Waldbrände inzwischen zu einer Art Dauererscheinung geworden.

»Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Mehrheit der Menschen wirklich um die Zukunft sorgt«, sagt Koven. »Und dass es den Regierungen möglich ist, sich zu koordinieren und die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.«

Montag, 8. November 2021

Kritik an großer Zahl von Energie-Lobbyisten bei COP26

 Handelsblatt   hier

Die Zahl der Lobbyisten für fossile Energieträger bei der UN-Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow hat zu Beginn der zweiten Woche des Gipfels Kritik von Klimaschützern auf sich gezogen.

Nach Angaben der Organisation Global Witness ist die Zahl der Öl- und Gas-Lobbyisten größer als jede einzelne Delegation der teilnehmenden Länder. Das geht den Angaben zufolge aus eine Liste der Vereinten Nationen hervor. Demnach sind bei der Konferenz 503 Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie akkreditiert. Die größte nationale Delegation Brasilien hat hingegen nur 479 Mitglieder.

Gleichzeitig hätten sich viele Gruppen aus Ländern, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, über mangelnden Zugang zu der Konferenz beklagt, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Anwesenheit Hunderter Lobbyisten werde „die Skepsis von Klimaschutzktivisten nur noch erhöhen”, warnte Murray Worthy von Global Witness der Mitteilung zufolge.

Baden-Württemberg will mit anderen Regionen beim Klimaschutz vorangehen

Schwäbische Zeitung hier von Kara Ballarin

Wenn die Nationalstaaten beim Klimaschutz nicht liefern, müssen das eben die Regionen tun: Das ist der Gedanke hinter der Under2-Coalition, die Baden-Württemberg vor sechs Jahren gemeinsam mit Kalifornien geschmiedet hat. Seitdem ist das Bündnis stark gewachsen. Am Rande der Klimakonferenz COP 26 haben die Mitglieder in Glasgow am Sonntag ihre Ziele neu definiert. „Die Hochtechnologieländer müssen zeigen, dass es ohne Prosperitätsverlust geht“, erklärte Südwest-Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nach der Unterzeichnung des überarbeiteten Vertragswerks des Bündnisses in der Strathclyde Universität in Glasgow - fünf Kilometer vom Ort des Weltklimagipfels entfernt.

Bislang verfolgte die Under2-Coalition das Ziel, die Erderhitzung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten - daher auch der Name. Nun ist das Vertragswerk verschärft worden. Das Ziel lautet jetzt, dass die Mitgliedsregionen sich um eine Begrenzung auf 1,5 Grad bemühen wollen. Zudem streben sie an, die Treibhausgasemissionen um 45 Prozent bis 2030 zu reduzieren. „Es verpflichtet die Mitglieder darauf, bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden“, betonte Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon am Sonntagmorgen als Gastgeberin der Generalversammlung der Under2-Coalition. An der Wichtigkeit dieser Ziele ließ sie keinen Zweifel: „Wir leben in einem Klima-Ausnahmezustand“, überall auf der Welt sei dies anhand von Wetterextremen zu sehen.

Konkrete Maßnahmen, wie diese Ziele erreicht werden sollen, stehen auch nicht im neu unterzeichneten Memorandum. Darum gehe es auch gar nicht, betont Baden-Württembergs Ex-Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) in Glasgow. Er hat die Under2-Coalition gemeinsam mit Kretschmann und dem damaligen Gouverneur von Kalifornien, Gerry Brown, auf den Weg gebracht - heute ist er globaler Botschafter des Bündnisses aus Städten, Provinzen und Regionen. Bei der Gründung bildeten elf Regionen das Bündnis. Heute sind es 260 in 40 Ländern, in denen 1,75 Milliarden Menschen leben, die für die Hälfte der Weltwirtschaft stehen.

„Es war nie die Idee, eigene Projekte zu machen“, sagt Untersteller. „Die Idee war, wir als Regionen machen Druck auf die Nationalstaaten, damit Paris nicht auch ein Misserfolg wird.“ Damit verweist er auf die Weltklimakonferenz Ende 2015 in Paris. Nach vielen Lippenbekentnissen der Nationalstaaten auf früheren Klimagipfeln ohne ambitionierte Maßnahmen im Nachgang wollten Baden-Württemberg und seine Verbündete endlich konkrete Ziele und vor allem einen Fahrplan zur Umsetzung in Paris erreichen. Tatsächlich wurde damals sehr Weitreichendes für den Klimaschutz festgeschrieben. Eins der wichtigsten Ziele: Die Erderhitzung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen.....

„Wir haben auch über die Versorgungssicherheit gesprochen“, so Rendon. „Wenn es keine Versorgungssicherheit gibt, wird es nicht gelingen.“

Genau hier muss auch Baden-Württemberg noch liefern. Der Windkraftausbau läuft seit Jahren gelinde gesagt schleppend. Das will die grün-schwarze Landesregierung nun ändern und in den kommenden Jahren 1000 neue Windräder bauen. Das wäre mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu den bestehenden 750 Anlagen. Dies sowie weitere Maßnahmen wie eine allgemeine Solardachpflicht für Neubauten, die der Landtag jüngst im Klimaschutzgesetz festgeschrieben hat, sollen das Land bis 2040 klimaneutral machen....

Sonntag, 7. November 2021

15.000 Forschende verfassen einen Brief, in dem sie die Menschheit warnen

Zeit  hierDer Zustand unseres Planeten ist katastrophal. Wissenschaftler*innen drängen zum Handeln.

15.000 Wissenschaftler*innen aus insgesamt 184 Ländern haben sie unterzeichnet: eine düstere Warnung an uns alle. In einem Brief an die Menschheit warnen sie vor den zahlreichen Bedrohungen, mit denen wir als menschliche Rasse sowie der gesamte Planet konfrontiert ist. Darin geht das achtköpfige Autor*innenteam auf die größten Gefahren ein, darunter der Klimawandel, der Bevölkerungsanstieg, die Zerstörung der Wälder, das Artensterben und der immer schwerer werdende Zugang zu Trinkwasser. Sie beschreiben auch wie schlecht wir dabei sind, Lösungen für diese Probleme zu finden.

Diesmal hinhören
Eine derartige Nachricht gibt es nicht zum ersten Mal. Sie ist ein Update einer globalen Warnung, die bereits vor 25 Jahren ausgesprochen wurde und von der Union of Concerned Scientists stammte. Schon in dem Brief (Pdf) aus dem Jahr 1992 warnten Wissenschaftler*innen vor den größten Gefahren für den Planeten, insgesamt 1.700 Expert*innen hatten den Brief damals unterzeichnet. Gebracht hat die Warnung von 1992 so gut wie nichts."

Mit Ausnahme der Stabilisierung der Ozonschicht", beginnt die aktuelle Version des Appells, "hat die Menschheit seither viel zu wenige Fortschritte gemacht." Der Ökologe und Erstautor William Ripple von der Oregon State University schreibt: "Alarmierenderweise hat sich das Meiste sogar verschlechtert." Ein paar Beispiele:

Heute leben zwei Milliarden Menschen mehr auf dem Planeten,

fast 120 Millionen Hektar Waldfläche, eine Fläche so groß wie Südafrika, wurden seither zerstört,

die Zahl sauerstoffarmer Todeszonen auf unseren Ozeanen erhöhte sich um 75 Prozent,

die Menge des pro Kopf verfügbaren Trinkwassers ist um etwa ein Viertel gesunken.

Kurz: Die Warnung sollte uns zu denken geben.

Es gibt Hoffnung
Ripple schreibt, dass es auch Fortschritte gebe, wenn auch nur wenige. Die Tatsache, dass wir es durch einen verantwortungsvolleren Umgang mit bestimmten Chemikalien geschafft haben, die Ozonschicht weitgehend zur heilen, würde beweisen, dass globale Vereinbarungen und Aktionen wirklich helfen können. Zudem seien erneuerbare Energien im Aufschwung und in Regionen, in denen in Bildung von Mädchen und Frauen investiert wurde, sinke die Geburtenrate

Um mehr solcher Fortschritte erzielen zu können, bedarf es laut Autor*innen mehr Druck auf die Politik. "Da Politiker auf Druck reagieren, müssen Wissenschaftler, Medien und alle Bürger darauf bestehen, dass ihre Regierung sofortige Maßnahmen unternimmt."
Das sei unsere Pflicht und Verantwortung gegenüber allen zukünftigen Generationen der Menschen und anderen Spezies. Schutzgebiete müssten ausgeweitet werden, der Handel mit Wildtierprodukten müsse eingeschränkt und eine pflanzenbasierte Ernährung gefördert werden, genauso wie erneuerbare Energien und nachhaltige Technologien. Politische und andere Führungspersonen müssten durch eine gemeinsame Bemühungen gezwungen werden, das Richtige zu tun. Zeit wird's.

Freitag, 5. November 2021

Die vier überraschend guten Nachrichten aus Glasgow

 DER SPIEGEL – SPIEGEL Klimabericht <themennewsletter@newsletter.spiegel.de>

­

­