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Die 20 größten Private-Equity-Gesellschaften verursachen über ihre Energieinvestitionen mehr Treibhausgase als die meisten Staaten. Der KI-Boom könnte das Problem noch verschärfen. https://lnkd.in/deNrQCxv
Klimareporter hier 21.09.2026 von Joachim Wille
Beteiligungsgesellschaften: Das fossile Geschäft von Blackrock und Co
Die 20 größten Private-Equity-Gesellschaften verursachen über ihre Energieinvestitionen mehr Treibhausgase als die meisten Staaten. Der KI-Boom könnte das Problem noch verschärfen.
Protest am Hauptsitz: "Blackrock ist stärker an Kohle, Öl, Gas und Regenwaldzerstörung beteiligt als jedes andere US-Unternehmen." Die Konzernzentrale hat ein Gold-Zertifikat für nachhaltiges Bauen. (Bild: Steve Sanchez/Shutterstock)
Sie gehören zu den mächtigsten Akteuren der Weltwirtschaft, stehen aber weit weniger im Rampenlicht als Ölkonzerne oder Tech-Giganten: Private-Equity- und Infrastruktur-Gesellschaften wie Blackrock und Blackstone sammeln Kapital von Investoren ein, kaufen damit Unternehmen oder beteiligen sich an ihnen und verkaufen sie oft später wieder, möglichst mit Gewinn.
Eine neue Untersuchung zeigt nun, welche enorme Rolle die Branche auch beim Klimawandel spielt. Die Energie-Portfolios von 20 großen Beteiligungsgesellschaften verursachen demnach rund 1,5 Milliarden Tonnen Treibhausgase pro Jahr.
Zum Vergleich: Deutschland stieß 2025 laut Umweltbundesamt 649 Millionen Tonnen aus. Die den Beteiligungsgesellschaften zugerechneten Emissionen sind also mehr als doppelt so hoch. Würde man die 20 Firmen zusammen wie einen Staat behandeln, lägen sie beim Ausstoß aus fossilen Energien weltweit auf Platz fünf – hinter China, den USA, Indien und Russland.
Das geht aus der neuen "Private Equity Climate Risks Scorecard" hervor. Erstellt wurde die Untersuchung von den US-Organisationen Private Equity Stakeholder Project, Americans for Financial Reform Education Fund und Global Energy Monitor. Es ist bereits die dritte Ausgabe des Reports.
Private-Equity-Sektor für Datenanalysen schwer zugänglich
Die analysierten Gesellschaften verwalten zusammen Vermögenswerte von rund 7,3 Billionen Dollar. Dazu gehören Schwergewichte wie Blackrock mit seiner Infrastrukturtochter Global Infrastructure Partners, Brookfield, Blackstone, Apollo Global Management und KKR.
Untersucht wurden die Energieanlagen hinter den Finanzbeteiligungen. Danach stehen die 20 Gesellschaften hinter mindestens 244 Energieunternehmen, die mehr als 1.050 fossile Anlagen besitzen oder betreiben. Dazu gehören Öl- und Gasfelder, LNG-Terminals, Tanker, Kohleterminals und Kraftwerke. Hinzu kommen 324 fossile Kraftwerke mit zusammen 124.000 Megawatt Leistung, knapp ein Zehntel davon Kohlekraftwerke.
Hinter der Analyse stehen Organisationen, die sich für mehr Klimaschutz und Transparenz in der Finanzbranche einsetzen. Sie verweisen darin auf das Problem, dass der Private-Equity-Sektor wenig transparent sei.
Die Autor:innen kombinierten deshalb Finanzdaten mit Unternehmensangaben, Behördenunterlagen und Datenbanken. Ihr Anlagen-Tracker erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – die tatsächlichen fossilen Beteiligungen könnten also noch umfangreicher sein.
Aktiv auf beiden Seiten des Geschäfts mit neuen Rechenzentren
Zusätzlich brisant wird das Thema durch den Boom der künstlichen Intelligenz. Private-Equity-Gesellschaften investieren nicht nur in Kraftwerke und Gasinfrastruktur, sondern zugleich massiv in Rechenzentren.
Wie der britische Guardian hervorhebt, der über die Untersuchung berichtete, ist die Hälfte der zehn größten US-Rechenzentrumsbetreiber durch Private Equity finanziert. Die Branche ist damit auf beiden Seiten des Geschäfts vertreten: beim schnell wachsenden Strombedarf der Datacenter und bei der Infrastruktur, die diesen Strom liefert.
Der Energiehunger der KI entwickelt sich dabei zu einem wichtigen Faktor auf den Strommärkten. Die Internationale Energieagentur IEA erwartet, dass sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 gegenüber heute ungefähr verdoppelt.
Zwar sollen erneuerbare Energien einen großen Teil des zusätzlichen Bedarfs decken. Doch auch Gas- und Atomkraftwerke dürften profitieren. Vor allem in den USA wächst bei Bürger:innen die Sorge, dass der Stromhunger der KI die Laufzeit fossiler Kraftwerke verlängert und Investitionen in neue Gaskraftwerke auslöst.
Ein Beispiel ist Blackstone. Die Gesellschaft beteiligte sich Ende 2023 für 2,2 Milliarden Dollar mit 19,9 Prozent am regionalen Energieversorger Nipsco und erhielt einen Sitz im Verwaltungsrat. Zugleich gehört Blackstone laut der Analyse zu den weltweit größten Investoren in Rechenzentren.
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Dabei sind fossile Anlagen offenbar nicht einmal ein besonders gutes Geschäft. Eine Analyse von 145 weitgehend abgeschlossenen Private-Equity-Fonds für Öl und Gas ergab, dass die Anleger insgesamt rund 190 Milliarden Dollar einzahlten und nur 193 Milliarden zurückerhielten. Inflationsbereinigt machten sie im Durchschnitt sogar Verlust.
Die Autor:innen der Untersuchung fordern von den Beteiligungsgesellschaften wissenschaftsbasierte Klimaziele, eine Offenlegung ihrer fossilen Anlagen und Emissionen sowie konkrete Pläne zum Umbau ihrer Energie-Portfolios.
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Joachim Wille
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