Sonntag, 20. Juni 2021

SPIEGEL Klimabericht - Freitag, 18. Juni 2021

 ganz schön warm, was?

Die erste Hitzewelle des Jahres rollt über Deutschland und wir schwitzen  kollektiv. Für diesen Freitag hat der Deutsche Wetterdienst eine praktisch flächendeckende Hitzewarnung ausgesprochen. Die Temperaturen könnten auf bis zu 37 Grad Celsius klettern – und auch nachts nicht unter 20 Grad sinken. Tropennächte, sagen Meteorolog:innen dazu. Am Wochenende sollen vielerorts Hitzegewitter folgen.


Wetter und Klima sind nicht dasselbe, klar. Aber der Klimawandel beeinflusst die aktuelle Wetterlage maßgeblich. Ein Sommertag im Juni darf zwar heiß sein. Aber es wird eben immer heißer.

Es heißt nicht umsonst »Klimaerwärmung«

Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren hat dazu in der vergangenen Woche eine Übersicht mit wissenschaftlich unstrittigen Fakten zur Klimakrise veröffentlicht.

Darin heißt es zum Beispiel:

  • Verglichen mit dem vorindustriellen Niveau hat sich die Luft an der Erdoberfläche im weltweiten Durchschnitt um mehr als 1 Grad erwärmt. Das gab es sehr wahrscheinlich in den letzten 12.000 Jahren nicht.
  • In Deutschland ist es sogar schon rund 2 Grad wärmer geworden.
  • Seit den 1980er-Jahren war jedes neue Jahrzehnt wärmer als das zuvor.
  • Extremwetterereignisse nehmen zu – das zeigt sich auch daran, dass Hitzewellen häufiger und stärker werden und länger dauern.
  • In den 1950er-Jahren gab es in Deutschland jedes Jahr ungefähr 3,5 sogenannte Heiße Tage, also Tage, an denen die Temperatur auf über 30 Grad Celsius steigt. Mittlerweile sind es 8,9 Tage pro Jahr.
  • Und auch die Meere sind betroffen: Die Nordsee – genaugenommen die mittlere Oberflächentemperatur in der Deutschen Bucht – hat sich um etwa 1,3 Grad erwärmt. Und vor der deutschen Ostseeküste hat man einen Temperaturanstieg von rund 1,6 Grad gemessen.

Es ist also nicht nur heiß, es ist zu heiß. Und diese Hitze, die wir – nicht nur in Deutschland – wahrnehmen, hat ganz konkrete Konsequenzen für den Alltag.

Im kleineren Ausmaß: Am Dienstagnachmittag musste die Stadt Karlsruhe den Trambahnverkehr vollständig stoppen. Weil in der Hitze ein teerartiges »Vergussmaterial« geschmolzen und auf die Schienen geflossen ist. Der Teer klebte überall und der öffentliche Nahverkehr war lahmgelegt – und ist es über das Wochenende noch.

Und im größeren: Für rund 40 Millionen US-Bürgerinnen und -Bürger, vor allem im Westen des Landes, gilt derzeit eine Warnung wegen »unmäßiger« Hitze. Im Durchschnitt ist es in den USA zehn Grad wärmer als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Die Behörden rechnen mit Waldbränden und hitzebedingten Stromausfällen. Menschen sind dazu aufgerufen, sich nicht länger draußen aufzuhalten.

Was hilft also gegen die Hitze? Kurzfristig, und wo es möglich ist: Vorhänge in der Wohnung schließen, lauwarm duschen – und Wassermelone aus dem Kühlschrank.
Und längerfristig? Ein besserer Klimaschutz vielleicht.

Die Hitze wird zum Politikum

Die aktuell extrem hohen Temperaturen sind eine Ausprägung der Klimakrise. Und könnten, sollte die Hitze anhalten, einen Effekt auf die näherrückende Bundestagswahl haben. Möglich ist, dass Parteien, die mit mehr Konstanz als andere Klimaschutz einfordern, davon profitieren, dass wir die manchmal so abstrakten Auswirkungen der Klimaerwärmung am eigenen, schwitzigen Leib spüren.

Bis wir an die Urnen schreiten, sind es zwar noch mehr als drei Monate. Wenn aber in diesen drei Monaten Felder vertrocknen, wenn mancherorts das Trinkwasser knapp wird, wenn der Schiffsverkehr auf Rhein und Elbe in Mitleidenschaft gezogen wird, weil die Pegel zu niedrig sind und die Rauchschwaden der Waldbrände in Brandenburg bis nach Berlin ziehen, dann wird das einen Effekt haben.

Einstweilen bleiben Sie in den nächsten Tagen da, wo es kühl ist – und hören Sie gern in unseren neuen SPIEGEL-Klimapodcast rein: Ab sofort fragen wir jeden Dienstag, ob die ökologische Wende gelingt, welche politischen Ideen und wirtschaftlichen Innovationen überzeugen und: wie es den Menschen geht, die davon betroffen sind. Mit Gästen und den Expertinnen und Experten aus der SPIEGEL-Redaktion zeigen wir, welchen Einfluss die Klimakrise auf unseren Planeten hat, wer die Bremser und Blockierer von echtem Klimaschutz sind – und warum wir im spannendsten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts leben. Den Podcast gibt es überall kostenlos da, wo es Podcasts gibt, und auf SPIEGEL.de. Hier kommen Sie zur ersten Folge.

Die Themen der Woche

Klimakrise im Wahlkampf: Bundesregierung einigt sich auf Sofortprogramm für Klimaschutz
Die Große Koalition hat ein Finanzpaket für den Klimaschutz geschnürt: 26 Einzelprojekte, mit einem Gesamtvolumen von etwas mehr als acht Milliarden Euro. Angaben zu einem konkreten CO₂-Preis fehlen in dem Sofortprogramm.

Sibirien: Warum ein 650.000 Jahre alter Permafrostboden abschmilzt  
Vor 130.000 Jahren war es in der Arktis wärmer als heute, trotzdem tauten Teile des Permafrosts nicht. Nun jedoch verschwindet der gefrorene Boden. Schuld ist der Mensch.

Antarktis: »Die Sorge ist groß, dass die Region auf einen kritischen Kipppunkt zusteuert«
Seit 1959 gibt es den Antarktisvertrag. Forscherinnen und Forscher kritisieren nun: Die Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis habe sich immer noch nicht ausreichend um die Problematik des Klimawandels gekümmert.

E-Mobilität: Warum der Verbrennungsmotor schneller am Ende ist, als viele denken
Deutschland soll bis 2045 treibhausgasneutral werden und seine Emissionen bis 2030 erheblich senken. Dieses Vorhaben dürfte den Abschied vom Verbrennungsmotor beschleunigen – und das ist nicht alles.

Interview mit Jakob Blasel: »Womit ich nicht glücklich bin, ist der CO₂-Preis«
Jakob Blasel ist Klimaaktivist und will für die Grünen in den Bundestag. Auf deren Parteitag scheiterte er mit einem Antrag zum CO₂-Preis. Verabschieden sich die Grünen vom 1,5-Grad-Ziel?

Publiziert

Die Waldbrandrate verdoppelt sich

Die sommerliche Waldbrandsaison hat gerade erst begonnen und doch ist abzusehen, dass es 2021 wieder zu verheerenden Feuern im Westen der USA kommen wird. Es stimmt zwar, dass auch die dortige Brandunterdrückung in den vorangegangenen Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielt, die Rolle des Klimawandels jedoch nicht unterschätzt werden sollte. Um die aktuelle Entwicklung historisch besser einordnen zu können, versuchten US-amerikanische Feuerökologen die Häufigkeit von Waldbränden in den Rocky Mountains über die vergangenen 2000 Jahre zu rekonstruieren. Um den Einfluss von Brandbekämpfungsmaßnahmen oder menschengemachte Landschaftsveränderungen möglichst gering zu halten, haben sie sich auf eine bewaldete Gebirgsregion in den Bundesstaaten Colorado und Wyoming konzentriert. Anhand von Spuren in den Jahresringen der Bäume und insbesondere Ascheablagerungen in mehreren Seen konnten sie so feststellen, dass die Waldbrandrate im 21. Jahrhundert doppelt so hoch ist wie in den vorherigen zwei Jahrtausenden. Selbst während der mittelalterlichen Warmzeit wurden keine vergleichbaren Werte erreicht. Der relativ kurze Vergleichszeitraum von zwanzig Jahren muss jedoch beachtet werden, da allein die katastrophalen Feuer des vergangenen Jahres fast die Hälfte der gesamten Flächenverluste in dem Untersuchungsgebiet seit 1984 ausmachen.

»Rocky Mountain subalpine forests now burning more than any time in recent millennia«

Higuera, Shuman & Wolf, 2021 PNAS


Bewahren Sie einen kühlen Kopf!

Herzlich,

Ihre Viola Kiel

 Süddeutsche Zeitung: Klimafreitag vom 18.6.21



"Wieder zusammen fürs Klima!" lautet das Motto, unter dem Demonstrierende der Fridays-for-Future-Bewegung heute zum Beispiel in der Hamburger Innenstadt auf die Straße gegangen sind. Foto: dpa

 



zwei Wochen noch, dann feiert Greta Thunberg ein rundes Jubiläum. In zwei Wochen wird sie zum 150. Mal das "Skolstrejk för Klimatet"-Schild in die Kameras halten. Freitags nicht zur Schule gehen, um auf die Dringlichkeit der Klimakatastrophe hinzuweisen - vor drei Jahren brachte diese Entscheidung weltweite Aufmerksamkeit und bescherte Deutschland zahlreiche Nachahmer, sowie eine im Rückblick merkwürdig anmutende Diskussion über die Schulpflicht.

 Denn seit zwei Wochen erst findet zum Beispiel in Bayern wieder eine Form von Unterricht in der Schule statt, die man im Sommer 2018 für normal hielt. Der Umgang mit der Naturkatastrophe Corona beförderte bis auf oberste Kultusminister- und Lehrervertreter-Ebene die Erkenntnis: Es kann durchaus sinnvoll und notwendig sein, mit Gewohnheiten zu brechen, neue Lösungen zu suchen und deshalb etwa mal nicht in die Schule zu gehen.

Mit dem Wissen um derlei Notwendigkeiten verhält es sich wie mit dem Kochen von Eiern: Man kann es nicht rückgängig machen. So wie man ein hartgekochtes Ei nicht in seinen Ursprungs-Zustand zurückversetzen kann, wird man auch die Erfahrung nicht löschen können, dass es im Umgang mit den Risiken einer Naturkatastrophe notwendig sein kann, Gewohnheiten zu brechen. Die Generation der Schülerinnen und Schüler, die im vergangenen Jahr nicht nur freitags staatlich verordnet auf den Schulbesuch verzichtet hat, hat dies prägend selbst erlebt. Diese Generation wird genau solche Veränderungen von Gewohnheiten bei folgenden Katastrophen auch von anderen verlangen. Das hat sie schon vor 150 Wochen getan und sie wird es in Zukunft noch lauter und deutlicher tun - mit der eigenen Erfahrung als Beleg für die Machbarkeit von Veränderung.

Denn genau hier verläuft die Grenze des Generationenkonflikts, der nach Corona sehr deutlich sichtbar werden wird: zwischen jenen, die Gewohnheiten für eine bessere, nachhaltige Welt brechen wollen und jenen, die sich über derlei Gewohnheiten definieren und sie deshalb als verteidigungswürdig ansehen. Mit dem Flugzeug in den Urlaub reisen, Fleisch auf den Grill legen oder sehr schnell mit dem eigenen Auto in die Stadt fahren - das galt lange als Gewohnheit in Deutschland. Heute könnte man allein an diesen drei Tätigkeiten eine eher hitzige Diskussion starten, was zumindest dies zeigt:
 Es ist keineswegs mehr für alle eine Gewohnheit -
wie eine Studie der Uni Münster gerade gezeigt hat.

Dass die Diskussion über Gewohnheiten vermutlich unumgänglich ist, wurde am Beginn dieser Woche deutlich, als die Bundesregierung die so genannte KWRA vorstellte. Das steht für Klimawirkungs- und Risikoanalyse, und diese ist ähnlich deprimierend wie die Lektüre von Inzidenzzahlen mitten in der dritten Welle: denn sie zeigt, dass die andere Naturkatastrophe die Gesellschaft ähnlich fordern wird wie Corona.
"Es wird sie nicht geben: die Region, die nichts vom Klimawandel spürt",
fasst mein Kollege Michael Bauchmüller die KWRA in der SZ zusammen. "Deutschland von Extremwetter bedroht", schreibt die Tagesschau. Man muss schon sehr desinteressiert an der Zukunft sein, um die Bedrohung nicht zu sehen.


Manche Menschen empfinden deshalb sogenannte "Klimaangst". Meine Kollegin Vera Schroeder hat dazu zahlreiche Interviews mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für die Wochenend-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung geführt, die ich Ihnen empfehle. Denn auch diese Gespräche bestärken bei mir ein Gefühl der Hoffnung.

Und zwar vor allem wegen der Generation, die jetzt endlich wieder zur Schule gehen kann - und heute auch wieder für besseren Klimaschutz demonstriert hat. Statt über die Lernrückstände zu sprechen, die durch Corona entstanden sein könnten, könnte man ja auch darüber sprechen, was die Schülerinnen und Schüler gelernt haben. Vielleicht passt dafür am besten der Begriff Möglichkeitssinn. Also das Gespür dafür, dass eine andere Welt möglich ist, dass das eigene Handeln Einfluss auf die Zukunft hat und dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen.

Daran werde ich denken, wenn in zwei Wochen Jubiläums-Texte über Greta Thunberg erscheinen.

 


 

Ich wünsche Ihnen mehr Möglichkeitssinn.

Dirk von Gehlen


Samstag, 19. Juni 2021

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Baustopp für 1000-Kühe-Stall

17.06.2021 ∙ odysso - Wissen im SWR ∙ SWR Fernsehen
Logo odysso

Nach sechs Jahren Protest wurde der Bau eines 1000-Kühe-Stalls zwischen zwei Naturschutzgebieten bei Sigmaringen gestoppt. Grund sind fehlende Prüfungen zur Umweltverträglichkeit.

Doku über den 1000 Kühe Stall in Hahnennest  hier

Ein sehr guter Leserbrief von Albert Hagn zu der Sitzung in Horgenzell findet sich beim Ravensburger Spectrum  hier

 NTV  hier

Bundesregierung rudert zurück

Solardach-Pflicht soll doch nicht kommen
Auch die Energiesparvorschriften sollen dem Bericht zufolge weniger scharf ausfallen.



Das passt zur Regionalplandiskussion

von agora-la   hier ganz zu lesen

Da kommt sie, die Pressemitteilung aus dem Landratsamt Bodenseekreis am Freitagmittag zum Abschluss einer diskussionsfreudigen Woche um den Regionalplan:

Friedrichshafen, 18.06.2021

P R E S S E M I T T E I L U N G

Lokales Klima- und Wissensportal macht Klimawandel im Bodenseekreis sichtbar

Weltweit sind der Klimawandel und seine Folgen durch Extremwetter bereits deutlich bemerkbar. Dass sich der globale Klimawandel auch im Bodenseekreis messbar abzeichnet, ist nun mit Zahlen und Fakten in zwei öffentlich zugänglichen Online-Angeboten der Universität Freiburg gemeindescharf dokumentiert. Auch ein Blick in die Zukunft ist möglich: Forschende am Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie veranschaulichen mit einer interaktiven Karte die Auswirkungen des Klimawandels auf Kommunen und Landkreise in Baden-Württemberg in den kommenden 80 Jahren. Ein Klimasteckbrief zeigt klimatische Parameter für jede einzelne Gemeinde, zum Beispiel die mittlere Jahrestemperatur und die durchschnittliche Anzahl der Frosttage oder Tropennächte. Zudem werden in einem Wissensportal Anpassungsmöglichkeiten dargestellt und Handlungsempfehlungen für die Kommunen gegeben. 

Die neuen Informationsangebote wurden im Rahmen des Projektes LoKlim entwickelt, bei dem der Bodenseekreis als einer von sechs Pilotlandkreisen in Baden-Württemberg beteiligt ist. Ziel des Projektes ist es, kommunale Institutionen und Akteure bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen gegen den Klimawandel zu begleiten.

https://lokale-klimaanpassung.de/lokales-klimaportal/

https://lokale-klimaanpassung.de/wissensportal/

https://www.bodenseekreis.de/de/umwelt-landnutzung/klimaschutz-klimawandel/



"Bürgermeister aus sechs Gemeinden diskutieren in Tettnang"

In der Schwäbischen Zeitung  von Linda Egger (Auszüge in blau)

Am Freitag bezogen sechs Gemeindeoberhäupter aus dem Bodenseekreis Stellung zu dem aktuellen Regionalplanentwurf. Vertreten waren dabei neben Tettnangs Bürgermeister Bruno Walter auch Arman Aigner aus Eriskirch, Ole Münder aus Langenargen, Ralf Meßmer aus Oberteuringen, Reinhold Schnell aus Neukirch sowie Elisabeth Kugel aus Meckenbeuren.

In Tettnang sammeln sich 6 Bürgermeister, um über die Fortschreibung des Regionalplans zu "diskutieren". Der Bericht darüber hört sich aber nicht nach einer Diskussion, sondern eher nach einer gemeinsamen PM an:

"Der gemeinsame Tenor: Die Kommunen benötigen Flächen als Entwicklungsspielraum, um den aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden. Sie setzen sich daher für den Entwurf des Regionalverbands ein. „Es ist für uns als Kommunen immer schwieriger, an Flächen heranzukommen“, erklärte Reinhold Schnell"

Gerade Tettnang nimmt bei der §13b- Ausweisung, zusätzlich zur offiziellen Schiene, einen äußerst unrühmlichen Spitzenplatz im Bodenseekreis ein. Laut Landratsamt Bodenseekreis hat man dort 2019 -noch schnell vor Ende des §13b- Vorratshaltung betrieben: 2020 wurde daraus der BP "Jahnstraße Nord" umgesetzt, die anderen Bebauungspläne liegen bereit. Zur Erinnerung: der § 13 b ist das Lieblingskind der CDU, um bestehende Umweltstandards "legal" auszuhebeln.

Tettnang\BP Ackermannsiedlung (§ 13b)
Tettnang\BP Herisesch V (§ 13b)
Tettnang\BP Hermannstraße Nord (§ 13 b)
Tettnang\BP Hinter den Ranken (§ 13b)
Tettnang\BP Hoher Rain VIII (§ 13b)
Tettnang\BP Holzhäusern (§ 13 b)
Tettnang\BP Korlehen III (§ 13b)
Tettnang\BP Krumbach II (§ 13b)
Tettnang\BP Tannau Nord (§ 13b)
Tettnang\BP Tannau Süd (§ 13b)
Tettnang\BP Vorderreute (§ 13b)
Tettnang\BP Winkelesch (§ 13b)

Auch Langenargen hat sich schon einmal damit versucht: Langenargen\BP Sägestraße_Wanderweg (§ 13b)

Möglicherweise sind das aber noch gar nicht alle Gebiete, denn seltsamerweise bescheinigen sowohl Landratsamt als auch Regierungspräsidium, dass sie diese Baugebiete nur als "Träger öffentlicher Belange" vorgelegt kriegen, wirklich beteiligt werden sie nicht.
Das Wirtschaftsministerium gab auf eine Anfrage hin den Schwarzen Peter freudig weiter, und schrieb: Zuständig dafür sei das neue Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen. Ich bin gespannt!

„Es ist ja auch nicht so, dass jeder Hektar, der jetzt ausgewiesen wird, übermorgen bebaut ist“, merkte Schnell an. Der Regionalplan gebe nur einen Rahmen vor - damit sei noch nicht entschieden, dass die als Bau- oder Gewerbeflächen ausgewiesenen Gebiete auch tatsächlich bebaut würden. „Es braucht jedoch einen größeren Pool an Flächen, da wir auch begrenzende Faktoren haben bei der Entwicklung - etwa, wenn Eigentümer nicht verkaufen möchten“, merkte Elisabeth Kugel an.

Auch Herr Regionaldirektor Franke führt dies furchtbar gerne als "Totschlagargument" gegenüber seinen Kritikern ins Feld. Man darf sich dennoch fragen, weshalb selbst Wirtschaftsministerium und Regierungspräsidium - befasst mit vielen unterschiedlichen Regionalplänen - die angezeigten Flächenbedarfe in jeder Offenlegung auf`s Neue als überzogen rügen.

Klar kann man überzogen ausweisen und den Kommunen selbst die Verantwortung dafür überlassen - doch wo bleibt da die gerne zitierte Steuerungsfunktion des Regionalplans? Und wie hat Hermine vor Kurzem so schön beschrieben: "Wenn ich abnehmen will, dann füll ich meinen Kühlschrank nicht mit Torte und Schokolade, sondern versuch mich zu beschränken indem ich Salat und Gemüse rein packe." So wie`s aussieht wollen die Kommunen aber ihre Torten und Schokolade behalten und zumindest einige davon gleich noch ganz heimlich den Vorratsschrank mit Schoko-Keksen befüllen.

Bruno Walter betonte, dass die Kommunen durchaus um die Endlichkeit der Flächen wüssten und mit diesen auch nicht extensiv umgehen würden. „Uns ist durchaus bewusst, welche Verantwortung wir da tragen“, so Walter.

Und schon sind wir beim großen Glaubenssatz von Hr. Franke angelangt, den bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Köpfen einhämmert, ewiges Mantra des "Weiter-so" und "Wir haben keine Alternative".

Klar sei aber auch: „Wir sind eine prosperierende Region.“ Der Bedarf an Wohnraum, aber auch an Gewerbeflächen sei derzeit nicht abzudecken. Allein in Tettnang sind derzeit rund 500 Wohneinheiten im Bau oder in Planung. Der Zuzug in der Region sei enorm. „Diese Entwicklung kann man nicht aufhalten“, meinte Arman Aigner und fügte hinzu: „Wir Kommunen stehen dadurch vor einer riesigen Herausforderung.“
Bedenken müsse man nach Walters Ansicht nach auch, dass der Wohlstand in der Region und der hohe Lebensstandard maßgeblich aufgrund der dort ansässigen Unternehmen möglich sei und weil die Kommunen dadurch die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen könnten. Die Planungshoheit der Kommunen sei dabei ein „hohes Gut“, sagte Ralf Meßmer. Das Ziel sei aber nicht, „alles zuzubauen, sondern einen gesunden Weg für die Gemeinde zu finden.“

Zurück zu den Scientists for future, sprich Manfred Walser: "Und genau das ist das Problem. Der Regionalplan zeigt einen unbedingten Willen zum Wachstum."
hier kann man die Rede von M. Walser ganz lesen.

Freitag, 18. Juni 2021

 In der Blix-Zeitung  hier


mit schönen Bildern!

Grundwasser: Trotz des verregneten Frühjahrs reicht das Wasser wohl nicht

hier aus der Schwäbischen Zeitung  von RONJA STRAUB

Geregnet hat es in diesem Frühjahr so viel, dass es Waizmanns Bäumen endlich besser geht. Selbst, wenn man ihnen an den kahlen Kronen und der rissigen Rinde die trockenen Sommer noch ansieht. Im Juni 2020 standen dort, wo Waizmann jetzt über Forstwege läuft noch Lastwagen voll beladen mit Schadholz. „Das war schrecklich“, sagt der Waldbauer Waizmann. Auch wenn der Klimawandel in diesem Frühjahr weniger zu spüren war, die Sorgen um die Zukunft hat auch der Regen nicht wegspülen können.
„Wenn es meinem Wald gut geht, geht es auch mir gut“, sagt Waizmann, der auch im Ausschuss der Forstkammer Baden-Württemberg sitzt. Das stimmt im doppelten Sinne. Denn wenn der Boden in seinem Wald schön feucht ist, hat auch die Quelle ein paar hundert Meter von seinem Aussiedlerhof weg genug Wasser.

Weil der Betrieb von Waizmann und seiner Frau 20 Kilometer südlich von Ellwangen zu weit von der nächsten Gemeinde entfernt ist und die Leitungen nicht bis dort raus reichen, wird Wasser von dort zum Haus gepumpt. Familie Waizmann und ihre Gäste in den Ferienzimmern des Hofs trinken, duschen und kochen mit diesem Wasser. Den Großteil braucht Waizmann aber für seine Rinderherde. Ein Tier säuft 80 Liter am Tag.

Dass Wasser keine unendliche Ressource und nicht immer verfügbar ist, nur weil man den Hahn aufdreht, bekam Waizmann in den zurückliegenden Sommer zu spüren. Weil zu wenig Wasser in dem Brunnen war, musste Waizmann die Pump-Intervalle kürzer machen.

„Die Grundwasserbestände in Baden-Württemberg sind zurückgegangen“, sagt Michel Wingering, der bei der Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg (LUBW) für die Bewertung der Grundwasserstände und Quellschüttungen zuständig ist. Sorgen um die Wasserversorgung in Deutschland macht sich auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Sie warnte vergangene Woche vor Wasserknappheit in Deutschland. „Für die Zukunft ist es nicht selbstverständlich, dass es überall Wasser im Überfluss gibt“, sagte Schulze in der „Schwäbischen Zeitung“ im Interview.

Wie schnell das Wasser ausbleiben kann, haben auch Wasserselbstversorger in Oberschwaben zu spüren bekommen. Weil es im Dürresommer 2018 mehrere Monate nicht geregnet hatte, waren ihre Brunnen leer. Aus dem Hahn am Spülbecken und dem Duschkopf kam kein Wasser mehr. „Das war eine dramatische Situation“, sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative dezentrale Wasserversorgung Oberschwaben, Friedrichs Rockhoff aus Kißlegg. Die großen Wassertanks, die man sich damals angeschafft hat, aufgefüllt am kommunalen Brunnen der Gemeinden, hätten viele bis heute behalten.„Das Klima hat sich so verändert, dass man solche Wetterlagen öfters haben wird und vorbereitet sein muss“, sagt Rockhoff.

Ein besonders großer Hohlraum am Alpenrand sorgt zum Beispiel dafür, dass die Grundwasserbestände in Oberschwaben so gut sind, wie sonst fast nirgends im Land. Das sogenannte Molassebecken ist ein in sich geschlossenes System, in dem Wasser gespeichert wird und so nicht zu anderen Seiten abfließen kann, erklärt Wingering. 

Für Karl Endriß ist die Korrelation ganz einfach: Zu wenig Regen sorgt für zu niedrige Grundwasserstände und bei zu wenig Wasser, wachsen Hafer, Weizen, Gerste und Mais nicht. „Wenn der Grundwasserstand langfristig fällt, ist es für uns Bauern langfristig vorbei“, sagt Endriß.....

Klar ist aber auch, dass der nasse Frühling nicht die drei Dürrejahre ausgleichen kann. Außerdem prognostiziert der DWD, dass es 2021 etwa 0,5 bis 1,0 Grad wärmer werden könnte als im vieljährigen Mittel. Wetterexperten gehen trotz des kühlen Frühlings von einem heißen Sommer aus.....„Der Regen der vergangenen Monate war zwar hilfreich, aber es ändert nichts an der Situation, dass die Böden vielerorts immer noch zu trocken und die Speicher nicht aufgefüllt sind“, sagt Axel Miske, Referent bei der Forstkammer in Baden-Württemberg.

 Tagesspiegel hier

Kohlendioxid-Entnahme aus der Atmosphäre
Die Stille Revolution im Klimaschutz

Das neue Klimaschutzgesetz sieht vor, der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen. Deutschland fehlt es dazu aber an mutiger Politik, sagen unsere Gastautoren.

Arwen Colell Jan Minx

Deutschland hat sich mit dem neuen Klimaschutzgesetz auf den Weg in die Treibhausgasneutralität begeben. Spätestens im Jahr 2045 muss der Atmosphäre für jede verbleibende Tonne Treibhausgasemissionen eine entsprechende Menge Kohlendioxid, CO2, entnommen werden. Danach soll die Treibhausgasbilanz sogar „netto-negativ“ werden, der Atmosphäre mehr CO2 entzogen werden, als ausgestoßen wird.

Das ist notwendig, weil die Welt spät dran ist im Klimaschutz. Um den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, müssen wir einen Kredit bei der Atmosphäre aufnehmen. Wir überziehen zeitweilig das verbleibende Budget von mit dem Ziel noch vereinbaren CO2-Emissionen. Dieser Kredit muss aber mit CO2-Entnahmen zurückgezahlt werden.

Die nächste Fahrraddemo steht an!

Dieses Mal in Wangen

Genaue Daten:



Sehr wichtig : Bitte denkt daran viel Wasser mitzunehmen, es sollen über 30 Grad werden am Sonntag!
Auch Sonnenschutz ist vermutlich eine gute Idee

Zusatzinfo
Eigentlich haben wir eine Strecke über die A96 angemeldet, das wurde uns von dem zuständigen Behörden leider nicht genehmigt.
Wir gehen gerade mit einer Eilklage gegen diese Entscheidung vor und hoffen sehr das wir dann doch auf der A96 fahren können.

Die Demo findet aber unabhängig von dieser Entscheidung statt, da wir eine Erstatzroute haben



"Nackter Protest und kein Beschluss"

17.06.2021  |  Von Jenna Santini jenna.santini@suedkurier.de im Südkurier  hier

Auszüge daraus in blau

„1, 2, 3, RVBO, es ist vorbei“ schallte es am Mittwoch vor der Mehrzweckhalle in Horgenzell im Landkreis Ravensburg, wo die letzte Sitzung des Planungsausschusses des Regionalverbands (RVBO) vor der Abstimmung über den neuen Regionalplan stattfand. Seit Montag hatten die Aktivisten aus dem Klimacamp Ravensburg vor der Halle kampiert. Nun taten sie ihren Protest gegen den Regionalplanentwurf und den Regionalverband als solchen lautstark kund. Drei Frauen zogen sich aus – unter anderem, um für mehr Frauen in den Gremien des RVBO zu protestieren.

Aufgabe des Planungsausschusses war es jetzt, eine Beschlussempfehlung für die Verbandsversammlung am 25. Juni zu fassen. Doch zu einer Einigung kam es nicht. Noch ehe die Vertreter des Regionalverbands in ihre Fachvorträge einsteigen konnten, einigten sich die Fraktionen in einer Sitzungsunterbrechung darauf, erst in der Verbandsversammlung abstimmen zu wollen. Grund war, dass die Stellungnahme des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen verspätet beim Regionalverband eingegangen war. Fristende für die Träger öffentlicher Belange war eigentlich Ende Februar gewesen.

Ulrike Lenski (Bündnis 90/Die Grünen) aus Salem bemängelte, dass man gerade eine Woche Zeit gehabt habe, um sich auf die Sitzung vorzubereiten. Dabei enthielten die Stellungnahmen des Regierungspräsidiums Tübingen und des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen „wirkliche Verbesserungen“. Beispielsweise unterscheiden sich die Ansichten zur Bevölkerungsprognose. Lenski appellierte, dass die Verbandsversammlung nicht für die Umsetzung, aber wohl für den Inhalt des Regionalplans verantwortlich sei, und forderte eine weitere Offenlage. „Wir brauchen ein Zeitfenster und eine dritte Offenlage würde uns dieses Zeitfenster verschaffen, um den Plan substanziell zu verbessern“, erläuterte sie. Diese Aufforderung war vergeblich. Ihr stellte sich zum Beispiel Norbert Zeller (SPD) entgegen....

Ein Teil der Klimaaktivisten hatte an der Sitzung teilgenommen. Vor dem Tisch von Thomas Kugler, Vorsitzender des Planungsausschusses und Bürgermeister in Pfullendorf, hatten sie Laub verstreut und Setzlinge abgesetzt. Eine kleine Gruppe nahm die Ausschussmitglieder dann beim Verlassen der Mehrzweckhalle mit Bannern und Rufen in Empfang. Den Angaben der Aktivisten nach hatte keiner der Politiker vorab das Gespräch mit ihnen gesucht.

Ingo Blechschmidt kündigte an: „Wir machen weiter. Uns bleibt keine Wahl. Für uns ist das die Zukunft.“.... Selbst der Klageweg wird nicht ausgeschlossen, wie Barbara Herzig vom Aktionsbündnis für einen zukunftsfähigen Regionalplan erklärte: „Es gibt noch keine konkreten Pläne. Aber ich vermute, dass aus irgendeiner Richtung der Rechtsweg eingeschlagen wird.“


Die folgende Veranstaltung von Together for Future ist eine tolle Unterstützung für alle, die sich für die sogenannte "Klimaschmutzlobby" interessieren und die sich in der Roten Klimakarten Kampagne von P4F engagieren wollen.


Lobbyismus und Klima-Bremser*innen sind wohl eine der größten Herausforderungen auf unserem Weg in eine klimaneutrale Zukunft. Aber …

  • Was ist eigentlich Lobbyismus, wie funktioniert er und was läuft da hinter den Kulissen?
  • Wo sitzen die größten Klima-Bremser*innen? Und vor allem:
  • Was können wir als Klimabewegung tun?

Zu diesen und ähnlichen Fragen wollen wir am 24.06. in der Zeit von 17:00 bis 18:30 mit euch in den Austausch kommen.
Zu Beginn gibt es drei kurze Impuls-Vorträge von

  • Gunnar Harms, Vorstand Bündnis Bürgerenergie e.V.
  • Dr. Christina Deckwirth, LobbyControl e.V.
  • Arne Jungjohann, Politikwissenschaftler & Mitglied der Grünen Akademie der Heinrich-Böll-Stiftung

Teilnahme an dem Treffen über folgende Einwahl-Daten:
Zoom-Link: https://zoom.us/j/91093639218?pwd=ZTVyUUprRWRkZU94ZjJ3Qm1KMEdDZz09
Meeting-ID: 910 9363 9218
Kenncode: 770648
Schnelleinwahl mobil
+496950502596,,91093639218#,,,,*770648# Deutschland


„Noch fünf Jahre warten geht nicht“

Interview im  Südkurier hier

Volker Quaschning  ist seit 2004 Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin.

Herr Quaschning, Sie gelten als glühender Verfechter der Energiewende. Was muss Deutschland tun, um 2045 klimaneutral zu sein?

Klimaneutralität heißt gegenüber dem Stand von 1990 100 Prozent CO2 einzusparen. Aktuell haben wir 40 Prozent erreicht. Was sich gut anhört, ist es aber nicht, denn zwei Sondereffekte haben uns in die Karten gespielt. Allein die Wiedervereinigung und der Niedergang der ostdeutschen Industrie hat uns gut zehn Prozent Einsparung gebracht. In etwa derselbe Betrag ist uns durch die Corona-Krise quasi in den Schoß gefallen. Rechnet man beide Sondereffekte heraus, kommt man auf gut 20 Prozent reale CO2-Einsparung in 30 Jahren.

Ziemlich ernüchternd…

Ja, vor allem, wenn man bedenkt, dass die verbleibende Zeitspanne bis 2045 relativ kurz ist.
Ich sage das nur, um die Dimension zu verdeutlichen, über die wir reden. Und ich wundere mich über die Pillepalle-Maßnahmen, die derzeit in der Politik diskutiert werden, um die Klimaziele zu erreichen.

Was müsste also geschehen?

Alle fossilen Energieträger müssen raus. ..

..Es wird manchmal keinen anderen Weg als klare Regeln geben, und es muss kein schmerzhafter Weg sein. Ein Einfahrstopp in Städte müsste durch einen deutlich besseren öffentlichen Nahverkehr flankiert werden. ...Ein weiteres Beispiel, wo ein Einbaustopp überfällig ist, sind Öl- und Gasheizungen. Die Politik würde den Bürgern einen Gefallen tun, solch klare Regeln endlich einzuführen.

Deutschland kann sich auf der eigenen Fläche mit ausreichend erneuerbaren Energien versorgen, um den zukünftigen Bedarf zu decken. Dazu brauchen wir allerdings zwei Prozent der Landesfläche als Windradstandorte, und auf alle geeigneten Dächer müssen Solarmodule. Zusätzlich müssen auf ein Prozent der Ackerflächen Fotovoltaikanlagen installiert werden. 

Die Politik schafft mit Milliardensubventionen Akzeptanz für die Energiewende. Wie lange ist das durchzuhalten?

Der Staat subventioniert seit Jahrzehnten klimaschädliche Technologien in viel höherem Maß. Das Umweltbundesamt rechnet mit fast 60 Milliarden Euro pro Jahr, die an klimaschädlichen Subventionen fließen. Dieselbe Behörde geht davon aus, dass unser CO2 Ausstoß jedes Jahr Klimaschäden von etwa 140 Milliarden Euro verursacht. Dagegen sind die Investitionen des Staates in Erneuerbare Energien lächerlich gering.

Im öffentlichen Diskurs entwickelt sich die Energiewende von einem technologischen Prestigeprojekt zu einer echten Überlebensfrage. Ist das übertrieben?

Definitiv nein. Die Folgen der Klimaerwärmung werden verheerend sein, wenn wir die Ursachen jetzt nicht entschieden bekämpfen. Wir laufen Gefahr, dass es in einigen Weltregionen so heiß wird, dass dort keine Menschen mehr leben können, dass Küstenstädte versinken werden und die Nahrungsmittelversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann. Aktuell sind wir bei einem Anstieg der Temperaturen von gut einem Grad Celsius. Bei 1,5 Grad wird es kritisch und bei zwei Grad werden viele der genannten Entwicklungen irreversibel werden. Und dann geht es wirklich ums nackte Überleben von Millionen von Menschen.

Wollen Sie uns mit diesem fatalistischen Szenario jetzt alleine lassen?

... Der Klimawandel ist kein Meteoriteneinschlag, dem man machtlos gegenübersteht. Wir haben jetzt noch wenige Jahre, das Ruder herumzureißen. Das sollten wir aber nun auch entschlossen tun. Noch fünf Jahre warten geht nicht.

Fragen: Walther Rosenberger