Samstag, 10. Oktober 2026

Strategiepapier der AfD: Es passiert EXAKT das, was die AfD plant. Mit dem Ziel, die Union abzulösen.

 Christian Stöcker @christianstoecker.de

Ich kann allen in der Union nur empfehlen, sich diese Strategiepräsentation der AfD von 2025 noch einmal genau anzusehen. 

Es passiert EXAKT das, was die AfD plant. Mit dem Ziel, die Union abzulösen. Ziel: “Alice im Kanzleramt”.
Die Union spielt munter mit. Die AfD feiert. 

Politico hier

Aus der “Zeit”  11. Juli 2025, hier  Eine Analyse von Christian Parth

Wie die AfD an die Macht kommen will

Einen Kulturkampf mit der Linken entfesseln und Schwarz-Rot spalten: Die AfD skizziert in einem Strategiepapier, wie sie den Weg ins Kanzleramt ebnen will.

Die AfD träumt vom ganz großen Erfolg, das ist lange bekannt. Bereits seit vergangenem Jahr wabert der Begriff vom "Projekt 2029" durch die Parteizentralen des Landes. Das Ziel: eine Regierungsbeteiligung nach der nächsten Bundestagswahl, vielleicht sogar der Einzug ins Kanzleramt. Diese Pläne sollen nach Informationen der ZEIT nun konkretisiert werden. 

Der Weg an die Schalthebel der Macht allerdings dürfte für die Partei in ihrer jetzigen Verfassung mehr als schwierig werden. Bei der Generaldebatte am Mittwoch zeigte die AfD einmal mehr, wie leer ihr Themenspeicher eigentlich ist. 

Routiniert zornig und TikTok-kompatibel arbeitete sich Parteichefin Alice Weidel an ihrem einzigen verlässlichen Aufregerthema ab: Migration. 

Sie sprach von "Masseneinwanderung von inkompatiblen Kulturen", "Gruppenvergewaltigungen", "Messerangriffen" und einer "rasenden Islamisierung". Am Freitag schaffte es die AfD, sogar das Gedenken an den Völkermord von Srebrenica für ihre Migrationsagenda zu missbrauchen. Multikulti und fehlende Härte des Staats hätten den Balkan zu einem Schlachtfeld gemacht, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Martin Sichert. "Was im Großen in Jugoslawien zu sehen war, kann man im Kleinen auf jedem Schulhof in Deutschland erleben." Keine Spur also von Mäßigung, die sich die Partei in ihrem sogenannten Verhaltenskodex doch gerade erst verordnet hat.

Doch was, wenn selbst das Dauerthema Migration irgendwann ausgereizt ist? Auch in der AfD ist diese Frage längst angekommen – und sorgt für Nervosität. Am vergangenen Wochenende begab sich die Bundestagsfraktion in Klausur, um genau das zu klären: Welche Strategie kann den Weg an die Macht ebnen? Nicht nur neue Themen stehen zur Debatte – auch der Umgang mit einem besonders umstrittenen Begriff: "Remigration". 

Auf dem Treffen wurde den Abgeordneten ein Dokument überreicht, das den Titel trägt:
"Deutschland politisch gestalten ­­– Das Ende der Brandmauer und der Weg in die Regierungsverantwortung". Das Papier liegt der ZEIT vor.
Im Briefkopf steht der Name Beatrix von Storch. 

Die erste stellvertretende Fraktionsvorsitzende hat im Auftrag des Vorstands ein sechsseitiges Strategiepapier verfasst. Darin beschreibt sie minutiös, wie die AfD an der Union vorbeiziehen und künftig auch Bundestagswahlen gewinnen kann. Im ersten Schritt geht es demnach darum, die Stammwählerschaft fest an sich zu binden – vor allem Ostdeutsche, Arbeiter, junge Wähler auf dem Land und Russlanddeutsche. Gleichzeitig sollen neue Wählergruppen erschlossen werden: Frauen über 60, Akademiker, kirchennahe Christen sowie Wähler in großen Städten. Zudem strebt die Partei an, das gesellschaftliche Klima zu ihren Gunsten zu verändern – ihr Ziel: Den Anteil der Bürger, die Angst vor der AfD haben, ein Verbotsverfahren unterstützen oder eine Zusammenarbeit mit ihr ablehnen, auf unter 50 Prozent zu drücken. 

Wie sich die AfD über sich selbst wundert

Auch die konkrete Taktik listet das Strategiepapier auf. In Punkt II heißt es unmissverständlich: "Schwarz-Rot spalten". Die AfD will gezielt eine weitere Polarisierung vorantreiben – zwischen sich selbst und der Linken. Der Plan ist, SPD und Grüne weiter nach links zu drängen und zugleich den Graben zwischen CDU und den linken Parteien zu vertiefen. So soll die "Trennung des bürgerlich-konservativen Lagers vom linken Lager" vorangetrieben werden. 

Die AfD könne, so das Papier, wesentlich dazu beitragen, dass "die Auseinandersetzung in Politik und Gesellschaft zu einem 'Duell' zwischen den zwei sich unversöhnlich gegenüberstehenden Lagern wird, zugespitzt auf eine Wahl zwischen AfD und Linke: Weidel oder Reichinnek". 

Die Auseinandersetzung soll mit einem Schwerpunkt auf gesellschafts- und kulturpolitischen Grundkonflikten geführt werden: "Familie versus Gender, Nation versus offene Grenzen, Freiheit versus Sozialismus".  Entlang dieser Gegensätze will die AfD einen "Kulturkampf mit der Linken" entfesseln, wie es in einer begleitenden 55-seitigen Präsentation heißt, die auf der Klausur gezeigt wurde und die der ZEIT enbenfalls vorliegt. 

Ganz anders hat die Partei vor, mit der Union zu verfahren, dem Wunschkoalitionspartner. Der Ansatz: Anschlussfähigkeit durch Wettbewerb. Die AfD plant, mit Anträgen gezielt Druck auf CDU und CSU auszuüben – vor allem mit Themen, die bei der Unionswählerschaft gut ankommen. Insbesondere wolle man jene Wähler erreichen, die die Union wegen einer Migrations- und Wirtschaftswende gewählt haben und nun von Schwarz-Rot enttäuscht würden. So will die AfD letztlich die Brandmauer zum Einsturz bringen. 

Gleichzeitig möchte die AfD sich als Partei der "Sozialen Marktwirtschaft" profilieren und die Union in Sachen Wirtschaftskompetenz "überholen", steht in dem Dokument. Die Ausgangslage dafür sei günstig: Die Union verliere durch ihren radikalen Kursschwenk bei der Schuldenbremse an Glaubwürdigkeit, gleichzeitig seien mit der SPD "notwendige Strukturreformen" nicht möglich. 

Und noch einen entscheidenden Vorteil für ihre Mission will die AfD für sich identifiziert haben. Sie sei die einzige Partei, die sich "ohne Rücksicht auf linke Klimadiskurse zum Wirtschaftswachstum bekennen kann". Beim zentralen Energiethema sei sie "ohne ideologische Beschränkungen" handlungsfähig. Mit dieser Mischung aus Wachstum und Wohlstandsversprechen, kombiniert mit den Themen Migration und Innere Sicherheit, wolle die Partei unterschiedlichste Wählergruppen ansprechen: Arbeiter, Arbeitslose, Selbstständige, frühere SPD- und auch FDP-Wähler sowie Wechselwähler der Union. Wenn sie diesen Schatz hebt, könnte sie bundesweit bis zu 30 Prozent der Stimmen erreichen, rechnet die Partei in ihrem Strategiepapier vor. 

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