Daniel Mautz
Wenn Unternehmer:innen ihre eigene Lobby demontieren, läuft etwas fundamental schief im System.
Über 90 Unternehmer:innen haben in einem offenen Brief an Merz, Söder, Bas und Klingbeil eine höhere Erbschaftsteuer auf große Betriebsvermögen gefordert.
Und sie haben ausdrücklich erklärt, dass sie sich von jenen Lobbygruppen nicht vertreten fühlen, die seit Jahren behaupten, höhere Steuern würden Familienunternehmen gefährden und Arbeitsplätze vernichten. Ein ungewöhnlicher Vorgang.
Das Gegenargument für die Betriebsvermögensverschonung ist seit Jahrzehnten bekannt.
Wer ein Unternehmen erbt, soll nicht gezwungen werden, es zur Steuerfinanzierung zu zerschlagen. Ein Praxistest fiel 2025 aber deutlich anders aus als erwartet. Als bei der Eigentümerfamilie von Knorr-Bremse eine Steuerrechnung von vier Milliarden Euro anfiel, prophezeiten Gegner:innen den Kollaps. Das Unternehmen erwartet für das laufende Jahr rund 8,3 Milliarden Euro Umsatz.
Keine Gefährdung, nirgends.
Die unterzeichnenden Unternehmer:innen benennen das Kernproblem offen.
Die aktuellen Ausnahmen begünstigen vor allem Milliardenvermögen, verzerren den Wettbewerb und zeichnen ein Bild der Unternehmerschaft, von dem sie sich distanzieren wollen. Sie betonen, dass es Alternativen gibt, die Liquidität sichern, ohne Milliardenerben vollständige Steuerfreiheit zu garantieren.
Gleichzeitig bröckelt das Bollwerk in der Union. Aus der Arbeitnehmergruppe der CDU kommt ein Papier, das höhere Steuern auf große Erbschaften fordert und einen schlichten Grundsatz formuliert. Die Leistung des Erblassers sei nicht die Leistung des Erben.
Wenn selbst Unternehmer:innen sagen, dass das aktuelle System ungerecht ist und den Wettbewerb verzerrt, fehlt dem Gegenargument sein letztes Fundament.
Was bleibt, ist pures Besitzstandsdenken in gesetzlicher Verkleidung.
Link: https://lnkd.in/exHQRA9Z

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