Freitag, 5. Juni 2026

Ergebnisse des Armutsberichts folgen einem klaren Muster, denn betroffen sind nicht alle gleich

Christine Mengelée / LinkedIn

D A S  ist ein Armutszeugnis für Deutschland 

1️⃣ 13,3 Millionen Menschen leben in Deutschland in Armut. Bei einem Bevölkerungsanteil von 16,1 % kann man auch nicht davon sprechen, dass Armut ein Randphänomen ist. 

Zudem folgen die Ergebnisse des Armutsberichts einem klaren Muster, denn betroffen sind nicht alle gleich: 

▪️ fast jede 5. Person über 65 ist arm

▪️ bei Frauen über 75 sogar mehr als jede 5.

▪️ Bei Alleinerziehenden lebt fast jede 3. Person unterhalb der Armutsgrenze

2️⃣ Aus meiner Sicht betrifft es also nicht irgendwen, sondern es betrifft die, die unsere Gesellschaft tragen, die Wirtschaft aufgebaut haben.

▪️Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, häufig im Niedriglohnsektor.

▪️Frauen, die Kinder großgezogen, Haushalte organisiert und Sorgearbeit übernommen haben und dafür im Alter kaum abgesichert sind.

▪️Familien, die täglich arbeiten und dennoch finanziell kaum Spielräume haben.

▪️Und es trifft Kinder, Kinder, deren Startchancen bereits eingeschränkt sind obwohl sie unsere Zukunft sind.

3️⃣ Und da liegt der eigentliche Widerspruch, der mich maßlos verärgert. Diese Menschen haben nicht zu wenig geleistet, sie haben viel geleistet und trotzdem reicht es nicht.
Armut in Deutschland ist deshalb kein individuelles Versagen, sondern sie ist strukturell bedingt.

4️⃣ Die zentrale Frage ist daher nicht, ob wir Armut messen können.
Die Frage die ich mir stelle ist „sind wir bereit, die Ursachen der Armut zu verändern?“

▪️wer arbeitet, muss vor Armut geschützt sein

▪️Care-Arbeit muss sichtbar und wirtschaftlich anerkannt werden

▪️Alleinerziehende brauchen strukturelle Entlastung

▪️Kinderarmut darf es nicht geben 


Quelle: Der Armutsbericht 02.06.2026


hier

Jutta Allmendinger / LinkedIn

Recap: Neugier genügt. WDR 5 über Teilzeit

Wer hinter Teilzeit-Erwerbsarbeit ein Fragezeichen setzt, sollte den Hörerinnen und Hörern dieser Sendung zuhören. Ihre Erfahrungen zeigen, wie vielfältig die Gründe für Teilzeit sind. 

Hier ein Ausschnitt mit meinen Kommentaren.

Bildung: 

Eine junge Frau finanziert eine weitere Ausbildung aus ihrer Teilzeitstelle, weil andere Fördermöglichkeiten fehlen. 

Weiterbildung ist eine Investition in die eigene Zukunft – und in die Zukunft unserer Wirtschaft. Bald wird diese Gruppe noch größer werden. Gerade wird die #BAföG-Reform wieder in Frage gestellt. Für mich ist das unverantwortlich. (Dazu mehr am 1.6. im Gespräch mit Enzo Weber, Nicola Brandt und Dr. Anja Reinalter im Rahmen eines Talks der OECD Development/Bertelsmann Stiftung über die Weiterbildung.)


Elternschaft: 

Ein Ehepaar hat es schwer, zwei Vollzeitstellen mit Kindern und Haushalt zu vereinbaren. Der Vater berichtet, dass er für Elternzeit und Arbeitszeitreduktion in seiner Branche kaum Verständnis fand, schließlich kündigte und nun bei einem anderen Unternehmen in Teilzeit arbeitet. 

Wir wünschen uns mehr Partnerschaftlichkeit in der Familienarbeit. Wenn Väter diese Verantwortung übernehmen, sollten wir sie dafür nicht kritisieren. Und natürlich auch nicht die Mütter, die das Gros der Erziehungsarbeit leisten und durch Stereotype, Minijobs und Ehegattensplittung oft dazu angehalten werden. 


Belastende Berufe: 

Ein Erzieher für psychisch erkrankte Menschen liebt seinen Beruf, hält aber langfristig eine Vollzeit mit Zusatzdiensten nicht durch. Durch den Schichtdienst leiden Gesundheit, Familie und soziale Einbettung. 

Die Frage ist: Was ist nachhaltiger – wenige Jahre bis zur Erschöpfung und Einsamkeit oder ein längeres Erwerbsleben bei reduzierter Arbeitszeit? Man könnte es auch anders fassen: Das, was wir als Vollzeit bezeichnen, sollte am Belastungsgrad der Tätigkeiten ausgerichtet sein. 


Zwei Gruppen sind zu ergänzen:


Pflege: 

Was für die Elternschaft zutrifft, gilt auch für die häusliche Pflege. Werden die Pflegestufen restriktiver vergeben, wird die Teilzeit der Pflegenden zunehmen. Auch das sind überwiegend Frauen. 


Alter:

Bei Menschen zwischen 60 und 67 Jahren liegt die Teilzeitquote auch aufgrund des gestiegenen Rentenzugangsalters bei 45–60 %. Bei Menschen über 67 Jahren noch höher. Früher waren viele nicht erwerbstätig und tauchten in der Statistik nicht auf. Nun kombinieren sie Erwerbsarbeit und Rente, weil sonst das Geld nicht ausreicht oder sie länger beruflich aktiv bleiben möchten. 


Die Sendung zeigt, dass Teilzeit meist keine Frage mangelnder Leistungsbereitschaft ist, sondern von Bildung, Familie, Gesundheit oder längeren Erwerbsbiografien abhängt. Wir sollten mehr über die Lebensrealitäten der Menschen und über Teilzeit als Ausdruck eines nachhaltigen Arbeitslebens sprechen. Und über jene 2,95 Millionen, die arbeitslos sind und eine Erwerbsarbeit benötigen.


https://lnkd.in/dXC-PpCW





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