Dr. Martin Bethke / LinkedIn 4.8.26
Kein Wasser, keine Fracht, kein Wachstum.
Die deutsche Wirtschaftsprognose für 2026 versandet gerade im Rhein.
Der Rhein bei Köln hat nur noch 67 Zentimeter. Das ist der niedrigste Pegel seit Beginn der Aufzeichnungen. Und nicht etwa im Oktober, sondern im Juli. Auf nicht einmal einem Sechstel seines Verlaufs führt der Rhein noch normal Wasser.
❌ Frachtschiffe fahren mit stark reduzierter Ladung und die Frachtraten auf einzelnen Strecken haben sich verdrei- bis vervierfacht.
❌ Besonders betroffen sind davon Stahl, Chemie, Mineralöl, die Grundstoffe am Anfang jeder Wertschöpfungskette
Gleichzeitig erwartet die Bundesregierung für 2026 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Aber schon das Niedrigwasser 2018 kostete nach IfW-Berechnung 0,4 Prozentpunkte Jahreswachstum. Zieht sich die Lage also bis in den Spätherbst wie damals, ist das Wachstumsjahr 2026 rechnerisch erledigt.
Ja, Niedrigwasser gab es immer. Ein trockener Sommer ist kein Klimabeweis. Nur beschreibt die Bundesanstalt für Gewässerkunde exakt diesen Trend: intensivere Niedrigwasserereignisse durch stärkere Verdunstung. Was ein Herbstproblem war, ist ein Sommerproblem geworden.
Und wir führen die Debatte über den Wirtschaftsstandort Deutschland über Steuern, Bürokratie und Strompreise. Alles berechtigt. Aber vor jedem Steuersatz steht die Physik: Ohne stabiles Klima keine planbaren Transportwege, ohne Transportwege keine Lieferketten, ohne Lieferketten keine Produktion.
Ein stabiles Klima ist keine Umweltfrage, es ist eine ökonomische Grundvoraussetzung.
Und wenn ein Kanzler in Bezug auf den Klimaschutz sagt, "Es ist eben nicht so, dass morgen die Welt untergeht", dann hat er sich ernsthaft verrechnet. Denn kein Klimaschutz wird viel teurer werden, als selbst er sich vorstellen kann.
Daniel Mautz / LinkedIn
Der Rhein liefert die Wirtschaftskrise, die man dem Klimaschutz immer angedichtet hat
Die WirtschaftsWoche titelt heute mit einer „existenziellen Bedrohung für die deutsche Wirtschaft". Gemeint sind nicht Windräder, nicht Wärmepumpen, nicht das Verbrenner-Aus.
Gemeint ist der Rhein. 25 Zentimeter Pegel bei Kaub, dem entscheidenden Nadelöhr der Binnenschifffahrt. Der niedrigste Wert seit Beginn der Messungen 1856. Mitten im Juli, Monate bevor die Niedrigwasserphase normalerweise überhaupt beginnt.
Frachtschiffe fahren mit einem Fünftel Beladung. Die Transportkosten explodieren. BASF setzt Niedrigwasserschiffe ein. Evonik prüft Verlagerungen auf Schiene und Straße.
Die DIHK warnt, das ohnehin magere Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent könne komplett wegfallen. 2018 hat ein vergleichbares Niedrigwasser 2,4 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Schaden verursacht und das BIP um 0,4 Prozentpunkte gedrückt. Diesmal sind wir Monate früher dran.
Landwirtschaftliche Dürren in Westeuropa sind heute fünfmal wahrscheinlicher als vor der Industrialisierung. Wer jahrelang jeden Cent für Erneuerbare als Standortgefährdung geframed hat, darf sich jetzt anschauen, was echte Standortgefährdung bedeutet.
Die Klimakatastrophe braucht keine Regulierung, um die Wirtschaft zu beschädigen. Sie macht das ganz allein. 25 Zentimeter Restwasser im wichtigsten Logistikkanal des Landes sind wirksamer als jedes Lieferkettengesetz.
Aber sicher wird auch diesmal jemand erklären, das habe mit dem Klima alles gar nichts zu tun. Hat ja nur jemand den Stöpsel gezogen.
Link: https://lnkd.in/eRDb3n4v
WiWo hier Thomas Kuhn, Nele Antonia Höfler, Clara Thier 31.07.2026 (hinter Bezahlschranke)
Fünf Kernindustrien hängen am Tropf der Wasserstraßen
Der Wasserstand im Rhein zeigt teilweise nicht mal die Hälfte des Normalwerts an. Für die deutsche Wirtschaft wird das zur existenziellen Bedrohung.
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