Wolfgang Ertel <ertelw@gmail.com> Gesendet: Sonntag, 9. August 2026 20:15
Vorlesung zur Einführung in die Nachhaltigkeit
und zwar ab dem 8. Oktober, immer Donnerstags um 16 Uhr
im Raum H002 an der RWU
in Weingarten in der Doggenriedstraße.
Liebe Freunde der Nachhaltigkeit,
in diesem Jahr wurde in Deutschland mit 41,3 und 41,8 Grad schon zwei mal der Allzeit-Hitzerekord gebrochen (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Temperaturrekorde_in_Deutschland).
Bis Kalenderwoche 30 hatten wir in Deutschland 11900 Hitzetote. Das ist deutlich mehr als im gesamten bisher schlimmsten Hitzejahr 2018 mit 9700 Hitzetoten (https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html).
Täglich sehen wir in den Nachrichten schlimme Bilder von den Folgen dieser Hitzewellen. Die Brände in ganz Südeuropa verwüsten die Wälder. Auch in Süddeutschland sehen wir braune Wiesen und Felder. Flüsse und Seen trocknen aus.
Die Schiffahrt auf dem Rhein ist stark eingeschränkt und Politiker machen sich Sorgen um das Bruttosozialprodukt im Jahr 2026, weil viele Firmen nicht mehr mit Rohstoffen beliefert werden können und ihre Waren nicht mehr los werden.
Der Bodenseepegel in Konstanz ist mit 285cm am 6.8.26 auf einem für die Jahreszeit historischen Tiefstand (https://www.hvz.baden-wuerttemberg.de/pegel.html?id=00007).
Das alles sind keine guten Nachrichten, die wir täglich auf allen Kanälen sehen, hören und lesen. Es macht uns Sorgen. Viele Menschen denken über den Kauf von Klimaanlagen nach. Die Politik plant Subventionen für die betroffene Wirtschaft.
Wir sind mitten im Klimawandel angekommen und Privatpersonen, Kommunen, Regierungen kümmern sich jetzt um die dringend notwendige Klimawandelanpassung. Wie bei praktisch allen akuten Problemen reagiert die Politik prompt. Das kann sie ganz gut.
Was ich aber nicht oder viel zu wenig aus den Medien und von der Politik höre, ist die Sorge um unsere Zukunft. Denn was wir gerade erleben, ist nur die Vorspeise. Das Menu hat viele Gänge, die immer heißer werden. Von Jahr zu Jahr wird es noch wärmer werden, wenn wir nicht sofort umsteuern und endlich den Ausstoß von CO2 und Methan beenden. Noch können wir umsteuern und viel schlimmere Szenarien verhindern. Wenn wir aber zu viele Kipppunkte überschreiten, dann wird es zu spät sein. Wir haben noch wenige Jahre für die Kehrtwende.
In solch einer Situation würde ich erwarten, dass unsere Regierung an die Zukunft denkt. Dass der Bundeskanzler in einer Rede zur Lage der Nation auf diese Situation hinweist.
- Dass er zumindest die Bevölkerung zum Wassersparen auffordert.
- Dass er mit seiner Regierung endlich das dafür vorgesehene Geld in den Klimaschutz investiert.
- Dass der CO2-Preis sofort auf 300 Euro pro Tonne und dann langsam weiter bis auf die vom Umweltbundesamt für das Jahr 2026 geforderten 900 Euro pro Tonne angehoben wird, so dass Privatleute und Industrie umsteuern (https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/479/publikationen/methodological_convention_3_2_value_factors_bf.pdf).
- Und natürlich muss dabei auch der soziale Ausgleich bedacht werden. Der Markt wird es dann von alleine regeln. Wir brauchen keine Förderprogramme für erneuerbare Energien mehr.
Leider passiert genau das Gegenteil dessen. Der Kanzler beschäftigt sich mit seinem Personalkarussell. Aber auch das bekommt er nicht hin, denn unter anderem ist die Fossil-Lobbyistin Katharina Reiche immer noch im Amt. Sie sorgt dafür, dass private PV-Anlagen keine Einspeisevergütung und Windkraftanlagen keine Entschädigung bei Abregelung im Sommer erhalten.
Und die Presse, vor allem die Schwäbische Zeitung, unser lokales Monopolblatt, berichtet fleißig jeden Tag über die Hitze. Statt die Politik (kommunal und in Berlin) zum Handeln aufzufordern, gibt sie völlig unkritisch einem gefährlichen Windkraftgegner das Wort.
Am 5.8.26 war in einem Artikel von "Gastautor" Manfred Brugger mit dem Titel "Dürre beginnt über dem Meer" zu lesen, dass die Windräder an der aktuellen Dürre schuld seien. Mit ein paar geschickt platzierten Lügen versucht er, die Wahrheit (nämlich, dass Windräder den Klimawandel verhindern) in das Gegenteil zu verdrehen.
Traurigerweise erteilt die Schwäbische gerade den Windkraftgegnern und Klimawandelleugnern sehr unreflektiert das Wort und berichtet keineswegs neutral. In einer ähnlichen Situation vor fast genau zwei Jahren hat sie dem Professor Ganteför in einem Interview die Bühne geboten für seine teilweise sehr gefährlichen Ideen.
Ich habe dann versucht, mit den Scientists for Future eine Gegendarstellung in der Zeitung zu publizieren. Leider ohne Erfolg. Einen Tag später, am 6.8.26 schreibt die Schwäbische Zeitung, dass eben durch das Streichen der Abregel-Kompensationszahlung für Windräder, diese unwirtschaftlich werden können. Es ist also durchaus möglich, dass der Windpark Altdorfer Wald dadurch unrentabel wird und dann natürlich gar nicht erst gebaut wird.
Hätten wir eine CO2-Steuer, welche die Klimaschäden durch fossile Energien abdeckt, wäre diese Debatte hinfällig. Fossile Brennstoffe wären schon lange nicht mehr konkurrenzfähig. Die Bundesregierung versucht aber mit aller Kraft, den Ausbau der erneuerbaren Energien auszubremsen. Die Erfolgsgeschichte der Erneuerbaren läßt sich nicht mehr aufhalten. Mit dem Fuß auf dem Bremspedal verlieren wir aber wertvolle Zeit, denn wenn die Kipppunkte überschritten sind, dann können wir die Katastrophe nicht mehr verhindern.
Vielleicht versteht Ihr jetzt, dass ich sehr verärgert bin und dass ich auf diesem Wege versuche, die Menschen in Oberschwaben zu erreichen.
Die neueste Idee aus der Politik: Wir baggern einfach den Rhein tiefer aus. Dann können die Schiffe wieder fahren. Das toppt alle anderen Ideen nochmal. Das ist der Gipfel an Unvernunft. Wenn kein Wasser mehr da ist, dann fließt es auch nicht durch einen tieferen Rhein. Dann könnten wir am Bodensee noch eine gigantische Pumpe installieren, damit durch den Rhein genug Wasser fließt. In ein paar Jahren (hoffentlich nach der Wiederwahl der Verantwortlichen) ist der See dann zwar ganz leer, aber bis dahin wächst das BIP noch kräftig weiter ...
Das was gerade passiert in Politik und Presse, lokal und global (ja, es gibt auch Ausnahmen, aber leider zu wenige), hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun. Es ist von Seiten der Presse extrem kurzsichtige reaktive Berichterstattung. Und die Politik reagiert, anstatt im Sinne der Nachhaltigkeit zu planen und zu agieren. Was bei der Aufrüstung funktioniert, nämlich sich mit hunderten Milliarden Euro für Kriege der Zukunft zu rüsten, scheint bei Klima- und Umweltschutz nicht möglich zu sein.
Vielleicht wollt Ihr ja mit mir zusammen im kommenden Winter in Ruhe über diese und ähnliche hochinteressante und spannende Fragen diskutieren. Ich werde nämlich wieder, wie jedes Jahr, meine
Vorlesung zur Einführung in die Nachhaltigkeit halten,
und zwar ab dem 8. Oktober, immer Donnerstags um 16 Uhr
im Raum H002 an der RWU
in Weingarten in der Doggenriedstraße.
Die Vorlesung ist offen für Gasthörer:innen und kostenlos. Bei Interesse, bitte kurze Email an mich.
Bitte verbreitet diese Nachricht weiter und helft mit, dass die Scientists for Future Ravensburg gehört werden, indem Ihr auf Instagram @s4f_ravensburg folgt.
Und wenn Ihr Ideen habt, wie wir unsere Regierung zur Vernunft bringen, bitte melden!
mit nachhaltigen Grüßen
Wolfgang Ertel
ertelw@gmail.com hs-weingarten.de/~ertel s4f-rv.de
https://millions4.earth/m/HIEDIPS3XF?lang=de
Tel: +49-751-553814
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