Mittwoch, 26. August 2026

Ein Wolkenkuckucksheim für Atomiker

Martin Jendrischik

Man fragt sich wirklich mittlerweile, warum veröffentlicht die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Beitrag über eine Studie eines ziemlich unbekannten Vereins, die noch dazu beim kurzen Hinsehen als fachlich unfundiert beschrieben werden muss. 

Konkret: Die Studie wirkt wie ein Wolkenkuckucksheim für Atomiker. 

Die stellen sich tatsächlich eine Welt vor, in der wir große Teile unserer erneuten Energieerzeugung abreißen, keine neuen Erneuerbaren bauen und stattdessen 96 GW Atomkraft hinstellen. 

Man stelle sich das vor: Das sind ungefähr 60 große Reaktoren in einem Land, das gesellschaftlich im Konsens aus der Atomkraft ausgestiegen ist. 60 große Atomkraftwerke sollen dann offensichtlich in 20 Jahren gebaut werden. 

Zum Vergleich: Die Franzosen wollen sechs neue Atomkraftwerke bis 2038 bauen, also in zwölf Jahren.

Ich habe es so beschrieben: Mir kommt es vor, als hätten die auf dem Boden so einen Kinderspielteppich ausgerollt. Am Anfang standen dort überall Windkraftanlagen und Solardächer. Sie schmeißen sie alle auf einen Haufen, und stattdessen setzen sie dort Atomkraftwerke rein. Dieses Zielbild hatten sie im Blick, als sie die Kriterien für die Studie gemacht haben. 

Man merkt das bei Kosten, die sie ansetzen. Man merkt das dabei, wie sie Kosten den Erneuerbaren zuschustern, die aber im Kern mit Elektrifizierung zu tun haben und viel weniger mit zum Beispiel Solardächern. Das als kostenoptimale Lösung zu verkauften, ist schon wirklich abenteuerlich.

Gestern hat die AfD diese Studie aufgegriffen und betont, dass sie ja besondere Relevanz habe, weil sie ja so gut sei. Ich überspitze ein wenig: Es ist nicht im Kopf auszuhalten. In unserem Artikel haben wir übergreifend darüber geschrieben, was der Grund dafür sein könnte, warum es solche Studien derzeit in die Medien schaffen. 

Es ist mal nicht Daniel Wetzel, der das gemacht hat, sondern es ist Christian Geinitz von der FAZ. Das macht es aber auch nur unwesentlich besser. Wir vermuten, die Konservativen sind komplett am Rudern. Sie sind in fossiler Panik und versuchen verzweifelt, neue Narrative zu finden, um in der Klimapolitik wieder sprechfähig zu werden. 

Das könnte auch die Sprachlosigkeit des Friedrich Merz erklären. 

Die Rechtsextremen wiederum, sowohl in Frankreich als auch in Deutschland, erklären dagegen Atomkraft und Klimaanlagen zu Wunderlösungen. Das ist die einzige Aussage, die man von denen zu erwarten hat. 

Link zum Artikel: https://www.cleanthinking.de/ges-studie-wolkenkuckucksheim-atomiker/


Jerome Matthäi LinkedIn

𝗞𝗲𝗶𝗻 𝗪𝗮𝘀𝘀𝗲𝗿. 𝗞𝗲𝗶𝗻 𝗦𝘁𝗿𝗼𝗺.

Was zunächst nach einem Problem für Landwirtschaft oder Schifffahrt klingt, erreicht gerade eine ganz andere Dimension.

In Ungarn kämpft das Atomkraftwerk Paks mit dem historischen Niedrigwasser der Donau.
Die Leistung ist inzwischen massiv eingebrochen. Um eine vollständige Abschaltung zu verhindern, will Ungarn in den Fluss eingreifen: Rund 145.000 Kubikmeter Gestein sollen eine Sohlschwelle bilden und den Wasserstand bei den Kühlwasserpumpen anheben.
Selbst das Versenken zweier rund 80 Meter langer Lastkähne wird als kurzfristige Maßnahme vorbereitet. (AP News)

Klingt drastisch.
Ein Blick einige hundert Kilometer weiter flussabwärts zeigt, warum.
In Rumänien ist einer der beiden Reaktoren des AKW Cernavodă bereits seit Ende Juli abgeschaltet.

Der Grund auch dort: Zu wenig Wasser in der Donau.
Und jetzt wird es ernst.
Wenn der Pegel weiter fällt, könnte morgen auch der zweite und letzte laufende Reaktor vom Netz gehen.

Dann würde Rumänien innerhalb weniger Wochen seine gesamte Kernkraftproduktion verlieren.
Rund ein Fünftel der rumänischen Stromerzeugung hängt normalerweise an diesen beiden Reaktoren. (Reuters)
Und damit wird aus Niedrigwasser plötzlich Versorgungssicherheit.
Nicht irgendwann.
Nicht in irgendeinem Klimamodell.
Jetzt.

Man kann für Atomkraft sein.
Man kann dagegen sein. 
Die interessantere Frage ist gerade eine andere:
Wie belastbar ist unsere Energieversorgung wirklich, wenn die Bedingungen, unter denen wir sie geplant haben, nicht mehr selbstverständlich sind?

Denn Wasserkraft braucht Wasser.
Industrie braucht Wasser.
Schifffahrt braucht Wasser.
Und auch thermische Kraftwerke brauchen Kühlung.

Vielleicht ist Wasser längst nicht mehr
nur ein Umwelt- oder Landwirtschaftsthema.
Vielleicht ist Wasser eine der
kritischsten Infrastrukturen Europas.



Daniel Mautz

1.000-mal teurer als Haushaltsstrom und die Atomindustrie redet über Versorgungssicherheit.

Ein Mikroreaktor in Utah hat erstmals einen KI-Rechner mit Strom versorgt. Zehn Kilowatt elektrische Leistung. Für einen Nvidia-Rechner. Nicht für ein Rechenzentrum, nicht für eine Stadt, nicht für ein Industriegelände. Für einen Rechner auf einem Schreibtisch. Das ist der Stand nach 130 Millionen Dollar Investitionsvolumen.

Eine Überschlagsrechnung ergibt rund 322 Euro pro Kilowattstunde. Der Haushaltsstrom kostet 2026 im deutschen Schnitt 37 Cent. Der Faktor liegt also zwischen 800 und 1.100. Valar Atomics nennt weder Baukosten noch einen Zielpreis pro Kilowattstunde. Aber eine Milliarde Dollar frische Finanzierung gibt es trotzdem.

Nun könnte man sagen, das sei ein früher Prototyp und natürlich teuer. Stimmt. Genau dasselbe galt für Windkraft und Photovoltaik vor zwanzig Jahren. Dort ist die Lernkurve nachgewiesen, die Kosten sind um über 90 Prozent gefallen. Der Strom fließt heute günstig ins Netz.

Die Nuklearlobby erzählt uns, kleine modulare Reaktoren seien die Antwort auf KI-Energiehunger und Klimakatastrophe. Jedes Jahr, das mit Warten auf SMR-Genehmigungen vergeht, ist aber ein Jahr, in dem keine neuen Kapazitäten für erneuerbare Energien gebaut werden.
Versorgungssicherheit als Framing für Technologieoffenheit als Framing für Vertagung.

Zehn Kilowatt. Für einen Rechner. Eine Milliarde Dollar. 2028 vielleicht kommerziell.
Wind und Solar liefern heute.

Link: https://lnkd.in/e25vd-4i

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