Ich muss ganz provokativ fragen: An welcher Stelle kann man bitte erkennen, dass CDU und SPD einen Plan zum Klimaschutz verfolgen? Der Umweltminister, der sich nie durchsetzen kann, nun gut - aber sonst?
Thomas Frey/dpa : Die lagen mal im Wasser: Sportboote im Hafen von Koblenz-Ehrenbreitstein.Christoph Bals / Germanwatch
Lesenswerter Kommentar von Michael Bauchmüller, Süddeutsche Zeitung :
„Was in Deutschland und Europa gerade passiert, wird auch AfD-Wählern nicht entgehen: wenn Autobahnen wegen Waldbränden gesperrt werden. Wenn der Elbpegel bei Magdeburg mittlerweile noch bei 37 Zentimetern liegt. Wenn Maisfelder nicht mehr grün sind, sondern hellbraun. Wenn der Opa nur mit Not Hitzewelle um Hitzewelle übersteht, oder der Hitze gar zum Opfer fällt; wie jene 12 500 Menschen, die nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts bis Anfang August daran starben. Das könnte doch manchem zu denken geben, ob nicht diese „Klimareligion“ vielleicht doch mehr ist als eine Glaubensfrage.
So schlimm diese Tage, so bedrohlich die Zahlen und Bilder auch sind – sie bieten eine Steilvorlage für Union und SPD. Denn wie so oft verheißt die AfD auch beim Klimaschutz eine Rückkehr zur vermeintlich guten alten Zeit, in der die Kohlekraftwerke noch liefen, als gäbe es kein Morgen, und beim Bau neuer Straßen niemand sich wegen Versiegelung sorgen musste. Diese gute alte Zeit zerbröselt gerade vor aller Augen. Für eine Welt, in der steigende Temperaturen die Extreme verschärfen, hat die AfD keine Antwort. Und genau dort kann man sie stellen.“
Sind CDU/CSU und SPD endlich bereit für diese Aufgabe?
Süddeutsche Zeitung hier Kommentar von Michael Bauchmüller 13. August 2026,
Na, liebe AfD, was ist euer Plan gegen Dürre und Fluten?
Mit Erfolg hat die Partei alle Klimapolitik diffamiert – und treibt damit auch Union und SPD vor sich her. Die Folgen der Dürre aber können selbst den Anhängern der AfD kaum verborgen bleiben. Warum nicht mal den Spieß umdrehen?
Wenn sich viele Menschen einig sind, womöglich sogar die riesige Mehrheit der Wissenschaft, dann schlägt die Stunde der AfD. Das war bei der Rettung des Euro schon so, wiederholte sich in der Pandemie, bei der Haltung zu Russland, und es ist natürlich auch beim größten Problem der Menschheit nicht anders, dem Klimawandel.
Die AfD wähnt dahinter eine „Klimarettungsindustrie“, der man „den Geldhahn zudrehen“ müsse. So steht es im Programm der Partei für Sachsen-Anhalt, das auch den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen verlangt. Die „klimareligiöse Verbotskultur“ gehöre abgeschafft.
Gerade beim Klima ist diese Strategie zuletzt aufgegangen. Vom Umweltminister abgesehen, nimmt das Wort „Klimaschutz“ in dieser Regierung niemand in den Mund, der es nicht unbedingt muss.
Mit „Verboten“ wollen Union und SPD auch nicht in Verbindung gebracht werden, lieber schaffen sie welche ab. Der Landwirtschaftsminister von der CSU seufzt, dass er es „nicht regnen lassen kann“, während der neue Verkehrsminister bedauert, das Wetter lasse sich nicht beeinflussen. Wenn es ums Klima geht, macht sich diese Regierung lieber klein – und überlässt das Feld damit der AfD. Was für ein Fehler, was für eine verpasste Chance.
Wenn der Opa an Hitze stirbt, ist das keine Glaubensfrage
Denn was in Deutschland und Europa gerade passiert, wird auch AfD-Wählern nicht entgehen: wenn Autobahnen wegen Waldbränden gesperrt werden. Wenn der Elbpegel bei Magdeburg mittlerweile noch bei 37 Zentimetern liegt. Wenn Maisfelder nicht mehr grün sind, sondern hellbraun. Wenn der Opa nur mit Not Hitzewelle um Hitzewelle übersteht, oder der Hitze gar zum Opfer fällt; wie jene 12 500 Menschen, die nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts bis Anfang August daran starben. Das könnte doch manchem zu denken geben, ob nicht diese „Klimareligion“ vielleicht doch mehr ist als eine pure Glaubensfrage.
So schlimm diese Tage, so bedrohlich die Zahlen und Bilder auch sind – sie bieten eine Steilvorlage für Union und SPD. Denn wie so oft verheißt die AfD auch beim Klimaschutz eine Rückkehr zur vermeintlich guten alten Zeit, in der die Kohlekraftwerke noch liefen, als gäbe es kein Morgen, und beim Bau neuer Straßen niemand sich wegen Versiegelung sorgen musste. Diese gute alte Zeit zerbröselt gerade vor aller Augen. Für eine Welt, in der steigende Temperaturen die Extreme verschärfen, hat die AfD keine Antwort. Und genau dort kann man sie stellen.
Klimaschutz modernisiert das Land
Dazu allerdings müssten die Regierungsparteien sich trauen, beim Klima wieder in die Offensive zu gehen. Statt die Energiewende zu behindern – wie jüngst mit Gesetzesplänen für den Ökostrom –, könnten sie die wachsende Unabhängigkeit von fossilen Importen als Erfolgsgeschichte erzählen, die sie ja auch ist. Statt zu bedauern, dass sich Regen nicht bestellen lässt, könnten sie für einen Landbau werben, der Äcker vor Erosion schützt und mehr Wasser in der Landschaft hält. Statt den Klimaschutz ins Kleingedruckte zu verbannen, könnten sie einen Zahn zulegen und ganz selbstbewusst von einem Programm zur Modernisierung des Landes sprechen. Um nichts weniger geht es schließlich.
Mit diesem Selbstbewusstsein könnten Union und SPD dann die AfD ganz nüchtern fragen, welchen Plan sie eigentlich für ihr schönes Deutschland hat, wenn Dürren und Fluten einander abwechseln und niemand dem mehr entgehen kann. Sie hat nämlich keinen.
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