Montag, 31. August 2026

Der Hitzesommer als Chance! Oder doch lieber ein tödliches Weiterwursteln als Politikversagen?

 Aus dem Nachbarland Österreich, aber auch für uns gültig

"Nichts untergräbt das Vertrauen in die Demokratie stärker
als eine politische Klasse, die nicht bereit ist,
das offensichtlich Notwendige zur
Lösung des drängendsten Problems unserer Zeit zu tun,
und sich stattdessen in
Ausflüchten und Beschwichtigungen ergeht."


Daniel Huppmann @danielhuppmann.bsky.social

Fünf Punkte für nationalen Green Deal (Österreich)

1️⃣ Stop Straßenneubau 🚫 🚘🚧 🚫

2️⃣ Konsequent raus aus Öl und Gas 🔌💨☀️🔋

3️⃣ Abbau klimaschädlicher Subventionen 💶

4️⃣ Renaturierung als Chance für Landwirtschaft 🌱

5️⃣ Konstruktive Rolle in der EU 🇪🇺

Standard hier Franz Essl 29. August 2026,

Der Hitzesommer als Chance! Oder ein Weiterwursteln als Politikversagen?

Es ist klar, was jetzt zu tun ist: fünf Punkte für nationalen Green Deal. So könnte die Politik Glaubwürdigkeit zurückgewinnen und die Welt retten


Eigentlich liegt auf der Hand, was zu tun ist.
Die Parteien müssen sich
aus der Umklammerung von Interessensvertretungen lösen,
die im fossilen Zeitalter steckengeblieben sind.
 


Der Ökologe Franz Essl unterbreitet der Politik eine klare Handlungsanleitung, wie man dem Klimaschutz zum Durchbruch verhelfen könnte.

Hitze, Dürre, der verdorrende Garten, das allenthalben fehlende Wasser, braune Wälder, das sind die Themen, die landauf, landab seit Wochen die Gespräche beherrschen. Egal, ob am Stammtisch, in der Familie oder in den Medien. Dieser Hitze- und Dürresommer schaffte etwas, was keine hundert noch so eindrücklichen Studien schaffen konnten: Die Tatsache, dass Klimapolitik kein Luxus urbaner Bobos oder grüner KernwählerInnen ist, sondern eine Lebensnotwendigkeit, wird auf beklemmende Weise fühl- und sichtbar.

In unserer verunsicherten, sozialmedial oft schlecht oder falsch informierten Gesellschaft breitet sich eine Melange unterschiedlicher Stimmungen aus. Von manchen werden mentale Scheuklappen und beruhigende Weltbilder verteidigt, sei da was wolle, selbst wenn die Fakten vor der eigenen Haustüre unübersehbar sind.


Klimaangst und das beklemmende Gefühl
des Nichts-Tun-Könnens sind
unter der Oberfläche der Gesellschaft allgegenwärtig. 

Das ist eine gefährliche Mischung,
die populistisch ausgebeutet werden kann. 

Angst macht empfänglich für einfache, beruhigende oder ablenkende Antworten.


Aber dieser düstere Hitzesommer ist auch ein Weckruf und eine Chance. Wohl noch nie haben so viele Menschen in Österreich ein Mehr an Klimaschutz eingefordert. Eine Mehrheit der ÖsterreicherInnen sieht Klimaschutz als wichtigstes Thema der Regierung. Das ist der Nährboden, der glaubwürdigem und ernst gemeintem Klimaschutz endlich zum Durchbruch verhelfen kann.

Das braucht es jetzt

Was wären rasche politische Antworten, die einen nationalen Green Deal kennzeichnen würden?

  • Erstens: Keinen neuen Kilometer Autobahn oder Schnellstraßen mehr zu bauen. Nichts kostet mehr Geld, schafft dabei kaum Arbeitsplätze, und betoniert unsere Landschaft noch mehr zu. Das geht sich einfach nicht mehr aus.

  • Zweitens: Konsequent raus aus Öl und Gas als Grundlage der Energiepolitik. Die Zukunft der Wirtschaft ist elektrisch, und dafür müssen Wind und Solar sowie Speicherkapazitäten stark ausgebaut werden. Gute Planung vorausgesetzt, ist das auch möglich. Das schafft Wertschöpfung im Land und senkt den Strompreis, einen der starken Inflationstreiber. Das Beispiel Spanien zeigt es vor: Vor einem Jahrzehnt gehörte Spanien zu den Hochpreisländern bei Strom, durch den starken Ausbau konkurrenzlos billiger nachwachsender Energien ist Strom dort nun viel günstiger als in Österreich.

  • Drittens: Der Abbau umweltschädlicher Förderungen wie steuerbefreites Kerosin, Dieselprivileg, und Pendlerpauschale. Ja, das tut manchmal weh – niemand verzichtet gerne, und soziale Härten müssen abgefedert werden. Aber es ist vermittelbar, dass es widersinnig ist, für die Subventionierung der Erderhitzung jährlich mehr als fünf Milliarden Euro auszugeben.

  • Viertens: Einen nachhaltigen Umgang mit unserer Landschaft. Intakte Landschaften halten das Wasser zurück, und das entscheidet in einem Hitzesommer über die Ernte. Hecken bremsen Wind und Verdunstung und erhöhen die Ernteerträge auf den umliegenden Feldern. Moore und Auen speichern Regenwasser und stabilisieren den Grundwasserspiegel. Das Renaturierungsgesetz ist dafür der ideale Rahmen. Die ÖVP sollte ihren Ärger auf die Grünen, die dieses Gesetz ermöglicht haben, begraben und Renaturierung als Chance für ihr eigenes Kernklientel, die bäuerlichen Betriebe, begreifen. Und entsprechend engagiert umsetzen.

  • Und, fünftens: Österreich muss sein Gewicht in der EU nutzen, um vom Bremser – der es in den vergangenen Jahren oftmals war – zum Verfechter einer europäischen Klima- und Umweltpolitik zu werden. Damit kann sich die EU auch als jene Weltmacht etablieren, die Putin, Trump und Co. eine demokratische und zukunftsfähige Alternative entgegenhält.

Aus der Umklammerung lösen

Das sind plakative wirksame Maßnahmen, die verständlich als eine politische Erzählung, die breite Bevölkerungsschichten anspricht, formuliert werden können. Und die daher Teil eines wirksamen Klimaschutzgesetzes werden müssen. Dafür müssen sich manche Parteien aus der Umklammerung von im fossilen Zeitalter stecken gebliebenen Interessensvertretungen lösen, die die Anliegen der Mehrheit ihrer Mitglieder auch nicht glaubwürdig vertreten

Der von der Spitze der Industriellenvereinigung vertretene Standpunkt einer auf billiger fossiler Energie basierenden Wirtschaft ist Industriepolitik des 19. Jahrhunderts – völlig aus der Zeit gefallen und für die Wirtschaft schädlich.

Bislang ist die Regierung grandios daran gescheitert, den Krisensommer als politische Chance zu begreifen, die die demokratische Mitte neu legitimiert und stärkt.
Im Nichtstun zu verharren ist politisch im Moment einfacher. Aber es ist längerfristig tödlich.
Tödlich für viele Menschen, tödlich für unsere Natur und für Österreich als Wirtschaftsstandort. 

Und es treibt den ein-Sommer-wie-damals-PopulistenInnen die Wählerschaft in die Arme.
Nichts untergräbt das Vertrauen in die Demokratie stärker als eine politische Klasse, die nicht bereit ist, das offensichtlich Notwendige zur Lösung des drängendsten Problems unserer Zeit zu tun, und sich stattdessen in Ausflüchten und Beschwichtigungen ergeht. (Franz Essl, 29.8.2026)

Franz Essl ist Ökologe und Professor am Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind Biodiversität, Artenverlust, biologische Invasionen und die Auswirkungen des globalen Wandels auf Ökosysteme. Essl war Österreichs Wissenschafter des Jahres 2022 und ist Mitglied im Leitungsteam des Österreichischen Biodiversitätsrates.

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