Donnerstag, 13. August 2026

Bade-Warnung am Bodensee. Wie steht es um Europas wichtigsten Trinkwasserspeicher?

 

Daniel Mautz / LinkedIn

Schleimklumpen, Rekordtiefs, tote Saison.
Am Bodensee ist alles ganz normal.


Juli 2026. Grün-braune Schleimklumpen treiben auf dem Wasser in Lindau. Das Gesundheitsamt warnt vor dem Baden, weil Cyanobakterien sich in den überhitzten Flachwasserzonen explosionsartig vermehren. 

Für Hunde ist der Kontakt lebensgefährlich, für Menschen bedeutet er Hautentzündungen und Durchfall. Am Untersee bei Radolfzell kommen Boote nicht mehr zu ihren Liegeplätzen, weil der Pegel so niedrig ist, dass die Rümpfe über den Seegrund schrammen. Für etliche Bootsbesitzer:innen ist die Saison im Juli bereits vorbei.

Der Bodensee. Europas wichtigster Trinkwasserspeicher. Rekordtief. Gleichzeitig mischen sich die Wasserschichten seit Jahren nicht mehr richtig, weil die Winter zu warm sind. Fische geraten unter Stress. Das Ökosystem kippt in Zeitlupe.

Aber keine Sorge. Gleich kommt jemand und erklärt, das sei alles ganz normal. Natürliche Schwankungen. Schon immer so gewesen. Man dürfe jetzt bloß nicht in Panik verfallen. Alarmismus sei kontraproduktiv. Diese Rhetorik funktioniert nicht trotz, sondern wegen ihrer Substanzlosigkeit. Wer die Faktenlage auf Wetterkapriolen reduziert, betreibt keinen Klimaschutz. Er schützt das fossile Geschäftsmodell, das den See aufheizt.

Die Klimakatastrophe schickt keine Vorwarnung mehr. Sie schickt Schleimklumpen, Rekordtiefs und tote Fische. Wer das als Sommerloch-Meldung abtut, hat entweder nichts verstanden oder verdient daran, dass andere es nicht verstehen.


SWR hier  14.7.2026, Gerald Pinkenburg, Florian Peking

Verdacht bestätigt: Blaualgen im Bodensee vor Lindau

Das Gesundheitsamt Lindau rät weiterhin davon ab, im Kleinen See zu baden - wegen Blaualgen. Woanders am See macht die Trockenheit Bootsbesitzern zu schaffen.

Grün-braune Schleimklumpen treiben derzeit auf der Wasseroberfläche des Kleinen Sees in Lindau. Die Auswertung der Gewässerproben hat laut dem Lindauer Gesundheitsamt den Verdacht bestätigt, dass es sich um sogenannte Blaualgen (benthische Cyanobakterien).

Diese würden vor allem bei niedrigem Wasserstand und viel Sonnenlicht auch im Süßwasser wachsen. Ihre Giftstoffe könnten bei Menschen zu Hautreizungen und Durchfall führen. Für Hunde seien Blaualgen sogar lebensgefährlich. Das Gesundheitsamt Lindau empfiehlt deshalb, nicht im Kleinen See zu baden, sondern stattdessen auf offizielle Badestellen wie Strandbäder auszuweichen.

Blaulagen: Entwarnung in Eriskirch

Anzeichen für Blaualgen gab es auch bei Eriskirch im Bodenseekreis. Das Landratsamt hat mittlerweile aber Entwarnung gegeben, denn in den Gewässerproben habe man keine auffällige Menge an Blaualgen feststellen können, so ein Sprecher.

Das Gesundheitsamt Lindau rät davon ab, im Kleinen See zu baden. Auf dem Wasser treiben dort grün-braune Schleimklumpen.

Am Untersee sind es nicht die Algen, die Probleme bereiten. Dort lässt das niedrige Wasser Boote in Radolfzell (Kreis Konstanz) kaum noch ihre Liegeplätze erreichen.

Problem für Bootsbesitzer: Niedrigwasser

Eine Fahrt mit seinem Holzboot war zuletzt nicht möglich, wie Jan Herzog, Vorstandsmitglied im Yachtclub Radolfzell, berichtet. Der Pegel sei so niedrig gewesen, dass das Boot über den Seeboden schrammte. Die Folge: Für etliche Bootsbesitzer ist die Saison schon jetzt zu Ende.

Wassertemperaturen überdurchschnittlich hoch

Hitzesommer trifft Bodensee, Donau, Neckar und Rhein - teils extremes Niedrigwasser

Die Trockenheit sorgt für extrem niedrige Wasserstände in Flüssen und Seen. Und die Wetterprognose für den August liefert wenig Grund zur Hoffnung.

Auch der Eisenbahner Sportverein Radolfzell sucht nach Lösungen. "Wir probieren jetzt natürlich, dass die Boote mit wenig Tiefgang noch ins Wasser kommen", sagt Kai Genter, Vorstandsmitglied des Vereins. Der Blick in die Zukunft bereitet ihm Sorgen. Denn ein Ausgraben des Hafens sei keine Option. "Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder mehr Wasser haben und dass dann alle wieder zufrieden sind", so Genter.

Qualität des Wassers im Bodensee ist gut

Die gute Nachricht: Die Wasserqualität im Bodensee ist - von einzelnen Stellen wie in Lindau abgesehen - aktuell grundsätzlich gut. Gesundheitsämter prüfen alle zwei Wochen, ob Keime oder andere Belastungen im Wasser auftreten, die beim Baden problematisch werden könnten. "Im schlimmsten Fall wird man eine Warnung aussprechen. Und im allerschlimmsten Fall wird für den Moment ein Badeplatz gesperrt - einfach aus prophylaktischen Gründen", berichtet Robert Schwarz, Sprecher des Landratsamts Bodenseekreis. In jüngerer Zeit sei das im Bodenseekreis jedoch nicht nötig gewesen.

Und auch für die Qualität des Trinkwassers sind die Wassertemperatur und der niedrige Pegel nach Angaben des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung kein Problem. In 60 Meter Tiefe, wo das Wasser gefördert werde, sei ausreichend Wasser vorhanden. Und dort würden auch die Bedingungen - eine konstante Temperatur von etwa fünf Grad Celsius - das ganze Jahr über für eine gute Qualität sorgen.

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