Donnerstag, 6. August 2026

Der Andrang auf Ceuta sei ein »Test für die Sicherheit der europäischen Außengrenzen« gewesen

Zeit hier  4. August 2026 Quelle: DIE ZEIT, Reuters, AFP, KNA, als

EU-Innenminister loben Spaniens Umgang mit Ceuta-Krise

Die EU-Innenminister haben Spanien bei ihrem Krisentreffen Unterstützung zugesagt.
Spanien wies Kritik zurück: Es habe keine Geheimdienstinformationen zu Ceuta gegeben.
Die EU-Innenminister haben die spanische Regierung für ihren Umgang mit der Ceuta-Krise gelobt. Die EU stehe geschlossen hinter Spanien und sei bereit, das Land zu unterstützen, sagte der irische Migrationsminister Jim O'Callaghan nach dem Krisentreffen der Minister, das als Videokonferenz stattfand. Sein Land hält momentan den Ratsvorsitz. »Wir würdigen Spaniens rasche Reaktion auf die Lage in Ceuta und sprechen unser tiefstes Beileid für den tragischen Verlust von Menschenleben aus«, sagte O'Callaghan.

Der zuständige EU-Kommissar Magnus Brunner sagte, der Andrang auf Ceuta sei ein »Test für die Sicherheit der europäischen Außengrenzen« gewesen. Europa habe diesen Test »für den Moment definitiv bestanden«. Keiner der Migranten sei von der Exklave Ceuta ans spanische Festland und damit in den Schengenraum gelangt, in dem Menschen ohne Grenzkontrollen reisen könne, sagte Brunner.

Keine Geheimdiensthinweise
Auch Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska sprach von einem konstruktiven Gespräch. Vorangehende Kritik an der spanischen Regierung wies er zurück. Es habe keine Geheimdiensthinweise gegeben, dass so viele Menschen nach Ceuta kommen könnten, sagte Grande-Marlaska. 

In den vergangenen Tagen seien etwa 70.000 von 72.000 Migranten aus Ceuta ausgewiesen worden. Die Zahl der Toten liegt seinen Angaben zufolge bei 75.

Zuvor hatten mehrere Staaten Spanien schwere Vorwürfe gemacht, darunter Italien und Dänemark. Der dänische Migrationsminister Morten Bødskov sagte nach einer Videokonferenz jedoch, sein Land sei »sehr zufrieden« damit, wie Spanien auf den Massenandrang reagiert habe.

EU-Staaten wollen Frühwarnsysteme verbessern

Die 27 Staaten wollen öffentliche Konfrontationen wie in diesem Fall in Zukunft vermeiden. Es brauche künftig eine bessere gemeinsame Vorbereitung, teilten die EU-Innenminister mit. Dies könne beispielsweise durch eine Weiterentwicklung von Frühwarnsystemen erreicht werden, etwa durch das Auswerten sozialer Medien. Hintergrund ist die Aussage von Migranten in Ceuta, sie seien durch Videos und Nachrichten auf Plattformen wie TikTok auf die angeblich offene Grenze aufmerksam geworden.

Die EU-Staaten wollen zudem die Kommunikation verbessern. Die Kommunikation sollte kohärenter sein, vor allem, um schädlichen externen Akteuren entgegenzuwirken, die sich an ausländischer Informationsmanipulation und Einflussnahme beteiligen.


Zeit  hier

Und plötzlich ist sich die EU wieder einig


Die Innenminister der EU-Länder haben sich heute in einer Dringlichkeitssitzung zur Ceuta-Krise beraten. In Zukunft wollen die Mitgliedsstaaten geschlossener auftreten und besser kommunizieren. Durch ein Frühwarnsystem, das auch soziale Medien überwacht, sollen künftige Krisen verhindert werden. 

Vergangene Woche waren laut der spanischen Regierung rund 72.000 Menschen aus Nordafrika in die spanische Exklave Ceuta gekommen. Mindestens 75 Menschen starben dabei. 

Aus verschiedenen EU-Ländern gab es massive Kritik an Spaniens Migrationspolitik, Spanien beschwerte sich über Populismus und Desinformationen. 

Die Migranten befanden sich jedoch weder im Schengenraum noch auf europäischem Festland, inzwischen sind die meisten Menschen nach Marokko zurückgekehrt. Wurden die Wogen im europäischen Streit heute geglättet? Und was passiert nun mit den unbegleiteten Minderjährigen, die noch in Ceuta sind? Das beantwortet ZEIT-Auslandskorrespondentin Johanna Roth.

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