Enorme Emissionssenkung
Größte Sandbatterie der Welt beendet Ölverbrauch
Zusätzliche Einnahmen entstehen durch die Teilnahme an den Reservemärkten des finnischen Netzbetreibers Fingrid. Dort kann die Anlage dazu beitragen, das Stromnetz zu stabilisieren. Die Optimierung übernimmt eine softwaregestützte Lösung des finnischen Telekommunikations- und Digitalunternehmens Elisa. Sie ermittelt, wann sich das Laden und Entladen wirtschaftlich am meisten lohnt.
Biomassekessel bleibt als Reserve
Die Sandbatterie ersetzt in Pornainen nicht sämtliche anderen Wärmeerzeuger. Der vorhandene Biomassekessel bleibt als Reserve erhalten und kann bei besonders hoher Nachfrage einspringen. Dennoch hat sich der Brennstoffverbrauch deutlich verändert: Der Einsatz von Holzhackschnitzeln sank im ersten Betriebsjahr um rund 60 Prozent, Öl wird nach Angaben von Polar Night Energy nicht mehr benötigt.
Die Versorgung wird dadurch nicht nur klimafreundlicher, sondern auch unabhängiger von einzelnen Brennstoffen. Die Investitionsentscheidung war laut Betreiber unter anderem durch die Energiekrise beschleunigt worden. Preissprünge bei Brennstoffen und die Alterung des bisherigen Biomassekraftwerks hatten den Druck erhöht, nach einer flexibleren Lösung zu suchen.
Für das Fernwärmenetz bedeutet die Anlage zudem eine höhere Versorgungssicherheit. Nach Angaben des Betreibers kam es im ersten Jahr zu keiner Unterbrechung der Wärmeversorgung. Die zusätzliche Kapazität ermöglicht es außerdem, weitere Gebäude anzuschließen – darunter eine neue Mehrzweck- und Veranstaltungshalle sowie die renovierte Gesamtschule.Potenzial für Industrie und Energiewende
Das Prinzip ist nicht auf Fernwärme beschränkt. Polar Night Energy sieht Einsatzmöglichkeiten überall dort, wo hohe Temperaturen benötigt werden. Dazu zählen etwa die Lebensmittelindustrie, die Metallverarbeitung oder die Herstellung von Dampf für industrielle Prozesse. Heute werden solche Temperaturen häufig noch mit Erdgas oder Öl erzeugt.
Die Sandbatterie könnte dort erneuerbaren Strom in Prozesswärme umwandeln und fossile Brennstoffe ersetzen. Ein Nachteil bleibt allerdings: Die Anlage liefert in ihrer derzeitigen Form vor allem Wärme. Eine Rückumwandlung der gespeicherten Energie in Strom ist technisch möglich, aber mit zusätzlichen Umwandlungsverlusten verbunden. Polar Night Energy untersucht deshalb gemeinsam mit Partnern, wie sich gespeicherte Wärme künftig auch wieder zur Stromerzeugung nutzen lässt.
Das Projekt zeigt damit vor allem die Bedeutung von Sektorkopplung: Strom aus erneuerbaren Quellen wird nicht nur direkt verbraucht, sondern auch für Wärme genutzt. Gerade in Ländern mit einem hohen Anteil schwankender Wind- und Solarenergie können solche Speicher helfen, Angebot und Nachfrage zeitlich voneinander zu entkoppeln.
Ob sich das Konzept in großem Maßstab durchsetzt, hängt jedoch von den Kosten, den lokalen Wärmenetzen und der Verfügbarkeit günstigen Ökostroms ab. Hinzu kommt, dass die Sandbatterie zwar relativ einfache und langlebige Materialien verwendet, aber nicht für jede Anwendung die passende Lösung ist. Für kurze Stromspeicherung oder den Antrieb von Elektrofahrzeugen bleiben andere Batterietechnologien geeigneter.
Für die finnische Gemeinde Pornainen fällt die Zwischenbilanz dennoch eindeutig aus: Die Sandbatterie hat den Ölverbrauch beendet, den Einsatz von Biomasse verringert und die Emissionen des Fernwärmenetzes um 70 Prozent reduziert. Das Unternehmen will auf diesem Erfolg aufbauen und arbeitet bereits an einer noch größeren Anlage. Aus einem ungewöhnlichen Wärmespeicher könnte damit ein Baustein für klimafreundliche Fernwärme und industrielle Energieversorgung werden.
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